Kindersoftware

Beurteilungskriterien, Empfehlungen und Tipps

 

 
Ratschläge zum Kauf von Kindersoftware

1. Kaufen Sie nicht die Katze im Sack. Verschaffen Sie sich einen Eindruck von den Inhalten eines Produktes: Die meisten größeren Hersteller bieten Demo-Fassungen, die z.T. aus dem Internet geladen werden können, die z.T. auf kostenlosen Demo-CD-ROMs (die halbjährlich zu neuen Verlagsprogrammen erscheinen) zur Verfügung stehen. Solche Demo - Fassungen sind kostenlos oder gegen eine geringe Schutzgebühr direkt bei den Herstellern oder über den örtlichen Buchhandel zu bekommen.

2. Bevor Sie teuere Produkte kaufen, sollten Sie diese selbst ausführlicher testen. Verlassen sie sich nicht ausschließlich auf Empfehlungen in den Tageszeitungen oder Familienzeitschriften, da die Rezensenten dort über sehr unterschiedliche Erfahrungshorizonte verfügen; in Softwarezeitschriften oder -Ratgebern ist manchmal zudem eine Nähe der Autoren zu den Medienproduzenten (die u.a. Anzeigen schalten) unübersehbar. Probieren Sie Titel vor dem Kauf aus, im Buchhandel ist das gelegentlich möglich, bei Versandhändlern naturgemäß nicht, aber in den meisten Kinder- und Jugendbibliotheken in Deutschland stehen mittlerweile Kindersoftware-Bestände zur Verfügung, ebenso in vielen Landes- und Kreisbildstellen, kirchlichen Medienzentralen, wo sich z.T. auch neueste CD-ROM-Produktionen erproben lassen.

3. Kaufen Sie nicht zu teure Produkte. Insbesondere die Produktionen für das Kleinkind- und Vorschulalter sind vielfach austauschbar, denn sie bieten immer wieder die gleichen Lernspiele, die Förderung von Grundfähigkeiten, Grundrechenarten; Buchstaben, Farben oder Größen sollen erkannt werden etc. Lediglich die Figuren und Szenarien wechseln.

4. Nutzen Sie (nicht nur) für kleinere Kinder Sonderangebote: Zur Einführung in den Umgang mit dem PC oder PC-Programmen, zur Entwicklung der Koordination zwischen Wahrnehmung und Bewegung benötigen Kinder nicht das aktuelle Disney-Programm mit Puuh dem Bären. Überlegen Sie, ob die aktuelle Harry Potter-CD-ROM wirklich 20 oder 30 Euro Aufpreis wert ist, nur weil gerade der Film im Kino läuft.

5. Ältere CD-ROM-Titel werden von fast allen Massenproduzenten z.T. schon nach wenigen Monaten als billige Sonderangebote auf den Markt gebracht. Bei Diskountern wie Aldi, Lidl oder Penny erhalten Sie häufiger Original-Titel von großen Herstellern, als Einzelstücke oder im Bündel, zu einem Bruchteil des ursprünglichen Ladenpreises.

6. Achten Sie bei Edutain- oder Lernprogrammen besonders darauf, dass Spiel- und Lernebene miteinander vernetzt sind. In vielen Programmen stehen die Spiel- und die Lernebene getrennt nebeneinander, was dazu führen kann, dass sich Kinder nur noch auf der Spielebene bewegen, und der beabsichtigte Lerneffekt ausbleibt.

7. Geben Sie Kindern auch die Chance, ästhetische Bedürfnisse weiterzuentwickeln. Überlegen Sie es sich, ob Kinder auch auf CD-ROMs unbedingt die von ihnen geliebten Barbie-Puppen, Fisher-Price-Figuren, Sesamstraßenmonster, Benjamin Blümchen oder Bibi Blocksberg wiederfinden müssen.

