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Und, wie lief's? Der Start des Online-Semesters. Wie haben die Lehrenden und Studierenden im Studiengang IW den Start ins Online-Semester erlebt?

Wie haben die Lehrenden und Studierenden im Studiengang IW den Start ins Online-Semester erlebt? Dazu hier einige Eindrücke.

Vor gerade einmal fünf Wochen stand fest, dass das Sommersemester nicht wie gewohnt als Präsenzsemester stattfinden kann und stattdessen zum 20. April als reines Online-Semester beginnen wird. Seither wurde die Zeit sowohl zur Organisation der Abläufe als auch zur inhaltlichen Vorbereitung der E-Learning-Veranstaltungen genutzt und letzten Montag ging es mit der Begrüßung der neuen Erstsemester los. Wie haben die Lehrenden und Studierenden im Studiengang Informationswissenschaften den Start in das Online-Semester erlebt? Dazu hier einige Eindrücke.

Clara S. (Studentin, 3. Semester)
Da ich Freunde an anderen Hochschulen und Universitäten habe, fällt mir stark auf, wie transparent und schnell die Kommunikation und Organisation der Online-Lehre für unseren Studiengang läuft/lief. Auch dass alle Dozenten die gleiche Software zum Unterrichten verwenden, ist nicht selbstverständlich und sehr willkommen. Die Videokonferenzen funktionieren sehr gut und ich habe sogar das Gefühl, dass die Mitarbeit stärker ist. Ein Problem ist, dass es ab einer gewissen Gruppengröße schwer ist, sich "zu melden" und dann auch wahrgenommen zu werden. Ein weiteres Problem ist die wackelige Internetverbindung. Ich bin diese Woche drei Mal aus einer Sitzung geflogen, weil mein Router abgestürzt ist. Das ist dann frustrierend, vor allem weil es ja sehr wahrscheinlich ist, dass es das ganze Semester so bleibt.

Annika B. (Studentin, 6. Semester)
Ich war anfangs positiv überrascht darüber, dass die Infrastruktur mit Zoom und den Videokonferenzen so gut funktionierte. Es kommt für mich persönlich sehr stark der Eindruck rüber, dass sich alle viel Mühe geben. Ich selbst habe das Gefühl, dass ich mich immer besser daran gewöhne, aber es ist für mich von Veranstaltung zu Veranstaltung sehr unterschiedlich. Bei manchen kann ich mir sehr gut vorstellen, dass sie in dieser virtuellen Form gut laufen, bei anderen bin ich mir wiederum nicht ganz sicher. Es sind also manche vorherigen Unsicherheiten beseitigt, aber doch noch nicht alle.

Patricia K. (Studentin, 4. Semester)
Ich finde, die Studierenden wurden durch den Studiengang IW/BI gut in das Online-Semester eingeführt. Mit viel Rücksicht und wiederholt wurde auf technische Einstellungen eingegangen, damit sich kein Student in diesem Format vernachlässigt fühlt. Die Professor*innen waren sehr freundlich und man hat deutlich gemerkt, dass sie sich viel Mühe gegeben haben, um uns ein möglichst normales Semester ohne Qualitätsverlust zu ermöglichen. Dafür ein großes Dankeschön!

Yvonne H. (Studentin, 3. Semester)
Mir fehlt die spontane Kommunikation mit meinen Mitstudierenden sehr. Sich einfach zusammensetzen und über die Vorlesung oder Aufgaben reden, oder sich eine Lösung am Notebook gemeinsam ansehen - das geht so nicht mehr. In einem Seminar- oder Vorlesungsraum sieht man sehr schnell und einfach, wenn jemand sich meldet und was sagen möchte. In größeren Videokonferenzen sieht man es teilweise nicht, weil nicht alle konsequent das "Melde-Zeichen" verwenden. So kommt es vor, dass ich einfach nichts sage, obwohl ich einen Beitrag hätte. Auch befürchte ich, dass es schwierig werden wird, die vielen Aufgaben, die allein zu bearbeiten sind, zeitlich zu bewältigen. Auf der anderen Seite muss ich im Moment nicht pendeln und habe so auch etwas Zeit gewonnen.

