Kommentare zum Beitrag "Dr. jur. ausgesetzt1 und "überzitiert"2"

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Ein vornehmer Blaublüter! Ein smarter Medienliebling! Ein echter Bayer! Ein hervorragender Jurist! Ob Letzteres stimmt, zweifeln Medien und politische Gegner immer mehr an. Im Kern gehen die Plagiatsvorwürfe gegen KTG vor allem die akademische Welt an!


Wolfgang Kuhnle

01.03.2011 | 19:56 Uhr
Bzgl. dem Kommentar von Falk (Würdigung der PR-Arbeit von KTG & Presse, allen voran die BILD) kann ich nur entgegnen:

Wenn gute PR-Arbeit auszeichnet, immer nur soviel zuzugeben, wie gerade presseöffentlich geworden ist. Wenn es im Sinne eines professionellen PR-Auftrittes ist, Oppositionspolitiker in bornierter Art und Weise mit juristischen Schritten indirekt zu drohen. Wenn es Lehrbüchern der PR entspricht, Anstand und Ehrlichkeit (pseudohaft) zu verkörpdern und im dunklen Zimmerchen in "mühevoller Kleinarbeit" am Gegenteil zu arbeiten. Wenn es zutrifft, dass gute PR-Arbeit nur durch herumschlawenzeln bei den Kai Diekmanns dieser Welt erfolgreich ist (...)

Dann suche ich mir besser einen anderen Job.

Viele Grüße,
Wolfgang Kuhnle


Prof. Ulrich Huse

01.03.2011 | 13:22 Uhr
Lieber Herr Dr. Rota,

erst heute habe ich die Beiträge zu Ihrem Kommentar gelesen und sehe mich veranlasst, einen eigenen hinzuzufügen. Ich konzentriere mich dabei auf zwei noch nicht weiter thematisierte Punkte:

1. Was mir an Ihrem Text nicht gefällt, ist die Form: Mit der Überfülle von teils überflüssigen Fußnoten machen Sie sich auf der formalen Ebene letztlich über das lustig, was Sie auf der Textebene zu verteidigen scheinen: die wissenschaftliche Nachweispflicht von wörtlich oder sinngemäß übernommenen Zitaten. Diesen (sicherlich/hoffentlich) nicht intendierten Eindruck sollten Sie in Ihrer Funktion als Prorektor einer wissenschaftlichen Hochschule vermeiden – auch im „Eifer des Gefechts“...

2. Ich halte es für keinen guten Stil, dass Sie einen Kollegen, der sachlich auf „ein paar falsche Zungenschläge“ (Burkard Michel) in Ihrem Text hinweist und die inkriminierte Dissertation von KTG als das bezeichnet, was sie augenscheinlich ist, ein Plagiat nämlich, als „Plagiat-Großinquisitor“ schmähen. Der Begriff des „Inquisitors“ ist so negativ konnotiert, das ich ihn in diesem Zusammenhang als höchst unangemessen und fast schon beleidigend empfinde.

Vielleicht ist die neuerliche Debatte (über einen Kommentar von Ihnen) aber auch ein Beleg dafür, dass diese Form – Sie selber nutzen an einer Stelle den Begriff der Glosse – nicht auf die offizielle Website einer/unserer Hochschule gehört: Für Polemik ist das nicht der richtige Ort.


Gottfried Ohnmacht-Neugebauer

28.02.2011 | 12:57 Uhr
Professor Dr. BERND ENGLER, Rektor der Universität Tübingen, nimmt zu der Affaire Guttenberg wie folgt Stellung:
"...das höchste Gut der Wissenschaft ist Redlichkeit. Wissenschaft dient der Suche nach Wahrheit, sie ist dem Streben nach die Menschheit weiterbringenden Erkenntnissen verpflichtet. Doch ohne wissenschaftlich korrektes Arbeiten, ohne den jeweils exakten Nachweis, wie man zu welchen Schlussfolgerungen gekommen ist, kann es keinen Erkenntnisgewinn geben, auf den die Menschen sich verlassen und auf den sie bauen können. Deshalb trifft es die Wissenschaft ins Mark, wenn Quellen nicht sauber angegeben, wenn aus nicht nachvollziehbaren Quellen abgeschrieben wird und diese mit eigenen Gedanken lediglich zu einer Collage zusammengestellt werden. So etwas nennt man – wie keiner der im Hochschulbereich Arbeitenden guten Gewissens bestreiten dürfte – wissenschaftliches Fehlverhalten, und das war und ist nicht tolerierbar; ganz gleich, ob es sich dabei um einen Studenten, einen Doktoranden oder einen Professor handelt. ..."
so im Newsletter der Eberhard Karls Universität Tübingen vom 28.02.2011
(Fundstelle:
http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles/newsletter-uni-tuebingen-aktuell/2011/1/index.html
Download: 28.02.2011)
Weniger eindeutige Stellungsnahmen scheinen mir wenig zielführend.


