Medienkritik und Medienwirkung. Erstellt im Seminar bei Prof. Stang (WS 06/07)


Medienutopien

Jaron Lanier: Digitaler Maoismus

von Maria May


1. Einleitung: Jaron Lanier – Person und Werk
2. Kernaussage des Textes
3. Thesen und Erläuterungen
3.1 Das kollektive Online-Buch
3.2 Wikifizierung
3.3 Schwarmintelligenz – Die Weisheit der Massen
3.4 Das überirdische Orakel
3.5 Unzivilisierte Anonymität
3.6 Machtkampf in der virtuellen Welt
4. Fazit: Eigene Bewertung
5. Quellenhinweise
 


1. Einleitung: Jaron Lanier – Person und Werk (vgl. Homepage von Jaron Lanier; vgl. Wikipedia)


Der Computerwissenschaftler und Internetvisionär Jaron Lanier (geboren 1960 in New York) prägte Ende der 1980er-Jahre den Begriff Virtual Reality und machte sich bezogen auf diese technologische Entwicklung verdient. Lanier war in den 1980er-Jahren maßgeblich an der Entwicklung von Forschungsarbeiten beteiligt, beispielsweise von Cyberhandschuhen, -brillen und chirurgischen Simulationen. Er gründete unter anderem 1984 im kalifornischen Palo Alto VPL Research - die erste Firma, die Produkte für die virtuelle Realität für den Markt einführte. 1990 zog sich der einstige Internetvisionär aus seiner eigenen Firma zurück, die anschließend im Jahre 1993 Konkurs anmeldete.
Seit 1999 arbeitet Lanier zusammen mit Forschern aus den Bereichen Künstliche Intelligenz, Maschinenbau, Zellbiologie und weiteren Themengebieten, die ihren Fokus auf die Grenze zwischen menschlicher Kognition und dem Rest der Welt legen.
Lanier übernahm in den 1990er-Jahren zudem eine leitende Rolle als Wissenschaftler der Firma Internet2, welche damals die neue Breitbandtechnologie für die neue Generation des Internets entwickelte.
Neben seiner Tätigkeit als Wissenschaftler ist Jaron Lanier auch als Musiker aktiv und schreibt ebenfalls als Kolumnist für das Dicover Magazine. Laniers Arbeiten beschäftigen sich mit computerwissenschaftlichen Thesen, die an folgende Themen anknüpfen oder/und gegenüber gestellt werden: Kultur, Wirtschaft, Philosophie, Politik und Musik. Laniers Veröffentlichungen sorgen stets für Kontroversen sowohl unter Kollegen als auch unter Laien. Seine neuester Essay Digital Maoism (Anm.: Den Volltext finden Sie in Edge. The third culture: Digital Maoism. Online unter: http://edge.org/3rd_culture/lanier06/lanier06_index.html), der hitzige Diskussionen unter Medienkritikern und Wissenschaftlern ausgelöst hat, soll hier näher besprochen werden.


2. Kernaussage des Textes


Mit seiner neuesten Veröffentlichung Digital Maoism macht Jaron Lanier auf die Gefahren und Folgen des „Online-Kollektivismus“ im so genannten Web 2.0 aufmerksam. Der einstige Internetvisionär übertritt nun die Schwelle zum Kritiker, der nun die Alarmglocken schlägt, da sich die virtuelle Welt gefährlich zu verselbständigen droht und uns zu digitalen Maoisten umerzieht.
Die Internetnutzer produzieren mittlerweile ihre eigenen Inhalte und stellen sie in der virtuellen Welt für jedermann zur Verfügung. Die Partizipation der Anwender am digitalen Netz ist gestiegen und zur Selbstverständlichkeit avanciert. Es sind genau diese Tools, die solch eine Interaktivität ermöglichen und deren Entwickler und Anwender Lanier digitalen Maoismus zum Vorwurf macht. Das Web 2.0 sei laut Lanier eine hervorragende Technik und stelle im Grunde nichts anderes dar als die Fortsetzung der Internettechnologie der früheren Jahre. Es sind vielmehr die Inhalte, an denen der Internetkritiker Anstoß nimmt und die seiner Meinung nach das Ziel hätten, die einzelnen Individuen in eine anonyme breite Masse zu transformieren. Mit seiner neuesten Veröffentlichung Digitaler Maoismus nimmt der Kritiker besonders die Online-Enzyklopädie
Wikipedia scharf ins Visier und unternimmt den Versuch, die Tendenzen eines digitalen Maoismus aufzuzeigen und zu verdeutlichen. Werden wir in Zukunft nicht den erhofften Fortschritt, sondern stattdessen eine Herrschaft digitaler Unterdrückung erleben?


