ADEC

Am 8. Dezember 2010 wurde der Chef des Springer-Medienkonzerns Mathias Döpfner im Branchendienst „kress“ mit den Worten zitiert, dass eine „Renaissance für die Medienbranche“ aufziehen würde und die „depressive Phase“ ein Ende erreicht habe. Tatsächlich versuchen Verlage seit einigen Jahren alternative Geschäftsmodelle zu gestalten und neue Medienmärkte zu erobern, um auf Veränderungen im Rezipientenmarkt zu reagieren.
Nach den Erfahrungen, dass im Internet keine nennenswerten Umsätze durch bezahlte Inhalte generiert werden können und der crossmediale Verkauf weit hinter den Erwartungen zurück bleibt, scheint durch die Entwicklung von Apps und neuen mobilen Endgeräten, wie beispielsweise dem Apple iPad, eine neue Phase angebrochen zu sein.

Denn glaubt man den Zahlen von Axel Springer, so hat das Unternehmen bereits über 500.000 bezahlte Apps an ihre Kunden verkauft. Die Zahl verkaufter Smartphones soll im nächsten Jahr über 10 Millionen Geräte liegen, der Umsatz bei über 2,2 Milliarden Euros. Mit der steigenden Zahl der verkauften Geräte, steigen auch die Umsätze mit Apps. Im kommenden Jahr rechnet man mit 670 Millionen Euro. Rupert Murdoch und Steve Jobs bereiten eine Tageszeitung vor, die ausschließlich auf dem iPad erscheinen soll.

Auch die nicht-periodischen Verlagsangebote verändern sich stark. E-Books scheinen ihren Platz im Medienspektrum zu erkämpfen, entwickeln sich von reinen Text-Bild-Dateien zu „Enhanced E-Books“ mit zusätzlichen Mediendaten, vor allem Audio und Bewegtbild. Apps bieten darüber hinaus weitere Funktionalitäten bis hin zur Vernetzung zwischen verschiedenen Lesern. Auf der Basis der prognostizierten Downloadzahlen bei aktuellem Preisniveau ergibt sich ein Marktpotenzial für deutsche Buchverlage von rund 700 Millionen Euro in 2013 .

Andere Bereiche klassischer Printprodukte, wie die Katalogherstellung oder die Aufbereitung von technischen Dokumentationen, sind nicht minder von diesen technischen Entwicklungen betroffen. Dabei werden auf der technischen Seite die Anforderungen nicht weniger, neben den Angeboten von Apple werden zukünftig auch Android-Produkte oder Microsoft-Lösungen auf den Märkten zu finden sein. Grund genug, um sich in einem Kompetenzzentrum an der Hochschule der Medien mit dieser Thematik zu beschäftigen. Das Kompetenzzentrum befasst sich den Aspekten digitaler Produktformen für mobile Endgeräte (E-Books, Enhanced E-Books, e-mags, Apps etc.) und stellt sich dabei im Besonderen folgende Fragen:

1. Rezeptionsforschung (Wie werden Apps genutzt und gelesen, wie müssen Apps gestaltet sein?)
2. Medieneinsatz – welcher Content stiftet in welcher Darstellungsform welchen Kundennutzen und erzeugt Zahlungsbereitschaft?)
3. Forschung im Bereich Transcoding.
4. Ausgewählte Themen der Informatik (Datenaufbau und –strukturierung, Definition von Schnittstellen, Einsatz von Tools und Werkzeugen auf Basis von XML und medienneutraler Datenstrukturierung, sowie diverser Programmiersprachen.)

Die Aufgaben und Ziele des ADEC sollen Erkenntnisse im Bereich der Klassifikation, Konzeption sowie Gestaltung und Herstellung von Apps auf Apple oder Android-Systemen sein. Dazu soll experimentell gestaltet, Konzeptionen erstellt und anschließend durch wissenschaftliche Methoden untersucht und bewertet werden.

Ansprechpartner:
Prof. Christof Seeger
Raum: 331, Hörsaalbau (Standort Nobelstraße 10)
Telefon: 0711 8923 - 2143
Telefax: 0711 8923 - 2184
E-Mail: seeger@hdm-stuttgart.de