HOME - SMIL: Version 1.1 vom 30.06.2000 © Wolfgang von Keitz


Vorwort

Grundlagen

Layout
Zeit
Bilder und Texte
SMIL und HTML
Referenz
Beispiele
Anhang
Quellen

1. Grundlagen

1.2. Was ist SMIL?

SMIL steht für Synchronized Multimedia Integration Language. SMIL ist HTML sehr ähnlich. Mit HTML ist es möglich, das Layout einer HTML-Seite exakt zu gestalten, Objekte unterschiedlicher Formate zu integrieren, und sowohl statische als auch dynamische Präsentationen zu erzeugen. Auch SMIL bietet diese Funktionalität, allerdings bezogen auf jede Art von Multimediaobjekt. Im Vergleich zu HTML bietet SMIL die Möglichkeit, Audio- und Videoobjekte zu integrieren, sowie die zeitliche Präsentation von Objekten genau zu steuern.

Ein HTML-Dokument wird vom Web-Server mit dem Hypertexttransferprotokoll (http) zum Client übertragen. Das übertragene HTML-Dokument wird dabei schrittweise auf dem Bildschirm sichtbar, ohne dass der zeitliche Ablauf der Übertragung oder der Präsentation der einzelnen Objekte kontrolliert werden kann. Dies ist bei traditionellen HTML-Seiten, die aus Texten und Bildern bestehen, auch gar nicht erforderlich. Texte und Bilder einer HTML-Seite erscheinen nach ihrer vollständigen Übertragung auf dem Bildschirm. Ihre Präsentation ist an keinen festen zeitlichen Ablauf gebunden.

Dies ist bei multimedialen Präsentationen anders. Text, Ton und statische oder laufende Bilder werden in einer vorher genau definierten zeitlichen Folge präsentiert. Bei einem Film ist es ist wichtig, dass der Ton zusammen mit dem entsprechenden Bild wahrgenommen werden kann, usw.. Um dies zu erreichen, müssen Multimediaobjekte kontinuierlich und nach einem klar definierten zeitlichen Schema übertragen werden. Die genaue zeitliche Steuerung und Kontrolle der Übertragung ist für eine Multimediapräsentation also eine entscheidende Determinante. Um dieses Problem zu lösen, wurde SMIL entwickelt. Über die zeitliche Steuerung und Konrtolle der Übetragung und des Ablaufs eine Multimediapräsentation hinaus, kann SMIL auch zur Kontrolle des Layouts der Präsentation verwendet werden. Vereinfacht ausgedrückt: SMIL dient der Positionierung, Synchronisation und Präsentation von Multimediaobjekten.

SMIL-Präsentationen können auf einer CD oder Platte eines PCs abgelegt sein und bei Bedarf abgerufen werden. Die Nutzung von SMIL ist also nicht an das Internet gebunden. Die Stärke von SMIL liegt aber eindeutig bei Multimediapräsentationen im Internet. Mit SMIL kann definiert werden, wann, wie, was, von wo und wohin übertragen wird. Im Zusammenspiel mit einem RealServer kann das Realtimestandardprotokoll (rtsp) benutzen werden. Dies bedeutet, dass das SMIL-Dokument sequentiell abgearbeitet und die dazugehörenden Multimediaobjekte kontinuierlich übertragen werden. Der Player, der die übertragenen Informationen auf dem Bildschirm sichtbar macht, regelt zudem den Übertragungsvorgang. Dies hat den entscheidenden Vorteil, dass eine Präsentation parallel zum Ladevorgang kontinuierlich betrachtet werden kann. Der RealServer erzeugt nach dem Realtimestreamingprotokoll einen kontinuierlichen Datenstrom, der von dem Realplayer auf der Nutzerseite kontinuierlich sichtbar und/oder hörbar gemacht wird.

Wie bereits betont, ist SMIL eng mit der Streamingtechnologie verbunden. Bevor SMIL entwickelt wurde, diente die Streamingtechnologie lediglich zur kontinuierlichen Übertragung von Audio- und Videoclips. Internet-Radiosender und später Internet-Fernsehsender bedienten sich dieser Technologie, um ihre Programme in Teilen oder vollständig über das Internet weltweit zu übertragen. Als nächstes nutzten Webmaster die Möglichkeit, Audio- und Videoinformationen als Teil ihrer Webpräsentation anzubieten. Mit SMIL wurde ein neues Kapitel in der Geschichte der Streamingtechnologie aufgeschlagen. Während früher ein Audio- oder Videoclip nach dem anderen abgespielt wurde, wurde es mit SMIL möglich, die Streamingtechnologie für eine integrierte Multimediapräsentation über das Internet zu nutzen. Clips können in HTML-Seiten integriert werden. Und nicht nur Audio- und Videoinformationen sondern auch Texte und Bilder lassen sich mit SMIL zu einer einheitlichen Präsentation zusammenfassen. Durch die Verwendung von Links, kann der Nutzer selbst bestimmen, was er wann sehen möchte. Damit ist der Weg offen, die interaktiven Möglichkeiten des World Wide Web und die des Internet-Rundfunks zu verbinden. Mit SMIL wird interaktiver Rundfunk möglich.

Doch nicht nur die Interaktivität macht die Nutzung von SMIL so interessant für Rundfunkanbieter. Mit SMIL kann ein Programmangebot entwickelt werden, das der Nutzer nach seinen Wünschen abrufen und gestalten kann. Kurz gesagt: Mit SMIL kann jeder sein eigener Programmdirektor werden.

SMIL ist nicht die einzige Technologie, mit deren Hilfe Multimediapräsentationen erstellt werden können. SMIL besitzt allerdings gegenüber anderen Multimediatechniken erhebliche Vorteile:

  • Die Streamingtechnologie kann viele unterschiedliche Datei-Formate übertragen; mit SMIL können die unterschiedlichen Formate zu einer einheitlichen Präsentation zusammengefasst werden.
  • Die in einer Präsentation benutzten Multimediaobjekte müssen physikalisch nicht auf einem einzigen Server liegen; mit SMIL können Multimediaobjekte, die auf räumlich verteilten Servern abgelegt sind, zu einer einheitlichen Präsentation zusammengefasst werden.
  • SMIL unterstützt Multilingualität; um beispielsweise ein Video in unterschiedlichen Sprachversionen übertragen zu können, produziert man eine Videodatei ohne Tonspur; nachträglich erstellt man Audiodateien mit den unterschiedlichen Sprachversionen; in einem SMIL-Dokument werden Video- und Audiodateien so miteinander verbunden, dass ein Nutzer automatisch die gewünschte Sprachversion des Videos erhält.
  • SMIL unterstützt unterschiedliche Bandbreiten; auf diese Weise ist es möglich, die Übertragung ein- und derselben Version einer Multimediapräsentation an die Bandbreite des Nutzers anzupassen.
  • SMIL-Präsentationen können so gestaltet werden, dass sie sich automatisch an die Gegebenheiten des Browsers oder Players des Nutzers anpassen.
  • SMIL bietet eine einfache Möglichkeit die Präsentationsdauer jedes einzelnen Multimediaobjekts zu kontrollieren.
  • SMIL bietet viele Möglichkeiten das Layout einer Multimediapräsentation zu gestalten.

Die Nutzung von SMIL setzt die Existenz von Texten, Bildern, Audios und Videos in digitalem Format voraus. Wie Texte, Bilder, Audios und Videos für das Internet so aufbereitet werden, dass sie mit Hilfe der Streamintechnologie gesendet werden können, wird in dem Skript "Internet-Broadcasting" erläutert.

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