Medienkritik und Medienwirkung. Erstellt im Seminar bei Prof. Stang (WS 06/07)


Neue Protagonisten der Medienkritik

Werner Glogauer: Die neuen Medien machen uns krank

von Patrick Walch


1. Einleitung: Der Autor
2. Der Inhalt
3. Zusammenfassung des Buches
4. Öffentliche Kritik an Glogauer
5. Fazit: Eigene Bewertung
6. Quellenhinweise


1. Einleitung: Der Autor


Dr. phil. Werner Glogauer, emeritierter Professor für Schulpädagogik und Allgemeine Didaktik an der Universität Augsburg, ist schon seit über 50 Jahren Medienforscher und -gutachter, sowie Verfasser wissenschaftlicher Arbeiten, die sich vor allem mit Didaktik und Medienwirkung beschäftigen und empirisch fundiert sind. Darunter sind Lehrerhandbücher und Schulbücher zu finden, die sich mit Rechtschreibe- und Sprachlehreunterricht befassen. (vgl. Glogauer 1999, S. 4)
Lange Zeit war er auch Fachvertreter für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur. Umfangreiche Forschungstätigkeiten fanden u.a. speziell in den Bereichen der Mediengewalt und deren Einfluss auf kriminelles Verhalten, vor allem bei Jugendlichen statt. Diese empirischen Forschungen wurden von ihm im Auftrag diverser Institute und Akademien durchgeführt.


2. Der Inhalt


In Die neuen Medien machen uns krank weist Glogauer (1999) auf gesundheitliche Schäden durch Mediennutzung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen hin. Da wir heute alle in einer „Medienumwelt“ leben, sind wir auch alle von den negativen Auswirkungen der sich ständig weiter verbreitenden Medien betroffen.
Diese wären, laut Inhaltsverzeichnis, u.a.:

Anschließend wird auf das enorme Suchtpotenzial einiger Medienarten, sowie auf die Verbindung von Medien- und Drogenkonsum, vor allem in Bezug auf die Musikkultur, eingegangen.
Im Allgemeinen behauptet er, der Kostenaufwand für die Behandlung von Gesundheitsschäden durch Mediennutzung beliefe sich jährlich auf mehrere Milliarden D-Mark.


