Selbstverständnis

Auch auf die Gefahr hin, dass ein mit wenigen Worten formuliertes Leitbild von Hochschule, von Lehr-/Lernprozessen an der Hochschule sowie von Verantwortlichkeiten aller an einer Hochschule Beteiligten etwas plattitüdenhaft klingt, will ich trotzdem versuchen, einige Facetten meines Leitbilds sowie meine Vorstellungen des Verhaltens von Studierenden hier vorzustellen.

Die wichtigsten Facetten meines Leitbilds:

Moderieren
statt
oktroyieren!

Mein Selbstverständnis als Hochschullehrer basiert ganz wesentlich darauf, dass ich mich als Moderator von und Katalysator in Lernprozessen und nicht als "Verkünder von Wahrheiten" sehe. Ich will Studierende in erster Linie zum Denken und zum (Selbst-)Erkennen von Zusammenhängen anregen. Auf ein Schlagwort reduziert, heißt meine didaktische Leitmaxime "Gemeinsam erarbeiten!" Zum "Auswendiglernen" brauchen mich die Studierenden nicht; das können sie nach 12 bis 13 Schuljahren auch ohne mich gut genug. Zusätzlich zu dieser prozessorientierten Maxime beinhaltet mein Leitbild aber auch einen ergebnisorientierten Aspekt. Ich bin erst dann der Meinung "meinen Job" richtig gut gemacht zu haben, wenn die Studierenden am Ende des Studiums nicht nur über ein solides Fundament an betriebswirtschaftlichem Know How verfügen, sondern darüber hinaus auch den Mut und das Selbstvertrauen zu eigenen Ideen, eigenen Konzepten und/oder eigenen Entscheidungen haben.

Fordern und
Fördern sind untrennbar
verknüpft!

Es gibt nur wenige Dinge, bei denen ich mich so wenig diskussionsbereit zeige, wie beim Thema Leistungs- oder Anforderungsniveau. Meine Lehrveranstaltungen waren, sind und werden auch in Zukunft durch ein hohes Anforderungslevel geprägt sein. Dies impliziert in meinem Selbstverständnis jedoch automatisch die Bereitschaft, auch ein hohes Maß an möglichst individuellen Unterstützungsmöglichkeiten zu bieten. Der Zweiklang von Fordern und Fördern bedeutet jedoch noch etwas mehr für mich. In knappen Worten lässt sich dieses "mehr" am besten durch folgende Aufforderung an die Adresse der Studierenden ausdrücken: Fordern Sie mich, nur so kann ich Sie optimal fördern!

Transpare
statt
Black Box!

Jenseits der vielen Aspekte, die diese Maxime meines Erachtens für die Hochschule als Ganzes bedeutet (u.a. Verantwortung und Rechenschaftspflicht gegenüber der Gesellschaft, die die Hochschule finanziert), will ich hier nur das beleuchten, was meinen individuellen Handlungsraum als Lehrender an der Hochschule direkt betrifft. Leistungsbeurteilungen sind in der Welt der (Hoch-)Schule ein völlig normaler Prozess. Jedes Semester aufs Neue bewerten die Lehrenden die Lernenden in unterschiedlicher Art und Weise (durch Klausuren, Seminararbeiten, Diplomverteidigungen usw.) und im Hinblick auf unterschiedliche Wissens- und Kompetenzfelder (Fachwissen, Methodenwissen, Präsentations- und Kommunikationsfähigkeit usw.). Vor diesem Hintergrund erscheint es mir völlig selbstverständlich, dass Leistungsbeurteilungen auch in die andere Richtung praktiziert werden, nämlich das die Lernenden die Lehrenden beurteilen. Wie kann es mir als Hochschullehrer denn ohne entsprechende Rückmeldungen sonst gelingen, meine Veranstaltungen und meine individuelle Art der Lehre immer wieder an die Zielgruppe der Studierenden anzupassen. Woher weiß ich denn sonst, an welchen Punkten ich an mir selbst immer wieder arbeiten muss, um meinem eigenen Anforderungsprofil sowie dem Anforderungsprofil, das die Studierenden aber auch die Gesellschaft an mich stellt, genüge zu tun. Über die Frage, wie und wann Evaluationen durchgeführt werden, kann man sich vielleicht noch streiten, die Frage "ob" sie durchgeführt werden sollen oder besser müssen, ist für mich mit einem glasklaren und uneingeschränkten JA zu beantworten. Transparenz an der Hochschule lässt sich jedoch nicht nur auf das Thema Evaluation reduzieren. Basierend auf der Überzeugung, dass Dinge wie Wut, Verzweiflung, Ärger, Frustration, Resignation usw. hauptsächlich durch nicht oder nur schwer durchschaubare sowie vermeintlich nicht oder nur schwer beeinflussbare Strukturen und Prozesse ausgelöst werden, heißt meine Leitmaxime: Transparenz, Offenheit und Integration aller Beteiligten! Eindeutige und klar kommunizierte Ziele, Anforderungen und Verantwortlichkeiten sowie transparente Beurteilungskriterien betrachte ich daher als absolute Selbstverständlichkeit. Dies gilt sowohl in Bezug auf das Hochschul- und Fachbereichsmanagement als auch für jede einzelne Lehrveranstaltung. Darüber hinaus impliziert Transparenz, Offenheit und Integration aller Beteiligten für mich jedoch auch Dinge wie "den Gesprächspartner - ungeachtet der (hierarchischen) Stellung an der Hochschule- ernst nehmen", "Probleme nicht unter den Teppich zu kehren, sondern sie zu thematisieren" und "Strukturen, Prozesse und Rahmenbedingungen nicht einfach als gegeben hinzunehmen, sondern sie immer wieder den aktuellen Bedingungen und Anforderungen anzupassen".

Evaluationsergebnisse meiner Lehrveranstaltungen:

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Thesen zum Studierendenverhalten:

Die folgenden Thesen sollen Lehrende und Lernende dazu anregen, sich Gedanken über den Ausbildungsprozeß an der Hochschule zu machen, über typische, wenn auch häufig nicht explizit formulierte, Verhaltenserwartungen nachzudenken oder sich sogar aktiv an Diskussionen über Hochschule, hochschul-typische Rollenbilder oder Ausbildungsprozesse an der Hochschule zu beteiligen. (Hinweis: Die Thesen wurden mit nur marginalen Veränderungen aus Veröffentlichungen des Interdisziplinären Zentrums für Hochschuldidaktik an der Universität Bielefeld übernommen. Für das Recht zur Veröffentlichung dieser Thesen gebührt den Autoren daher mein Dank!)

Typisches Schülerverhalten, das an der Hochschule so schnell wie möglich abgewöhnt werden sollte:

Notwendiges Studierendenverhalten, das so schnell wie möglich angewöhnt werden sollte:

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