Klaus-Peter Off:

Verpackung und Transport von Druckerzeugnissen

1. Thematik "Verpackung und Umwelt"
2. Verpackung von Druckprodukten
3. Prozeßabschnitt "Erzeugnis verpacken"
4. Erläterung von verpackungstechnischen Begriffen
5. Packstoffe
6. Ökologische Gesichtspunkte
7. Transport von Druckerzeugnissen
8. Fazit

1. Thematik "Verpackung und Umwelt"

"Nahezu jedes Produkt auf dem Markt erscheint in einer Verpackung. Verpackungen umhüllen und bewahren, sie definieren und informieren, sie profilieren und identifizieren. Lagerung, Transport, Selbstbedienung und Vorratshaltung bedingen eine schützende und tragende Hülle. Eine Verpackung, welche das Gut nicht ausreichend schützt, ist ökologisch gesehen eine fragwürdige Verpackung. Denn der zu bewahrende Inhalt besteht fast immer aus einem ungleich höheren Ressourcen- und Energiewert, als es die Verpackung ist. Demnach ist die Verpackung kein Selbstzweck (seltene Ausnahmen bestätigen diese Regel), vielmehr ist sie ein notwendiges Hilfsmittel. Zudem ist jeder Verpackungsentscheid auch ein Logistikentscheid, denn erst die Verpackung ermöglicht in unserer arbeitseiligen Welt die sichere Güterverteilung durch den Raum und Zeit. Insgesamt leistet somit die Verpackung einen deutlichen Beitrag zur Erbringung des Sozialproduktes und nimmt deshalb in der Wertschöpfung auch einen beachtlichen Platz ein."

JEAN PAUL WETZEL
"SRU 250 BUWAL; ÖKOINVENTARE FÜR VERPACKUNGEN"

2. Verpackung von Druckprodukten

Der Prozeßabschnitt "Erzeugnis verpacken" bildet das abschließende Glied in der Produktionskette und ist der Druckverarbeitung zuzuordnen. Hierzu ist anzumerken, daß das Verpacken von Druckerzeugnissen keinen wichtigen Platz in der Rangfolge von Umweltbetrachtungen in der Druckbranche einnimmt.

"Obwohl die Druckweiterverarbeitung viele einzelne Arbeitsvorgänge wie Schneiden, Falzen, Heften, Kleben, Verpacken, etc. beinhaltet, werden die Umweltauswirkungen der Druckweiterverarbeitung zur Zeit als relativ gering eingeschätzt."

BETRIEBLICHER UMWELTSCHUTZ 8; LANDESGEWERBEAMT BADEN-WÜRTTEMBERG

Trotzdem sollen hier einige Bemerkungen bzw. Anregungen zum Prozeßabschnitt Erzeugnis verpacken allgemein und aus Aspekten des Umweltschutzes gemacht werden.

3. Prozeßabschnitt "Erzeugnis verpacken"

Der Verpackung werden eine Reihe von Funktionen zugeschrieben, die sich im wesentlichen auf drei Grundfunktionen reduzieren lassen:

Das Hauptaugenmerk wird auf die Schutzfunktion gerichtet. Das Druckprodukt soll vor mechanischen Beanspruchungen (Druck und Stoß) und klimatischen Einflüssen (Feuchtigkeit, Wärme bzw. Kälte) geschützt werden.

Die Verpackung hat auf die Rationalisierung des TUL-Prozesses (Transport-, Umschlag- und Lagerprozeß) einen wesentlichen Einfluß, denn erst durch die Automatisierung kann eine kostengünstigere Produktion erfolgen.

Ebenso werden auf Verpackungen ein Reihe von Informationen (Bilder, Schriften, maschinenlesbare Zeichen, etc.) angebracht, die bei der Realisierung von TUL-Prozessen eine wichtige Bedeutung haben. Zudem werden auf den Verpackungen viele Informationen für den Handel und den Kunden angebracht.