3. Zusammenfassung des Buches


Glogauer beginnt das Buch mit dem Kapitel Leben in der expandierenden Medienumwelt. Darin geht er u.a. auf die Erfindung elektrischer und elektronischer Geräte wie Fernseher, Computer, Telefone, Mobiltelefone sowie auf die Entwicklung des Internets, der Digitalisierung und des, bis dato noch nicht eingeführten, Mobilfunkstandards UMTS ein. Zudem verweist er auf Statistiken, die die Ausstattung sowohl mittlerweile veralteter elektrischer Geräte wie Videorecorder und Walkmans in Haushalten, als auch Computern in Büros aufführen.
Im Folgenden behandelt er den Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen, sowohl in Hinsicht auf verschiedene Konsumententypen, als auch in Hinblick auf verschiedene Mediensparten.
Auf Grund einer Studie schlussfolgert er, „dass nicht einzelne Filme, sondern Ausmaß und Allgegenwart von Mediengewalt das Hauptproblem“ (ebd., S. 24) seien und versucht dabei die identitätsbildende Wirkung diverser Actionhelden auf die jungen Zuschauer zu beweisen.
Im zweiten Kapitel führt er, wie bereits oben erwähnt, sämtliche gesundheitliche Schäden durch Medien-Nutzung, beginnend mit Schädigungen durch Geräte und Anlagen, auf. Dabei weist er auf Belastungen durch Elektrosmog sowie auf den Einfluss von (elektro-)magnetischen Feldern auf den menschlichen Organismus hin.
Nachfolgend warnt er vor Nachahmungshandlungen bei Kindern, die nach dem Sehen von Fernsehsendungen die Schauspieler imitieren wollten und sich dabei zum Teil erheblich selbst verletzten. In diesem Zusammenhang präsentiert er kuriose Untersuchungsergebnisse, die die Gefährlichkeit des Fernsehens insofern belegen sollen, dass Menschen beim Ansehen eines Boxkampfes gegen den Bildschirm schlugen, oder dass es vorkam, dass Fernsehgeräte beim Gebrauch einfach implodierten (ebd., S. 38). Ebenso kann rotes TV-Licht bei bestimmten Zuschauern epileptische Anfälle auslösen.
Weiter kommen für Glogauer auch sprachliche und motorische Beeinträchtigungen, z.T. auf Grund von Sinnesüberreizungen, durch Medienkonsum in Betracht. Zu hoher Fernsehkonsum kann also zu Störungen im Nervensystem und zu verminderter Aufmerksamkeitsfähigkeit führen. Eine Konzentration auf virtuelle Spiele kann ihm zufolge die Vernachlässigung der Feinmotorik und damit einhergehend Gleichgewichtsprobleme mit sich bringen.
Darüber hinaus werden die Kreativität und die Phantasie bei Kindern immer seltener gefordert und dadurch verkümmern diese Fähigkeiten schließlich. Ähnlich sieht es bei den Lese-, Rechtschreib- und Sprachfertigkeiten aus. Auch diese sollen, genau wie die Kapazität des Wortschatzes und die Fähigkeit soziale Kontakte zu knüpfen und aufrecht zu erhalten, durch die Konzentration auf neue Medien beeinträchtigt werden.
Im folgenden, von Hyperaktivität und Konzentrationsschwäche handelnden, Kapitel leistet sich Glogauer einen herben Schnitzer. Eine Tabelle, die den Anteil überdurchschnittlich undisziplinierter Schüler wiedergeben soll, beschriftet er folgendermaßen: „Die Schwerpunkte der Einstufung liegen zwischen 11 % und 40 %.“ (ebd., S. 69). Dass die beiden höchsten Ergebnisse jedoch bei „unter 10 %“ und „11-20 %“, also insgesamt bei „bis zu 20 %“ liegen, scheint Glogauer missverstanden zu haben.
