Wissen als Medienereignis. Erstellt im Seminar bei Prof. Dr. Stang (SS 2007)


Wissensmagazine im Fernsehen

Darstellung ausgewählter Beispiele


Von Torsten Beißwenger, Christian Fietze, Marina Kilk, Tanja Linke, Melanie May, Stephanie Metzger und Lena Rettenmaier

Auf die im Folgenden untersuchten Sendungen werden oben genannte Kriterien angewandt, um die Qualität der Wissensvermittlung sowie die Rahmenbedingungen zu bewerten. Gegenstand der Untersuchung sind sowohl Magazine von öffentlich-rechtlichen als auch von Privatsendern. Sie erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und sollen auch keine Rankingliste darstellen, sondern sie zeigen lediglich eine Auswahl der momentan im Fernsehen gesendeten Formate. Das Quiz mit Jörg Pilawa fällt dabei etwas aus dem Rahmen, da es sich um eine reine Quizsendung handelt. Dennoch sollte auch ein Angebot dieser Art zur Betrachtung herangezogen werden.


Planet Wissen

Formale Aspekte

  • Sendezeit und Dauer: Montag bis Freitag, 60 Min. (WDR und SWR um 15:00 Uhr, im BR-alpha um 16:15 Uhr und im RBB um 14:00 Uhr
  • Produktion: abwechselnd von WDR und SWR
  • Monothematisches Dokumentations- und Wissenschaftsmagazin, d.h. pro Sendung wird ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln und zu unterschiedlichen Fragestellungen beleuchtet
  • Medienübergreifende (Fernsehen und Internet) Wissensvermittlung
Zielgruppe
  • Allgemeinwissen und Informationen über eine breite Vielfalt an unterschiedlichen Themen für den allgemein interessierten Zuschauer mit unterschiedlichsten Informationsbedürfnissen
Einstieg ins Thema
  • Verbal, durch einleitende Worte der Moderatorin zum Thema der Sendung, und visuell, durch die Gestaltung des Studios mit dazu passenden Bildern und Requisiten im Studio
Inhaltliche Aufbereitung
  • Vermittlung des Wissens in Form eines Frage-Antwort-Systems, d.h. der Moderator übernimmt die Rolle der Laien vor dem Bildschirm und stellt den eingeladenen Experten Fragen, die die Zuschauer selbst stellen würden, bzw. die sie über die Internetseite gestellt haben
  • Verwendung einer einfachen, auch für Laien verständlichen Sprache
  • Ergänzende Informationen durch vier bis fünf kürzere Dokumentationsbeiträge oder Reportagen, wie bspw. Berichte durch Betroffene oder Zeitzeugen, unter Einsatz eines Kommentators aus dem Off
Visuelle Aufbereitung
  • Veranschaulichung der Informationsvermittlung mittels verschiedenster Mittel, wie bspw. Modelle, Graphiken oder Experimente
Auditive Aufbereitung
  • Eher seltene Verwendung auditiver Gestaltungsmerkmale
Nutzen für den Rezipienten und Fazit
  • Überzeugend durch seriöses Auftreten, sehr gut recherchierte Themen und gute Aufbereitung
  • Ergänzende Literaturtipps und Zusatzinformationen im Internet


