Politainment mit US-Botschafter 12. November 2009
"Let's keep in touch, Mr. Ambassador!"
Der rote Teppich liegt, die Security steht und über 250 HdM Studenten warten gespannt. Philip Murphy, neuer amerikanischer Botschafter in Berlin, kann kommen. Es herrscht striktes Zeitmanagement. Aus den Lautsprechern schallt Rock- und Pop-Musik, eigens vom Botschafter zusammengestellt - es rockt...
Lady Gaga, Brittney Spears, U2.... - die Securtity und Studenten warten. Die Spannung steigt, dann die erste Überraschung: Statt wie geplant durch den Haupteingang zu kommen, wo das Rektorat zum Empfang bereit steht, kommt Botschafter Philip D. Murphy zusammen mit dem Generalkonsul für Süddeutschland Edward M. Alford, seinen Mitarbeitern und Sicherheitsleuten durch den Hintereingang der Hochschule statt über den roten Teppich im Foyer.
Ein bisschen wie ein Popstar lässt er sich bei seinem ersten Erscheinen feiern, winkend läuft er am Publikum vorbei, um dann erst einmal wieder zu verschwinden. Laut hören wir T.I. und Justin. Es kommt ein bisschen Partystimmung auf, während Botschafter Philip D. Murphy einen kurzen Blick hinter die Kulissen der Hochschule wirft.
Von Lady Gaga bis Rhianna
Um 14:40 Uhr ist er wieder da und begrüßt uns mit der Frage, welchen der gespielten Songs wir am liebsten mochten. Sein Einstand entspricht schon einmal nicht dem typischen Klischee eines Politikers. Aber er ist ja auch Botschafter der USA und dort ist bekanntlich alles ein bisschen anders: Locker und leger entledigt er sich erstmal seines Jacketts, krempelt die Ärmel hoch, beruhigt uns aber gleich mit dem Versprechen, sein Hemd anzubehalten. Begrüßt wird auf Deutsch, denn schließlich ist er seit drei Monaten im Amt, lebt jetzt hier und ist begeistert von Deutschland. Über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft möchte er reden und die heutigen Herausforderungen in den Kontext mit den deutsch-amerikanischen Beziehungen setzen. Wir sind gespannt.
Vom Marshall-Plan zum Mauerfall
Aus dem großen Fotoalbum der Geschichte hat er uns nicht nur schwarz-weiß Bilder mitgebracht, er erzählt von drei Amerikanern, die nach dem Ende des zweiten Weltkriegs das Potential Deutschlands und Europas förderten und nutzten. Gegen 14:55 Uhr weiß ich dann, dass über 140 Milliarden durch den Marshallplan nach Europa und Deutschland geflossen sind, dass die Sowjetunion und Osteuropa gerne hätten mit einsteigen können, wenn sie nur gewollt hätten. Der schlaksige, groß gewachsene Botschafter geht durch die Reihen, spricht das Publikum an, seine Stimme ist kräftig.
Dann kam der Botschafter auf den Fall der Berliner Mauer zusprechen: für die Welt ein epochales Ereignis und ein großartiges "Event of Peace and Democracy". Danach das Thema Klimaschutz: Die Umwelt und ihre Bewahrung gehören zu den Dingen, die nur global gelöst werden können. Zwischendurch versichert Philip D. Murphy mit einem leicht ironischen Unterton der Security, dass alles in Ordnung sei: "We are allright!"
Kriege, Klima und drei "E"
Dann kann die Show ja weitergehen. Wir streifen den Afghanistan-Krieg, allerdings mit einem Foto von leuchtenden befriedeten Kinderaugen und lernenden Mädchen in einer Schule. Das Bild sei das Ziel, so Philip D. Murphy und dafür müsse man sich engagieren. Und als er ein Foto von einem einsamen Eisbären auf einer Eisscholle hochhält, sagt er uns, dass Deutschland beim Klimaschutz spitze sei und die kommende Klimakonferenz auch auf die Unterstützung der USA zählen könne.
Auf einen kurzen Ausflug in die Welt seiner persönlichen Helden dürfen ihn wir auch begleiten. Getreu seinem Motto der drei "important E" lernen wir, dass „Engagement" wichtig für demokratische Staatsbürger sei, dass "Educate", das ist, was wir machen, nämlich uns bilden, und schließlich "Exchange", als wichtiger Faktor für gegenseitiges Verständnis. Studenten-Austauschbegründer James Fulbright sei deshalb einer seiner Helden. Rosa Parks, die Frau, die mit ihrem Nein zur Herausgabe ihres Sitzplatzes im Bus den "Montgomery Bus Boycott" auslöste, steht deshalb für „Engagement„ und Bobby Kennedy, der Präsidentschaftskandidat mit dem griechischen Lyrikband in der Hosentasche für „Educate". Diese Helden sieht Philip D. Murphy als positive Vorbilder für die Menschen und die Gemeinschaft, und das scheint er wirklich so zu meinen. In allem, was er erzählt, wirkt er ehrlich, jemand, der das neue Amerika unter Präsident Obama zeigen möchte.
It's all about entertaining
Bei der Fragerunde freut sich Botschafter Murphy über die Freundschaft zwischen Deutschen und Amerikanern, darunter auch über 16 Millionen GIs, die im Laufe der Jahre bei uns stationiert waren - inklusive Elvis - und ist gespannt auf die Geschichten, die die heute 20-jährigen Studenten in 50 Jahren über die deutsch-amerikanischen Beziehungen erzählen werden. Geschichten, die von der heutigen Zeit und ihrer Jugend geprägt sind, Geschichten, die aber auch unseres Engagements bedürfen, denn jeder Mensch, jede Stimme zählt.
Als ihm der Rektor der HdM nach seinem Auftritt einen VFB-Fußball überreicht, outet sich der Botschafter als großer Fußball-Fan und Mitbesitzer des New Yorker Profiliga Vereins und Frauen-Fußball-Clubs 'Sky Blue'.
Gut unterhalten haben wir uns und einen kleinen Eindruck von dem, was Präsident Obamas "Change" zu ändern gedenkt, haben wir auch erhalten. Auf jeden Fall sind wir schon ein bisschen stolz, dass wir die erste Hochschule in Baden-Württemberg waren, die Philip D. Murphy besucht hat.
"Bye, folks", ruft er uns im Vorübergehen zum Abschied zu - Ja, "bye" ebenfalls und fast möchte man noch antworten: "Let's keep in touch!" Danke für den Besuch, die Super-Show und das offene Gespräch, Mr. Ambassador!
Susanne StegmüllerLesen Sie mehr zu diesem Thema:
Town Hall an der HdM
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