3. Thesen und Erläuterungen


3.1 Das kollektive Online-Buch


In seinem Essay Digital Maoism thematisiert Lanier den zunehmenden stumpfen Kollektivismus, der seiner Meinung nach am Deutlichsten in der Online-Enzyklopädie Wikipedia zum Ausdruck kommt. Lanier legt die Betonung seiner Kritik vor allem auf die individuelle Persönlichkeit, die aus seiner Sicht unter der Masse unterzugehen droht. Lanier betont, dass er mit Wiki (Kurzform für: Wikipedia), welches für ihn ein offenes Experiment darstellt, keine Probleme hat. Das Problem bestünde lediglich in der beängstigenden Tatsache, wie wichtig Wikipedia nach kurzer Zeit geworden ist, wie ernst es genommen wird und für wie unfehlbar die Nutzer dieses kollektiv erzeugte Wissen halten.

"The problem is in the way the Wikipedia has come to be regarded and used; how it's been elevated to such importance so quickly. And that is part of the larger pattern of the appeal of a new online collectivism that is nothing less than a resurgence of the idea that the collective is all-wise, that it is desirable to have influence concentrated in a bottleneck that can channel the collective with the most verity and force [...]" (Lanier 2006)

3.2 Wikifizierung


Die damit einhergehende und zunehmende „Wikifizierung“, die sich im Netz breit macht, verdeutlicht für Lanier die Unterordnung und gefährliche Wertschätzung, die der breiten Masse – der so genannten Schwarmintelligenz – entgegengebracht wird. Die Suchmaschinen leiten den Internetnutzer mittlerweile nicht mehr auf die Original-Seiten, sondern verweisen den Suchenden gleich auf die Seiten von Wikipedia. Das Ärgerliche für Lanier liegt in der Tatsache, dass die darin enthaltenen Einträge meist nur von den eigentlichen Quellen abgeschrieben wurden und somit nichts weiter sind als stupide Kopien.


3.3 Schwarmintelligenz – Die Weisheit der Massen


Die Überlegung zur Unfehlbarkeit der Masse – dem Kollektiv – führt den Autor zu dem Begriff Schwarmgeist (hive mind), der sich im Internet angeblich zunehmend ausbreitet, fast immer dumm und langweilig sei und dem Lanier eine gefährliche Wirkungsmacht unterstellt. Die Mehrheit hat angeblich immer Recht, und dieses Wissen wird mithilfe bestimmter Plattformen und Technologien im Internet gebündelt. Er zieht hierfür gesellschaftspolitische Vergleiche, um seine These zu verdeutlichen:
"Das ist ein Beleg für den Siegeszug eines Online-Kollektivismus, der nichts anderes bedeutet, als die Wiederauferstehung der Idee, dass das Kollektiv über eine allwissende Weisheit verfügt, die man zentral bündeln und lenken muss. Dies ist das Gegenteil von Demokratie und Meritokratie. Wenn die extreme Rechte oder die extreme Linke in der Vergangenheit versucht hat, uns diese Idee aufzuzwingen, hatte das jedes Mal grausame Konsequenzen. Dass uns heute prominente Technologen und Futuristen diese Idee nahe bringen wollen, macht sie nicht ungefährlicher." (Süddeutsche Zeitung vom 16.06.2006)
Das Vertrauen in die „Weisheit der Massen“ würde im Internet seine Vollendung finden. In einem Interview mit dem Spiegel bemerkte Lanier hierzu:
„Mir bereitet die Vision Sorgen, nur das große Ganze, das Kollektiv sei real und wichtig - nicht aber der einzelne Mensch. Das war der Fehler in allen totalitären Ideologien, vom Nazi-Regime über Pol Pot bis zu den Islamisten.
[…] Schnell wird der Einzelne Opfer des Mobs; die Gefahr von Wiki-Lynchjustiz halte ich für sehr real. In der Wikipedia-Welt bestimmen jene die Wahrheit, die am stärksten besessen sind. Dahinter steckt der Narzissmus all dieser kleinen Jungs, die der Welt ihren Stempel aufdrücken wollen, ihre Initialen an die Mauer sprayen, aber gleichzeitig zu feige sind, ihr Gesicht zu zeigen.“
(Interview mit Jaron Lanier. In: Der Spiegel vom 13.11.2006, S. 182f)
Für Jaron Lanier taugen der Schwarmgeist bzw. die „Schwarmintelligenz des Kollektivs“ nur zur Vorhersage von statistischen Zahlenwerten wie z.B. Marktpreisen oder Wahlergebnisse, nicht aber zur Veranschaulichung von Wissen. Das kollektive Online-Buch Wikipedia würde letztendlich keine Wahrheit verbreiten, sondern lediglich die durchschnittliche Meinung einer anonymen Masse. Die Wissensdarstellung erfordere dagegen persönliche Kompetenz und Verantwortlichkeit. Das Internet fördert laut Lanier den Glauben daran, dass ein Kollektiv Meinungen, Ideen und Intelligenz hervorbringen könne, die denen des Individuums überlegen seien. Genau dies ist der Irrglauben, den er den Digitalen Maoismus nennt und der dazu führe, dass – wie in den totalitären Wertvorstellungen bzw. Ideologien von Hitler über Mao bis hin zu den Islamisten – die Masse, also das Kollektiv als real und wichtig betrachtet werde, nicht aber der einzelne Mensch.


