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Hermann-Waßner-Preis

Der Hochschulpreis der HBI trägt den Namen seines ersten Rektors, ein Amt, das Hermann Waßner von 1961 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Dienst 1986 25 Jahre innehatte. Sein Nachfolger Peter Vodosek hat anläßlich des Ausscheidens von Hermann Waßner wie auch anläßlich seines Todes im Jahr 1997 sein Wirken und seine Bedeutung ausführlich gewürdigt.(1) Und doch scheint es angebracht, auch im Hinblick darauf, dass mit dem vollständigen Umzug in die Wolframstraße und der geplanten Fusion mit der HDM die Epoche der HBI endgültig abgeschlossen sein wird, sich seiner noch einmal zu erinnern. Dabei sollen besonders die Leistungen angesprochen werden, die diese Hochschule bis heute auszeichnen und die sie als ihren speziellen Beitrag in die gemeinsame neue Hochschule wird einbringen können.

Wenn auch der quantitative Ausbau, der sich unter seiner Leitung vollzog, keineswegs das dominierende Merkmal sein soll, so ist er doch so signifikant, dass er an erster Stelle genannt werden kann. Hermann Waßner wurde 1956 an eine Institution mit zwei hauptamtlichen Lehrkräften und einer halben Sekretärinnenstelle berufen. Als er Abschied nahm, waren 28 hauptamtliche Professoren und annähernd 25 sonstige Mitarbeiter in der Verwaltung und im Mittelbau tätig.

Hinter diesen Zahlen verbirgt sich der unermüdliche Einsatz, die Ausbildung den beruflichen Erfordernissen stetig anzupassen. Die sich verändernden Namensetiketten Schule - Institut - Fachhochschule - Hochschule sind zwar Ausdruck einer zunehmenden Akademisierung, sprich Theoretisierung der Ausbildung, sind aber auch ein Hinweis für die Bemühungen, die Fachausbildung mit einem ergänzenden Universitätsangebot zu verknüpfen. Das allerdings geschah nicht auf Kosten der eigentlichen bibliothekarischen Ausbildung, deren Verbesserung mit gleicher Intensität betrieben wurde. Frühzeitig wurden Fächer wie Betriebswirtschaftslehre, Datenverarbeitung, Kulturmanagement, Soziale Bibliotheksarbeit, Schulbibliotheken in das Lehrangebot aufgenommen und so die Ausbildungsinhalte kontinuierlich erweitert und ausgebaut. Hermann Waßner verstand es, die FHB (HBI) zu einer "lernenden Organisation" zu machen. Er besaß die besondere Gabe, Mitarbeiter zu motivieren, indem er ihnen immer einen größtmöglichen Handlungsspielraum gewährte. "Dadurch setzte er denen, die mit ihrem Pfund zu wuchern wußten, kreative Kräfte frei, die wiederum der Institution zugute kamen."(2)

Dem Goethe-Kenner Waßner war der Gedanke der Metamorphose nur allzu vertraut, wobei die nicht ganz deckungsgleichen deutschen Begriffe "Umgestaltung", "Verwandlung", "Entwicklung" gleichermaßen darauf zutreffen, wie Hermann Waßner die gemeinsame Arbeit mit dem Kollegium verstand, mit einem Kollegium, in dem er selber oft nur die Rolle des primus inter pares wahrnahm. Diese besondere Form des gemeinsamen kollegialen Gestaltens war eine Prägekraft, in die alle neu hinzugezogenen Dozenten mit einbezogen wurden. Sie bildet letztlich das Fundament auch der gegenwärtigen Arbeit.

Eine ganz eigene, originäre Leistung war die Schaffung des Musikbibliothekarischen Zusatzstudiums, das bereits im Jahre 1963 eingerichtet wurde und dem musikbibliothekarischen Berufsstand eine auch heute noch herausragende Stellung verschaffte, was auch international nach wie vor hohe Anerken- nung findet.

Hermann Waßner wirkte gleichermaßen nach außen. In zahlreichen berufspolitischen und anderen Gremien vertreten, wurde deutlich, wie sehr es ihm darum ging, die Professionalität des Berufsstandes zu verbessern. Das war auch der Beweggrund, sich in besonderem Maße der Fortbildungsarbeit anzunehmen, und zwar als Mitglied der Kommission für Fortbildungsfragen wie auch als Projektleiter für Fortbildung und Fernstudium.

Und er war ein herausragender Lehrer und Pädagoge. Ein Lehrer, weil er ein homme de lettres im wahrsten Sinne des Wortes war - und ein Pädagoge, weil er - mit Vodosek gesprochen - der Versuchung, den Überlegenen zu spielen "widerstand". Er stellte sich auch in kritischen Situationen vor die Studenten und hat ihnen manches nachgesehen und "Torheiten verziehen".(3)

Dass er sich mit besonderem Engagement der Blindenhörbüchereiarbeit annahm, war durch das eigene Schicksal bedingt. Eine kriegsbedingte, fast vollständige Erblindung war für ihn ausschlaggebend, sich für die Menschen einzusetzen, denen der Zugang zur Literatur und überhaupt zum Gedruckten vorwiegend nur über das gesprochene Wort erschlossen werden konnte. Es wird als eine der bewundernswertesten Leistungen seines Wirkens gelten müssen, dass diese schwere Behinderung sich auf die Aufgabenerfüllung und Aufgabenbewältigung für den Außenstehenden nie erkennbar ausgewirkt hat.

Der Hochschulpreis, der jetzt jährlich (und hoffentlich auch in Zukunft) mit seinem Namen verbunden ist, ist mit der Hoffnung verknüpft, dass das wissenschaftliche, pädagogische, berufspolitische, organisatorische und menschliche Wirken Hermann Waßners in der Erinnerung lebendig bleibt.


(1) Peter Vodosek: Abschied von der Fachhochschule. Hermann Waßner im Ruhestand. In: Buch und Bibliothek, 38 (1986)4, S. 372-374 Peter Vodosek: "Denn er war unser". Dem Andenken Hermann Waßners. In: HBI aktuell 1/98, S. 39-40 (2) Peter Vodosek: HBI aktuell, 1/98, S. 40
(3) Peter Vodosek: Abschied, a.a.O., S. 374





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