Des Weiteren bietet nachfolgend das fünfte Unterkapitel Wir essen und trinken uns dick und krank vor dem Bildschirm keine Überraschungen, denn laut Statistik besteht ein Zusammenhang zwischen langem Fernsehen und Übergewicht. Doch auch wieder fragwürdige Statistiken und Tabellen tauchen auf, die beweisen sollen, dass Werbespots für ungesunde Lebensmittel für Krankheiten wie Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit schuld sein sollen. Daraus schließt Glogauer einmal mehr, dass die neuen Medien für alles Negative verantwortlich sind.
Ein weiteres Problem stellen in Glogauers Augen „Reality-Shows“ dar, denn diese „nutzen die individuelle Not und zwischenmenschliche Probleme zur Erhöhung der Einschaltquoten rigoros und in entwürdigender Weise aus.“ (ebd., S. 85). Vor allem auch Kinder und Jugendliche sind besonderen emotionalen Belastungen beim Fernsehen ausgesetzt: „Jugendlichen wurde eine Skala von Gefühlen vorgelegt, zu der sie angeben sollten, welche Videofilme bei ihnen welche Emotionen und in welchen Erregungsgraden […] ausgelöst hatten.“ (ebd., S. 85). Nachfolgend präsentiert Glogauer wieder Zahlen statistischer Auswertungen über die Gefühlsregungen der Jugendlichen. Interessant wäre es in diesem Zusammenhang nun auch zu erfahren, welche Videos, bzw. welche Filme sie anschauten, doch Glogauer scheint es als weniger relevant anzusehen, diese Information anzugeben.
Auch dass sehr laute Musik das Gehör schädigen kann dürfte bestens bekannt sein. Auffallend ist in diesem Kapitel, dass Glogauer als Orte für zu laute Musik neben Diskotheken und Konzerten stets die Raver-Szene betont. Aber das mag wohl daran liegen, dass er das Buch in den Neunzigern schrieb.
Die Titel der beiden folgenden Kapitel Das malträtierte Augenlicht bei Unterhaltung und Arbeit vor dem Bildschirm und Schädigung der Wirbelsäule, der Gelenke und Muskeln durch Sitzen und Arbeiten am Bildschirm sprechen wieder für sich. Er beendet das Kapitel der Gesundheitsschädigungen mit dem Thema Hirnschäden und hirnphysiologische Veränderungen, indem er Beeinträchtigungen der Wahrnehmung, die oft durch den Konsum von Drogen hervorgerufen werden, näher erläutert. Somit unterstellt er indirekt, dass der Medien-, bzw. Musikkonsum Hand in Hand mit dem Missbrauch von Drogen geht.
Vor der Zusammenfassung seines Buches und der Schlussfolgerungen geht Glogauer genau auf das Suchtpotenzial des Medienkonsums ein. Hier behandelt er neben der Drogensucht auch Abhängigkeiten von Fernsehen, Videofilmen, Computer- und Automatenspielen, sowie den Einfluss der Musik auf den Menschen (ebd., S. 181):
“Beat- und Rockmusiker verwandeln ihre meist jugendliche Zuhörerschaft in eine kreischende Monstrosität, Ohnmachtsanfälle werden als Erfolg gewertet. […] Die Kontrolle über die Körperfunktion geht verloren. Ein Zustand der Verzückung mit epilepsieartigen Gliederzuckungen, Heulen, Beißen, Lachen, Einnässen und Zerreißen der Kleider wird als Glücks- und Lusterlebnis empfunden.“