3.4 Das überirdische Orakel


Ebenso will Lanier das Verwischen menschlicher Einflussnahme als starken Trend in den letzten zwei Jahren beobachtet haben. Es werde versucht, den Eindruck zu erwecken, dass die Inhalte aus dem Netz selbst stammen. Dies wiederum ruft den Anschein hervor, als sei das Internet ein überirdisches und selbständiges Wesen, welches zu uns spricht. Genau an diesem Punkt sieht Jaron Lanier die Abgleitung in den Wahnsinn, der uns zu Narren mutieren lässt. Wir müssten uns wieder auf die eigentliche Bedeutung des Internets zurückbesinnen.
"The beauty of the Internet is that it connects people. The value is in the other people. If we start to believe that the Internet itself is an entity that has something to say, we're devaluing those people and making ourselves into idiots." (Lanier 2006)
Die Vernetzung einzelner Computer bezeichnet Lanier als großartigen Schritt. Er fordert jedoch einen emanzipatorischen Umgang mit dem Internet, in dem noch viele unglaubliche Potentiale stecken, die aber bei Weitem noch nicht ausgeschöpft sind.
Es war ein großartiger Schritt, als einzelne Computer erstmals zu Netzwerken verbunden wurden. Allerdings habe er damit ein Problem, dass Menschen in einer breiten Masse aufgehen sollen, wenn der einzelne Computer sich ins Netzwerk einklinkt.


3.5 Unzivilisierte Anonymität


Das anonyme Publizieren in irgendwelchen Communities oder Blogs, die Lanier ebenfalls in die Kritik nimmt, zeige zudem unerfreuliche Begleiterscheinungen, wie beispielsweise unzivilisiertes Verhalten. Personen, die sich im Namen ihrer Einträge nicht zu erkennen geben, werden gemein, böse und verlieren schnell sich selbst. Sie werden regelrecht widerlich. Die Einträge, die sich nicht unter dem Deckmantel der Anonymität verstecken, seien halbwegs zivilisiert.


3.6 Machtkampf in der virtuellen Welt


Die Alleinherrschaft im Netz mache sich bereits im Wettrennen zur ultimativen Metaseite bemerkbar. Jede Seite will in der virtuellen Hierarchie den obersten Posten, dem sich jede andere Seite unterordnen muss, einnehmen. Der Aufstieg von Wikipedia und der Millionen-Deal von Medienportalen wie beispielsweise MySpace und YouTube haben bereits dazu geführt, dass sich Firmen und Konzerne gierig und viel versprechend die Hände reiben – ein Wahn, „von dem schon Regierungsstellen, Universitäten und die Planungsabteilungen von Top-Firmen angesteckt wurden.“ (Süddeutsche Zeitung vom 16.06.2006)


