Indianer Nordamerikas. Die Kunst zu überleben"

Aus den Projektberichten. Zusammengestellt von Prof. S.Krüger

Die Sonderausstellung des Linden-Museums Stuttgart (Staatliches Museum für Völkerkunde) von Bildern zeitgenössischer indianischer Künstler war Impuls für ein Seminar an der Hochschule für Bibliotheks- und Informationswesen (HBI) Stuttgart. 

Kooperationspartner waren dabei die HBI, das Lindenmuseum, die Stadtteilbibliotheken Stuttgart-Zuffenhausen und -Ost, die Hohensteinschule und die Fuchsrainschule. 

Die medienpädagische Veranstaltung für Jugendliche
- in der Bibliothek
- im Museum
Projektbericht
Die medienpädagogische Veranstaltung für Kinder
- im Museum
- zur Figur des Kokopelli
- in der Bibliothek

Für die Jugendlichen wurde das Programm "Auf den Spuren von Pocahontas - wie die Indianerinnen wirklich lebten" entwickelt. 

Die medienpädagogische Veranstaltung mit Jugendlichen in der Bibliothek:

Es wurden fünf Filmausschnitte aus dem Walt-Disney-Zeichentrickfilm "Pocahontas" mit den Themen Heldenehrung, Geisterbeschwörung, Maisanbau, Umgang mit Feinden gezeigt. Nach jedem Ausschnitt wurde mit den Schülern das Gesehene besprochen. Dabei konnten die Fehler der klischeehaften filmischen Darstellung korrigiert werden. 

Der Schmuck der Pocahontas war Vorlage für die Herstellung von Halsketten. Im Hintergrund lief aktuelle indianische Musik. Außerdem erzählte eine Studentin in zielgruppengerechter Sprache die "wahre" Geschichte der Pocahontas. 
 

Die Veranstaltung im Museum:

Im Rundgang durch die Ausstellung wurden einige Gemälde genauer erklärt, die den Zusammenhang zwischem modernem Leben und alten Traditionen der Indianer veranschaulichten, z.B. "Stardancer" von Harry Fonseca. Es ging darum, die Bildsprache zu "übersetzen":

Der Koyote ist eine Gestalt oder Symbolfigur, die in vielen Indianervölkern eine Rolle spielt. Er ist ein Trickster, der sich auf trickreiche Art und Weise durchs Leben schlägt und durch seine Schläue überlebt. Er ist eine zwiespältige Gestalt, die trotz ihrer schöpferischen Kräfte auch Fehler macht, anderen Streiche spielt und selbst hereingelegt wird. Der Künstler stellt den Koyoten als eine Art Comicfigur mit modischen Insignien dar – ein Bild, das über die gegenwärtige Lebensweise des Indianers erzählt.

Die Schüler sammelten in der Ausstellung Eindrücke, die sie mit den vorbereiteten Materialien umsetzen.


Und wie ist es gelaufen?

die Reihenfolge der Veranstaltungen erwies sich als geglückt sowohl inhaltlich:

-> Pocahontas als Einstieg, um in das Thema Indianerinnen einzuführen

-> bewußt den populären Einstieg vom Bekannten ins Spezielle gewählt

als auch organisatorisch:

-> vom bekannten Ort "Bibliothek" (im eignen Stadtteil) zum unbekannteren / fremden Ort "Museum".

Obwohl das Konzept auf Mädchen ausgerichtet war, hatten sich überraschenderweise Jungs gemeldet, die sich auf das Thema einlassen konnten,interessiert waren und mitgemacht haben.

Während beider Veranstaltungen bestand ein guter Kontakt zwischen den Schülern und den Studentinnen.

Die Hohensteinschule wurde als Brennpunktschule beschrieben, was zu Unsicherheiten bei den Studentinnen führte

-> die Gruppe war aber interessiert, konzentriert und motiviert und es kam zu keinerlei Störungen

Die Studentinnen beteiligten sich bei den praktischen Aktionen und schufen somit eine ganzheitliche Gruppenatmosphäre. Die anfänglichen Befürchtungen, das Thema nicht kompetent vermitteln zu können, erwiesen sich durch die gründliche Beschäftigung mit der Materie als unbegründet.