8. Achten Sie auf die Systemanforderungen, denn diese sind von den Herstellern oft zu niedrig angesetzt (, um mehr verkaufen zu können). Aktuelle Kinder-CD-ROMs mit dreidimensionaler Grafik stellen hohe Anforderungen an die Speicherkapazität und die Schnelligkeit des Rechners. Wenn Eltern nach der Anschaffung eines neuen PC den ausrangierten alten ins Kinderzimmer stellen, ist absehbar, dass neuere Edutainment- und Spielprogramme für Kinder nicht laufen werden. Vor allem beim Bildschirm sollten Kinder nicht mit ausrangierten Teilen (höhere Strahlung, schlechtere Auflösung) abgespeist werden.

9. Überlegen Sie vor jedem Kauf:
- Ist die Produktion sinnvoll als CD-ROM?
- Hat die Multimedia-Anwendung für den Benutzer, die Benutzerin einen höheren Gebrauchswert als ein vergleichbarer Film oder als ein Buch zum Thema?
- Stimmt das Preis-Leistungsverhältnis?

 


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Kriterien zur Beurteilung von CD-ROMs für Kinder

Für die Beurteilung von Kinder-CD-ROMs bieten Horst Heidtmann, Thomas Feibel und Carolin Müller eine wichtige Orientierungshilfe.

An dieser Stelle sollen die folgenden Überlegungen für eine Beurteilung von Kindersoftware weiterhelfen:

1.  Wichtige Hinweise können bereits Cover und Verpackung liefern:

  • Wie ist der Informationswert? Lässt sich das Thema des Produkts klar erkennen?
  • Gibt es eine kurze Inhaltsangabe?
  • Ist ein Hinweis auf die Altersgruppe zu finden, an die sich das Programm richtet?
  • Gibt es zur Erläuterung ein Handbuch?
  • Sind die Systemvoraussetzungen genannt?


2.  Daneben spielt das Konzept eine wichtige Rolle:

  • Handelt es sich um die Umsetzung von bereits bestehenden Formaten, die den Kindern vertraut sind?
  • Stellt die CD-ROM einen Mehrwert dar oder handelt es sich lediglich um die Digitalisierung einer Buchvorlage?

3.  Bei den technischen Aspekten sollte folgendes berücksichtigt werden:

  • Ist die Installation der CD-ROM leicht durchführbar oder erfordert sie einen großen Aufwand? Gibt es Hinweise zur Vorgehensweise? Ist die CD-ROM direkt ohne Installation abspielbar?
  • Wie viel Speicherplatz nimmt die CD-ROM auf der Festplatte ein?
  • Bestehen gewisse Anforderungen für den Auflösungsgrad oder die Bildgröße?
  • Gibt es bei technischen Problemen eine Hotline?
  • Welche Ausgabe- und Weiterverarbeitungsmöglichkeiten bietet die CD-ROM?
  • Wie ist das Preis- Leistungsverhältnis?


 4.  Kinder bevorzugen das Ausprobieren durch die Trial-and-Error-Methode. Gerade kleinere Kinder möchten jedoch an der Hand genommen werden. Somit hat sich der Einsatz von moderierenden Figuren, die durch das Programm begleiten, als sinnvoll erwiesen. Um sich im Programm zurechtzufinden, ist daher die Benutzerführung entscheidend. Auch hierzu sind gewisse Fragestellungen hilfreich:

  • Gibt es eine kurze Einführung in schriftlicher oder mündlicher Form?
  • Ist die CD-ROM selbsterklärend?
  • Wird die Benutzerführung durch erkennbare Symbole, eine übersichtliche Menüstruktur, ausreichende Hilfefunktionen und Verweisungen gewährleistet?
  • Sind die Anweisungen innerhalb der Programmteile klar verständlich?


5.  Zur Orientierung dient außerdem die Navigation. Die Mausbenutzung sollte hierbei nachvollziehbar und gezielt erfolgen. Dabei ist es wichtig, dass Tastatur und Mauszeiger eindeutig hinterlegt sind und sich nicht fortlaufend die Funktionen ändern. Aktionen sollten entweder durch einen Klick oder einen Doppelklick ausgelöst werden. Für kleine Kinder stellt eine komplizierte Tastenkombination oder die Eingabe von Texten eine deutliche Überforderung dar.


