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Stipendien

21.01.2016

Stipendien für ein Auslandssemester findet man recht einfach beim AAA, aber wer sich für ein Inlandsstipendium bewerben will, hat oft schon genug damit zu kämpfen, überhaupt einen vernünftigen Überblick über die Stiftungslandschaft in Deutschland zu bekommen. Victor Schwarz, AM-Student und mehrfacher Stipendiat, betätigt sich seit mehreren Jahren als Stipendienberater und gibt seine Erfahrungen weiter.

In welchen Stipendienwerken bist du schon alles gewesen?

Ich bin Alumnus der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und in meinem laufenden Auslandssemester Erasmus+-Stipendiat. Außerdem bewerbe ich als Zweitstudent mich im Augenblick um das Deutschlandstipendium, das die HdM ausgeschrieben hat.

Wie kamst du überhaupt auf die Idee, nach Stipendien zu suchen?

Als ich das erste Mal über ein Stipendium nachgedacht habe, war ich schon 2 Jahre Mitglied der Jungen Union, und damals galt das KAS-Stipendium als sehr prestigeträchtig, gerade wenn man später zum Beispiel eine höhere parteipolitische Karriere anstrebte.

In meinem Erststudium an der HTWG Konstanz hatte ich einen Mathematik-Professor, der als Vertrauensdozent der KAS mir in dem Bereich sehr geholfen hat, und darauf aufbauend habe ich mich über die Jahre darin weitergebildet. Es gibt ja schließlich nicht nur die 13 großen Stipendienwerke, sondern allein in Deutschland ca. 1800 Stipendien, die aber zum Teil nur eine sehr kleine Personengruppe betreffen.

Was würdest du, abgesehen von einer persönlichen Beratung, empfehlen, wenn man sich einen ersten Überblick verschaffen will?

Die einzige Anlaufstelle, die man wirklich kennen muss, ist die Seite StipendiumPlus, sie zeigt die 13 großen Werke, die im Moment in Deutschland tätig sind. Alle diese Stiftungen werden von der Bundesrepublik aus Steuergeldern finanziert und sind an das Stipendiengesetz (StipG) gebunden, d. h. sie haben mehr oder weniger die gleichen Vergabekriterien.

Jedes Werk darf unter den bereits vorgegebenen Kriterien bis zu drei hinzufügen oder vorhandene abändern, der Leistungsumfang ist jedoch immer so gut wie gleich. Zwei Ausnahmen bilden die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Heinrich-Böll-Stiftung: Beide verlangen zusätzlich noch einen Nachweis der Hilfsbedürftigkeit, bei dem mir bis heute unklar ist, wie dieser Nachweis stichhaltig zu führen ist.

Eine Empfehlung für die Vielzahl an kleinen Stipendiengebern ist MyStipendium.

Wie sollte man am besten vorgehen bei der konkreten Auswahl eines Werkes?

Die Auswahl des Werkes oder der Werke ist die entscheidende Frage, denn als Bewerber passt man in der Regel nur zu zwei oder drei Werken, die restlichen Stiftungen interessieren sich von vornherein nicht für einen.

Bei den konfessionellen Werken (Avicenna-Studienwerk, Cusanuswerk, Evangelisches Studienwerk e.V. Villigst, Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk) sind natürlich Menschen gefragt, die sich selbst als gläubig bezeichnen würden und vielleicht auch ein Engagement in religiösen Organisationen vorweisen können. Diese Werke nehmen insgesamt sehr wenig Leute auf, und die Anzahl der Stipendiaten ist auch ziemlich gering im Vergleich zu anderen Werken.

Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft ist arbeitgebernah, wenn man also später vorhat zu gründen und somit Arbeitgeber zu werden, steht dieses Werk einem sehr nahe. Auf der anderen Seite gibt es die Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes - sich beispielsweise bei diesen beiden Stiftungen gleichzeitig zu bewerben, ergibt keinen Sinn.

Es verbleiben die sogenannten politischen Stiftungen: Die Konrad-Adenauer-Stiftung gehört zur CDU, die Hanns-Seidel-Stiftung zur CSU, die Heinrich-Böll-Stiftung zu den Grünen, die Friedrich-Ebert-Stiftung zur SPD, die Friedrich-Naumann-Stiftung zur FDP und die Rosa-Luxemburg-Stiftung zur Linken.

Ist denn eine Parteimitgliedschaft nötig für ein Stipendium der politischen Stiftungen?

Alle diese politischen Werke nehmen gerade nicht nur Parteimitglieder, sondern hauptsächlich Nicht-Parteimitglieder auf. Diese Stiftungen engagieren sich im Ausland für den Erhalt und Aufbau demokratischer Strukturen und übernehmen hilfsweise Aufgaben eines Konsulats, sollte kein deutsches vor Ort sein.

