"Die langen Nächte in denen
ich schreiben werde ..."

Widerstand und Visionen zur Zeit des Nationalsozialismus in Liedern, Bildern und Erinnerungen von Jugendlichen und Erwachsenen

Ansprechpartner:
Susanne Brandt
Gemeindebücherei Westoverledingen
Bahnhofstr. 18
26810 Westoverledingen

04955/933-199

susanne.brandt@westoverledingen.de

lange_nacht1.ipg
Zielgruppe: Jugendliche ab 6. Klasse

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Grundidee

Das Medienangebot speziell zum Thema "Holocaust" und "Nationalsozialismus" für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ist durch immer wieder neu erarbeitete Auswahllisten, Vermittlungsvorschläge und Buchausstellungen gerade auch für Büchereien inzwischen gut erschlossen.
Da das Thema meistens in der 6. und später noch mal in der 10.Klasse fest zum Lehrplan der Schulen gehört, hier mitunter fächerübergreifend in Geschichte, Deutsch und Religion behandelt wird und an Gedenktagen oder im Rahmen von Projekten oft noch mal besonders ins Blickfeld der Schulen rückt, sind auch Büchereien immer wieder gefordert, die Vermittlung mit altersgerechten Medienangeboten, Beratung und evtl. ergänzenden Veranstaltungen zu unterstützen.

Die Gemeindebücherei Westoverledingen präsentierte im Mai 2002, zeitgleich mit der Behandlung des Themas in der Orientierungsstufe (Klasse 6), die Buchausstellung "Der Alltag jüdischer Kinder während des Holocaust" (s.u.) und verband dies mit einem Veranstaltungsangebot, das den Jugendlichen speziell die Bedeutung von Literatur, Kunst und Musik besonders im Leben etwa gleichaltriger Jungen und Mädchen dieser Zeit vermitteln sollte.
Der Weg, Zeitgeschichte nicht anonym über Zahlen, Daten und Fakten darzustellen, sondern am Beispiel von Gleichaltrigen und Erwachsenen, deren künstlerische Ausdrucksformen und Lebenszeugnisse uns gerade über verschiedene Bibliotheksmedien - Bücher, Tonträger und CD-ROMs - bis heute mit besonderer Eindringlichkeit erreichen, erwies sich für diese Zielgruppe als sehr geeignet.


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Themen

  1. Beispielquellen zum Thema "Holocaust" und "Nationalsozialismus" für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
  2. Medien, die sich besonders zur Präsentation bei einer Veranstaltung für Jugendliche eignen (Auswahl)
  3. Praktische Ansätze für die Vermittlung von ausgewählten thematischen Aspekten durch Musik/Literatur/Kunst
  4. Überlegungen
    • Warum gerade Musik/Literatur/Kunst als Schwerpunkt bei Jugendlichen? Und warum dies gerade in der Bücherei?
    • Wie kann die Arbeit mit den Medien im Rahmen einer Veranstaltung für Jugendliche praktisch aussehen?

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Inhalt

  1. Beispielquellen zum Thema "Holocaust" und "Nationalsozialismus" für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
    • Der Alltag jüdischer Kinder während des Holocaust. Auswahlverzeichnis und Wanderausstellung der Büchereizentrale Lüneburg, Lüner Weg 20, 21337 Lüneburg, Tel.04131/95010, Email: info@bz-lueneburg.de
    • www.holocaustliteratur.de
    • Porzler, Irina / Vogt, Jochen: "Kinder des Holocaust sprechen...Eine Auswahlliste". In: Der Deutschunterricht, H.4/1997, S.70-75
    • "Gestern & heute. Ausflug in die Geschichte". Schwerpunktthema in: Bulletin Jugend & Literatur H.1/2002, S.11 ff.
    • Die Erinnerung darf nicht enden. Texte und Unterrichtsvorschläge zum Gedenktag 27.Januar. Bausteine, LpB (Hrsg.), 1997
    • www.bpb-aktiv.de
    • Die Darstellung des Holocaust in der Kinder- und Jugendliteratur. Beiträge Jugendliteratur und Medien, 10. Beiheft 1999
    • Von Anne Frank bis Zivilcourage. Taschenbücher für Jugendliche zum Thema NS-Zeit, Rassisimus, Widerstand. Ein Auswahlverzeichnis der Gemeindebüchereien in Westoverledingen (besonders auch als Empfehlungsliste für Klassenlektüre in Schulen)
    • "Holocaust als Thema für Grundschulkinder?" (u.a. Bericht über einen ausleihbaren Lesekoffer des Fritz Bauer Instituts). In: Newsletter, Information des Fritz Bauer Instituts Nr.22 Frühjahr 2002 S.16ff. www.fritz-bauer-institut.de

