Filmempfehlungen des AM-Kollegiums
| La Strada - Das Lied der Strasse / Italien 1954 Regie: Frederico Fellini / Kamera: Otello Martelli Hauptdarsteller: Anthony Quinn; Giulietta Masina Wer etwas über die Untiefen menschlichen Verhaltens erfahren will, dem sei dieser Film wärmstens empfohlen! Selbst nach dem zwanzigsten Mal - dieser Film wirft mich immer wieder völlig um. Ein herrlich impulsiver und jähzorniger Anthony Quinn und eine unendlich traurige Guilietta Masina. Ich liebe diesen Streifen! |
| Delicatessen / Frankreich 1990 Regie: Jean Pierre Jeunet; Marc Caro / Kamera: Darius Khondji Darsteller: Dominique Pinon als Louison, Jean-Claude Dreyfus als Der Fleischer, Ticky Holgado als Tapioca, Marie-Laure Dougnac als Julie Clapet, Karin Viard als Fräulein Plusse Einer der bizzarrsten und absurdesten Filme, die ich je gesehen habe. Da ich auch einmal eine Zeit lang über einer Metzgerei gewohnt habe, fühlte ich mich in dem Film sofort heimisch. Es ist somit klar, dass mir "der Fleischer" am besten gefallen hat. Ansonsten werden alle üblichen Zwangsneurosen einer durchschnittlichen Mietergemeinschaft beschrieben. Überaus unterhaltsam! |
| SPEED / USA 1994 Regie: Jan de Bont / Kamera: Andrzej Bartkowiak Darsteller: Keanu Reeves, Alan Ruck, Sandra Bullock, Dennis Hopper, Joe Morton, Jeff Daniels Actionkino pur! Dieselbe klassische Nummer: Guter jagt Bösen - einsamer Wolf findet die Liebe seines Lebens. Und trotzdem - kein Film hat bisher so an meinen Nerven gezerrt! Liegt wahrscheinlich daran, dass ich fast ausschließlich öffentliche Verkehrsmittel benutze, Schaut man diesen Film, sitzt man in einer höllischen Achterbahn! Eine fantastische Sandra Bullock mit irren Fahrkünsten und ein herrlich fieser Dennis Hopper. Bitte anschnallen! |
| The Big Lebowski / USA 1998 Regie: Joel Coen / Kamera: Roger Deakins Hauptdarsteller: Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi, David Huddleston von den Coen-Brüdern mit tollen Schauspielern wie Jeff Bridges, John Goodmann, Steve Buscemi, John Turturro. Geniale Bowlingszenen, abgefahrene Traumszenen und nostalgischer Soundtrack mit Dylan und co.... Lachkrämpfe bis zum Bauchschmerz meinte die Bild. Aus der Amazon.de-Redaktion: Nach der straffen Handlung und der skurrilen Intensität von Fargo wirkt dieser lässig-amüsante Nachfolger aus den Händen der produktiven und einfallsreichen Gebrüder Coen (Ethan und Joel) ein wenig wie ein Jux. Trotzdem: The Big Lebowski ist ein echter Coen, und die träge Handlung macht Teil seines coolen Charmes aus. Wie viele Filme können schon einen schmerbäuchigen, kiffenden Loser namens "The Dude" Lebowski (Jeff Bridges) als Helden ihr Eigen nennen, der den Großteil seiner Zeit mit Bowling und Kiffen verbringt? Und wo sonst findet man einen lateinamerikanischen Bowlingspieler (John Turturro) mit Haarnetz und beeindruckendem, lila Schuhwerk, der auf den Namen Jesus hört, oder eine Erotikkünstlerin (Julianne Moore), deren Kreativität darin besteht, dass sie ihren nackten Körper mit Farbe bemalt, an einem Ledergurt durch die Luft fliegt und sich gegen eine Riesenleinwand klatschen lässt? Wer sonst, außer den Coen-Brüdern, käme auf die Idee, Ihnen eine Kameraeinstellung aus den Löchern einer Bowlingkugel zu präsentieren, oder eine kunstvolle Busby-Berkely-mäßige musikalische Traumsequenz mit einer Walküre und riesigen Bowlingkegeln? Die Handlung -- in der Lebowski in eine Entführung gerät, nachdem er mit einem reichen Typen gleichen Namens verwechselt wird -- ist fast nebensächlich. Was hier zählt sind eine stete Flut von urkomischen Dialogen, die hervorragenden Leistungen der Coen-Stammschauspieler John Goodman und Steve Buscemi und die Art filmische Genialität, die die Coens zu einer Klasse für sich macht. Sorgen Sie bei diesem Film rechtzeitig für ausreichend Knabberzeug. |
