Storytelling - Charlotte Kerner

 

Muttermaschinen und Klone
"Factasy" mit der Autorin Charlotte Kerner

 

Eine Lesung organisieren, nichts leichter als das, dachten sich fünf unerschrockene Studenten der HBI, als sie sich für die fakultative Lehrveranstaltung bei Frau Krüger meldeten.
Gegen das Vergessen hieß das Projekt und unvergessen wird es auch bei uns bleiben. 
Im Januar veranstaltete verschiedene Gruppen und Institutionen in Stuttgart eine Erinnerungswoche gegen das Vergessen der Euthanasie-Verbrechen im 3. Reich. 
Wir wollten mit unserem Engagement einen Bogen in die heutige Zeit schlagen und stellten uns die Fragen: Gibt es denn heute wieder Ansätze, über das Leben und Sterben der Menschen entscheiden zu wollen? Eine Methode, die eine Auslese der Menschen mit sich bringen könnte?
So kamen wir bald auf das Thema des Klonens, der Genmanipulation und der künstlichen Befruchtung und konnten nun auch Frau Krügers Gedankengang nachvollziehen eine Veranstaltungsreihe mit Charlotte Kerner zu organisieren. 

Charlotte Kerner ist Journalistin und Schriftstellerin. Besondere Erfolge erzielte sie bereits mit kunstvoll nachrecherchierten Lebensberichten bedeutender Leute, wie zum Beispiel mit ihrer Biographie über Hildergard von Bingen und Lise Meitner. 

Das Thema Klonen und Genmanipulation behandelte sie in Ihren Berichten in der "ZEIT" und "EMMA" und schrieb die Bücher "Blueprint" und "Geboren 1999" darüber. Mit den beiden letztgenannten Büchern haben wir Frau Kerner zur Lesung geladen.

Erste Kontakte mit der Autorin waren bereits geknüpft, aber dennoch blieb für uns eine Menge Arbeit übrig. Frau Kerner sollte Lesungen vor verschiedenen Schulklassen in Stadtbüchereien, im Studiotheater und an der HBI halten. Ansprechpartner hierfür waren vielbeschäftigte Bibliothekarinnen und Organisatore, die meist nur sehr schwer zu erreichen waren. Schon nach den ersten paar Sitzungsstunden türmten sich Adressen, e-mail-Adressen und Telefonnummern in unseren Ordnern.

Für die Lehrer wurden Informationsmappen erstellt, die Berichte über die Autorin, ihre Werke und Vorschläge enthielten, wie man das Thema im Unterricht aufarbeiten kann. Zum Glück wußten wir bei dieser aufwendigen Arbeit noch nichts über die geringe Begeisterungsfähigkeit der Lehrer, die sich leider noch nicht einmal die Mühe machten mit ihren Schülern die Bücher zu lesen, was uns und auch Frau Kerner doch etwas enttäuschte.

Doch auch das meisterte sie, indem sie mit ihren Lesungen bei null anfing und mit Dias das Klonen Erklärte. Immer wieder betonte sie auch, welche Bedeutung das Factasy, die Mischung aus Fakten und Erzählung in ihren Texten hat und wie einige ihrer Phantasien durch den Lauf der Zeit inzwischen zu Wahrheiten wurden. 

Interessant war für uns auch die Erstellung des Finanzierungsplans: der Bödecker Kreis, die "Freunde und Förderer der HBI e.V., die beteiligten Bibliotheken und die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik kamen für die Kosten auf.
Nachdem die finanzielle Unterstützung geklärt war, wurden Verträge ausgearbeitet und verschickt.

Raum, Getränke, Werbung, Prospektmaterial, das bei der Lesung ausgelegt wurde, die Unterkunft im Schriftstellerhaus und die Begleitung der Autorin an die verschiedenen Veranstaltungsorte durch Studenten wurden organisiert.

Und plötzlich, als noch so vieles unerledigt schien, war der große Tag auch schon da und der Zug mit Frau Kerner rollte in den Bahnhof ein.
Es wurden drei Tage, die trotz des Stresses, aber auch wegen des großen Engagements, das so kurz vor den Prüfungen von jedem Einzelnen verlangt wurde, doch sehr toll und erlebnisreich waren: 

Die große unerreichbare Schriftstellerin entpuppte sich als eine Frau, mit der es einfach Spaß machte, zusammenzuarbeiten, mit der man auch beim gemütlichen Zusammensitzen nach dem offiziellen Teil tolle Gesprächsthemen hatte und die die Gabe besitzt selbst die dritte Lesung, die man innerhalb von ein paar Tagen mit anhört noch spannend zu gestalten.

Als alles klappte, Schulklassen und Lehrer zufrieden, und bei der Lesung an der HBI trotz dem gegenwärtigen Prüfungsstreß an die 70 Studierenden anwesend waren, verloren sich auch die letzten Bedenken.
Deshalb unser Fazit: Trotz den kleineren "Anfängerfehlern" wie zum Beispiel Plakate, die professionellen Ansprüchen noch nicht ganz entsprachen und den anderen Vorlesungsstunden, die zurückstehen mußten, haben wir in diesem Semester einiges gelernt und bei manch einem ist das Selbstbewußtsein im feierlichen Rahmen der Veranstaltung ein kleines bisschen gewachsen: "Seht her, wir haben etwas auf die Beine gestellt." 

Fleur Ziegler
Melanie Platz
Helene Rungger
Moni Turin
Marlene Neumeir 

 

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