Forschungsschwerpunkt Medienethik

Medienethische Fragen gewinnen in unserer komplexen Kommunikationsgesellschaft zunehmend an Bedeutung. Sich diesen Fragen zu stellen setzt voraus, dass unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt werden, Bereitschaft zum Dialog besteht und ein kritischer Reflexionsprozess einsetzt.
Medienethische Probleme lassen sich auf unterschiedlichen Ebenen, die nicht trennscharf zu denken sind, erkennen: auf der Ebene des Systems, der Akteure, der Medienprodukte und der Rezipienten. Medienethik - verstanden als Reflexionstheorie der Moral - heißt u. a., die Funktion der Medien für die Gemeinschaft und Gesellschaft in moralischer Sicht semantisch und handlungslogisch zu verstehen. Medienethik muss somit auch die rechtlichen, politischen und ökonomischen Ordnungen in der Reflexion mit einbeziehen. Das heißt, Medienethik beobachtet unsere Mediengesellschaft und muss sich selbst Fragen nach dem Sinn und dem Zweck dieser Beobachtung stellen.

Die interaktiven Informationstechnologien, die sich seit der Entstehung des Internet entwickelt haben, verursachen eine rasche und grundlegende Veränderung der klassischen Massenmedien sowie neue soziale und ethische Fragestellungen. Das bedeutet zum einen ein neues Selbstverständnis der Rolle der Massenmedien im 21. Jahrhundert (Stichwort: Medienkonvergenz) sowie, zum anderen, eine Weiterentwicklung und Veränderung der digitalen Weltvernetzung (Stichworte: Robotik, 'pervasive computing').
Hier spielen auf globaler Ebene vor allem Fragen der Aufhebung der sog. digitalen Spaltung ('digital divide') in Zusammenhang mit den vom Weltinformationsgipfel (World Summit on the Information Society) beschlossenen Massnahmen.

Dementsprechend stehen Fragen über Informationsmythen und die Kommerzialisierung des Netzes ein Forschungsschwerpunkt in Kooperation mit Partnern aus der Dritten Welt, mit Schwerpunkt Afrika und Lateinamerika. Ein weiterer Schwerpunkt ist die jährliche Verleihung des META Award im Rahmen des Symposiums Medienethik. Diese Auszeichnung für wertorientierte, ethische Berichterstattung in den Medien wird von Studenten an Journalisten verliehen auf der Grundlage eines dafür Qualitätskataloges ("MediaCharta"). Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt in Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Informationsgesellschaft stellt der Bereich der Robotik dar. Die HdM beteiligt sich am EU Projekt ETHICBOTS (Ethik und Robotik) (2005-2007) (http://www.cibernetica.unina.it/ETHICBOTS/)

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Rafael Capurro

Prof. Dr. Petra Grimm
Raum: 225, Hörsaalbau (Standort Nobelstraße 10)
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