Prof. Cornelia Vonhof
Aufregend ist die erste Semesterwoche immer – auch in „normalen“ Zeiten und das auch noch nach vielen Jahren Lehrerfahrung. Erst recht aber in einer Situation, die für uns alle völlig neu und „anders“ ist. Die Wirkung des ersten Eindrucks ist nie zu unterschätzen, er setzt den Ton für die Beziehung zwischen Menschen: auch zwischen Studierenden und Lehrenden. Er entscheidet damit maßgeblich darüber, ob sich eine Basis entwickelt, auf der inhaltlich gut gearbeitet werden kann. Wie gelingt das online, wenn der erste Eindruck gefiltert durch Webcams erfolgt und die Studierenden mit Rahmenbedingungen umgehen müssen, deren Dimensionen wir gar nicht abschätzen können?

Nach einer Woche sind mehr Fragen offen als beantwortet und die Lernkurve ist steil. Aber es gab viele Highlights:   
Es gibt eine spürbare Neugier von vielen Studierenden, sich auf die neuen Formate einzulassen und gemeinsam mit uns zu experimentieren.
Es gibt teilweise viel intensivere und ergiebigere Diskussionen als im Präsenzformat.
Team-Teaching ist ein fantastisches Format, um auch als Lehrende miteinander und von einander zu lernen. Kollegialer Austausch und gegenseitige Unterstützung ist essentiell, um all das, was sonst noch ansteht, gemeinsam gut zu gestalten.

Prof. Dr. Kai Eckert
Ich setze als zusätzliches Tool einen Discord-Server ein, der bei mir in allen Veranstaltungen gut angenommen wird und der eine weitere Lücke zur normalen Präsenz zumindest verkleinert, nämlich die relativ ungezwungene Kommunikation der Studis untereinander und auch die relativ lockere Anfrage an Dozenten, vielleicht vergleichbar mit einer kurzen Frage auf dem Flur oder nach einer Veranstaltung. Mit “relativ” meine ich relativ zur E-Learning Platform Moodle, die zwar theoretisch ähnliches bietet, aber praktisch eben doch eine ziemliche mentale Hürde aufbaut in der Kommunikation.

Der zweite Punkt, den ich herausstellen möchte, geht ebenfalls in Richtung Feedback und Betreuung. Ich habe festgestellt, dass es mit den Kameras alleine nicht getan ist. Im technischen Bereich fehlt mir extrem das Feedback, das ich sonst allein dadurch bekomme, dass ich durch die Reihen gehe, sehe, wie die Studierenden tippen, vor welchen Geräten sie sitzen und auch, indem ich da ins Gespräch komme. Um das zu kompensieren, habe ich jetzt lange Breakout-Sessions in kleinen Gruppen gemacht (2 bis max. 4 Personen pro Raum), das war schon mal besser und da waren die Teilnehmenden auch wesentlich kommunikativer.

Am Ende der ersten Woche bin ich jetzt vollkommen k.o., da ich mein Handy auch kaum ausgemacht hatte und über Discord tatsächlich nahezu 24/7 Betreuung und Kommunikation geboten habe, inklusive der Erstellung weiterer Materialien und der Durchführung zusätzlicher Sitzungen, um auf Probleme einzugehen. Das ist definitiv nicht durchhaltbar und ich muss schauen, wie ich das in handhabbare Bahnen lenke. Aber für den Start war es trotzdem eine sehr positive Erfahrung für mich, weil ich dadurch gemerkt habe, dass bei Bedarf ein intensiver Kontakt auch virtuell zumindest möglich ist, wenn er gebraucht wird.

Prof. Magnus Pfeffer (Studiendekan)
Am Montag wurden neben den Erstsemestern auch alle anderen Studierenden der Fakultät in Gruppen durch das Dekanat in einer Videokonferenz begrüßt und es gab die Möglichkeit, Fragen zur Ablauforganisation zu stellen. Obwohl in einer Runde das Teilnehmerlimit der Software von 300 Personen erreicht wurde, lief alles stabil und geordnet ab - was sich in den einzelnen Lehrveranstaltungen auch so zeigte. Die Studierenden nehmen die Online-Angebote überwiegend gut an, technische Probleme an zentralen Stellen wie der E-Learning Plattform der Hochschule oder dem Videokonferenz-Anbieter sind ausgeblieben.

Ein wenig Sorge bereitet mir, dass bereits nach einer Woche sichtbar wird, dass ein gewisser Anteil der Studierenden sich nur sehr zurückhaltend oder gar nicht mit den Unterlagen zum Selbstlernen beschäftigt. Einigen fällt der Umstieg in die noch stärker auf Selbstorganisation und Eigenmotivation angewiesene Lernform doch schwerer als zunächst gedacht. Das Didaktikzentrum der Hochschule hat diese Problematik direkt aktiv angesprochen und richtet Beratungs- und Unterstützungsangebote an die Studierenden.