4. Fazit: Eigene Bewertung


Sowohl Medienwissenschaftler als auch die Mitbegründer von Wikipedia haben Stellungnahme zu Laniers Essay bezogen und wundern sich über Laniers historische Vergleiche und seiner Auffassung von Kollektivismus.
Verwechselt Jaron Lanier Kollektivismus mit Teamwork? Zunächst bezeichnet der Begriff Kollektiv nichts anderes als eine Gemeinschaft, in der Menschen zusammen leben und/oder arbeiten und in der sich die Persönlichkeit eines jeden Einzelnen zugunsten der Gruppe unterordnen muss. Als Grundbegriff zur Bezeichnung einer kommunistischen Gesellschaftstheorie bedeutet der Terminus Kollektiv eine Arbeits- und Interessengemeinschaft mit den gleichen Zielvorstellungen und Überzeugungen.
Geht das Individuum wirklich in der „virtuellen“ Masse unter? Vielmehr entspricht es doch auch der Tatsache, dass das Individuum das Kollektiv stärkt. Ohne die Einträge der einzelnen Internetbesucher würde die Online-Enzyklopädie Wikipedia zum Stillstand kommen. Letztendlich steht das „kollektive Online-Buch“, wie Lanier es nennt, für eine intensive Zusammenarbeit. Auf der anderen Seite sind es meistens nur wenige Gruppen, die wirklich kreativ sind und ihre Einträge mit Persönlichkeit versehen statt stupide Fakten und Daten abzutippen.
Was Lanier in seinem Aufsatz hingegen nicht erwähnt, sind die Bearbeitungskriege, die sich im Hintergrund von Wikipedia abspielen. Die Online-Enzyklopädie wirbt zwar mit dem Leitmotiv, dass jeder die Inhalte bearbeiten könne, jedoch ist es in Wirklichkeit nur ein kleiner Anteil von bestimmten Teilnehmern, die die Artikel nach klaren und nahezu bürokratischen Richtlinien bearbeiten. Es handelt sich bei Wikipedia wohl vielmehr um Teamarbeit als um einen reinen Kollektivismus, der kommunistische Züge hat.
Wie verhält es sich mit der Anonymität, die uns zu unzivilen und widerlichen Menschen verkommen lässt? Verliert der Internetnutzer unter dem Deckmantel der Anonymität wirklich den Anstand? Laniers Kritik mag unter diesem Gesichtspunkt sicherlich gerechtfertigt sein und es mag zweifellos Fälle geben, in denen dies zutrifft. Laniers Netzkultur-Thesen, mit ihrem starken Hang zum Pessimismus, wirken dennoch genauso einseitig, wie die Argumente der Gegenseite. Unzivilisiertes Verhalten ist nicht nur ein trauriges Phänomen im anonymen Netz, es ist ein generelles Problem, wofür es nicht erst der virtuellen Welt bedarf.
Die „Wikifizierung“ und die damit einhergehende Anonymität der Texte bzw. Inhalte birgt die Gefahr, dass die eigentlichen Autoren dieser Angebote sich zurückziehen und somit ihr Wissen nicht mehr der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Da zudem eine finanzielle Anerkennung dieser Inhalte verwehrt bleibt, könnte diese Gefahr noch größer werden. Es darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass wiederum andere Autoren ihr Wissen gerne und weiterhin kostenlos der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen werden – Informationen und Bildung für jedermann. Der Zugang zum Wissen sollte nicht durch finanzielle Schranken erschwert werden.
Sind Laniers historische Vergleiche mit der faschistischen und maoistischen Bewegung für das Internet angebracht? Das Vertrauen in die Weisheit der Masse ist dahingehend gefährlich, da nahezu jedes einzelne Individuum die pathologische Angst in sich trägt, Verantwortung zu übernehmen. Wir laufen infolgedessen immer Gefahr, uns bequem zurückzulehnen und darauf blind zu vertrauen, dass uns das vermeintlich allwissende Kollektiv leiten wird. Bereits jetzt ziehen die Internetnutzer ihre Informationen wie selbstverständlich aus Wikipedia und behandeln die Online-Enzyklopädie als seriöse Wissensquelle ohne auch nur den Inhalt zu hinterfragen. Das Internet als wichtige Informationsquelle, der im Laufe der Jahre noch mehr Bedeutung zukommen wird, könnte in der Tat als Humusboden für solch eine gesellschaftspolitische Bewegung fungieren. Hierfür müsste das Internet aber folglich zentral gesteuert und gleichgeschaltet sein.
