XI. HdM-Symposium zur Medienethik

„Gender-Diskurse in den Medien“
Dienstag, den 06. Dezember 2011

Hochschule der Medien Stuttgart
Raum 011/012 (Audimax)

Medien sind Orientierungsinstanzen für Menschen – sie vermitteln Rollenbilder, Alltagspraktiken und normative Gender-Modelle. Im Unterschied zu den 1980er Jahren sind Frauen mittlerweile in den populären Medien allgegenwärtig sichtbar – ob als Moderatorin, Supermodel oder Kommissarin. Junge Frauen verstehen sich als „Top Girls“ (Angela McRobbie), die Karriere, SEX & THE CITY und Kinderwunsch miteinander verbinden wollen. Gleichzeitig gibt es einige Indizien dafür, dass nach wie vor Geschlechterdifferenz und Hierarchieverhältnisse in Alltag und Gesellschaft existieren, wie die Hypersexualisierung von Frauen in den populären Medien, unterschiedliche Karrieren von Journalistinnen und Journalisten, die geringe Anzahl an Frauen in wissenschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Spitzenpositionen etc.

Welche Gründe dafür, dass Gender Mainstreaming, also die Gleichstellung der Geschlechter, bislang nur bedingt erfolgreich ist, ist Streitpunkt in der Genderforschung und öffentlichen Debatte: Liegt es an der „Feigheit der Frauen“ (Bascha Mika), der De-Thematisierung des Feminismus, der funktionalen Gleichheitssemantik unserer ausdifferenzierten Gesellschaft (Niklas Luhmann) und/oder der Verinnerlichung „unbewusster Wahrnehmungs- und Bewertungsschemata der männlichen Ordnung“ (Pierre Bourdieu)?

Selbstkritisch muss sich die Medienethik fragen, warum sie das Gender-Thema bislang noch nicht reflektiert hat, obgleich durch die Mediatisierung von Alltag und Gesellschaft der Einfluss der Medien auf den kulturellen und sozialen Wandel massiv zugenommen hat und die Gender-Thematik genuin ethische Fragen betrifft: Wie wird die Machtfrage der „sexual politics“ in den Medien dargestellt, diesem zentralen Funktionssystem der Gesellschaft, das letztere widerspiegelt, aber auch formt – also nachbildet, aber auch Vorbild sein kann? Welche Rollen und Ausprägungen hat „Gender“ im redaktionellen Alltag? Welche Diskurse der Aushandlung von Geschlecht finden in den Medien statt? Wie werden normative Rollen und Rollenzuschreibungen reflektiert und erforscht? Welche ethischen Implikationen haben Geschlechterkonstruktionen und die Gender-Debatte für die Medien und damit für die Gesellschaft? Diesen Fragen widmet sich das XI. HdM-Symposium zur Medienethik.