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Interview mit Thomas Grummt 02. Dezember 2008

Ehemaliger HdM-Student zu Besuch an der Hochschule

Studenten des Studiengangs Audiovisuelle Medien hatten im Rahmen eines dreitägigen Workshops die Gelegenheit, sich mit Thomas Grummt, einem erfahrenen Character Animator, auszutauschen und von ihm zu lernen.

Ehemaliger HdM-Student gibt Studenten Tipps
Ehemaliger HdM-Student gibt Studenten Tipps
Thomas Grummt hält Workshop an der HdM
Thomas Grummt hält Workshop an der HdM
Corinna Schmitz-Rathsfeld im Gespräch mit Thomas Grummt
Corinna Schmitz-Rathsfeld im Gespräch mit Thomas Grummt

Thomas Grummt studierte von 2001 bis 2005 selbst an der HdM den Studiengang Audiovisuelle Medien. Seitdem hat er es weit gebracht. Er war unter anderem an der Animation der Figur Lissi aus Bully Herbigs Erfolgsfilm "Lissi und der wilde Kaiser" beteiligt. Auch zum Kinofilm "Krabat" von Marco Kreuzpaintner trug er durch Animation von Raben einen wichtigen Teil bei. Corinna Schmitz-Rathsfeld (Master-Studentin an der HdM) und Jochen Bomm (Akedemischer Mitarbeiter Computeranimation) sprachen mit Thomas Grummt über seine Zeit an der HdM, seine Projekte und die Zusammenarbeit mit Bully.

Hochschule der Medien: Was ist es für ein Gefühl, wieder an der HdM zu sein? Diesmal allerdings nicht als Student, sondern als Leiter eines Workshops.

Thomas Grummt: Es ist ein gutes Gefühl, wieder hier zu sein. Gerade weil man genau weiß, wie das damals war, als man selbst noch Student war. Während ich hier studiert habe, gab es eher selten so etwas wie Workshops von Gastdozenten. Deshalb bin ich besonders froh, dass ich den Studenten etwas aus der Praxis erzählen kann. Es macht mir wahnsinnig Spaß, etwas von meinen Erfahrungen weiterzugeben.

Hochschule der Medien: Wie schätzen Sie das Potenzial des Nachwuchses hier ein?

Thomas Grummt: Da ich nur 3 Tage mit den Studenten zusammengearbeitet habe und es sich hauptsächlich um Studenten des vierten Semesters und ihre erste Studioproduktion handelte, kann ich mir darüber noch kein Urteil erlauben. Aber ich finde es super, wie motiviert und wissbegierig sie sind. Sie wollen auf alle Fälle etwas lernen und das ist die Hauptvoraussetzung, um voranzukommen. Man braucht diesen gewissen "Drive". Einfach nur dasitzen und zuhören bringt nichts, man muss üben und sich einbringen. Das klappte bei diesem Workshop sehr gut.

Hochschule der Medien: Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Studioproduktion an der HdM?

Thomas Grummt: Die Produktionen hier vergisst man nie. Ich erinnere mich noch an alle. Die erste, bei der ich mitgearbeitet habe, war "Perfect Match". Ich habe in einem Motion Capture Anzug gesteckt und war praktisch die Vorlage für die Hauptfigur im Film – ein Streichholz. Meine erste eigene Produktion war dann der Kurzfilm "Meeresrausch". Der Film hat uns damals sehr viel gebracht. Wir schickten ihn auf Filmfestivals ein, wodurch uns einige Türen geöffnet wurden. Es lohnt sich also, bei den Studioproduktionen Gas zu geben.

Hochschule der Medien: Nun zu Bully Herbigs Animationsfilm "Lissi und der wilde Kaiser" . Sie waren einer der Animatoren, die Lissi zum Leben erweckten. Erkennt man in den Figuren, die man animiert hat, etwas von sich selbst wieder?

Thomas Grummt: Das kann man selber immer schwer beantworten. So ist gerade Lissi sehr stark an die Lissi angelehnt, die Bully in seinen Sketchen spielt. Ich vermute, dass ein Animator unbewusst auch einige seiner Ticks und Macken an seine Figuren vererbt. Aber das sehen vor allem Menschen, die diese Ticks und Macken kennen. Wenn man einen Animator gut kennt, findet man teilweise seine typischen Bewegungen und Gesten in den Figuren wieder. Das kann oft sehr lustig sein.