4. Öffentliche Kritik an Glogauer


“Gerade in Fachkreisen ist die Debatte über Glogauers Thesen ungewöhnlich polemisch ausgefallen […]. Grundsätzlich kritisieren Glogauers Gegner seine methodisch unsaubere Arbeitsweise, zumal er eben nicht mit einem systemischen Ansatz arbeite, sondern einzig die Medien für alles Übel in der Gesellschaft verantwortlich mache. Gefährlich an Glogauers Thesen ist die für Laien scheinbar unwiderlegbare Plausibilität seiner Argumentationsführung […]. Er begnügt sich mit pauschalen Behauptungen, diffusen Unterstellungen und Vorurteilen. […] Allenfalls Zusammenhänge würden herbeibemüht und entsprechend umgedeutet. […] Die wissenschaftliche Kritik an Glogauers Arbeitsweise gilt immer wieder seiner Forschungsmethode, der Einzelfallanalyse, mit der er nachweisen will, dass die Medien und ihr kriminalisierender Einfluss verantwortlich sind für auffälliges bis kriminelles Verhalten der entsprechenden Kinder und Jugendliche sind.“ (Gangloff 1998, S. 3f)
Zum Thema „Medien und Gewalt“ bezeichnet Bernd Scheffer, Professor der Literatur- und Medienwissenschaft an der Universität München, Glogauer als „extremen Warner“ und als „fleischgewordene Medienfeindlichkeit“. Er hält Glogauers Position für übertrieben und kritisiert, dass er versucht „das Problem dadurch zu lösen, dass [er] die Medien-Zugänge zu den Kinder- und Jugendzimmern vermauert.“ (Scheffer 1998). „Der 74-Jährige ist für die taz ein ‚Indizierungsfanatiker’“. (Klarmann 2001). In der Stuttgarter Zeitung (21.10.2003, S. 19) steht zu diesem Thema:
“Unlängst verwies er auf Studien, die eine erhöhte Aggressivität bei exzessiven Computerspielern festgestellt hätten und forderte wieder einmal staatliche Zensurmaßnahmen (Stuttgarter Zeitung vom 27.8.2003). Dabei ist amerikanischen Studien zufolge in den letzten zehn Jahren die reale Gewalt unter Jugendlichen drastisch zurückgegangen, derweil die einschlägigen Ballerspiele immer beliebter wurden.“
Die Tatsache, dass er davon ausgeht, dass „Kinder und Jugendliche durch Medien aggressiv und kriminell werden“, gibt anderen Kritikern Anlass, seine Meinung als „antiquiert“ (See 2001) zu bezeichnen. In der Stuttgarter Zeitung (02.03.2002, S. 12) fand sich diesbezüglich folgendes:
“Die These […], Gewalt im Film erzeuge Gewalt in der Wirklichkeit, vertreten nur wenige so eindeutig wie der konservative Augsburger. Allein die deutsche Wirkungsforschung hat über 5000 Studien über den Zusammenhang von fiktiver und echter Gewalt produziert, ohne zu klaren Schlüssen zu kommen.“
Glogauer ist darüber hinaus der Meinung, „Kinder sollten völligen Fernsehverzicht üben“ (Stuttgarter Zeitung vom 17.02.1992, o. S.), da
“Jugendliche den Einflüssen von […] Fernsehgewalt nicht mehr gewachsen sind. […] Tilmann P. Gangloff, ein freiberuflicher Medienfachjournalist, kritisiert diese Schwarz-Weiß-Denkerei des Pädagogen im Sinne von ‚gute Kinder, böse Medien’. Wären diese Jugendlichen so schlicht gestrickt wie es Jugendschützer wie Werner Glogauer glauben machen wollen, müssten sie sich in Horden so vermummen wie der Mörder aus ‚Scream’: mit schwarzem Umhang, jener Maske, die dem berühmten Munch-Gemälde ‚Der Schrei’ nachempfunden ist, und einem sehr großen, sehr scharfen Messer…’ so Gangloff.“ (Maier 2006)
Gangloff bezeichnet Glogauer zudem als „Galionsfigur der Hysteriker und Fatalisten […], für den der Untergang des Abendlandes nur eine Frage der Zeit ist. Schuld daran werden, natürlich, die Medien sein“. (Gangloff 1998, S. 3)
Ebenfalls in der Stuttgarter Zeitung vom 24.01.2001 war über seine Tätigkeit als Mediengutachter auf Seite 21 zu lesen:
“Er ist bislang der Einzige, der Mediengutachten erstellt. Das liegt nicht daran, dass das kein anderer könnte; vielmehr ist die Methode unter den Medienwirkungsforschern umstritten. Seit sein Passauer Gutachten (Anm.: 1997 tötete ein 14-Jähriger seine Cousine mit einer Axt - laut Glogauer war er vom Horrorfilm „Freitag der 13.“ inspiriert) durch die juristischen Fachzeitschriften wanderte, ist Werner Glogauer in den aufsehenerregendsten Jugendstrafprozessen der letzten Jahre als Sachverständiger aufgetreten. […] Wer ein Mediengutachten vor einem Gericht einbringt, stellt zwangsläufig einen kausalen Zusammenhang zwischen der Tat und dem Medienkonsum des Täters her. Damit zieht Glogauer Schlüsse, denen die meisten seiner Kollegen nicht folgen wollen.“
Werner Faulstich, Professor für Medienwissenschaft, kritisiert Glogauers Gutachten als "unwissenschaftlich, fachinkompetent, tendenziös, suggestiv, weltfremd, moralistisch. Es verfehlt somit seinen Problem- und Gegenstandsbereich.“ (Klarmann 2001)