Kopfball

Formale Aspekte
  • Sendezeit und Dauer: sonntags 11.00 Uhr im Ersten (ARD), 30 Min.
  • Produktion: WDR
  • Polythematisches Wissensmagazin, dessen Konzept von Ranga Yogeshwar mitentwickelt wurde, der unter anderem Quarks & Co moderiert
  • Beantwortung von meist vier Fragen, die von Zuschauern im Internet eingestellt und per Internet-Ranking ausgewählt wurden
Einstieg in das Thema
  • Vorlesen der oder Video zur Zuschauerfrage und Diskussion des Inhalts sowie möglicher Lösungswege durch die vier Reporter bzw. Moderatoren
  • Vorbereitung der Kopfball-Werkstatt für Experimente oder Aufsuchen externer Plätze und Experten
Zielgruppe
  • Art und Weise der Wissensvermittlung für Menschen jeglicher Altersgruppe, unabhängig von Bildungshintergrund und Vorwissen, keine Einschränkung auf bestimmte Fachbereiche
  • Zuschauerfragen fast ausschließlich von männlichen Zuschauern
Inhaltliche Aufbereitung
  • Unterschiedliche Wege zur Lösungsfindung, z.B. im Kopfball-Studio unter Anwesenheit von Experten, bei Experten an ihren Arbeitsorten oder zusammen mit dem Zuschauer, der die Frage gestellt hatte, und Untersuchung verschiedener Lösungen zu einer Frage
  • Moderatoren in der Rolle des neugierigen Zuschauers, die während der Interviews und Experimente komplizierte Zusammenhänge hinterfragen
  • Genaue Erläuterung aller Vorgänge eines Versuches, zum Teil durch Einsatz eines Off-Sprechers
  • Zusatzangebote, wie die Spezialsendung Kopfball extrem, eine Homepage mit umfangreichem Archiv und interaktiver Flashversion zur Durchführung diverser Experimente
Visuelle Aufbereitung
  • Durchführung vieler Experimente in oder außerhalb der „Kopfball-Werkstatt“
  • Reporter mit roten Arbeitsjacken und T-Shirts mit aufgedrucktem Fragezeichen
  • Spezielles Lichtkonzept, bei dem u. a. Dinolights zum Einsatz kommen (Kunstlichtfluter, die aus mehreren Spalten von Leuchten, die sich separat ausrichten lassen)
Auditive Aufbereitung
  • Exklusiv für Kopfball komponierte Titelmelodie, die im Rahmen der Sendung wiederholt sowie als Untermalung bei Experimenten und als Hintergrundmusik eingesetzt wird
  • Nur spärlicher Einsatz sonstiger musikalischer Effekte
Nutzen für den Rezipienten und Fazit
  • Durch unterschiedliche Lösungsansätze mehrere Perspektiven auf das Themengebiet sichtbar
  • Klärung vieler Alltagsfragen, jedoch selten im alltäglichen Leben auch praktisch anwendbar


Wissenshunger

Formale Aspekte
  • Sendezeit und Dauer: 18.00 Uhr bei VOX, 24 Min.
  • Produktion: UFA Entertainment GmbH
  • Zwei bis drei voneinander unabhängige Themenbeiträge rund ums Essen
Einstieg in das Thema
  • Trailer zu Beginn der Sendung und zwischen den Beiträgen
Zielgruppe
  • Breites Publikum mit Interesse an populären Themen, der Jahreszeit entsprechend, z.B. passend zum Sommer und steigenden Temperaturen ein Bericht über Grillmeisterschaften
Inhaltliche Aufbereitung
  • Locations der behandelten Themen, z.B. die verschiedenen Arbeitsplätze in einer Käserei, als Schauplätze der Sendung
  • Stimme aus dem Off anstelle eines Moderators
  • Erklärungen etc. durch Mitarbeiter oder externe Experten, z.B. Mitarbeiter der Käseproduktion geben Auskunft zu den Arbeitsabläufen
Visuelle Aufbereitung
  • Darstellung von Sachverhalten immer beispielhaft anhand von Bildern
  • Dabei überwiegend Verwendung von Großaufnahmen, z.B. der Blick direkt in Produktionsmaschinen
Auditive Aufbereitung
  • Keine Verwendung von Hintergrundmusik, stattdessen wird die normale Geräuschkulisse der Beitragsinhalte beibehalten und in den Erklärungsprozess eingebunden
Nutzen für den Rezipienten und Fazit
  • Trifft durch die Wahl des aktuell populären Themas Ernährung genau den Nerv der Zeit und ermöglicht Informationen zur Herkunft der Lebensmittel
  • Vermittelt das Gefühl, direkt im Geschehen zu sein und besondere Einblicke zu gewinnen
  • Wissensvermittlung insgesamt jedoch eher weniger nachhaltig