| The Big Sleep / USA 1946 Regie: Howard Hawks / Kamera: Sidney Hickox Darsteller: Humphrey Bogart, Lauren Bacall, John Ridgely, Martha Vickers, Dorothy Malone Cool, wie Bogart und Bacall da agieren. Aus der Amazon.de-Redaktion: Humphrey Bogart und Lauren Bacall machten mehr als nur einmal gemeinsam Filmgeschichte. Aber nie waren sie so populär, wie in dieser Adaption des Romans von Raymond Chandler aus dem Jahre 1946 (unter der Regie von Howard Hanks -- Haben und Nichthaben, 1944). Bogart spielt den Privatdetektiv Philip Marlow, der von einer reichen Dame der Gesellschaft (Bacall) engagiert wird, die Schwierigkeiten zu untersuchen, in die ihre wilde junge Schwester (Martha Vickers) geraten ist. Der Film mit der legendär-komplizierten Handlung (so kompliziert, dass sogar Chandler Probleme hatte, ihr zu folgen) ist dennoch immens unterhaltsam und stimmungsvoll, ein elektrisierender Sprung in die Exotika des Detektivfilms. Das Drehbuch stammt von William Faulkner. |
| Little Big Man / USA 1970 Regie: Arthur Penn / Kamera: Harry Stradling Jr. Darsteller: Dustin Hoffman, Martin Balsam, Faye Dunaway Lange vor "Der mit dem Wolf tanzt" gab es bereits sehr gute Western, in denen die Indianer würdig und der Geschichte gemäß dargestellt werden. Bereits 1969 drehte Arthur Penn dieses Epos mit einem glänzenden Dustin Hoffman in der Hauptrolle. Der 121jährige Jack Crabb erzählt im Altersheim seine Lebensgeschichte: Als Kind werden seine Eltern bei einem Indianerüberfall getötet. Er selbst wächst bei den Cheyenne, die sich selbst "Menschenwesen" nennen, auf. Er verdient sich den Ehrennamen little big man, denn seine innere Größe ist wichtiger als dass er äußerlich von eher kleiner Gestalt ist. Bei einem Blutbad durch die Kavallerie (nicht dem letzten in diesem Film) wird er wiederum gefangengenommen und lebt nun bei den Weißen. Dieses Wechselspiel wiederholt sich noch zweimal: Mal ist Jack Weißer, dann wieder Indianer. Zuhause wird er allerdings nur wirklich bei den "Menschenwesen" sein. Es wird kein Zweifel daran gelassen, dass die Weißen immer wieder die Verträge mit den Indianern brechen und sich besonders durch Grausamkeit im Kampf auszeichnen, wohingegen die Indianer schlichtweg um das eigene Überleben und das ihrer Kultur kämpfen. Was den mehr als zweistündigen Film darüber hinaus aber so sehenswert und kurzweilig macht ist seine Ironie und der daraus resultierende Humor. So tappt der arme Jack von einem Fettnäpfchen ins nächste, muss sich bei den Indianern mit einem Contra (einer der alles umgekehrt macht, z.B. falsch herum auf dem Pferd sitzt) herumschlagen und später drei Frauen in einer Nacht in seinem Wigwam beglücken. Bei den Weißen trifft er auf eine lüsterne Pfarrersgattin und begegnet General Custer, der sich nicht erst in der Schlacht am Little Big Horn als arroganter Volltrottel erweist. Kurzum, der Film hat für jeden etwas zu bieten und hinterlässt dabei sogar noch einen tiefen Eindruck, der nach dem Sehen lange nachwirkt. So wird man nicht so leicht den alten Cheyenne-Häuptling "Old Lodge Skins" vergessen, den Jack Großvater nennt, der Weisheit verkörpert und die Würde eines einstmals großen Volkes versinnbildlicht. Absolut Sehenswert! Der wahre Wilde Westen. |
| Le Mèpris / Frankreich/Italien/USA 1963 Regie: Jan-Luc Godard / Kamera: Raoul Coutard Musik: Georges Delerue Hauptdarsteller: Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance Ein Film, der in einer leidenschaftlichen Reflexion über den Verrat das Kino selbst zum Thema macht, und dies wie schon Truffaut, aber wesentlich radikaler. Um es mit den Worten von André Bazin zu sagen: Das Kino schafft für unsere Augen eine Welt nach unseren Wünschen. 'Le Mèpris' ist die Geschichte dieser Welt. |
