Medienwirtschaft 01. Dezember 2011

„Medien-Kompetenz in Wertefragen stärken"

Professorin Dr. Petra Grimm hat den Landeslehrpreis für das Projekt „Medienethik-Award META" erhalten. Über die Idee, die Arbeit daran und ihre Pläne mit dem META haben wir mit ihr gesprochen.

Prof. Dr. Petra Grimm
Prof. Dr. Petra Grimm

Der META versteht sich als Qualitätssiegel für wertebewusste und ethisch orientierte Medieninhalte. Sie haben das Projekt ins Leben gerufen. Wie entstand die Idee und was steckt dahinter?

Die Idee entstand im Kontext des Medienethik-Symposiums, eine öffentliche Veranstaltung an der Hochschule der Medien, die einen wissenschaftlichen Rahmen für medienethische Fragestellungen bietet und bundesweit konkurrenzlos ist. Hier hatte sich herauskristallisiert, dass eine Auseinandersetzung der Studierenden mit medienethischen Themen und Perspektiven in der Lehre noch nicht selbstverständlich ist. Der META wurde dann 2002 als Teamidee von mir und Prof. Dr. Wilfried Mödinger geboren.

Der Name META steht für Medienethik-Award. Es ist der deutschlandweit einzige Medienethikpreis, der seit 2003 jährlich durch Studierende als Qualitätssiegel für herausragende Beiträge in den Medien verliehen wird. Mit dem Begriff „Meta" soll signalisiert werden, dass dieser Preis auch eine übergeordnete Ebene, eben die der Reflexion bezeichnet. Das ganze Projekt soll dazu dienen, unter den Studierenden die Debatte über die Qualität von Medieninhalten zu intensivieren und somit ihre Reflexionsfähigkeit zu fördern. Den Studierenden soll außerdem die Wertethematik näher gebracht werden, um sie als zukünftige Medienschaffende mit der nötigen (Medien-)Kompetenz in Wertefragen auszustatten.

Wie viel Arbeit steckt für Sie und ihre Studierenden dahinter?

Der META wird jedes Jahr von zwei Projektteams aus dem Studiengang Medienwirtschaft verliehen. Das studentische Team im Sommersemester stellt die Jury dar; sie analysiert und bewertet anhand der MediaCharta mögliche Preisträger. Den Kriterienkatalog für journalistische Qualität und ethische Relevanz von Beiträgen haben die Studierenden unter meiner Anleitung erarbeitet. Auf der Grundlage wurden dieses Jahr beispielsweise 4.938 Artikel in Wochenzeitungen und Wochenmagazinen sowie 635 Beiträge in TV-Magazinen zum Thema „Gender - Lebensentwürfe und Geschlechterbilder" untersucht. Das studentische Team im Wintersemester organisiert alles rund um die META-Preisverleihung und das Medienethik-Symposium. Auf dem Symposium wird die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema des META vertieft. Zu den Aufgaben zählen hier die Konzeption des Events, die PR- und Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld und die Akquise von Sponsoren. Außerdem erstellen die Studierenden audiovisuelle Beiträge - wie etwa Trailer, Hörfunk-Beiträge für das Hochschulradio Horads und Einspieler - und gestalten Plakate und Flyer, die das jeweilige Thema des META für ein hochschulweites Publikum medial präsent machen. Diesen gesamten Prozess anzuleiten, zu korrigieren und nach außen und innen erfolgreich zu kommunizieren sowie die einzelnen Schritte der Studierenden in einen konstruktiven Lernprozess zu kanalisieren, sind die wichtigsten Aufgaben, die in Teamarbeit mit meiner Kollegin Karla Neef erfolgen.

Was sind die größten Herausforderungen?

Erst einmal geht es darum, die Textkompetenz der Studierenden, ihre Argumentationsfähigkeit und ihr Gespür für guten Journalismus zu entwickeln. Auch gilt es, die Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen zu initiieren und die Reflexionsfähigkeit der Studierenden über sich selbst und die Gesellschaft zu unterstützen. Praktisch gesehen müssen auch immer wieder neue Ideen für die Eventgestaltung und die Kommunikation des META in der Öffentlichkeit entwickelt werden.

