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Muttermaschinen
und Klone
Eine Lesung
organisieren, nichts leichter als das, dachten sich fünf unerschrockene
Studenten der HBI, als sie sich für die fakultative Lehrveranstaltung
bei Frau Krüger meldeten.
Charlotte Kerner ist Journalistin und Schriftstellerin. Besondere Erfolge erzielte sie bereits mit kunstvoll nachrecherchierten Lebensberichten bedeutender Leute, wie zum Beispiel mit ihrer Biographie über Hildergard von Bingen und Lise Meitner. Das Thema Klonen und Genmanipulation behandelte sie in Ihren Berichten in der "ZEIT" und "EMMA" und schrieb die Bücher "Blueprint" und "Geboren 1999" darüber. Mit den beiden letztgenannten Büchern haben wir Frau Kerner zur Lesung geladen. Erste Kontakte mit der Autorin waren bereits geknüpft, aber dennoch blieb für uns eine Menge Arbeit übrig. Frau Kerner sollte Lesungen vor verschiedenen Schulklassen in Stadtbüchereien, im Studiotheater und an der HBI halten. Ansprechpartner hierfür waren vielbeschäftigte Bibliothekarinnen und Organisatore, die meist nur sehr schwer zu erreichen waren. Schon nach den ersten paar Sitzungsstunden türmten sich Adressen, e-mail-Adressen und Telefonnummern in unseren Ordnern. Für die Lehrer wurden Informationsmappen erstellt, die Berichte über die Autorin, ihre Werke und Vorschläge enthielten, wie man das Thema im Unterricht aufarbeiten kann. Zum Glück wußten wir bei dieser aufwendigen Arbeit noch nichts über die geringe Begeisterungsfähigkeit der Lehrer, die sich leider noch nicht einmal die Mühe machten mit ihren Schülern die Bücher zu lesen, was uns und auch Frau Kerner doch etwas enttäuschte. Doch auch das meisterte sie, indem sie mit ihren Lesungen bei null anfing und mit Dias das Klonen Erklärte. Immer wieder betonte sie auch, welche Bedeutung das Factasy, die Mischung aus Fakten und Erzählung in ihren Texten hat und wie einige ihrer Phantasien durch den Lauf der Zeit inzwischen zu Wahrheiten wurden.
Interessant war für
uns auch die Erstellung des Finanzierungsplans: der
Bödecker Kreis, die "Freunde und Förderer
der HBI e.V., die beteiligten Bibliotheken und die Evangelische Fachschule
für Sozialpädagogik kamen für die Kosten auf.
Raum, Getränke, Werbung, Prospektmaterial, das bei der Lesung ausgelegt wurde, die Unterkunft im Schriftstellerhaus und die Begleitung der Autorin an die verschiedenen Veranstaltungsorte durch Studenten wurden organisiert. Und plötzlich, als noch
so vieles unerledigt schien, war der große Tag auch schon da und
der Zug mit Frau Kerner rollte in den Bahnhof ein.
Die große unerreichbare Schriftstellerin entpuppte sich als eine Frau, mit der es einfach Spaß machte, zusammenzuarbeiten, mit der man auch beim gemütlichen Zusammensitzen nach dem offiziellen Teil tolle Gesprächsthemen hatte und die die Gabe besitzt selbst die dritte Lesung, die man innerhalb von ein paar Tagen mit anhört noch spannend zu gestalten.
Als alles klappte, Schulklassen
und Lehrer zufrieden, und bei der Lesung an der HBI trotz dem gegenwärtigen
Prüfungsstreß an die 70 Studierenden anwesend waren, verloren
sich auch die letzten Bedenken.
Fleur Ziegler
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