Filme für Kinder und Jugendliche

Entwicklung und Geschichte des Kinderfilms
Die Anfänge (1885 – 1918)
Weimarer Republik (1918 – 1933)
Nationalsozialismus (1933 – 1945)
Entwicklung des Kinderfilms in der BRD
Neuer deutscher Kinderfilms
Aktuelle Tendenzen beim neuen deutschen Kinderfilm
Die Rückkehr des Märchenfilms? 



 Die Anfänge (1885 – 1918)

Die Brüder Lumière stellten 1895 den Cinématographen in Paris der Öffentlichkeit vor.
Die ersten Filme, Dokumentationen und märchenhafte Darstellungen (z.B. „Aschenbrödel“, 1899 von Georges Méliès) waren Jahrmarktsattraktionen.
Diese Produktionen richteten sich gleichermaßen an Kinder und Erwachsene .

Mit traditionellen Märchen- und Sagenstoffen, die jetzt speziell für Kinder inszeniert wurden,  begann der deutsche Kinderfilm ab dem Jahr 1910, z.B.

  • „Rübezahls Hochzeit“ (1916) von Paul Wegener
  • „Hans
    Weimarer Republik (1918 – 1933)
    Nationalsozialismus (1933 – 1945)
    Trutz im Schlaraffenland“ (1917) "
  • "Dornröschen“ (1917) von Paul Lenis

Noch in der Stummfilmzeit entwickelte sich der Film zum Massenmedium.
Neben den Märchenfilmen bestand das Kinderkino bald vorrangig aus amerikanischen Unterhaltungsproduktionen, z.B.:

  • Slapstick-Komödien der Keystone Company ab 1912 mit Komikern wie Charlie Chaplin
  • Standardisierte Serienunterhaltung, Cowboyfilme, Serials wie die mit dem Hund Rin Tin Tin

Lehrer und Politiker reagierten mit Angst und Unverständnis, daher nahm in Deutschland die Produktion von Kinderfilmen mit pädagogischen Intentionen zu, z.B. Filme, die die Wirklichkeit vereinfacht und harmonisiert darstellen oder in denen Verhaltensregeln aufgestellt bzw. Zuwiderhandlungen bestraft werden.


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Weimarer Republik (1918 – 1933)

In der Zeit der Weimarer Republik liefen nur wenige Langfilme für Kinder.
Lotte Reiniger produzierte ab 1919 zahlreiche Silhouetten- und Scherenschnittfilme, z.B. den ersten abendfüllenden Trickfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ (Produktionszeit von 1923 bis 1926)
Einziger Kassenerfolg und gleichzeitig erster „Klassiker“ des deutschsprachigen Kinderfilms war „Emil und die Detektive“ in der Verfilmung von Gerhard Lamprecht (nach dem Buch von Erich Kästner).


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Nationalsozialismus (1933 – 1945)

Es wurden vor allem Märchenfilme und propagandistische Jugendfilme produziert, z.B.

„Hitlerjunge Quex“ (1933)

Entwicklung des Kinderfilms in der BRD

Im Mittelpunkt der Handlung steht der Sohn einer kommunistischen Familie, Heini Völker, der von der Hitlerjugend fasziniert ist und einen geplanten kommunistischen Anschlag auf das Hitlerjugendheim an die HJ verrät, um von dieser akzeptiert und aufgenommen zu werden. Heini wird als „Quex“ in die Hitlerjugend aufgenommen und wird bei einer Propaganda-Aktion in seinem Viertel von den Kommunisten erschossen.

Da die Altersfreigabe aufgehoben wurde, konnten auch Kinder unter 6 Jahren mit Filmpropaganda erreicht werden.
Jugendliche waren eine besonders interessante Zielgruppe, daher wurde die Verwendung von Filmen im S

Neuer deutscher Kinderfilms

chulunterricht und die Organisation von „Jugendfilmstunden“eingeführt.


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Entwicklung des Kinderfilms in der BRD

Die westdeutsche Kinoindustrie blühte in den 50er Jahren auf.
1955 entstanden 11 Kinderfilme (fast 10% der damaligen Spielfilm-produktionen).
Nur in Ausnahmefällen wurden realitätsnähere Themen als das Volksmärchen inszeniert, z.B.

