Redaktion Zukunft

Auslandssemester – eine Entscheidung „für“ Erfahrung

Sibirischer Schnee und alte Klassenkameraden von Arthur Kühltau, Praktikum SS 2008


"Sieben scharfe Enten" auf thailändisch von Jurgen Steiner, Praktikum SS2008


Schöne Begegnungen in Cairo mit Rebakka Henschel, Auslanssemester WS2010


Schwedisch Crash Kurs mit Eugenia Panushkin, Master Studium 2008-2009


26.10.2011

Was sich Viele wünschen, aber nur Wenige trauen - ein "Blick über den Tellerrand"

Ich stehe am Anfang des 3. Semesters und studiere Informationsdesign an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Von Abgabeterminen und Prüfungsvorbereitungen lasse ich mich noch nicht aus der Ruhe bringen. Allgemein ist das Leben gerade sehr spannend für mich, eröffnet mir viele neue Ideen und regt meine Kreativität an. Deswegen habe ich mich entschieden, ein Semester im Ausland zu verbringen. Erstens bietet es mir die Möglichkeit ein anderes Land kennen zu lernen ohne das Studium zu unterbrechen und zweitens kann ich nur an Lebenserfahrung gewinnen.

Sich vorab genau informieren!
Auf der Suche nach einem passenden Programm habe ich „The International Day“ an der Hochschule der Medien besucht. Ein Informationstag, der Interessierten viele nützliche Informationen rund um das Thema Auslandsaufenthalt liefert. Von der Hochschule in Fragen zur Bewerbung unterstützt und sie stellt den Kontakt mit Partnerhochschule her. Ich persönlich mache mir Sorgen um ganz andere Dinge: Wie soll ich mich verhalten, wenn ich in dem fremden Land ankomme? Wo soll ich mit dem einem oder anderem Problem hin? Wo ist es besser und günstiger zu wohnen? Was sieht mein Stundenplan vor? Und und und… Meist sind das interkulturelle Fragen, die aber früher oder später auftauchen. So habe ich mich bereits mit Studierenden in Verbindung gesetzt, die schon die Erfahrung im Ausland gesammelt haben. Ich wollte erfahren, wie ihre persönlichen Erfahrungen waren - vielleicht ein paar witzige Geschichten, die mir meine Bedenken nehmen.

Außerdem habe ich mich an Martina Schumacher gewendet, die an der Hochschule der Medien verschiedene Austauschprogramme betreut. Wir haben uns über ihre Erfahrungen mit Studenten, die es in die Ferne gezogen hat, unterhalten. Welche Fragen und Probleme haben die Studenten vor und nach dem Auslandssemester, was hat sie begeistert, was frustriert und wie funktioniert das mit der Anrechnung der Leistungen von anderen Hochschulen?

Anna Zolotareva: Frau Schumacher, wie kam es dazu, dass Sie Auslandsaufenthalte betreuen? Haben Sie selbst eine solche Erfahrung während Ihres Studiums gemacht?
Martina Schumacher: Ja, ich bin ein absoluter Überzeugungstäter. Au Pair in Paris, Sprachkurs in Italien, Rucksackreise in Australien und Praxissemester in Chile – ich weiß, was ein Auslandsaufenthalt mit einem Menschen macht und meine Berufung ist es, möglichst vielen Studierenden hier an der HdM diese Erfahrung zu ermöglichen.

AZ: Was bringt einem ein Austauschsemester bzw. Auslandspraktikum?
MS: Bei so einem „Blick über den Tellerrand“ können Sie eine Menge lernen: Selbständigkeit, Selbstwertgefühl, neue Kulturen, Sprachen, Flexibilität, eine Reflexion über ihr bisheriges Leben. Im Prinzip erproben sie alle so genannten „Soft Skills“ während eines Auslandsaufenthaltes.

AZ: Führen Sie eine Art Statistik bezüglich Kooperation mit unseren Partnerhochschulen? Welche sind denn am Beliebtesten?
MS: Unsere Dauerbrenner sind unsere Partnerhochschulen in den USA, in Kanada und Großbritannien sowie nach wie vor Skandinavien, insbesondere Schweden.

AZ: Was ist wichtig, um sich erfolgreich zu bewerben und eventuell ein eigenes Auslandssemester zu organisieren?
MS: Sie müssen wissen, in welches Land sie möchten und das möglichst rechtzeitig. Mit rechtzeitig meine ich sechs bis zwölf Monate vorher.

AZ: Was macht den Studenten vorerst Sorgen, mit welchen Fragen kommen sie zu Ihnen?
MS: Viele trauen sich nicht, sich um ein Stipendium zu bewerben, weil sie meinen, sie seien nicht gut genug. Das ist in den meisten Fällen eine unberechtigte Annahme. Ein weiteres Gerücht ist, dass die Studierenden denken, sie würden mit einem Auslandssemester ein Semester „verlieren“ und müssten nach ihrer Rückkehr alles nachholen. Erstens verliert man im Ausland nicht, sondern man gewinnt und zweitens kann man vorher im Studiengang absprechen, welche Leistungen aus dem Ausland angerechnet werden können.

AZ: Mit welchen Problemen werden die Studenten im Ausland konfrontiert? Wenden sie sich dann an Sie oder werden Probleme meist innerhalb der studentischen Betreuung am Studienort im Ausland geregelt?
MS: Im Ausland trifft so manchen das richtige Leben mit echten Problemen, die gelöst werden müssen. Normalerweise ist man dann alleine und kann nicht auf die schnelle Hilfe von Freunden oder Familie zurückgreifen. Meine Erfahrung ist jedoch, dass die meisten Studenten ihre Probleme gelöst kriegen und mich nicht dazu brauchen.

AZ: Inwieweit kann ein Stipendium bei einem Auslandssemester einen von den Kosten entlasten?
MS: Es gibt jede Menge Stipendien, auf die sich unsere Studierenden erfolgreich bewerben. Stipendiat zu sein hat einerseits finanzielle Vorteile, andererseits aber auch den Vorteil, in ein Netzwerk eingebunden zu sein, Visa-Unterstützung zu bekommen, Vor- und Nachbereitungsseminare besuchen zu können und so weiter.

AZ: Was denken Sie könnte man noch verbessern, vereinfachen oder verändern im Austauschprozess?
MS: Ich würde mir mehr Unterstützung aus den Fachbereichen wünschen, die mir dabei helfen, neue Kontakte zu internationalen Hochschulen zu knüpfen sowie die bestehenden zu pflegen.



Nicht viel nachdenken - gleich bewerben!
Die Gespräche mit den Studierenden und Frau Schumacher haben mich inspiriert und begeistert, sodass es keinen Zweifel mehr gab. Als dieser Artikel veröffentlicht wurde, habe ich mich für ein Auslandspraktikum beworben und warte jetzt auf die Zusage. Natürlich kann mir keiner garantieren, dass es klappt und vielleicht habe ich noch nicht alles genau bedacht. Man sollte aber mutig sein und sich nicht von kleinen Schwierigkeiten abschrecken lassen. Meine Vorbereitungen haben schon begonnen: demnächst schreibe ich mich in einen Sprachkurs ein, um mein Englisch aufzufrischen und versuche ein paar Kontakte mit Studierenden im Ausland zuknüpfen.
Und ich muss zugeben, dieses Gefühl der Vorfreude ist richtig schön!

Die Macher

Anna Zolotareva, Studentin Informationsdesign (Bachelor) (seit 01.09.2010)

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