4. Erläuterung von verpackungstechnischen Begriffen

Eine Reihe von Begriffsdefinitionen aus dem Verpackungswesen ist in der DIN 55 405 zu finden. Wesentliche Grundbegriffe sind:

Als Packstoff werden Werkstoffe bezeichnet, die zur Herstellung von Packmitteln und Packhilfsmitteln verwendet werden.

Packmittel sind starre oder flexible Umhüllungen von Gütern. In der Druckbranche sind Einschläge und Schachteln bzw. Kisten üblich.

Als Packhilfsmittel werden notwendige bzw. zusätzliche Elemente in oder an der Verpackung bezeichnet. In der Regel haben Packhilfsmittel die Aufgabe, eine oder mehrere Grundfunktionen der Verpackung zu erfüllen oder zu verbessern. In der Druckbranche werden hauptsächlich Kennzeichnungshilfsmittel, Inneneinrichtung zur Lagensicherung, Polster, Kanten- und Eckenschutzelemente, Umreifung und Verschnürungen, Banderolen und Etiketten bzw. Beipackzettel verwendet.

Packmittel und Packhilfsmittel bilden gemeinsam oder auch jeweis allein die Verpackung.

Grundsätzlich wird unterschieden in:

Die Einzelverpackung eines Produktes ist in der Regel gleichzeitig Verkaufsverpackung, die das Produkt bis zum Verbrauch beim Endverbraucher umhüllt.

Die Sammelverpackung ist die Zusammenfassung von mehreren Produkten, die bereits einzeln verpackt sein können. Die Sammelverpackung dient der besseren Handhabung auf dem Weg vom Hersteller zum Handel.

Die Transportverpackung ist in den überwiegenden Fällen eine Ladeeinheit, die aus mehreren Einzelverpackungen oder aus einigen Sammelverpackungen gebildet wird, wobei diese häufig auf Paletten gestapelt werden.

Im juristischen Sprachgebrauch (Verpackungsverordnung) werden die Bezeichnungen:

verwendet.

5. Packstoffe

Die wesentlichen Packstoffe in der Druckbranche sind:

Papier wird für das Einschlagen von Einzelexemplaren, das Einschlagen und Banderolieren von Sammelverpackungen oder als Etikett bzw. Beipackzettel genutzt. Zum Einsatz kommen Papiere verschiedener Art, was mit den Anforderungen, die an den Packstoff gestellt werden, zusammenhängt.

Karton und Pappe werden für die Herstellung von Schachteln, als Packhilfsmittel in Form von Zuschnitten für Deck-, Zwischen- und Unterlagen oder als Kantenschutz für Sammelverpackungen und Ladeeinheiten verwendet. Zum Einsatz kommen viele Sorten, deren Unterschiede in der Faserzusammensetzung bzw. im Schichtaufbau und insbesondere im Anteil der Recyclingfasern bestehen.

Kunststoff findet vielfältige Anwendungen im Bereich der Packmittel und Packhilfsmittel. Überwiegend wird Polyethylen (PE) eingesetzt, wobei man LD-PE (low density PE) und HD-PE (high density PE) unterscheidet. LD-PE wird für Einschläge, Einwickler und Etiketten verwendet. Polyethylen ist eine farblose oder gefärbte, weiche, geschmeidige und dehnbare Folie, wasserabweisend, kältebeständig, beständig gegen organische und anorganische Chemikalien, aber nur mäßig transparent. Hervorzuheben ist die gute mechanische Festigkeit. PE-Folien sind recyclingfähig und unproblematisch bei der Verbrennung.

Neben der PE-Folie wird auch der Kunststoff PP (Polypropylen) verwendet, der im Gegensatz zur PE-Folie glasklar ist. Ansonsten sind die Eigenschaften von PE und PP sehr ähnlich.

Als Umreifungsbänder kommen PA (Polyamid) und PETP (Polyethylenterephthalat) zum Einsatz, die in der Druckbranche jedoch eine untergeordnete Rolle als Verpackungsmaterial spielen.