  • „Pünktchen und Anton“ (1953)
  • „Das fliegende Klassenzimmer“ (1954)

an denen aber aus heutiger Sicht eine übermäßige Tendenz zu sozialer Harmonisierung auffällt. Den sich wiederholenden Märchenverfilmungen entzogen sich ältere Kinder und interessierten sich mehr für z.B. serienhafte Western mit „Fuzzy“ oder „Zorro“.
Die zahlreichen Märchenproduktionen wurden in der Regel von Kindern im Durchschnittsalter unter 6 Jahren in Begleitung der Eltern oder Verwandten gesehen.
Das Ende für den Märchenfilm und damit den intentionalen Kinderfilm der BRD kam jedoch 1957 durch das „Gesetz zum Schutze der Jugend“, das Kindern unter 6 Jahren auch in Begleitung der Eltern den Kinobesuch untersagt.
Für ältere Kinder boten die Kinos weiterhin vorrangig altbekannte Unterhaltungsangebote (Charlie Chaplin, Dick und Doof, Tarzan und Robin Hood, Western und Piratenfilme).
Durch das Gesetz wurde die Produktion von Kinderfilmen jedoch unrentabel und selbst schwedische Kinderfilmimporte wie „Ferien auf Saltkrokan“ (1964) wurden nur dann gezeigt, wenn zu erwarten war, dass sie die ganze Familie ins Kino locken.
Mit der Entwicklung des Fernsehens, das seit 1956 ein tägliches zunächst einstündiges Kinderprogramm sendete, begann das „Kinosterben“. Um diesem Einhalt zu gebieten produzierte die Filmindustrie aufwendige Unterhaltungsfilme „für die ganze Familie“:

  • Karl May
  • Edgar Wallace
  • Lümmel- und Paukerfilme

Zum tatsächlichen Kinderfilm der 1960er Jahre wurden die Produktionen der Walt Disney Company, die die moralischen Wertvorstellungen der amerikanischen Mittelschicht propagierten:

  • „Der fliegende Pauker“ (1961)
  • „Pongo und Perdita“ (1961)
  • „Das Dschungelbuch“ (1976)
  • „Ein toller Käfer“ (1969)

Das Fernsehen strahlte in den 1960er Jahren betuliche Eigenproduktionen, aber auch US-amerikanische Serien wie „Fury“ oder „Lassie“ aus.
Ab 1970 wurden jedoch zunehmend realistischere Kinderunterhaltung und engagierte Vorschulprogramme produziert. Auch anspruchsvollere Filme aus osteuropäischen Ländern und England wurden übernommen. Aus dem Material einer 13teiligen „Pippi Langstrumpf“-Fernsehserie (deutsch-schwedische Koproduktion, 1968/69) entstanden anschließend zwei Kinofilme, die die Kinder erstmals wieder „scharenweise“ in die Kinos lockten.

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  Neuer deutscher Kinderfilms

1972 wendete sich mit Hark Bohm nach 15 Jahren ein erster bundesdeutscher Filmemacher wieder dem Kinderfilm zu.

  • „Tschetan, der Indianerjunge“ (1972)
  • „Ich kann auch ‚ne Arche bauen“ (1973)
  • „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ (1974)

Sein Erfolg liegt darin begründet, dass er Kinder als Zuschauer ernst nimmt und mit den dramaturgischen Mitteln des Erwachsenenfilms inszeniert. Die im Verlauf der 1970er Jahre in der BRD entstehende Kinderfilmproduktion wurde durch Koproduktionen mit Fernsehanstalten begünstigt und ermöglicht. (Produktionen des Kinos durften später im Fernsehen gezeigt werden, aber auch umgekehrt, wie z.B. „Die Vorstadtkrokodile“ (1977).
Wirtschaftlichen Erfolg bringen jedoch nur einzelne konventionell angedrehte Filme, mit Slapstick-Komik und bekannten Darstellern, z.B. „Räuber Hotzenplotz“ (1974 mit Gerd Fröbe)
1977 wurde zum Zweck der gezielten Förderung das „Kinder- und Jugendfilmzentrum in der Bundesrepublik Deutschland“ in Remscheid gegründet, das insbesondere für nicht kommerzielle Kinderfilmarbeit zentrale Anregungen bieten sollte.
So gelangte der neue Kinderfilm in den 70er und 80er Jahren vielfach erst über nichtkommerzielle Abspielstätten, Jugendzentren, schulische und kirchliche Einrichtungen etc. an sein Publikum.