| Banshun (Später Frühling) / Japan 1949 Regie: Yasujiro Ozu / Kamera: Yuharu Atsuta Darsteller: Chishu Ryu, Setsuko Hara, Yumeji Tsukioka, Haruko Sugimura In diesem Film kann man mit großem Staunen erleben, was Ozus Filme so faszinierend für Kameraleute und Regisseure macht: die Einfachheit in der visuellen Kraft seines Werkes. |
| Nouvelle Vague / Schweiz/Frankreich 1990 Regie: Jean-Luc Godard / Kamera: William Lubtchansky, Christophe Pollock, Frank Messmer Darsteller: Alain Delon, Domiziana Giordano, Jacques Dacqmine, Christophe Odent In diesem Film gibt es nicht nur eine Geschichte zu erzählen, sondern viele, miteinander verwobene, gleichzeitig und ungleichzeitig, zu früh, zu spät oder nur einen Augenblick lang. Gegen die Eindeutigkeit der Fiktion setzt Godard die Vielschichtigkeit unserer Wahrnehmung in jedem Moment - aus dem Zustand des modernen Bewußtseins entsteht die zeitgemässe Sprache des neuen Kinos. Nouvelle Vague ist die konsequenteste Utopie des Films, die ich kenne. |
| Die amerikanische Nacht (La nuit américaine) / Frankreich/Italien 1973 Regie: François Truffaut / Kamera: Pierre-William Glenn Hauptdarsteller: Jacqueline Bisset, Valentina Cortese "Die amerikanische Nacht" beginnt mit einer Expositions-Einstellung, wie man sie perfekter kaum machen könnte: François Truffaut setzt den Zuschauer mitten in eine Horde Film-Verrückter und Verliebter, die mit und gegen Schicksalsfügungen einen Spielfilm drehen, deren Regisseur Truffaut selbst spielt. Eine zugleich amüsante und nachdenkliche Liebeserklärung an ein Medium und dessen Beruf(en)e. |
| Die Marx Brothers auf See (Monkey Business) / USA 1931 Regie: Norman Z. McLeod / Kamera: Arthur L. Todd Darsteller: Groucho Marx, Harpo Marx, Chico Marx, Zeppo Marx Diese turbulente Komödie ist "sehtauglich" für eine einsame Insel, weil man sie beliebig oft genießen kann und immer wieder lacht, wenn man die Originale der Zitate sieht, deren Zitate von Komödianten- Generationen immer wieder gerne zitiert werden. Die Szene, in der sich Harpo im Kaspertheater versteckt, dient in unserem Seminar „Text-Ton-Bild-Gestaltung“ regelmäßig zur Anschauung, welchen Effekt man mit einem einfachen cut away bewirken kann. |
| No Direction Home / USA 2005 Regie: Martin Scorsese / Kamera: Mustapha Barat Darsteller: Bob Dylan, B.J. Rolfzen, Dick Kangas, Liam Clancy Ein Dokumentarfilm von Martin Scorsese, dessen Überlänge den Genuss in DVD-Etappen nahe legt, um etwas über Bob Dylan, seinen Aufstieg, die legendären 1960er-Jahre sowie das Verhalten von Medienvertretern, Journalisten und Pubikum zu erfahren. Um den Genuss zu steigern, empfehle ich zuvor die Lektüre von: MARCUS, Greil (2005): Bob Dylans Like a Rolling Stone. Die Biographie eines Songs. Köln: Kiepenheuer & Witsch |
| City Lights / USA 1931 Regie: Charles Chaplin Ein rührendes Melodram von Charly Chaplin aus den Wurzeln der Kinokunst. |
| Hamlet / UdSSR 1964 Regie: Grigoroj Kosinzew Die kongeniale Shakespeare-Verfilmung von Grigoroj Kosinzew. |
| Le Sauvage (Die schönen Wilden) / Frankreich 1975 Regie: Jean-Paul Rappeneau Eine von Jean-Paul Rappeneau spannungsreich konstruierte Handlung in schönen Bilder mit überragenden Schauspielern wie Catherine Deneuve und Yves Montand. |
| Hoří, má panenko (Der Feuerwehrball / Fireman’s Ball) / CSSR 1967 Regie: Miloš Forman / Kamera: Miroslav Ondříček Darsteller: Václav Stöckel, Josef Svĕt, Jan Vostrčil u.a. Die tschechische "Neue Welle" vor dem sowjetischen Einmarsch ist im Westen leider nicht so bekannt wie etwa die innovativen französischen Filme der selben Zeit. Dabei gehören die Filme von Regisseuren wie Jiří Menzel (z.B. Liebe nach Fahrplan/Scharf beobachtete Züge und Heimat, süße Heimat), Vera Chytilová (Tausendschönchen) oder Miloš Forman (Die Liebe einer Blondine) zu den schönsten der Filmgeschichte. Skurriler Humor, Melancholie, Satire und vor allem ein kritischer, schonungsloser, aber dennoch irgendwie liebevoller Blick auf die Menschen und das Menschliche zeichnen sie aus. Im Feuerwehrball kommen ein ausgeplündertes Tombola, eine missglückte Miss-Feuerwehr-Wahl, Komitee-Sitzungen, der Brand eines Bauernhauses und vieles mehr zusammen, um ein wunderbares Chaos zu ergeben. Mit Laiendarstellern gedreht, von der Partei verboten. |
