Service Petite Enfance - Frankreich

Service Petite Enfance

Die Überzeugung, dass mit der Betrachtung von qualitätsvollen Bilderbüchern die Lust an Buchstaben und dem Lesen folgt und so auch soziale Barrieren überwunden werden können, hat auch in Frankreich seit Beginn der 90iger Jahre zu vielfältigen Früherziehungsprogrammen mit Literatur geführt. Vor allem die Psychologin Marie Bonnafé hat hier den Weg durch Theorie und Praxis bereitet. So gründete sie etwa den Verein ACCES mit (Action Culturelles Contre les Exclusions et les Segregations) und propagierte in Seminaren und Veröffentlichungen die Wichtigkeit der oralen Vermittlung von Literatur zur sprachlichen und kulturellen Erziehung von Kindern.
Die Zusammenarbeit mit Biblio- bzw. Médiatheken wurde naturgemäß zu einem wesentlichen Pfeiler dieser Arbeit.

Da es im Vergleich zu Deutschland in Frankreich selbstverständlich ist, daß Frauen nach der Geburt ihrer Kinder wieder arbeiten gehen, gibt es flächendeckend geförderte Einrichtung zur Kleinkindbetreuung. Krippen und verschiedene "Tagesmütter"-Modelle sind für die Allerkleinsten da, ab 2 Jahren wird in der Regel die "école maternelle" besucht. Schon der Name "école" macht im Vergleich zum deutschen "Kindergarten" deutlich, daß Frankreichs Eltern frühzeitig Förderung erwarten, nicht nur im emotionalen und sozialen, sondern auch im kognitiven Bereich. Deshalb sind die Institutionen und Erzieherinnen auch die Hauptansprechpartner für den "Service Petite Enfance".

Bebebus

Im Department Seine et Marne fährt seit nunmehr 10 Jahren der rosarote "bébébus" die Institutionen an.

Blockausleihe, thematische Medienkoffer und fachkompetente Unterweisung von Bibliothekarinnen sind selbstverständlich. Vor allem die auf Bezirksebene wirkenden "bibliothèques départementales" sind sehr aktiv.

Bibliothek dans la rue

Eine weitere interessante Entwicklung ist in Deutschland unbekannt. Durch das von der Regierung Jospin aufgelegte Programm für junge Arbeitslose wurde die praxisbezogene Ausbildung zum "médiateur du livre" möglich. Diese Mittler suchen soziale Einrichtungen, aber auch Spielplätze auf. Mit ihrem gefüllten Medienkoffer versuchen sie in diesen sogenannten "bibliothèques dans la rue" Kinder und ihre Bezugspersonen in ihrem gewohnten Umfeld für Geschichten und Literatur zu animieren. Die Qualität dieser Arbeit hängt sehr von der Kooperationsbereitschaft der verschiedenen Projektpartner, der Ausbildung der Begeisterungsfähigkeit der jungen Vermittler ab.

Liebevolle Ausstattung

In den Standortbibliotheken fällt auf, dass der für Kleinkinder gedachte Bereich "espace bébé" oft besonders liebevoll mit Teppichen und bespielbaren Materialien ausgestattet ist. Fast jede Kinderbibliothek hat darüber hinaus einen eigenen Vorlese- bzw. Aktionsraum ("salle de conte"), der häufig als Amphietheater, aber auch als Höhle, Haus oder Schloß gestaltet ist. Die neuen Bibliotheken in Frankreich sind in ihrer Möbilierung auch sehr viel individueller gehalten als hierzulande. Ein Beispiel ist ein aktuelles Projekt in der "Médiathèque Départementale de l'Esson, die im März anläßlich eines Monats für die "Tout petits" begehbare Bilderbücher-Skulpturen ausgestellt haben. Die 2 mal 2 Meter großen Kästen sind innen als Ort des wohligen Aufenthalts mit Kissen und Teppichen ausgelegt, außen mit Reliefs versehen, die Motive von bekannten Bilderbüchern zeigen und an denen viel ertastet und wie bei Pop ups gezogen und gedreht werden kann. Die taktile und visuelle Wahrnehmung soll somit gefördert werden.

 

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