Hochschule der Medien: Wie lief die Zusammenarbeit mit Bully? Haben Sie ihn überhaupt kennengelernt?

Thomas Grummt: Ja, ich habe ihn kennengelernt und fand die Zusammenarbeit sehr positiv und professionell. Im Gegensatz zu vielen anderen Regisseuren weiß er genau, was er sehen will. Er hat eine klare Vision von seinem Film. Ich habe zwar noch nicht mit so vielen Regisseuren zusammengearbeitet, weiß aber, dass so etwas nicht selbstverständlich ist.
Eine engere Beziehung zu Bully entstand bei unserer Zusammenarbeit allerdings nicht. Über 150 Leute waren an der Produktion beteiligt, darunter mehr als 20 Animatoren. Bei einer so großen Produktion ist es einfach wichtig, dass ein gewisser Abstand und Respekt vorhanden ist.

Hochschule der Medien: Im Film "Krabat" ging es nicht um die cartoonhafte Darstellung einer Figur, sondern um eine möglichst realistische Animation von Raben. Was macht Ihnen mehr Spaß?

Thomas Grummt: Bei Krabat war die Hauptvorgabe: Die Raben müssen eben aussehen wie Raben. Es gibt viele Szenen, die mit echten Raben gedreht wurden. Da darf man keinen Unterschied sehen. Die animierten Raben machen zwar Bewegungen, die echte Raben nicht können, wie zum Beispiel eine Umdrehung um sich selbst, wenn sie eine Verwandlung einleiten. Es muss aber immer natürlich aussehen. Das ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe.
Mir macht das cartoonartige Animieren mehr Spaß. Man kopiert nicht nur die Realität, sondern stellt die Realität kreativ dar, in einer karikaturhaften, übertriebenen Weise. Mir gefällt der künstlerische Anspruch dabei.

Hochschule der Medien: Können Sie schon etwas über Ihr nächstes Projekt sagen?

Thomas Grummt: Ich habe bewusst noch kein Projekt in Aussicht, weil ich mich entschlossen habe, das Online- Studium an der Animation Mentor School zu machen. Das dauert achtzehn Monate und ist hundert Prozent auf Character Animation spezialisiert.
Wenn man das Studium an der HdM beendet hat, ist man noch kein fertiger Animator. Ich habe gehofft, in meinen Jobs noch viel zu lernen, was bei "Lissi und der wilde Kaiser" auch der Fall war. Bei anderen Projekten war ich allerdings oft der einzige Animator und konnte nur aus meinen eigenen Fehlern lernen. Das ist sehr langwierig und frustrierend. Deshalb habe ich mich jetzt entschlossen, mir die Zeit zu nehmen und von Spezialisten dazuzulernen. Ich freu mich sehr darauf.

Hochschule der Medien: Was ist Ihr Erfolgrezept für die HdM Studenten?

Thomas Grummt: Je mehr man in das Studium selbst investiert, desto mehr nimmt man mit. Das klingt sehr schlicht, ist aber wirksam. Man muss selbst aktiv sein und sich früh entscheiden, wo man hin will. Man sollte einen klaren Schwerpunkt setzen und sorgfältig aus dem vielfältigen Angebot der HdM auswählen. Mein Rat an die Studierenden ist, während des Studiums viele Kontakte zu knüpfen und zu halten. Ich habe beinahe alle meine Jobs über Kollegen, Freunde und Empfehlungen bekommen. Networking ist gerade in nicht klassischen Berufen das A und O!

Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Grummt!

Kontakt

Name:
Jochen Bomm
 
Computeranimation
Telefon:
0711 8923-2214
E-Mail:
bomm@hdm-stuttgart.de
Name:
Prof. Dipl.-Ing. Uwe Schulz
 
Audiovisuelle Medien
Telefon:
0711 8923-2243
E-Mail:
schulz@hdm-stuttgart.de

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