Kommentare zum Beitrag "Die WikiLeaks Enthüllungen"

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Bereits mehrmals war die Plattform WikiLeaks in den Schlagzeilen der Medien. Mit den neuesten Veröffentlichungen ist nun vielleicht der bislang größte Coup gelungen. Zeit, sich mit den Auswirkungen kritisch zu beschäftigen.


Johannes Neumeyer

12.12.2010 | 23:35 Uhr
Ich möchte hier den Vorrednern Recht geben. Es ist wirklich nicht angebracht, dass sich an der Hochschule hier solche Äußerungen (gleich in welche Richtung) verbreiten.

Ein anderes Beispiel: Der Rektor hat angewiesen, die Hochschule soll sich zu S21 neutral verhalten. Dennoch gibt es in einigen Büros "Anti S21" Aufkleber zu bestaunen! Verwunderlich.

Aber ähnlich behandelt es auch das Thema "rauchfreie öffentliche Gebäude". Das eine ehemalige Dekanin und ihre Mitarbeiterin gerne mal (auch im Beisein von Studenten) ´eine raucht´ ist ein so offenes Geheimnis, dass vermutlich nicht einmal Wikileaks Interesse an der Veröffentlichung hätte.


Björn von Prollius

10.12.2010 | 19:52 Uhr
Ich finde ironisch, dass der Autor, der vor einiger Zeit an gleicher Stelle die Devise "Im Zweifel für die Freiheit [der Presse], also für die Aufklärung" [1] propagiert hat, nunmehr die Ansicht vertritt, es sei unmoralisch, "durch Publikation von Geheimmaterial Menschen (hier Diplomaten und Politiker) bloßzustellen und für die Wahrheit mögliche unkalkulierbare Folgen in Kauf zu nehmen."

Damals ging es um ein Sternchen, an deren Privatleben ein reines Sensationsinteresse besteht. Heute geht es um politische Vorgänge und - geheim oder nicht - um Informationen, die der Staat, also letztlich die Repräsentanten der Öffentlichkeit produzieren und die Auswirkungen auf das Weltgeschehen haben können oder zumindest eben jenes nachzeichnen und in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Überspitzt gesagt soll also die Privatsphäre Einzelner gerne öffentlich zerrissen werden, das politisch Brisante aber schön abseits der Öffentlichkeit verborgen bleiben? Die Prioritäten liegen für mich hier gerade verkehrt herum.

Quellen:
[1] http://www.hdm-stuttgart.de/view_news?ident=news20090420160123


Sebastian Stein

10.12.2010 | 14:56 Uhr
Zunächst einmal schließe ich mich meinen Vorrednern in dem Punkt an, dass ein solches Thema auf der HdM-Startseite nichts verloren hat.

Zum Inhalt selbst: Prof. Dr. Rota macht den gleichen Fehler wie viele andere auch - Assange ist zwar Repräsentant von WikiLeaks, aber er ist nicht WikiLeaks.

Warum solch eine Plattform meiner Meinung nach richtig und notwendig ist, sollte durch folgende Dokumentation klar werden:

http://svtplay.se/v/2264028/wikirebels_the_documentary
(Leider nur bis 13.12. verfügbar)


Marco Jakob

07.12.2010 | 23:16 Uhr
Ich finde man sollte in diesem Fall schon erwähnen, das die Emser Depesche vorallem ihre Wirkung entfaltete weil sie redigiert, gekürzt oder eben zensiert wurde. Hier spielten auch die Befindlichkeiten des 19. Jhds sowie die Machtkonflikte zwischen zwei Mittelmächten eine große, sogar entscheidendere Rolle. Bitte machen Sie es sich nicht so einfach.
Man kann argumentieren das die WikiLeaks-Veröffentlichungen größtenteils nichts neues waren, dem interessierten Betrachter vor allem, aber dennoch eine neue Qualität der Information bedeuten.

Aber alter Schwede (pun intended), was hat das hier zu suchen? Wie wäre es den mit einem dedizierten Meinungsblog ;)


Matthias Bürgel

07.12.2010 | 12:29 Uhr
Man kann über die Enthüllungen von WikiLeaks denken, wie man will und trefflich streiten. Die Frage ist für mich, ob das auf unsere HdM-Website gehört. Wenn politische Kommentare (als solchen interpretiere ich den Beitrag von Herrn Rota) innerhalb der Hochschulöffentlichkeit gewünscht und toleriert ist, dann würde ich an die Zuständigen der Öffentlichkeitsarbeit appellieren, diese Möglichkeiten auch für andere Meinungen zu öffnen. Ansonsten besteht der Verdacht, dass Öffentlichkeitsarbeit als politisches Instrument umfunktioniert wird. Man kann zu WikiLeaks sehr wohl auch zu anderen Bewertungen kommen. Die Enthüllungen zu Figuren aus der deutschen Politik waren nun wirklich nichts neues oder weltbewegendes. Oder ist der Begriff Teflon-Merkel strittig?