Dieses Jahr wird der META zum neunten Mal verliehen. Welche Entwicklung haben Sie in den vergangenen Jahren festgestellt?

„Steter Tropfen höhlt den Stein": Der META ist nun zu einem wichtigen Preis in der journalistischen Landschaft geworden und hat enorm an Aufmerksamkeit gewonnen. Nicht zuletzt die Neutralität und Objektivität der studentischen Jury ist sein besonderes Kennzeichen und überzeugt dadurch auch die Journalistinnen und Journalisten. Ebenso wurde die Eventgestaltung immer professioneller. Die Studierenden konnten auf den Erfahrungen der früheren Teams aufbauen und jedes Jahr den Prozess etwas optimieren.

Wir gratulieren Ihnen herzlich zum Landeslehrpreis. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?

Sie bestätigt mich darin, dass sich ein langer Atem doch lohnt ... und die Relevanz der Medienethik nun auch öffentlich sichtbar wird. Auch den Studierenden wird damit signalisiert, dass ihr Engagement nicht umsonst war.

Welche Pläne haben Sie mit dem Preisgeld?

Das Preisgeld garantiert, dass wir den META auch zukünftig professionell gestalten können und weitere medienethische Projekte realisieren können. Des Weiteren plane ich, ein praxisnahes Medienethik-Handbuch für Schulen zu erstellen.

Was wünschen Sie sich für das Projekt META?

Weiterhin eine gute Kooperation mit den Kollegen aus dem Studiengang Medienwirtschaft sowie aus den benachbarten Studiengängen und Fakultäten. Deshalb geht auch mein Dank an Prof. Dr. Oliver Zöllner, der dieses Jahr wieder als Mitveranstalter dabei ist. Für den nächsten META 2012 haben wir uns das Thema „Ökonomisierung der Werte" vorgenommen. Damit soll die aktuelle Finanzkrise und die Frage nach gesellschaftlichen Veränderungen thematisiert werden.

Wie sehen Sie das Thema Medienethik in der Lehre?

Was wollen Sie den künftigen Medienexperten mit auf den Weg geben? Medienethische Themen sind noch nicht ausreichend in der Hochschullandschaft vertreten, obgleich ja klar ist, dass die Absolventinnen und Absolventen als zukünftige Medienschaffende beziehungsweise Medienexperten für Kommunikationsinhalte, Strategien und Medienstrukturen per se auch eine gesellschaftliche Verantwortung tragen - ob sie wollen oder nicht. Denn Medien beeinflussen unsere Sicht der Welt, unser alltägliches Handeln und unsere Arbeitswelt. Das heißt, im Zuge der Mediatisierung unserer Lebenswelt und des Web 2.0 nimmt die Verantwortung der Nutzer immer mehr zu und deshalb brauchen wir auch eine Verständigung darüber, wie unsere Kommunikationswelt aussehen soll, etwa was den Datenschutz, die Partizipationsmöglichkeiten oder die „Tugenden der Medienkultur" betrifft. Die Absolventinnen und Absolventen sollten als zukünftige Medienschaffende ein Stück weit für medienethische „Brennpunkte" sensibilisiert werden und sich ihrer Verantwortung bewusst sein.

Irina Sinner / Kerstin Lauer

Petra Grimm

Die Professorin lehrt seit 1998 im Bereich Medienforschung/ Kommunikationswissenschaft im Studiengang Medienwirtschaft der HdM. Zwei Jahre später übernahm sie das Amt der Ethikbeauftragten der HdM. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen die Themen Gewalt in und via Medien, Handy- und Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen, Medienethik, Privatheit und Medien. Von 2006 bis 2010 war sie Dekanin der Fakultät Electronic Media der HdM.

Kontakt

Name:
Prof. Dr. Petra Grimm  Elektronische Visitenkarte
Funktion:
Professorin
Studiengang:
Medienwirtschaft (Bachelor)
Fakultät:
Fakultät Electronic Media
Raum:
225, Nobelstraße 10 (Hörsaalbau)
Telefon:
0711 8923-2202
E-Mail:
grimm@hdm-stuttgart.de