Sabine Braun »Quergesehen«
Eine Ausstellung an drei Orten
Wendelinskapelle - Brenzkirche - »Ox und Q«
12. bis 26.03.2006

Die Stuttgarter Künstlerin Sabine Braun, die in Australien Fotografie studierte, hat unter dem Titel »QuerGesehen« für das Kunstforum Weil der Stadt eine Auswahl von interessanten Arbeiten zusammengestellt. Die Künstlerin leitete die Besucher an drei Stationen quer durch Weil der Stadt.

MärchenHaft, Wendelinskapelle
Märchenhaftskurril erschien zunächst die sechsteilige und aktuellste Arbeit »MärchenHaft« in der Wendelinskapelle. Die großformatigen Fotografien, die zuletzt 2005 auf dem Fotosommer im Württembergischen Kunstverein Stuttgart zu sehen waren, sind Aufnahmen von Puppenhäusern in denen die Künstlerin durch digitale Manipulation selbst in verschiedenen Rollen agiert. Die Häuser werden zu einem Ort bedrückender Enge. Bösartigbedrohliche und teilweise komischverrückte Geschichten kann dort der Betrachter in einer angeblichen heilen Kinderwelt entdecken.

ICH SEHE DAS WAS DU NIE SIEHST, Land-Wirtschaft Ox und Q
Aus dem Kinderzimmer kommen auch die Objekte, die Sabine Braun für die Fotografien in der LandWirtschaft Ox und Q ausgewählt hatte. In der Arbeit ICH SEHE DAS WAS DU NIE SIEHST überraschten dort eindringliche, verfolgende und festnagelnde Blicke von Kasperpuppen.

QuerGesehen, Brenzkirche
Aus dem Jahr 2000 stammt das Großprojekt Migration VII mit Portraits von Menschen aus verschiedenen Ländern dieser Erde. Ursprünglich als Installation in der chinesischen Dschunke im Stuttgarter Hauptbahnhof ausgestellt, war ein Teil dieser Arbeit nun für die Ausstellung QuerGesehen in der Evangelischen Brenzkirche installiert. Altertümliche Reisekoffer, die großformatige Dias auf eingebauten Leuchtkästen enthalten. Die Portraits zeigen ruhende, friedliche Gesichter in warmen Farbtönen, die mit dem Blau von Meeresbildern kontrastieren.

QuerGesehen war eine Ausstellung, die einen Querschnitt durch die vielfältige Arbeit einer Künstlerin bot, die Blicke umpolt, Sinne öffnet und Gedanken umleitet, und einlud, quer durch die Stadt auf den Spuren der Künstlerin zu wandeln.


Presse
»Am besten beginnt man den Rundgang in der Wendelinskapelle: In der Werkserie »MärchenHaft« schafft Sabine Braun sich ihre eigene bizarre Realität: In Form von Puppenhäusern, in denen sie selbst in mehreren Rollen auftritt. Mit »SichtWandel« warten auch Lebenswelt und Fotografien von früher auf den Betrachter – auf Wegwerfmaterial gedruckt, um das Rasen der Zeit zu versinnbildlichen. In »Wanderers Ruh« sind Kissen mit Tannenzweigen bedruckt. Weiches und Stacheliges folgen dem Wanderer in den Schlaf… Ein kurzes Zwischenspiel zur Umkehrung alltäglicher Sichtweisen findet sich in der Land-Wirtschaft »Ox und Q«. Acht Kasperlefiguren , Kasperle, der Räuber, die Großmutter und die anderen blicken von großformatigen Aufnahmen herunter… Die sehenswerteste der drei Ausstellungen ist in der Brenzkirche: die Werkserie »Migration VII«, über die es im Katalog heißt, sie erinnere »an alle, die auf dieser Welt unterwegs sind, um ein besseres Leben zu finden oder auch nur die Möglichkeit zu überleben«. In einer Reihe von alten Rahmenkoffern schweben Gesichter mit geschlossenen Augen. Sie gehören Menschen, die aus aller Welt und aus den unterschiedlichsten Gründen nach Deutschland gekommen sind. Jetzt schweben sie zwischen Verlust und Neubeginn. Aus einigen Koffern strahlt dem Betrachter ein tiefblaues Meer entgegen, als Zeichen der Hoffnung, aber auch als unüberbrückbares Hindernis« (Susanne Müller-Baji, Leonberger Kreiszeitung, 17.3.2006).

»In der Wendelinskapelle zeit sie sechs Puppenhäuser, ein Brautbett und ein wandfüllendes Ruhekissen… welch festgefahrene Bürgerlichkeit… aber schnell vorbei mit vorschnell unterstellter Gemütlichkeit… das Brautbett besteht aus einem alten Feldbett, das Brautkleid aus Küchenkrepp… in den Puppenstubenszenen wird Intimes an die Öffentlichkeit gezerrt… Heim bedeutet auch Gefängnis, Traum und Alptraum wohnen unter demselben Dach… In »Ox und Q« hängen wie in einer Ahnengalerie großformatige Porträts von Kasperlefiguren, die einen »von oben herab« anzuschauen scheinen… Charaktere auch in der Brenzkirche, Charaktere von Immigranten. Sabine Braun legt Porträtaufnahmen vieler Nationalitäten in Reisekoffer. Nur das Gesicht im dunklen Umfeld ist zu sehen, die Augen sind geschlossen. Still, der sakrale Raum tut ein Übriges zur meditativen Stimmung. Dazwischen Koffer mit fotografiertem Meerwasser. Das Wagnis wird deutlich zwischen Altem und Neuem. Man erinnert sich nebenbei, dass frühere Generationen auch unsere Dörfer und Städte wegen Existenznot verlassen mussten und »überm Teich« ein besseres Leben erhofften… Viel Nachdenklichkeit in spielerischen Elementen mit Ironie und skurrilen Details« (Christa Hagmeyer, Kreiszeitung Böblinger Bote, 16.3.2006).