Probleme:

- es wurde ein gewisser Kenntnisstand zum Thema Indianer vorausgesetzt. Es waren jedoch nur geringe bis keine Kenntnisse vorhanden. Dadurch mußte mehr erläutert werden, als geplant war. Zudem bemühten die Studentinnen sich mit unterschiedlichem Erfolg, sich dem Sprachniveau der Schüler anzupassen.
 

Die medienpädagogische Veranstaltung mit Kindern

Für die Zielgruppe Kinder wurde ein noch mehr handlungsorientiertes Konzept ausgearbeitet, weniger kognitive Wissensvermittlung als Erleben von Geschichten, Tanz und Spiel, die Motive aus der Kultur und dem Alltagsleben der indianischen Völker veranschaulichen sollten. In der Stadtteilbibliothek Ost wurden die im Museum vermittelten Kenntnisse über eine Medienralleye spielerisch wiederholt und "abgerufen".
 


Die Darstellung des Kokopelli

Kokopelli ist eine mythische Figur der Indianer, die vom Südwesten Nordamerikas bis nach Peru bei verschiedenen Stämmen bekannt ist.

Die Darstellung des Kokopelli ist als Felszeichnung in alten Indianerbehausungen zu finden. Meist wird er als buckliges, menschliches Wesen mit einer Flöte abgebildet.

Heute ist Kokopelli als Symbol überall anzutreffen: Auf Tassen, T-Shirts und als Emblem von Firmen, z.B. Werbeagenturen, Tonstudios usw.

Bedeutung der Figur

Kokopelli ist ein Zauberwesen. Seine Flöte, die der Sage nach aus Adlerknochen gefertigt ist, hat ebenfalls magische Kräfte. Es heißt, Kokopelli habe mit seiner Flöte die Klänge in die Welt gebracht. Er ist also viel älter als die Menschheit selbst.

Sehr wichtig war für die Indianer der Glaube daran, daß Kokopelli mit seiner Flöte den Mais und andere Pflanzen wachsen lassen kann. Er wanderte von Dorf zu Dorf um Maiskörner und andere Samen zu verteilen. Seine Aufgabe war es, alle Pflanzen weiter zu verbreiten und dafür zu sorgen, daß keine Nutzpflanze ausstirbt oder in Vergessenheit gerät. Durch sein Flötenspiel wachsen die Pflanzen, mit ihr kann er aber auch den dringend benötigten Regen herbeispielen.

Die Flöte hat aber eine weitere magische Bedeutung: Mit ihr kann man Menschen in Tiere und wieder zurückverwandeln. Wer auf ihr spielt wird zum Wechselgeschöpf, sprich er ist halb Mensch und halb Tier. Im Buch "Kokopellis Flöte" von Will Hobbs verwandelt sich der Junge nachts in eine Buschratte, nachdem er Kokopellis Flöte gefunden und auf ihr gespielt hat. Tagsüber ist er ein ganz normaler Junge. Er kann den Zauber nur brechen, indem er auf der Flöte die richtige Tonfolge spielt. 

Auch Kokopelli selbst ist ein Wechselgeschöpf, er ist ein Insektenmensch. Er kann mit den Tieren reden und sie verstehen.

Das Flötenspiel selbst klingt wie Geräusche aus der Natur, z.B. Regen, Wind, Vogelschwingen, sprießende Pflanzen und hört sich wunderschön an.

In unserer Museumführung übernahm eine Studentin die Leitfigur des Kokopelli.

In der Bibliothek
 


In der Bibliothek wurde eine Medienrallye gemacht, die den Sinn hatte, die Themen, die bereits in der Museumsführung angesprochen wurden spielerisch wieder aufzugreifen.
Stationen: 
1. Scharade: durch Pantomime werden Begriffe dargestellt und müssen von der Gruppe erraten werden.
2. Indianische Bilderschrift mußte nach einer entsprechenden Vorlage entziffert werden.
3. Quiz
4. Indianisches Kinderspiel (Schalenspiel)
5. Bücher nach Titel, Autor oder Thema heraussuchen
6. Puzzle 


Die Verbindung der einzelnen Stationen wurde durch den Kokopelli mit seiner Flöte geschaffen.

Zu diesen Projekten gibt es Projektberichte, die auf Anfrage ausgeliehen werden können.

(Anfragen an Prof. Susanne Krüger)

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