10.03.2010
Dokumentarfilm-Tagung
Transformationen des DokumentarischenZur Geschichte des dokumentarischen Films 1945-2005
Die Geschichte des dokumentarischen Films nach 1945 ist in Deutschland geprägt durch eine Reihe markanter Einschnitte und Umbrüche. Während der Kulturfilm der 1950er Jahre durchaus noch personelle und stilistische Kontinuitäten zum Film des „Dritten Reichs“ aufweist, setzt mit den 1960er Jahren eine Aufbruchbewegung ein: technische Neuerungen wie die bewegliche 16mm-Kamera mit synchronem Pilotton ermöglichen neue dokumentarische Formen und Ausdrucksmöglichkeiten. Wegweisende Arbeiten entstehen im Auftrag des Fernsehens. Die einsetzende Politisierung der FilmemacherInnen in der BRD, die in den 1970ern zur Gründung von Videowerkstätten und Medienkooperativen als Form der Gegenöffentlichkeit führt, ist Teil eines grundlegenden gesellschaftspolitischen Wandels. In der DDR reagieren die FilmemacherInnen des DEFA-Dokstudios ebenfalls auf die politischen Verhältnisse. In den 1990er Jahren ist das Privatfernsehen etabliert und verändert die Fernsehlandschaft grundlegend. Die Digitalisierung der Filmproduktion sorgt für ästhetische und ökonomische Wandlungen der dokumentarischen Produktion. Sie ermöglichen letztlich die aktuell zu beobachtende Renaissance des Dokumentarfilms im Kino.
Die Tagung zeichnet solche Transformationsprozesse des dokumentarischen Films nach. FilmemacherInnen und Fernsehredakteure wie Didi Danquart, Elmar Hügler, Sabine Rollberg, Claus Strigel, Joachim Tschirner, Gabriele Voss und Klaus Wildenhahn bewerten die Entwicklungen und reflektieren dabei auch, wie sich das dokumentarische Selbstverständnis verändert hat. Film- und MedienwissenschaftlerInnen diskutieren neue Ansätze der Dokumentarfilmforschung und -geschichtsschreibung. Im produktiven Austausch von theoretischen und produktionspraktischen Zugängen sollen Wege zu einer historischen Poetik der Gattung erschlossen werden, die den Entwicklungen in Ost und West Rechnung trägt.
Mit dieser Tagung stellt sich zugleich das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützte Forschungsprojekt „Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland 1945–2005“ unter der Leitung von Prof. Dr. Ursula von Keitz (Universität Bonn), Prof. Dr. Kerstin Stutterheim (HFF Potsdam) und Dr. Kay Hoffmann (Haus des Dokumentarfilms) vor. Anknüpfend an das erfolgreich abgeschlossene Forschungsprojekt zur deutschen Dokumentarfilmgeschichte 1895–1945 soll die Geschichte dieses Genres bis in die Gegenwart fortgeschrieben werden. Ziel ist die erste Gesamtdarstellung dokumentarischen Filmschaffens nach 1945 in seinen gesellschaftlichen, institutionellen, ökonomischen und technischen Rahmenbedingungen.
Termin: 18. und 19. März 2010
Ort: Treffpunkt Rotebühlplatz, Rotebühlplatz 28, 70173 Stuttgart
Theodor Bäuerle Saal, Info-Tel: 0711/ 18 73 804
Teilnahmegebühr: 50.- €; ermäßigt 30.- €
Anmeldung: uta.ludwig@swr.de
Informationen: www.dokumentarfilmforschung.de
Transformationen des Dokumentarischen
Zur Geschichte des dokumentarischen Films 1945-2005
18/19.3.2010, Treffpunkt Rotebühlplatz Stuttgart
Donnerstag, 18.3.2010
10.00 Uhr Akkreditierung
11.00 Uhr Begrüßung Egon Mayer (Vorsitzender Haus des Dokumentarfilms)
11.15 Uhr Eröffnungsvortrag
Klaus Kreimeier: Was ist das: Filmgeschichte? – Kritische Anmerkungen zu einer Konstruktion
11.45 Uhr Aufbrüche – Filmgeschichte schreiben
Christine Brinckmann: Franz Josef direct.
D.A. Pennebaker in Deutschland
Günter Jordan: Spurwechsel. Neubeginn der DEFA-Dokumentarfilm in den 1960er Jahren
Gabriele Voss: Shoot this, shoot that, and then ...
Moderation: Ursula von Keitz
13.00 Uhr Mittagspause
14.30 Uhr Podiumsdiskussion: Umbrüche praktisch
Werner Dütsch, Anne Richter, Sabine Rollberg, Klaus Wildenhahn
Einführung: Britta Hartmann
Moderation: Fritz Wolf
16.00 Uhr Kaffeepause
16.30 Uhr Neue Forschungsansätze am Beispiel der Wiedervereinigung
Matthias Steinle: BRDDR – das Dispositiv der deutschen Teilung
Hilde Hoffmann: Kurz vor Schluss. Dokumentarische Gedächtnisräume 1989-1990
Eggo Müller: Digitale Wende – Wende Digital
Moderation: Kerstin Stutterheim
18.00 Uhr Programmende
18.30 Uhr Abendessen (Selbstzahler)
Freitag, 19.3.2010
10.00 Uhr Podiumsdiskussion: Politisierung des Dokumentarfilms
Claudia von Alemann, Didi Danquart, Claus Strigel, Joachim Tschirner
Moderation: Kay Hoffmann
11.30 Uhr Entwicklung der Doku-Formate im Fernsehen
Joan Bleicher: Phasen der historischen Entwicklung des Realitätsfernsehens
Rüdiger Steinmetz: Transformationen des Dokumentarischen im DDR-
Fernsehen
Jeanette Eggert: Es ist angerichtet – die Entwicklung der Doku-Soap im deutschen Fernsehen
Moderation: Thomas Weber
13.00 Uhr Mittagspause
14.30 Uhr Neuer Blick auf den „Gebrauchsfilm“
Uta Schwarz: Sorge(n) um den Körper – Gesundheitsfilme in Deutschland nach 1945
Yvonne Zimmermann: Gebrauchsfilm: Neue Perspektiven der Forschung zum dokumentarischen Film
Ramón Reichert: Die visuelle Politik des Dokumentarischen
Moderation: Cornelia Lund
16.00 Uhr Ende der Tagung
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