5. Fazit: Eigene Bewertung


Zunächst einmal denke ich, dass die Kritik an Werner Glogauer größtenteils gerechtfertigt ist. Vor allem den Anführungen Gangloffs ist nicht mehr all zu viel hinzuzufügen.
Im zweiten Kapitel fängt Glogauer schon früh damit an, der modernen Medienumwelt völlig abstruse Anschuldigungen zu unterstellen: Sowohl der Drogenhandel als „auch die Prostitution [werden] mit Hilfe des Handys begünstigt.“ (ebd., S. 26) In Folge dessen schreibt er plötzlich völlig haltlos über die Prostitution minderjähriger Schülerinnen. Die neuen Medien sind demnach nicht nur an Krankheiten schuld, sondern nun auch an Prostitution, Drogenkonsum etc. Glogauer hat es also tatsächlich geschafft, er hat den ultimativen Sündenbock gefunden.
Beim Lesen der ersten Kapitel fällt allmählich auf, dass sich eine einfache, klare Struktur in Glogauers Schreiben herauskristallisiert. Jedes einzelne Kapitel in diesem Buch folgt dem simplen Muster: (zu hoher) Medienkonsum → Reizüberflutung → Symptom (siehe jeweilige Kapitelüberschrift) und das Ganze wird dann mit Statistiken belegt, die oftmals so hingebogen werden, dass sie mit Glogauers beabsichtigter Aussage auf den ersten Blick übereinstimmen. So wird man nicht unbedingt dazu motiviert das Buch weiter zu lesen, da man schon beim Lesen der Überschrift genau weiß, was man zu erwarten hat.
Auch schweift er gerne des Öfteren völlig vom Thema ab. So gibt er Filmkritiken über Actionhelden wieder, die rein gar nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun haben. Ein Beispiel wäre etwa der Abschnitt über moderne Filmhelden, die im Gegensatz zu Tarzan, nicht mehr Naturmenschen sind und nach Schweiß riechen, sondern ihre Muskeln im Fitnessstudio stählen und nach Körperöl duften. (ebd., S. 86) Und das im Kapitel Überforderung der Gefühle, hohe Erregung, psychische Traumata und Schlafstörungen.
Ein weiteres Beispiel dafür, dass er sich gerne im Thema verliert ist auf den Seiten 164 und 165 zu finden. Hier beklagt er sich über die Musik des Gangsta-Rappers ICE-T und über Alkoholismus bei Jugendlichen und das paradoxerweise in dem Kapitel Spielsucht durch die Nutzung von Computer- und Automatenspielen. Wie an diesen beiden Beispielen gut zu erkennen ist, erschließt sich dem Leser auch nicht immer eindeutig der Sinn seiner Äußerungen. Oftmals hat es den Anschein, Glogauer möchte nur seiner Antipathie bzw. seinem Ärger Luft machen oder Gehör verschaffen.
In Kapitel 2.10, das von Hirnschäden handelt, erörtert er ausführlich hirnphysiologische Schädigungen, die durch die Einnahme von Drogen hervorgerufen werden. Anscheinend sieht er die Musik als neues Medium an, das auch noch dafür verantwortlich sein soll, dass die Leute Drogen konsumieren. Auf die Absurdität dieser Äußerungen muss, meiner Meinung nach, nicht weiter eingegangen werden. Es ist schade, dass sich Glogauer anscheinend zu sehr von Emotionen wie Abneigung und Hass gegen die neuen Medien in seinen Erörterungen leiten lässt. Solch unsinnige und realitätsfremde Ansichten tragen nicht gerade zu seiner Glaubwürdigkeit bei und schmälern gleichzeitig seine Seriosität.
Am Ende von Kapitel 2.6 übersetzt er den vermeintlichen Musiktitel "Holly Hell" der Metal-Band Possessed als „Heilige Hölle“, was wiederum vermuten lässt, dass Glogauer nicht sehr kompetent arbeitet (vgl. S. 96). Doch dabei handelt es sich lediglich um einen Tippfehler, der Titel heißt tatsächlich Holy Hell.
Eine seiner fragwürdigen Eigentümlichkeiten ist auch das Vergleichen von Äpfeln mit Birnen. Doch dies macht Glogauer in manchen Fällen so geschickt, dass er beispielsweise damit beginnt wie ein Tier, als Schutzfunktion vor Bedrohungen, erschreckt und am Ende seiner Erörterung sagt er: „…der Rhythmus des Herzschlages wird unterbrochen. So kann der Schreck unter Umständen tödlich wirken.“ (ebd., S. 88) Er versucht also, die Gedankengänge des Lesers so manipulativ zu lenken, dass dieser dann im gegebenen Kontext schlussfolgert: Wenn ich einen Horrorfilme ansehe, kann ich so sehr erschrecken, dass ich daran sterbe.
Das vorliegende Buch heißt zwar nicht „Vor- und Nachteile der neuen Medien“, dennoch wäre eine ausgewogenere Darstellung, statt einer schier endlos wirkenden Aneinanderreihung von Vorwürfen und ungerechtfertigten Unterstellungen wünschenswert. Dadurch wäre ein Mehr an Objektivität und Glaubwürdigkeit gewährleistet und der Monotonie der Unkenrufe wäre somit entgegengesteuert.
In gewissem Maße ist der Konsum von modernen Medien durchaus positiv zu bewerten und zudem, vor allem in der Arbeitswelt, unerlässlich, da der Umgang mit ihnen den Alltag erheblich erleichtern kann. Gerade auch der leichte Zugang zu Informationen stellt heutzutage ein großes Plus dar und um wettbewerbsfähig zu sein, kann auf die neuen Medien nun mal keinesfalls verzichtet werden.
Jedoch ist es nicht verwunderlich, dass sich, wie bei so vielen Dingen, ein übermäßiger Konsum durchaus auch negativ auf den Körper und auf die Psyche eines Menschen auswirken kann. Tatsachen wie etwa, dass zu langes Sitzen und zu wenig Bewegung zu Fettleibigkeit und zu langes Betrachten eines Bildschirms zu Kopfschmerzen führen kann, sind schließlich auch keine erschütternden neuen Erkenntnisse, sondern der breiten Masse schon längstens bekannt.
Um zu diesen Erkenntnissen zu gelangen, bedarf es, nach meiner Ansicht, allerdings keiner umfangreicher wissenschaftlicher Forschungstätigkeiten, sondern lediglich etwas gesunden Menschenverstandes. Aber für die Beweisführung Glogauers scheint dies unerlässlich zu sein.
Die neuen Medien machen also krank und dumm; Eine objektivere und rationalere Sichtweise würde seinen Arbeiten sicherlich ganz gut tun.