6.  Die CD-ROM sollte darüber hinaus Non-Linearität bieten. Hierbei ist entscheidend, dass das Programm nicht in einer bestimmten Abfolge durchgeführt werden muss. Vielmehr dienen Auswahl- und Entscheidungsmöglichkeiten zwischen verschiedenen Angeboten der Informationsvermittlung dazu, die Phantasie, Kreativität und die eigene Aktivität des Kindes anzuregen.
 
7.  Zu den gestalterischen Elementen zählen der Text, der Ton und die Grafik.
Beim Text sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Wie ist der Text für das entsprechende Alter aufbereitet?
  • Ist der Text verständlich?
  • Gibt es zu viel Text oder werden die Rezeptionsmöglichkeiten der Kinder berücksichtigt?
  • Ist die Schrift lesbar und bildschirmgerecht?

Einen weiteren Aspekt stellt der Ton dar:

  • Wie ist die Qualität der Musik?
  • Handelt es sich bei den Sprechern um professionelle Sprecher, die rollengerecht besetzt sind. Werden Kinder von Kinderstimmen gesprochen? Tragen die Sprecher zum Verständnis der Inhalte bei?
  • Tragen die Geräusche zur Atmosphäre bei?

Daneben spielt die Grafik eine Rolle für die Gestaltung:

  • Dient der Einsatz der Grafiken zur Veranschaulichung?
  • Sind Farbe und Zeichnungen aufeinander abgestimmt?
  • Gibt es Animationen und Filme?
  • Sind die Filmsequenzen sinnvoll auf der CD-ROM eingesetzt? Vor allem die Länge und die Bildgröße sind für die Qualität entscheidend.

Der Einsatz der unterschiedlichen Präsentationsformen sollte insgesamt abwechslungsreich und auf einander abgestimmt sein.

8.  Als wichtiges Beurteilungskriterium dient der Inhalt der CD-ROM:

  • Werden die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder angesprochen?
  • Knüpft der Inhalt an die Erfahrungswelt der Kinder an?
  • Ist der Inhalt sachlich richtig?
  • Wird das Thema von möglichst vielen Seiten betrachtet?
  • Ist der Inhalt originell und mehrfach rezipierbar?


9.  Als letzter Punkt sollte noch das didaktische Konzept berücksichtigt werden:

  • Bietet es unterhaltsame Informationsvermittlung?
  • Erfolgt eine Strukturierung der Seiten nach den Prinzipien „Vom Leichten zum Schweren“ und „Vom Allgemeinen zum Besonderen“?
  • Gibt es im Sinne des nachhaltigen Lernens Anwendungsmöglichkeiten für neu erlerntes Wissen?
  • Sind Lern- und Spielebene miteinander verzahnt, um neben Phasen der Konzentration Entspannungsmomente zu bieten?
  • In welcher Weise erfolgen Rückmeldungen über den Lernerfolg? Erhält man bei falschen Antworten Unterstützung für neue Lösungswege?

 

 


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Informationen zu den Rezensionen des IfaK

Mit den CD-Rom-Empfehlungen des IfaK sollen vorrangig Produktionen empfohlen werden, die durch künstlerische, ästhetische, inhaltliche, pädagogische und/oder technische Qualitäten aus der Masse des Angebots herausragen. Ein Teil der Besprechungen ist im Rahmen studentischer Diplom-Arbeitsprojekte entstanden, wurde u.a. von Jana Stober und Sabine Widmann verfasst. Weitere Rezensionen entstehen im Rahmen von Projektseminaren unter der redaktionellen Leitung von Prof. Dr. Horst Heidtmann.

 

Achtung: Preisangaben!
Die Preisangaben bei den CD-ROM-Besprechungen sind unverbindliche Hinweise. Bei den meisten Produktionen ist davon auszugehen, dass die Verkaufspreise im Verlauf von ein bis zwei Jahren gesenkt werden, häufiger erscheinen auch Neuauflagen oder Sondereditionen zu erhebliche niedrigeren Preisen. Auskunft über aktuelle Preise sollten sich direkt über den Buchhandel beschaffen lassen oder online z.B. über das Verzeichnis lieferbarer Bücher bei www.buchhandel.de.