Metalle kommen im Verpackungsprozeß von Druckerzeugnissen in erster Linie als Umreifungsbänder und als Drahtklammern im Verbindungsbereich vor.

Holz kommt als Palette, Deckel oder Kiste als Packstoff zum Einsatz.

6. Ökologische Gesichtspunkte

Häufig wird bei der Packstoffdiskussion das Papier bzw. Karton/Pappe als umweltfreundlicher empfunden als Kunststoffe. Jedoch muß man klar diesen oberflächlichen Diskussionen eine Absage erteilen, da die Vielfalt an eingesetzten Packstoffen eine einfache Aussage nicht zuläßt.

Aus einer Vielzahl von Studien zu diesem Thema ergab sich, daß bei Papier bzw. Karton/Pappe die Einsatzquote des Sekundärrohstoffes Altpapier über 90% liegt. Die Tendenz, den eingesetzten Primärrohstoff aus Frischfasern weiter zu reduzieren, ist steigend.

Die im Prozeß "Erzeugnis verpacken" eingesetzten Thermoplaste bestehen aus den Primärrohstoffen Erdöl und nachwachsenden Primärrohstoffen (Stärke, Pflanzenöl, etc.) und aus dem Sekundärrohstoff recycletes Kunstoff-Granulat.

Ökobilanzen, die im Bereich Verpacken zugunsten des Werkstoffes Papier oder zugunsten des Werkstoffes Kunststoff aufgestellt werden, wurden meist sehr speziell unter Verwendung ganz bestimmter hergestellter Werkstoffe und unter bestimmten verarbeitungstechnischen Bedingungen aufgestellt, so daß sich keine allgemeine Aussage zugunsten des einen oder anderen Werkstoffes aufstellen lassen.

Die in der Druckbranche eingesetzten Verpackungen lassen sich fast alle recyclen bzw. verwerten und sind fast ausschließlich ökologisch unbedenklich.

Trotzdem ist festzuhalten, daß ein hoher Anteil der Verpackungen im Hausmüll bzw. im hausmüllähnlichen Gewerbeabfall landet. Dies ist ökologisch nicht vertretbar, und deshalb müssen einige wichtige Punkte bezüglich Verpackung und Umwelt hier betrachtet werden:

Positive Ansätze gibt es schon, und die Tendenz, unter ökologischen Gesichtspunkten Druckerzeugnisse zu verpacken, ist steigend.

Einige ausgewählte Beispiele sollen hier erwähnt werden. Im Produktbereich Bücher ist festzustellen, daß vor allem Taschenbücher nur noch selten in PE-Folie einzeln verpackt werden. Die Verlage haben hier ein klares Zeichen zur Vermeidung von Verpackungen gesetzt. Bei hochwertigeren Büchern ist dieser Trend nicht so stark ausgeprägt. Im Bereich von Zeitschriften wird beim Einzelversand mehr und mehr auf Packmittel verzichtet, was positiv zu vermerken ist. Jedoch beim Bilden von Sammelverpackungen ist dieser Trend nicht auszumachen, da die Schutzfunktion (hauptsächlich vor Feuchtigkeit und Schmutz) einer Logistikeinheit bewahrt werden muß. Zunehmend werden jedoch immer dünnere PE-Folien zum Einschweißen genutzt, was das eingesetzte Material reduziert und den Energieaufwand für das Einschweißen mindert, da dünnere PE-Folie bei niedrigeren Temperaturen schrumpft. Im Bereich von Telefonbüchern ist ein Trend zu verzeichnen, daß die Verlage auf Sammelverpackungen mehr und mehr verzichten und nur noch die Transportverpackung mit Folie umhüllen. Ein weiterer positiver Trend ist bei Sammelverpackungen aus Wellkarton festzustellen. Der Wellkarton, der in der Herstellung sehr energieintensiv ist (Wellenbildung), wird mehr und mehr auf seine speziellen Anforderungen gegen Stoß und Druck eingesetzt, was eine überdimensionierte Wellenschichtbildung reduziert. Es gäbe sicherlich noch zahlreiche Beispiele anzuführen, jedoch sollte jedes Unternehmen seine eigene Produktpalette prüfen und mögliche umweltschonende Maßnahmen ergreifen. Hierbei ist klar zu sehen, daß eine umweltschonendere Verpackung meist nicht konträr zur Kostenminimierung im Prozeß "Erzeugnis verpacken" steht.