  2. Medien, die sich besonders zur Präsentation bei einer Veranstaltung für Jugendliche eignen (Auswahl)
    • CDs:
      Kahan, Bente: Stimmen aus Theresienstadt
      (Lieder mit Texten der Krankenschwester Ilse Weber), Pläne Verl., 1997
      Krasa, Hans: Brundibar. Kinderoper aus Theresienstadt, CC 1992
      Zupfgeigenhansel: Jiddische Lieder, Pläne Verl. 1979
      (enth. u.a. Lieder des jugendlichen Partisanen Hirsch Glik)
      Das Lied der Moorsoldaten. Bearbeitungen, Nutzungen, Nachwirkungen. Doppel-CD mit ausführlichem Begleitbuch. DIZ Emslandlager, Papenburg 2002
      (An der Geschichte des wohl frühsten KZ-Liedes und dessen weltweiter Verbreitung bis hinein in die heutige Rockmusik läßt sich exemplarisch die Bedeutung von Liedern in Zeiten der Verfolgung und Unterdrückung darstellen und diskutieren.)
    • Bücher:
      Weissova, Helga: Zeichne, was du siehst. Göttingen, 1998
      (ein Mädchen malt ihre Eindrücke in Theresienstadt)
      Meerbaum-Eisinger, Selma: Ich bin in Sehnsucht eingehüllt. Gedichte. Frankfurt, 1984
      (Gedichte einer 15-Jährigen angesichts der drohenden Deportation)
      Dick, Lutz van: Der Partisan. Das kurze Leben des Hirsch Glik. Reinbek, 1993
      (über das Leben eines jugendlichen Widerstandskämpfers und Liederschreibers im Ghetto)
      für jüngere Jugendliche: Asscher-Pinkhof: Sternkinder. Hamburg, 1998
      (in kurzen Kapiteln werden die Stationen von Verfolgung und Deportation am Beispiel einer jüdischen Familie deutlich)
      für ältere Jugendliche evtl. auch: Rost, Nico: Goethe in Dachau (zu Literatur im Lager) / Brecht, Bertolt: Furcht und Elend des Dritten Reiches (kurze Episoden; u.a. zu den "Moorsoldaten")
    • CD-ROMs:
      Anne Frank Haus. München, 2000
      (multimediale Erkundung des Hauses in Amsterdam und seiner Geschichte)
      Erinnern für Gegenwart und Zukunft, Berlin, 2000
      (Persönliche Erlebnisberichte jüdischer Überlebender des Holocaust)

  3. Praktische Ansätze für die Vermittlung von ausgewählten thematischen Aspekten durch Musik/Literatur/Kunst
    • "Kulturelle Ausdrucksformen von Kindern und Jugendlichen in Theresienstadt"
      (Bilder von Helga Weissova auf Folie zeigen / Lieder von Ilse Weber oder aus der Kinderoper Brundibar vorspielen / Grundwissen über Theresienstadt vermitteln / über persönliche Mal- oder Musikerfahrungen ins Gespräch kommen).
      Die Bücher und Beihefte liefern zu allem ein gutes Maß an Hintergrundwissen!
    • "Was und warum schreiben/lesen, wenn's einem schlecht geht?"
      (über Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger sprechen / evtl. Vergleiche ziehen hin zum Tagebuch der Anne Frank, dazu ggf. CD-ROM / Unterschiede zwischen den Gedichten eines Mädchens und den Gedichten eines Jungen - am Beispiel der Lieder von Hirsch Glik - entdecken / mit Älteren vielleicht auch: Bedeutung von Bibliotheken in KZ's und Ghettos)
    • "Form und Funktion von Musik unter dem Eindruck von Verfolgung, Unterdrückung und Widerstand"
      (verschiedene Beispiele von CD's erläutern / Leben und Widerstandslieder von Hirsch Glik mit Buch und CD darstellen / das "Moorsoldatenlied - von der Entstehungssituation damals im KZ bis hin zu seinem Auftauchen in der Punk-Musik heute)
    • "Bilder im Kopf und vor Augen - und wie diese in Kunst, Musik, Gedichten ihren Ausdruck finden"
      (Bilder, Gedichte und Lieder aus verschiedenen Quellen im Vergleich - was verraten sie über die Menschen und deren Lebenssituation? Welche Erfahrungen machen wir selber mit "Bildern im Kopf" und dem Bedürfnis, diese zum Ausdruck zu bringen? Welche Medien sind dafür geeignet?)

  4. Überlegungen
  5. Warum gerade Musik/Literatur/Kunst als Schwerpunkt bei Jugendlichen? Und warum dies gerade in der Bücherei?