| North by Northwest (Der unsichtbare Dritte) / USA 1959 Regie: Alfed Hitchcock / Kamera: Robert Burks Darsteller: Cary Grant, Eve Marie Saint, James Mason u.a. Hier wie so oft liefert Hitchcock perfektes Hollywood-Entertainment, optimal zur Analyse der klassischen Erzählweise und Filmform, aber auch zum Genießen. Spannung, Ironie und Action, aber auch einen gewissen psychologischen Tiefgang (wer eine deutlichere Dekonstruktion des männlichen Protagonisten sehen will, sollte eher Vertigo, Marnie oder Rear Window anschauen) und gerade in seiner Leichtigkeit eine klassisches Beispiel für Star-Performance bei Cary Grant. |
| Lola / BRD 1981 Regie: Rainer Werner Fassbinder / Kamera: Xaver Schwarzenberger Darsteller: Barbara Sukowa, Armin Müller-Stahl, Mario Adorf, Hark Bohm u.v.a. In und durch die melodramatische Geschichte und auch die pastelfarbene aber extrem präzise Bilder schafft es Lola, die "Mikropolitik der Macht" in den Menschen und Beziehungen zu sezieren und zugleich eine Anamnese des Gesellschaftszustands im Nachkriegsdeutschland zu erheben. Fassbinders - von Brecht, Staub und Huillet sowie Chabrol beeinflusste - Technik der Verfremdung tritt unter dem Einfluss von Sirks Melodramen zurück, scheinbar hinter einer bunten cineastischen Oberfläche und den Schlagern der 50er Jahre versteckt, bleibt aber als Impuls und Motivation auch in einem späten Film wie Lola präsent. Der Film will bewegen, und zugleich zeigt er distanziert die Korruption und Machtspiele im Geschäft und in der Gesellschaft, und auf der subjektiven Ebene auch die Ausbeutung und Ausbeutbarkeit der Gefühle - die Korrumpierbarketi durch Liebe. Dramaturgisch und thematisch viel komplexer als er zunächst erscheint, stilistisch raffiniert aber auch als Gefühlskino konsumierbar, ist Lola so paradox und kann so faszinierend sein wie Fassbinders gesamtes Werk und wohl auch sein kurzes Leben. |
| Citizen Kane / USA 1941 Regie: Orson Wells Ein Stück Material (der Kinderschlitten "Rose Bud") als Lebenssymbol. Die sequenzielle Montage. |
| Panzerkreuzer Potemkin / UdSSR 1925 Regie: Sergej Eisenstein Die ergreifenden, expressionistischen Bilder, die beinahe schockartiken Schnitte, die intellektuelle Montage. |
| High Noon (12 Uhr mittags) / USA 1952 Regie: Fred Zinnemann Der klassische dramaurgische Aufbau: Exposition, Konflikt, Lösung. Ein gutes Beispiel für die Entsprechung von Filmzeit und Realzeit. |
| Kurzbegründung für alle drei Filme identisch: Diese drei Filme waren in ihrem Inhalt und ihrer Bedeutung dem Jahr ihrer Veröffentlichung weit voraus und sind immer noch aktuell. Dadurch erheben sie sich zu Kunstwerken. Bemerkung: Filme bitte immer im Original anschauen! |
| Playtime / Frankreich 1967 Regie: Jacques Tati Darsteller: Jacques Tati, France Rumilly, France Delahalle, Valérie Camille, Rita Maiden, Barbara Dennek |
| 2001 - A Space Odyssey Regie: Stanley Kubrick Darsteller: Keir Dullea, Gary Lockwood |
| Blade Runner Regie: Ridley Scott Darsteller: Harrison Ford, Rutger Hauer |
| Das Leben der Anderen / Deutschland 2005 Regie: Florian Henckel von Donnersmarck Weil mit einer unwirklichen Geschichte die Wirklichkeit erzählt wird. |
| 32 short films about Glenn Gould (32 Variationen über Glenn Gould) / Kanada 1993 Regie: François Girard Weil hier die Entstehung von Musik erlebt und erlitten wird. |
| Ernst Thälmann-Sohn seiner Klasse DEFA Weil der Begriff "Sozialistischer Realismus" in diesem Zweiteiler genau und unvergeßlich vorgeführt wird. |