Darüber hinaus entstammen viele Mitglieder unseres diplomatischen Corps diesen Stiftungen. Würde man die eigenen Reihen nur mit linientreuen Parteimitgliedern füllen, wären die Organisationen kein überparteilich-wirkender Innovationsmotor mehr und würden ihre soziale Akzeptanz verlieren.

Was würdest du speziell Studenten der HdM empfehlen, die sich auf ein Stipendium bewerben wollen?

Man sollte nach seinem Herzen gehen, denn auch später im Bewerbungsverfahren zählt vor allem Authentizität. Unter den HdM-Studenten, gerade in den Studiengängen Audiovisuelle Medien und Medienwirtschaft, sind oftmals Leute, die später gründen wollen. Dementsprechend könnte sich die Stiftung der Deutschen Wirtschaft, die Friedrich-Naumann-Stiftung, vielleicht auch die Studienstiftung des deutschen Volkes und eventuell noch die KAS für solche Kandidaten interessieren. Umgekehrt gilt: Wer Freiberufler oder Angestellter werden möchte, ist besser geeignet für die Hans-Böckler-Stiftung, die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Böll-Stiftung.

Gibt es auch unter diesen größeren Werken und Stipendien solche, die du generell nicht empfehlen würdest?

Ein Stipendium, von dem ich insgesamt abrate, ist das Deutschlandstipendium. Zum einen ist es für Studenten im Zweit- und Drittstudium das einzige große Stipendium, zum anderen gibt es aufgrund der Finanzierungsart insgesamt sehr wenige Deutschlandstipendien an unserer Hochschule. In den letzten Semestern waren es meines Wissens nach gerade mal 8 Stipendien auf 5000 Studierende, von denen sich im Schnitt ca. 70 bis 80 darauf bewerben. Die großen 13 Stiftungen hingegen könnten quasi jetzt sofort ca. 4- bis 7-mal so viele Studenten aufnehmen, wie sich alleine bei ihnen bewerben.

Ein Werk hatte ich vorhin ausgelassen: Die Studienstiftung des deutschen Volkes, die oft als Allheilmittel angesehen wird, es aber nicht ist. Fast alle, die sich bei einem der 13 Werke bewerben, bewerben sich auch dort - nur sind diejenigen, die dort genommen werden, meist die, die bei den anderen Werken abgelehnt wurden; und die Aufnahmequote der Studienstiftung ist die niedrigste der 13 Werke.

Du bist ja insgesamt schon etwas länger in der KAS. Welche Vorzüge oder Alleinstellungsmerkmale siehst du dort gegenüber anderen Stiftungen?

Sie hat mit Abstand weltweit die größte Reputation, da hält vielleicht die Ebert-Stiftung noch mit. Die KAS wird oft als Karrieremotor gesehen, ebenso ist neben der finanziellen die sogenannte ideelle Förderung hier besonders ausgeprägt: Es werden pro Jahr deutschlandweit etwa 1.000 Seminare angeboten, die inhaltlich ein sehr breites Spektrum abdecken, mitunter ziemlich innovative Themen ansprechen und dazu auch noch sehr gut jeweils regional verfügbar sind. Dank ihrer weitreichenden Beziehungen hat man auch mal Gelegenheiten, mit hochrangigen Persönlichkeiten in Kontakt zu kommen.

Für jemanden, der sich der Grundgeisteshaltung der Stiftung zuordnen kann, ist eine Bewerbung bei der KAS eine lebensbejahende Entscheidung, auch wenn das Bewerbungsverfahren der KAS zu den aufwendigsten zählt. Ich für meinen Teil habe in der Stiftung sehr viel Offenheit erlebt auch gegenüber Ideen wie dem Mindestlohn und der Homo-Ehe. Zudem gibt es auch Stipendiaten, die sich eher mit der FDP als mit der CDU identifizieren und trotzdem Teil der KAS-Gemeinschaft sind.

Hast du noch einen Tipp für Stipendieninteressierte zum Schluss?

Sehr viele, die sich bewerben, kommen zu spät! Bei den meisten Stipendienwerken muss man sich zum Beginn des 3. Semesters beworben haben. Nach der Prüfungsphase des 3. Semesters wird es für viele schwierig, Ausnahmen machen die Naumann-Stiftung und bei sehr guter Begründung die Adenauer-Stiftung. Ansonsten kann man sich vor einem Master mit einer Regelstudienzeit von 4 Semestern bewerben oder zum Zweck einer Promotion.

Vielen Dank für das Gespräch!

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