Nano

Formale Aspekte
  • Sendezeit und Dauer: Montag - Freitag 18:30 Uhr auf 3sat, 30 Min.
  • Produktion: 3sat
  • Fünf bis sieben Beiträge im klassischen Magazinformat in den Rubriken aha, News, Tipps, Camp, Rätsel und Nanu
Einstieg in das Thema
  • Kurze, präzise Anmoderation der Themen durch den Moderator bzw. die Moderatorin, die zwischen drei Personen wechseln
  • Gleichbleibendes Studio, aber ab und zu Verwendung kleinerer Requisiten, z.B. Lebensmittel auf einem Tisch, wenn es um das Thema Ernährung geht
Zielgruppe
  • Erwachsene mit einem mittleren bis hohen Bildungsstand, die sich bewusst weiterbilden wollen
  • Abdeckung vieler Wissensgebiete, wie bspw. Natur- und Geisteswissenschaften, Technik, Medizin
Inhaltliche Aufbereitung
  • Mehrere längere Filmbeiträge mit Hintergrundinformationen durch Experten, die vom Moderator bzw. der Moderatorin an- und abmoderiert werden
  • Weiterführende Informationen zu den Beträgen in der Abmoderation sowie auf der Internetseite von Nano
  • News-Block etwa in der Mitte der Sendung, in dem in kurzen Filmberichten aktuelle Neuigkeiten vorgestellt werden
Visuelle Aufbereitung
  • Einsatz von Graphiken und Animationen eher in geringerem Umfang
  • Weniger aufwändige Kameraeinstellungen und Montagen der Bildsequenzen
Auditive Aufbereitung
  • Nur dezente akustische Untermalung durch begleitende, ruhige, dem Thema angepasste Instrumentalmusik während der Berichterstattung
Nutzen für den Rezipienten und Fazit
  • Verständliche und kompetente Darstellung aktueller und wissenschaftlich fundierter Themen sowie Vermittlung von im Alltag nützlichen Informationen, wie bspw. Buchempfehlungen
  • Nachhaltige Wissensvermittlung durch Graphiken, Schaubilder sowie Experteninterviews, Anwendbarkeit aufgrund der Themenwahl jedoch nicht immer gegeben


Galileo

Formale Aspekte
  • Sendezeit und Dauer: Montag bis Freitag um 19.10 Uhr auf ProSieben, 65 Min.
  • Produktion: ProSieben Television GmbH
  • Fünf bis sechs Beiträge zu verschiedensten Themen in den Rubriken Top 7, Galileo Experiment, TechCheck, Galileo Genial und Galilexikon
Einstieg in das Thema
  • Anmoderation von ca. 10 bis 15 Sekunden Länge, in die verschiedene Unterhaltungselemente, wie z.B. Requisiten und Hintergrundbilder, eingebaut werden
Zielgruppe
  • Eher auf Männer bezogene Inhalte
  • Vermittlung von Allgemein-, Handlungs- und häufig auch Fachwissen meist zu Themen aus Technik und Wissenschaft, aber auch zu historischen, Alltags- und Ernährungsthemen
Inhaltliche Aufbereitung
  • Gleichbleibender Ablauf der Beiträge, beginnend mit verschiedenen Kernfragen, die im weiteren Verlauf beantwortet werden
  • Verwendung von Dokumentationen, Reportagen und Inszenierungen als Stilmittel
Visuelle Aufbereitung
  • Häufiger Einsatz von Computeranimationen zur einfachen Darstellung auch schwieriger Sachverhalte
  • Verwendung hochwertiger Bilder, Nah- und Detailaufnahmen sowie vieler Schnitte, um ein Höchstmaß an unterschiedlichen Bildern zu liefern
Auditive Aufbereitung
  • Verwendung von Musik und Soundeffekten, die die Beiträge spannend und kurzweilig machen
Nutzen für den Rezipienten und Fazit
  • Spannende und kurzweilige Vermittlung von im Alltag mehr oder weniger nützlichen Informationen, wie bspw. der Test neuer Erfindungen auf Alltagstauglichkeit unter der Rubrik TechCheck oder die Funktionsweise technischer Geräte
  • Qualitativ hochwertiges und, aufgrund der Themenauswahl und –aufbereitung, beim Zuschauer sehr beliebtes Format


