XII. HdM-Symposium zur Medienethik

„Ökonomisierung der Wertesysteme ―
der Geist der Effizienz im mediatisierten Alltag“

Dienstag, den 04. Dezember 2012

Hochschule der Medien Stuttgart
Raum 011/012 (Audimax) und Foyer

Mit der allmählichen Durchsetzung der „Aufklärung“ als Leitidee ab Mitte des 18. Jahrhunderts und dem gleichzeitigen Ansetzen der Industrialisierung begann in der (westlichen) Welt der Siegeszug der Rationalisierung und der Quantifizierung – etwa in Form der Standardisierung von Prozessabläufen, der Gleichtaktung von Produktionsprozessen (damit verbunden auch: der Zeit), der „Vermessung der Welt“ (und damit auch: ihrer Eroberung) im Zeitalter globaler Waren- und Kapitalströme. Mit dem Sieg der Naturwissenschaften und der Technisierung ging das neue technokratische Paradigma von Planbarkeit, Messbarkeit und Steuerbarkeit – kurz: der Ökonomisierung – einher.

Etwa seit 1975, spätestens aber seit der Jahrtausendwende, mehren sich die Hinweise auf die Grenzen des ökonomistischen Weltbildes, das sich als allumfassend und „global“ verstand. Derzeit verschieben sich die Machtverhältnisse auf dem Planeten: Alte Imperien und Ideologien verblassen (teilweise), neue betreten die Weltbühne. Im gleichen Zuge etablieren sich neue Medienakteure und mediale Vermittlungsformen und schaffen neue Netzwerk-Imperien, in denen die Ökonomie der Daten (und die freiwillige Unterwerfung vieler Menschen unter die Logik der Daten) der zentrale Herrschaftsfaktor ist. Der damit einhergehende Wandel der Lebensverhältnisse und Leitmotive – für viele Menschen in ihrem Alltag am deutlichsten im technologischen Überbau der Digitalisierung und Vernetzung erfahrbar bei gleichzeitigem Niedergang vieler klassischer Industriezweige – erscheint als Zeit des Umbruchs. Alte Sicherheiten und das Gefühl von Planbarkeit schwinden, zugleich erscheint Effizienz als das Gebot der Gegenwart. Konturen neuer Werte zeichnen sich erst allmählich ab.

Dieses Symposium geht den Ursprüngen und Auswirkungen der Ökonomisierung in vielfältigen Gesellschaftsbezügen nach und will versuchen, Umrisse einer neuen Werteethik aufzuzeigen. Dabei soll untersucht werden, inwieweit die Medien als zentrales gesellschaftliches Funktionssystem eines zunehmend mediatisierten Alltags sowohl Vermittler als auch Faktor der Ökonomisierung sind.



Prof. Dr. Swaran Sandhu, Professor im Studiengang Werbung und Marktkommunikation an der Hochschule der Medien, liefert erste Eindrücke vom XII. HdM-Symposium zur Medienethik.
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