7. Transport von Druckerzeugnissen

Der Transport von Druckerzeugnissen erfolgt in einem außerordentlich hohen Anteil über die Straße, was natürlich große Umweltbelastungen in Form von Schadstoffemissionen (Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Stickstoffoxide, Dieselrußpartikel, etc.) und Ressourcenverbrauch darstellt. Auch der entstehende Lärm und der Landschaftsverbrauch sind ökologisch nicht zu vernachlässigen. Der Ansatz "Vermeiden vor Vermindern" kommt auch beim Transport von Gütern zur Anwendung. Eine optimierte Tourenplanung bzw. verbesserte Terminierung der Produktion kann neben den positiven ökologischen Aspekten auch zu nicht geringer Kosteneinsparung führen. Desweiteren ergaben sich bei verschiedenen Studien über Transportwege und Ausnutzung der Ladekapazität, daß die Kapazität meist nicht optimal ausgenutzt wird. Eine optimierte Logistik ist anzustreben.

Neben den technischen Möglichkeiten zur Verminderung von Treibstoff sollten auch die durch den Menschen einzusparenden Potentiale bedacht werden. Studien haben ergeben, daß unterschiedliche Fahrstile einen Kraftstoffunterschied von 30% ergeben. Fahrerschulungen zu einer wirtschaftlichen Fahrweise sind heute aus ökologischer Sicht nicht zu vernachlässigen.

Auch die Wartung und Pflege der Nutzfahrzeuge trägt erheblich zum Einsparen von Ressourcen und zur Emissionsverminderung bei. Zu beachten sind hier sicherlich der richtige Reifendruck und die optimale Vergasereinstellung.

Positive Tendenzen sind klar zu erkennen, denn die Schadstoffemissionen gingen in den vergangenen 10 Jahren im Bereich der Nutzfahrzeuge zurück. Dennoch sollten weitere Anstrengungen auf diesem Sektor unternommen werden, auch beim Versenden von Druckprodukten können Kostenminderung und Umweltschutz vereint werden.

Ein weiterer Punkt innerhalb des Transportes von Druckerzeugnissen sollte der Ansatz sein mehr Erzeugnisse mit der Bahn zu transportieren, da die Schadstoffemissionen geringer sind, als beim Transport auf dem Straßenweg. Zudem wird eine erhöhte Nutzung der Ladekapazität erreicht, was durch zahlreiche Statistiken im Transportwesen nachgewiesen ist.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den es zu betrachten gilt, ist der Transport von Zwischenprodukten und der Transport zu Veredlungsstätten. Auch hier sollten die Transportwege in erster Linie vermieden werden. Ist dies nicht möglich, sollte man Produktionsstätten wählen, bei denen die Transportwege minimiert werden.

8. Fazit

Sowohl im Prozeß "Erzeugnis verpacken" als auch im Transport von Druckerzeugnissen kann ein betriebliches Umweltmanagementsystem von großen Nutzen sein. Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit sind keine Gegenpole, sondern es können durch Umweltprogramme Kosten eingespart werden, die Organisation verbessert werden und Wettbewerbsvorteile entstehen. Durch eine Teilnahme eines Unternehmens am Öko-Audit kann ein vernünftiges Umweltmanagement in einem Unternehmen aufgebaut werden. Es ist jedem Unternehmen zu raten, sich schon heute mehr mit Umweltpolitik auseinanderzusetzen, als es Verordnungen und Gesetze erforden, da der Nutzen eines Umweltmanagements weitaus größer ist als die Kosten und der Aufwand, die dem Unternehmen entstehen.

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