6. Quellenhinweise


Literatur:
1. Glogauer, Werner (1999): Die neuen Medien machen uns krank. Gesundheitliche Schäden durch die
    Medien-Nutzung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Weinheim.

Internet:
2. Gangloff, Tilman P. (1998): Jugend und Fernsehen. Es war nie leicht, jung zu sein. In: Schäfer, Horst
    (Hrsg.; 1998): Lexikon des Kinder- und Jugendfilms. Meitingen. Online unter: http://www.mediaculture-
    online.de/fileadmin/bibliothek/gangloff_jugend_fernsehen/gangloff_jugend_fernsehen.pdf
(Zugriff 21.03.2007)
3. Klarmann, Michael (2001): Eine Zensur findet schlicht statt. Verbreitung von Gewalt und Pornographie im
    Comic? In: Telepolis. Artikel vom 23.05.2001. Online unter: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/7/
    7693/1.html
(Zugriff 21.03.2007)
4. Maier, Lena (2006): Kriminalisierung von Kindern und Jugendlichen durch Medien? In: Multiline.
    Medienpädagogik. Jugendmedienschutz. Online unter: http://www.multiline-net.de/index.html?inhalt=
    12644&ParentInhalt=6344
(Zugriff 21.03.2007)
5. Scheffer, Bernd (1998): Medien und Gewalt. Wie sollen sich Eltern und Schüler verhalten? In:
    www.medienobservationen.uni-muenchen.de. Gesellschaft. München. Online unter:
    http://www.medienobservationen.uni-muenchen.de/artikel/gesellschaft/scheffer.html (Zugriff 21.03.2007)
6. See, Magnus (2001): Popkultur vs. Hochkultur. Die unterschiedlichen Freiheitsgrenzen zweier Kulturformen.
    (Studienarbeit). Online unter: http://www.censuriana.de/01themenSS200102popkultur.htm
    (Zugriff 21.03.2007)