Quarks & Co

Formale Aspekte
  • Sendezeit und Dauer: dienstags 21:00 Uhr im WDR, 45 Min.
  • Produktion: WDR
  • Komplette Sendung jeweils nur einem bestimmten Thema gewidmet
Einstieg in das Thema
  • Als Voraussetzung zum Verständnis der weiteren Sendungsinhalte sehr ausführliche Moderation mit Darstellung naturwissenschaftlicher Zusammenhänge, teilweise unter Einsatz von Experimenten und Schaubildern, durch den Physiker Ranga Yogeshwar
Zielgruppe
  • Breite Zielgruppe, insbesondere aber Altersgruppe um die dreißig
  • Zuschauer, die sich für fundiertes Grundlagenwissen aus allen Sparten der Wissenschaft, vor allem aber für Naturwissenschaften, interessieren
Inhaltliche Aufbereitung
  • Themenaufbereitung in Zusammenarbeit mit vielen Universitäten und Wissenschaftlern
  • Übersichtliche, in sich schlüssig gegliederte Beiträge, die einfache Sätze verwenden und weitgehend auf Fremdwörter verzichten, Fachbegriffe werden erklärt
  • Aufbereitung der Informationen unter dem Aspekt, Wissenschaft nachhaltig, verständlich für alle Zielgruppen, faktenreich und kompetent zu vermitteln
  • Archivtexte zu allen Beiträgen ab 1995 auf der Website sowie 30-minütige Zusammenfassung der Sendungen als Video-Podcast
Visuelle Aufbereitung
  • Ebenso spannende wie ansprechende Präsentation, durchsetzt mit interessantesten Schaustücken und Experimenten, modernsten Grafiken und Computeranimationen
  • Aufwendig realisierte Filmbeiträge
Auditive Aufbereitung
  • Sendung mit Hintergrundmusik untermalt
  • Titelmusik aus dem Orchesterwerk Sinfonische Tänze vom russischen Pianisten, Komponisten und Dirigenten Sergei Rachmaninow
Nutzen für den Rezipienten und Fazit
  • Am Zuschauer orientierte Auswahl und Gestaltung der Themen, um eine möglichst einfache Botschaft zu schaffen, die dieser mit nach Hause tragen kann
  • Direkte Nutzbarkeit der Informationen oder, bei abstrakten Themen, Anregung zu Gesprächen im privaten Umfeld
  • Umfangreiche Zusatzinformationen auf der Website www.quarks.de
  • Eines der erfolgreichsten wissenschaftlichen Magazine im deutschen Fernsehen durch das positive Echo sowohl von Zuschauern, als auch von den Wissenschaftlern


Das Quiz mit Jörg Pilawa

Formale Aspekte
  • Sendezeit und Dauer: dienstags bis freitags 19.20 Uhr in der ARD, 25 Min.
  • Produktion: white balance und GRUNDY Light Entertainment
  • Keine Beiträge im herkömmlichen Sinne, da Quizshow; pro Sendung kommen ca. zwei Kandidatenpaare an die Reihe
Einstieg in das Thema
  • Anmoderierung der Sendung von Jörg Pilawa mit Begrüßung des Fernseh- und Studiopublikums, ggf. mit Vorstellung neuer Kandidaten
Zielgruppe
  • Hauptsächlich Erwachsene jeder Altersklasse mit mittlerem bis hohem Bildungshintergrund
  • Sehr vielfältige Wissensbereiche von Sport bis hin zu Naturwissenschaften
Inhaltliche Aufbereitung
  • Jeweils ein Kandidatenpaar, das zwölf Gewinnstufen überwinden muss, um im besten Fall 300.000 € zu gewinnen
  • Wissensvermittlung rein nach dem Frage-Antwort-Prinzip, d.h. kompletter Verzicht auf Fakten, Beispiele, Interviews etc.
  • Einbindung der Zuschauer durch Mitraten von zu Hause aus
Visuelle Aufbereitung
  • Spannungsbogen mit Hilfe von Lichteffekten und verschiedenen Kameraeinstellungen
  • Verzicht auf Animation oder erklärende Grafiken, mit Ausnahme der nach jeder Frage eingeblendeten Grafik mit der aktuell gespielten Gewinnstufe sowie der eingeblendeten Frage mit den vier Antwortmöglichkeiten für die Zuschauer
  • Studio eher schlicht und zweckmäßig eingerichtet, ohne aufwendige und ablenkende Gestaltung
Auditive Aufbereitung
  • Gezielter Einsatz von Musik und Geräuschen, wie bspw. spannende Hintergrundmusik, sobald eine Frage gestellt wurde
Nutzen für den Rezipienten und Fazit
  • Keine nachhaltige Wissensvermittlung, Schwerpunkt eher auf Unterhaltung
  • Lerneffekt eher zufällig, beschränkt auf einzelne Fragen aus einem bestimmten, den Zuschauer interessierenden, Gebiet; nicht auf praktische Verwendung ausgelegt
  • Dennoch sehr beliebtes Format