Hieraus ergibt sich die Frage, wie hoch die Chancen eigentlich stehen, dass das Internet zukünftig als Plattform für eine zentral geschaltete Monokultur dient? Es könnte in der Tat dazu führen, dass manche Internetnutzer in bestimmte Denkschienen rutschen und nichts anderes mehr wahrnehmen und somit leichter zu manipulieren sind. Das Ganze wird verstärkt durch die Webseiten, welche sie am häufigsten benutzen bzw. als Informations- und Unterhaltungsquelle in Betracht ziehen und favorisieren. Die Meinungsbildung könnte somit in eine Richtung gelenkt werden, was aber wiederum aufgrund der vielfältigen Inhalte etwas schwierig sein wird. Die Medienportale, Communities und Blogs, die derzeit ihre Blütezeit erleben und eine beliebte Anlaufstelle im Netz sind, bieten nahezu jedem Individuum Platz die eigene Meinung und das eigene Wissen zu artikulieren, nach außen zu tragen und für jedermann zugänglich zu machen. Die Meinungsbildung gestaltet sich somit sehr vielfältig.
Ein wichtiger kritischer Punkt, den Lanier ebenfalls in seinem Aufsatz auslässt, ist die Marktforschung und gezielte Werbung, die seitens der Unternehmen auf den beliebten Medienportalen betrieben wird. Die Einträge der Mitglieder werden unter den Gesichtspunkten des Konsumverhaltens intensiv beobachtet und beleuchtet. Wünsche, Bedürfnisse und Vorlieben in Sachen Musik gehen aus den Online-Portalen wie z.B. last.fm oder MySpace stark hervor und machen diese Seiten für den kapitalistischen Geist höchst lukrativ. Jüngstes Beispiel ist der Aufkauf des Medienportals und Social-Network-Community MySpace durch den Medienmogul Rupert Murdoch. Das Portal war dem Chef von News Corporation mehr als 500 Mio. Dollar wert – ein Preis, der den Wert des Web 2.0 nach oben getrieben hat und zu einem regelrechten Goldrausch im großen World Wi(l)de Web geführt hat.
Insgesamt sind Laniers Thesen nicht komplett utopisch. Es stellt sich nur die Frage, wer oder was das Internet lenken wird, um das digitale maoistische Volk heranzuzüchten und fortbestehen zu lassen? Wer wird am Hebel der Macht stehen? Werden wir im gleichen Zuge auch unsere Identität verlieren und Teil eines neuen Massenmediums?
In Laniers Kritik fehlen vor allem die konstruktiven Vorschläge, um solch eine gesellschaftspolitische Bewegung im Netz zu vermeiden. Er appelliert lediglich an unser Verhalten und dass wir aufhören müssen uns wie komplette Narren aufzuführen. Wie hoch liegen also die Chancen bzw. Gefahren, dass wir an die „maoistische“ Front überlaufen? Selbst Lanier meint hierzu, dass „das Internet noch sehr jung ist. Aber in 10 oder 20 Jahren, werden wir komplett darin eingetaucht sein. Das Internet wird alles vermitteln. Darin liegt die Gefahr. Dieser Ansatz ähnelt anderen Umständen, die in der Vergangenheit immer nur das Schlechteste im menschlichen Verhalten hervorbrachten.“ (Interview mit Jaron Lanier. In: Süddeutsche Zeitung vom 13.12.2006)
Im Hinblick auf die aktuelle Situation des Internets, welches jedem Nutzer noch die Möglichkeit bietet, sich zu äußern und auch seine Individualität auszuleben, darf man weiterhin behaupten, dass der Wind des demokratischen Geists weiterhin in der virtuellen Welt weht und hoffentlich noch längere Zeit wehen wird.





5. Quellenhinweise


Literatur:
1. Eine grausame Welt – Interview mit Jaron Lanier (2006). In: Der Spiegel vom 13.11.2006. Nr. 46, 2006.
    S. 182f.

Internet:
2. Hässlich, unzivilisiert und böse - Interview mit Jaron Lanier (2006). In: Süddeutsche Zeitung vom
    13.12.2006. Online unter: http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/662/94568/ (Zugriff 02.04.2007)
3. Lanier, Jaron: Homepage von Jaron Lanier. Online unter: http://www.jaronlanier.com/index.html
    (Zugriff 02.04.2007)
4. Lanier, Jaron (2006): Digital Maoism. The hazards of the new online collectivism. Artikel vom 30.05.2006.
    In: Edge. The third culture. Online unter: http://edge.org/3rd_culture/lanier06/lanier06_index.html
    (Zugriff 02.04.2007)
5. Lanier, Jaron (2006): Digitaler Maoismus. In: Süddeutsche Zeitung vom 16.06.2006. Übersetzt ins
    Deutsche von Andrian Kreye. Online unter: http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/306/78228/
    (Zugriff 02.04.2007)
6. Wikipedia: Jaron Lanier. Online unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Jaron_Lanier (Zugriff 02.04.2007)