Prof. Heidrun Wiesenmüller
Auch wenn ich schon bisher mit E-Learning-Anteilen gearbeitet habe und viele meiner Foliensätze schon länger als Screencast vorliegen, so ist der Umstieg auf eine komplett digitale Lehre doch ziemlich aufregend. Obwohl ich eigentlich ein "alter Hase" bin (seit 2006 an der HdM), fühle ich mich plötzlich wie im allerersten Semester. Beeindruckend finde ich, dass sowohl Studierende als auch Lehrende mit der neuen Situation überwiegend ziemlich cool und flexibel umgehen. Erfreulicherweise bereitet auch die Technik keine großen Probleme.
 
Was mir schon in den ersten Tagen klar geworden ist: Videokonferenzen sind für alle merklich anstrengender als der normale Vorlesungsbetrieb. Bei den synchronen Sessions sind daher mehr Pausen nötig als in der Präsenzsituation. Die größte Schwierigkeit sehe ich aber im eingeschränkten Feedback, wenn man in einer größeren Gruppe virtuell zusammenkommt. Zwar gibt es bei Zoom sogar ein Kaffeetassen-Symbol, aber auch das kann den Blick in die Gesichter, das Wahrnehmen der Körpersprache oder der subtilen Veränderungen bei den Hintergrundgeräuschen eines Raumes nicht ersetzen. Positiv fällt mir auf, dass manche Studierende sich online besser konzentrieren können als offline. Und wirklich super ist es, per Screensharing helfen zu können, wenn in einer Anwendung etwas nicht klappt.

Für mich bedeutet die rein digitale Lehre auch einen stark erhöhten Planungsaufwand: Man muss sich den Ablauf der Online-Sitzung und das, was die Studierenden eigenständig machen sollen und bis wann, wirklich sehr genau überlegen.

Prof. Markus Hennies
In meinen Veranstaltungen hat sich die Videokonferenz-Technik bislang als erfreulich robust und zuverlässig gezeigt - bei bis zu 60 Teilnehmern in einer Sitzung. Diese Form der Lehre bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich: Beim Präsentieren (“Bildschirm teilen”) ist es noch ungewohnt, gleichzeitig auch auf neue Chatnachrichten oder Wortmeldungen zu achten. Generell erfordert die Online-Lehre eine höhere Konzentration - sowohl bei den Studierenden als auch bei den Dozierenden, daher sind häufigere Pausen notwendig als bei der Präsenzlehre. Leider ist die Beteiligung der Studierenden in den interaktiven Phasen derzeit noch etwas verhalten.
Bei den Programmierübungen hat sich auf Teilnehmerseite der Einsatz eines zweiten Bildschirms als äußerst hilfreich erwiesen, um die Übungen des Dozenten synchron nachzuvollziehen. Hier haben sich die Studierenden kreativ gezeigt und beispielsweise auch Tablets oder alte Laptops als Video-Zuspieler eingesetzt.

Prof. Dr. Bernd Schmid-Ruhe
Die erste Woche unter Semesterbedingungen in der „Corona-Lehre“ war spannend, wenn auch anstrengend. Die Bedingungen, unter denen die Lehre stattfindet, sind eben ungewohnt und man ist doch sehr darauf gepolt, dass man sonst mit Anwesenden arbeitet. Der Unterricht über Zoom läuft zum allergrößten Teil sehr gut, nur in wenigen Fällen hat man den Eindruck, dass entweder die Netzinfrastruktur oder die Geräte der Studierenden einen limitierenden Faktor darstellen. Hier würde ich mir wünschen, wenn noch mehr Studierende den Mut fänden, ihre Kamera zu benutzen und sich mehr zu beteiligen. Es wäre einfach schön, von allen Studierenden ein visuelles Feedback einsammeln zu können und wenn man eigentlich auf ein reges Seminargespräch baut, ist das manchmal etwas hartnäckige Schweigen eine Herausforderung. Meine Hoffnung ist aber, dass sich das noch mehr einpendelt bzw. sich irgendwann eine gewisse Gewöhnung einstellt.



Kontakt:
Prof. Cornelia Vonhof
E-Mail: vonhof@hdm-stuttgart.de

Weiterführende Links:
Website des Studiengangs Informationswissenschaften

29. April 2020

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