Harald Steffen

25.02.2011 | 09:55 Uhr
Sehr geehrter Herr Prof. Rota, sehr geehrte Leser der Kommentarseite,

ein sehr konstruktiver Artikel. Mir gefällt hierbei besonders die wissenschaftliche, technische Sichtweise. Sicherlich mögen die Diskussionen, vor allem in der Presse und der Bevölkerung sehr emotional belastet geführt werden. Sicherlich wird sich das Image in diesem Fall rasch verändern, wenn es nicht bereits geschehen ist. Wir sollten jedoch hier den rein technischen Aspekt beachten und dabei empfinde ich es erschreckend was honorigen Wissenschaftlern verborgen blieb. Verantwortliche zu suchen, und sicherlich auch zu finden ist dabei sekundär, Präventionen empfinde ich zielführender. Die Qualität einer (ausbildenden)
Hochschule wird von aussen dokumentiert und und wahrgenommen und nicht von eilends ex Post verfassten Statements, wie in diesem Fall geschehen.

Harald Steffen


Rota

23.02.2011 | 13:34 Uhr
Liebe Beseeler der HdM-Website,
zuvorderst Herr Michel nebst Herrn Ebert,

ich freue mich aufrichtig, dass genau diese Arten von Kommentaren oder Glossen zur Diskussion auf unserer Webiste führen und sie beseelen, mehr davon...

KTG ist ein Plagiator, das steht mittlerweile außer Zweifel und sehe ich genau so. Dem Stand (Sonntagmittag) meiner Recherchen nach, lagen die Plagiatsfundstellen -auch auf GuttenPlag - eben bei rund 80. Und die Ereignisse in den Medien und die Fundstellen haben sich danach ja überschlagen bzw. potenziert.

Nur: rein rechtlich ist es tatsächlich ein akademisches Verfahren, KTG den Grad abzuerkennen. Hier sei das Interview mit dem Wissenschaftsrechtler Löwer auf Spiegel-Online empfohlen: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,747049,00.html. Und Herrn Michel als Plagiat-Großinquisitor sei empfohlen: lesen Sie bitte das Schopenhauerzitat, wette, dass Sie dabei schmunzeln...

Die politische Frage ist tatsächlich eine andere. Und auch hier gebe ich Ihnen beiden recht, noch mehr recht als Recht jedoch Herrn Ebert: die journalistische Vorverurteilung zum damaligen Zeitpunkt war offensichtlich.

Anregung: Hatte eigentlich Alice Schwarzers BILD-Berichterstattung zu Kachelmann als Kommentar überlegt, auch das ist ein schönes Thema, das gerade im anderen Gedöns untergeht. Wie wär's mit einem Kommentar oder einer Glosse dazu?


Falk Ebert

22.02.2011 | 20:52 Uhr
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Rota,

zunächst einmal: Sie haben mit allem, was Sie in Ihrem Kommentar schreiben, Recht und es ist darüber hinaus sicherlich kein Fehler, in einem funktionierenden Rechtsstaat mit einem lebendigem akademischen Betrieb die akademische oder juristische Prüfung und Bewertung der Dissertation entsprechenden Profis zu überlassen. Es ist vermutlich ebenso sachdienlich, die unausweichliche journalistische Vorverurteilung zumindest ein wenig zu bremsen.


Auch mit Blick auf die Anmerkungen Ihres Kollegen und der Berichterstattung in FAZ und ZEIT drängt sich mir jedoch die Frage auf, ob es zum derzeitigen Zeitpunkt nicht angebracht ist, zumindest von einer "an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit" (wie sich der Atheist zur Existenz Gottes für gewöhnlich äußert) zu sprechen, wenn es um die Frage geht, ob die Dissertation ein verdammt dreistes Plagiat ist!