    Viele Jugendliche und Erwachsene denken bei dieser Thematik vor allem an Adolf Hitler, Gaskammern, Leichenberge sowie unvorstellbare Zahlen und Daten von Ermordeten.
    Die Fakten sind bedrückend, das Entsetzen kann lähmen, Abwehr auslösen, vor allem aber Verunsicherung - gerade bei Jugendlichen. Wie und warum noch trauern über fast 70 Jahre zurückliegenden Ereignisse, zu denen keinerlei persönliche und lebendige Beziehung mehr besteht? Was nützen und bewirken abverlangte "Betroffenheitsrituale"?
    Die vorgeschlagenen Medien sind Wegweiser für einen anderen Zugang. Sie setzen nicht in erster Linie auf Trauer und Erschrecken, sondern auf Achtung, Staunen und ein Bewusstsein für die Würde und Widerstandskraft im Leben von (jungen) Menschen - damals wie heute.
    Die Zeugnisse künstlerischer Ausdrucksformen - Gedichte, Lieder, Bilder - und die Erinnerungen an Einzelschicksale, die uns durch Medien erhalten geblieben sind, führen das besonders eindrücklich vor Augen: Die Menschen - und darunter auch Jugendliche, deren "ganz normale" Sehnsüchte und Gefühle denen von Jugendlichen heute gar nicht so unähnlich sind - wurden nicht nur erniedrigt, vertrieben, ermordet. Sie gewannen in Zeiten größter Bedrängnis ebenso an Mut, Würde und Widerstandsgeist. Und je mehr sie äußerlich an Freiheit und Lebensmöglichkeiten verloren, desto mehr wuchs in ihnen vielfach das Bewusstsein für eine unverlierbare innere Freiheit, für die Möglichkeiten, mit Poesie, Musik und Kunst zumindest die Seele vor Zerstörung zu schützen....Nicht zufällig war in diesen Jahren das Volkslied "Die Gedanken sind frei" unter Gefangenen weit verbreitet. Damit soll die zweifellos erschreckende Realität ihrer Lebenssituation keineswegs verharmlost werden. Vielmehr gilt es, die Unterdrückung dieser Menschen nicht durch ein falsch verstandenes Gedenken zu manifestieren und ihre ganze Persönlichkeit allein auf das grausame Ende zu reduzieren. Auch Staunen, Freude, Achtung und Anerkennung sind erlaubt, wenn man der Poesie ihrer Gedanken und Gedichte, der Farben ihrer Bilder und der Schönheit ihrer Musik nachspürt.
    Genau in diesem Sinne kann der Einsatz der vorgeschlagenen Medien die Jugendlichen anders berühren und neue Impulse für Gespräch und Auseinandersetzung liefern.

    Und last but not least: Wenn es darum geht, den Jugendlichen zu verdeutlichen, welche Kraft und Freiheit Menschen (und gerade auch Jugendlichen) selbst in ausweglos scheinenden Situationen aus dem Schreiben und Lesen für sich und andere schöpfen können, wie Kreativität und die Pflege von gewaltfreien Kommunikations- und Ausdrucksformen mit Menschenwürde zusammenhängen und welche wichtige Rolle Medien als Übermittler in einer so verstandenen Erinnerungskultur spielen - dann ist die Frage "Warum gerade in der Bücherei?" schon beantwortet.


    Wie kann die Arbeit mit den Medien im Rahmen einer Veranstaltung für Jugendliche praktisch aussehen?

    Grundsätzlich gilt: Eine intensive persönliche Vorbereitung ist unerlässlich! Es reicht nicht, den Jugendlichen im Wechsel einige ausgewählte Passagen aus den Büchern vorzulesen und im Wechsel dazu einige Musikstücke vorzuspielen. An erster Stelle steht das eigene tiefe Vertrautwerden mit den Medien und der Thematik. Eine glaubwürdige und überzeugende Vermittlung gelingt erst dann, wenn man sich bereit und in der Lage fühlt, frei und mit persönlichem Engagement von dem eigenen Hör- oder Leseerlebnis zu erzählen und dies dann vielleicht durch entsprechende Text- und Tonbeispiele belegt.
    Dabei empfiehlt sich die Beschränkung auf ausgewählte Aspekte, zu denen die Schilderungen und Gespräche dann um so intensiver sein können.
    Ansatzpunkte hierfür s.o. unter "Praktische Ansätze für die Vermittlung von ausgewählten thematischen Aspekten durch Musik/Literatur/Kunst".

    Gewiss lassen sich bei der eigenen Auseinandersetzung mit der Thematik auch noch viele weitere Ansatzpunkte entdecken. Anstelle einer genaueren Vorgabe und Ablaufbeschreibung kann hier nur die Ermutigung stehen, auf die Überzeugungskraft des persönlichen Engagements zu vertrauen, das mit dem selbst gewählten Stil und Themenschwerpunkt der Veranstaltung zum Ausdruck kommt.