Manfred Tham

07.12.2010 | 11:21 Uhr
Waren nicht auch Bob Woodward und Carl Bernstein von der "Washington Post", die den Watergate-Skandal mit Hilfe ihres Informanten Mark Felt aufdeckten, heftigen Anfeindungen ausgesetzt, genauso wie Daniel Ellsberg bei Veröffentlichung der Pentagon-Papiere über den Vietnam-Krieg?

Ähnliche Motive wie diesen für die Öffentliche Meinung so wichtigen Leuten kann man den Wikileaks-Machern mindestens genauso unterstellen wie die Motive, die ihnen Prof. Dr. Rota unterstellt.

Muss eine solche Diskussion auf den offiziellen Seiten der HdM geführt werden? Ach ja, Diskussion würde natürlich bedeuten, dass man beide Seiten zu Wort kommen lässt - was gar nicht geschehen ist. Seltsamer Vorgang.


Peter Ruhrmann

07.12.2010 | 11:08 Uhr
Ich schließe mich der Meinung von Helena Ebel an und hätte gerne transparentes Verfahren, nachdem politische Kommentare auf der HdM-Webseite veröffentlicht werden oder nicht. Wer oder was legitimiert Herrn Prof. Rota, an prominenter Stelle der HdM-Webseite seine persönliche politische Meinung zu veröffentlichen, während es HdM-Angehörigen (in ihrer Funktion als Hochschulangehörige) von der Hochschulleitung untersagt wird, sich zum Thema Stuttgart 21 zu äußern.
Ich zitiere hier eine Mail der Hochschulleitung vom 4.10.2010: (...)" - Die HdM ist eine Einrichtung des Landes und zu politischer Neutralität verpflichtet (deshalb bitte ich auch darum, politische Meinungsäußerungen per E-mail an alle zu unterlassen). Die HdM als
Institution wird sich deshalb auch nicht im Außenraum zu o.g. Themen äußern." (...).

Prinzipiell befürworte ich die politische Neutralität der Hochschule. Nur sollte dann auch gelten: Gleiches Recht für alle.


Helena Ebel

06.12.2010 | 20:36 Uhr
Auch wenn der Beitrag mit "Kommentar" übertitelt war, gibt er doch den Eindruck, Herr Rota spräche für die Hochschule. Ich sehe das ähnlich wie Frau Mayer: Solche Kommentare gehören auf einen persönlichen Blog, nicht hier her. Meine Meinung zum Thema Wikileaks ist eine Andere, aber dies ist nicht die Plattform, das zu diskutieren.


Florian Röser

06.12.2010 | 15:40 Uhr
@Erki van Hoolen:
Ich finde Ihren Kommentar sehr gut.
Hinzuzufügen möchte ich nur noch, dass ich es als sehr kritisch sehe, wie momentan gegen Wikileaks vorgegangen wird (aus den USA heraus):
- Die DNS wird gelöscht
- Amazon verbannt Wikileaks von ihren Server (unter welchem Einfluss?)
- Paypal löscht das Spendenkonto unter Berufung auf Ihre Nutzungsbedingungen
- die aktuelle Wikileaks Seite in der Schweiz fällt vermehrt DoS-Attacken zum Opfer, von einer "unbekannten" Hackergruppe aus den USA

und das alles, wo doch der Begriff "Freedom of Speach" dort, in den USA, erstmals geprägt wurde und sehr hoch gehandelt wird.

Fazit:
Ich möchte nicht bestreiten, was Herr Prof. Rota geschrieben hat, möchte aber darauf aufmerksam machen, dass es sehr viele Sichtweisen gibt und auch die anderen Beteiligten keine reine Weste haben.


Christian Faller

06.12.2010 | 00:11 Uhr
Obwohl ich dem Kommentar im Allgemeinen nur beipflichten kann, habe ich mit der Aussage, WikiLeaks stifte zum Lügen an, meine Schwierigkeiten.

Wenn Politiker und Diplomaten im Privaten, so wie Sie es sagen Herr Rota, "beschnüffelt" werden, dann gibt es für mich zwei mögliche Konsequenzen:

Einerseits das von Ihnen gezeigte Big Brother Szenario, das Lügen auf höchstem Niveau geradezu diktiert. Andererseits aber auch - und ich möchte behaupten, dass es Herr Assagne auf diese zweite Möglichkeit abgesehen hat - einen tiefgreifenden Wandel im diplomatischen Umgangston.

Wenn leere Worthüllen über die tatsächliche Meinung hinwegtäuschen sollen, dann gehören sie gestrichen. Ein ehrlicher aber respektvoller Umgangston ist gefragt. Das wäre in vielerlei Hinsicht wünschenswert, denn es brächte nicht nur mehr Menschlichkeit ins politische Leben (siehe Teflon-Merkel), sondern ist auch für die Sache an sich förderlich: Effektive Abwicklung politischer Prozesse.