Es sei an dieser Stelle, auch ohne Fußnote, angemerkt, das es aus meiner Sicht äußerst beachtlich ist, was innerhalb weniger Tage im Crowdsourcing-Verfahren mit Hilfe eines Wikis zusammengetragen wurde, obwohl es – Sie haben das angemerkt – dem Doktorvater und den Prüfern scheinbar über Jahre hinweg entgangen ist.

Falls die Frage nach der "an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit" zu bejahen ist, wovon ich persönlich ausgehe, erscheint mir Ihr Appell, zumindest aus meiner Perspektive als Echtzeit-Internet-Freak, jedoch anachronistisch. Dann müssten nämlich vorrangig andere Fragen erörtert werden. Beispielsweise die Frage, ob Herr Guttenberg noch als Minister tragbar ist, falls das Ergebnis der Prüfung durch die Uni Bayreuth zu einem ebenso vernichtenden Urteil kommt wie [nach Michel, 2011] jeder Zweitklässler, der Lesen kann.

Aus der professionellen Perspektive der Public Relations kann man die PR-Strategie von Guttenberg und seinen Freunden, die er [Achtung: Unterstellung; nicht-wissenschaftlich] in der einen oder anderen Redaktion hat, in dieser Krise natürlich nur würdigen. Genauso wie das Auftreten des Ministers generell.

Sehr bedauerlich, dass die entsprechende Vorlesung bei Ihnen für unser Semester schon vorbei ist. Es hätte mich sehr gefreut, die Causa Guttenberg in der "aktuellen Runde" in PR zu diskutieren!

Viele Grüße,
Falk Ebert


Prof. Dr. Burkard Michel

22.02.2011 | 16:22 Uhr
Der obenstehende Beitrag enthält für meinen Geschmack ein paar falsche Zungenschläge: Spätestens seit Ende letzter Woche ging es nicht mehr um die Frage, „ob er es getan hat oder nicht“ – es ist unmittelbar evident, dass er es getan hat und zwar in einer Weise, die sprachlos macht. Tendenziös im oben stehenden Beitrag ist die Behauptung, je „ nach politischer Couleur (…) neig(t)en wir zur Unschuldsvermutung oder (Vor-)Verurteilung.“ Diejenigen, die angesichts der durch das Blog „GuttenPlag“ aufgedeckten Masse an Plünderung fremden geistigen Eigentums nicht mehr an Unschuld glauben können, neigen deswegen – übrigens unabhängig von ihrer politischen Couleur – nicht zu einer „Vor-Verurteilung“, sondern kommen zu einer sehr nüchternen Betrachtung von Fakten, die zu leugnen – fast hätte ich geschrieben: „abstrus“ wäre. Dies ist eine Be-Urteilung und keine „Vor-Verurteilung“. Weiter teile ich auch nicht die oben geäußerte Auffassung, dass andere als „Politiker und Redakteure“ zu entscheiden hätten, „ob seine gesamte Dissertation ein Plagiat ist oder nur Teile davon“. Man muss weder Jurist noch Professor sein, um beurteilen zu können, ob zwei Textbausteine identisch sind oder nicht – dazu genügen elementare Lesekenntnisse wie sie jeder Zweitklässler aufbieten kann. Berechtigt, wenn nicht sogar verpflichtet dies zu beurteilen ist eine kritische Öffentlichkeit allemal – zumal, wenn jemand sich so sehr auf Werte wie „Anstand“ und „Glaubwürdigkeit“ beruft wie KTzG.

Zwei Fußnoten am Rande:
1. In schöner Deutlichkeit setzt sich die – politischer Voreingenommenheit wohl unverdächtige – FAZ mit sog. „Argumenten“ auseinander, die zu KTzG´s Entlastung ins Felde geführt werden: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EFD4E1E1A128C4A388760CEE978C4A7A1~ATpl~Ecommon~Scontent.html
2. Laut Ministerpräsident Mappus soll KTzG auch Wahlkampfauftritte in Baden-Württemberg absolvieren – ich schlage vor mit den Universitätsstädten Heidelberg, Tübingen und Freiburg zu beginnen.


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