Bei der staatlichen Förderung war der Kinderfilm mehrfach benachteiligt.
Bis zum Beginn der 1990er Jahre entstanden daher in der BRD jährlich bis zu drei Spielfilmen für das Kinderkino

  • teilweise in Zusammenarbeit mit Fernsehanstalten,
  • gelegentlich als selbst finanzierte low-budget-Produktion („Novemberkatzen“) oder als
  • aufwendig ausgestatteter Kommerzfilm („Die unendliche Geschichte“).

Im Vergleich zu der DDR ist dies wenig. Hier entwickelt die staatliche DEFA seit den 50er Jahren eine eigene Kinder- und Märchenfilmtradition mit jährlich acht bis zehn finanzierten Eigenproduktionen.

Mit „Toy Story“ kam im Jahr 1995 der erste vollständig computeranimierte abendfüllende Kinderfilm in die Kinos.
Mit „Shrek“, „Monster AG“, „Die Unglaublichen“, „Ice Age“, „Findet Nemo“ oder „Madagaskar“ setzte sich dieses neue Genre des Trickfilms schnell fort.


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Aktuelle Tendenzen beim neuen deutschen Kinderfilm

„Noch im Juni 1997 hatte Tilmann P. Gangloff in der Frankfurter Rundschau von der ,Krise des deutschen Kinderfilms‘ gesprochen. Rückblickend ist dieser Einschätzung für die vergangenen zwei Jahrzehnte durchaus zuzustimmen, jedoch kann heute davon erfreulicherweise nicht mehr die Rede sein.“ (Quelle)

Nachdem der Film "Die Blindgänger" (2004) den Deutschen Filmpreis gewinnen konnte, erhielt das Image des Kinderfilm einen enormen Aufschwung. Die Gremien der Länder- und Bundesfilmförderung – stehen mittlerweile den Kinderfilmprojekten genauso offen gegenüberstehen wie anderen Projektanträgen, was dazu geführt hat, dass Kinderfilme immer häufiger vorn auf den Filmhitlisten erscheinen.

  • Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen (2004)
  • Lauras Stern (2004)
  • Sams in Gefahr (2003)
  • Bibi Blocksberg (2002)
  • Aktuelle Tendenzen beim neuen deutschen Kinderfilm
    Der kleine Eisbär (2001)
  • Pünktchen und Anton (1999)

Erfolgreichere neue deutsche Produktionen setzen auf populäre Geschichten und bekannte Figuren, die für Kinder durch (Bilder)-Buchvorlagen, Hörspiele oder Fernsehsendungen einen hohen Wiedererkennungswert besitzen. Diese werden häufig aufwändig produziert und gelungen umgesetzt. Mit dieser Strategie sollen Risiken vermieden werden, während nach wie vor bei unbekannteren Titel oder weniger eingängigen Stoffe die Gefahr besteht, kaum Aufmerksamkeit zu finden.


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Die Rückkehr des Märchenfilms?

„Mit offenem Blick den Märchen neu annähern“, so Dagmar Ungureit, Redakteurin des ‚Märchenpakets‘ beim ZDF.
Das ZDF produziert momentan eine Reihe von Märchenfilmen. Zwischen 2005 und 2009 soll jedes Jahr zu Weihnachten eine Neuverfilmung eines klassischen Grimm-Märchens ausgestrahlt werden. Es handelt sich um groß angelegte Event-Produktionen, die schon Kinder ab ca. 5 Jahren ansprechen sollen. Die Erstausstrahlung soll im ZDF erfolgen und erst danach wird der Film auch im KIKA gezeigt.
2005 wurde als erstes Märchen „Hänsel und Gretel“ ausgestrahlt. 2006 folgt „Rotkäppchen“, 2007 „Rumpelstilzchen“, 2008 „Dornröschen“ und 2009 das neue Märchen „Der magische Ring“, das als Kompilationsmärchen aus vielen Grimm-Märchen entwickelt wurde.


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