Wo kommen wir denn hin, wenn sich die vom Volk gewählten Repräsentanten gegenseitig Honig ums Maul schmieren, anstatt das zu sagen, was wichtig ist?
Schließlich sollten Politiker in der Lage sein ihre privaten Belange von Berufsrelevantem zu trennen. Würden wir ein intaktes Verhältnis mit der amerikanischen Botschaft haben, dann bräuchte sich auch niemand Sorgen darum machen, ob irgendein Fanatiker einen neuen Skandal aus dem Zylinder zaubert oder nicht.

Ich meine, dass hier nicht dem Boten das Maul verboten werden sollte, sondern an der Wurzel angepackt werden muss. Die Wahrheit sollte unser Land niemals in Misskredit bringen. Ist das der Fall, dann gibt es noch ganz andere Probleme um die wir uns sorgen sollten...


Prof. Susanne Mayer

05.12.2010 | 18:47 Uhr
Wer gibt eigentlich vor, welche medialen Inhalte auf der Hochschulwebsite diskutiert und kommentiert werden dürfen und welche nicht?

Wo ist der Unterschied zwischen von der HdM untersagten bzw. unerwünschten offiziellen Kommentaren und Stellungnahmen zu den Geschehnissen rund um S21 und speziell den Vorgängen im Stuttgarter Schlosspark am 30.9. und dem aktuellen Beitrag zu Wikileaks?


Atilla

02.12.2010 | 09:35 Uhr
Schon paradox, wie sich manchmal die Bedeutungen von "Wahrheit" und "richtig" gegenseitig aufheben...


Erki van Hoolen

01.12.2010 | 20:16 Uhr
Sehr geehrter Herr Prof. Rota,

bei aller Liebe zum amerikanischen Botschafter Murphy (wir erinnern uns gut an seinen Besuch in der HdM), an dessen Stuhl jetzt im Zuge der WikiLeaks-Diskussion kräftig gesägt wird, müssen wir uns doch vor Augen führen, dass die Institution einer regierungsfernen Informationsplattform im Internet generell einen enormen Mehrwert für uns alle darstellt. Das - so glaube ich - wird allg. keiner bestreiten wollen. Inwieweit sich die Veröffentlichungen noch in andere Kulturkreise ausdehnen werden, bleibt noch ungewiss.

Um es unmissverständlich auszudrücken: Es wird in Zukunft im Internet nicht nur "nutzvolle/ nützliche Informationen" geben, beispielsweise Auszüge über die Kriegsgräuel der Amerikaner oder anderer Länder, sondern eben auch persönliche Unterlagen, die in erster Linie den Leuten gehörig auf den Schlips treten, und erst zweitrangig den Stempel "Mehrwert" bekommen.

Dafür, dass fast alle Tageszeitungen den Mehrwert DIESER neuen Fakten bezweifeln, so empfinde ich persönlich sehr viel Interesse an diesen Papieren. Was bei dem Niebel-Gespott, der Teflon-Merkel und dem Seehofer-Kommentar völlig unterging (ich habe mich köstlich über die sehr zutreffenden Kommentare amüsiert!), waren eine ganze Reihe von sehr viel wichtigeren, anderen Dokumenten. Zum Beispiel für den Raum Nahost: So baten offensichtlich im Jahre 2006 verbündete Staaten die USA um Einmarsch in den Iran. Desweiteren gibt es Unterlagen, in denen diskutiert wird, ob oder wie ein WTO-Beitritt Russlands zu verhindern ist... Alles nicht öffentlichkeitswürdig?

Man kann DIESE Veröffentlichung bzw. die öffentliche Diskussion danach durchaus kritisch beäugen, auch in Bezug auf Sicherheit!
Leider ging es früher oder später aber wieder um den ach so kriminellen Datenraub, statt der Frage, was die USA eigentlich mit diesen hochnäsigen imperialistischen Bewertungstabellen bezwecken wollte. Das Video, in dem Terroristenkinder im Alter von 8-12 Jahren zwischen Schafen in einer irakischen Steppe Versteck spielen und dann rücksichtlos mit US-Army-Apache-Helicoptern zermetzelt werden, war, ups! .. auch Diebstahl! Und bleibt aber - genau wie der "agressive Westerwelle" - absolut ver-öffentlichkeitswürdig.

Ich persönlich finde es hochinteressant, was auf der Seite von WikiLeaks zu finden ist und hoffentlich noch lange zu finden sein wird!
Vielleicht kann man dort ja auch in absehbarer Zeit ein paar rücktrittwürdige E-Mails von Herrn Prof. Roos finden ;-) Nichts für ungut!



Quelle: Frankfurter Rundschau (29.11.10)


Paolo

01.12.2010 | 18:30 Uhr
Top Kommentar, nichts hinzuzufügen!


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