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Studiengang Medieninformatik

Studiengang Medieninformatik

Studierende auf Mission für die Kunst

Über drei Jahre arbeiteten Studierende der Hochschule der Medien an einem Spiel, das zum Kampf gegen die internationale Kunstwelt aufruft. Jetzt ist die Spiele-App endlich im Appstore für Android und iOS erhältlich.

In den letzten Jahren machten spektakuläre Skandale um Korruption und Vetternwirtschaft in der Kunstwelt Schlagzeilen. Eine echte Kritik an den Funktionären und Strippenzieher des Kunstbetriebs blieb jedoch weitestgehend ein Tabu - bis jetzt.

ARTWORLD WAR I ist nicht "nur" ein Spiel. ARTWORLD WAR I ist Revolution: Die Spieler wehren sich gegen die Macht der Kunstdiktatoren und geben alles für die Freiheit der Kunst. Dabei folgen sie der kompromisslosen Actionheldin BADDY DOLLY JANE, die, bewaffnet mit einer Gurke, den Kampf gegen das Kunstestablishment aufnimmt. Ziel ist es, mit einer steinschleuderartigen Vorrichtung die "real Piggies" - einflussreiche Global-Player der Kunstwelt wie Jeff Koons, Ai Wei Wei oder Kanye West - zu treffen und ihre postmodernistischen Türme zum Einsturz zu bringen. Als sogenannte "Battlegrounds" fungieren die wichtigsten Museen und Kunstzentren der Welt in Basel, New York, Wien, London und Berlin. 

Das Besondere am Spiel: es beruht auf wahren Begebenheiten. BADDY DOLLY JANE ist eine Performancekünstlerin, die tatsächlich waghalsige Aktionen bei wichtigen Kunstevents in den großen Kunstmetropolen durchführt und damit "den geschmeidigen Ablauf im Kunstbetrieb stört" wie es einst eine Kunsthistorikerin formulierte. Ihre Gegner im Spiel sind dabei satirisch überhöhte Karikaturen auf die sehr gut vernetzten, realen Strippenzieher des Kunstbetriebs.

ARTWORLD WAR I ist ein echtes Wagnis

"Dass wir uns mit diesem Spiel so klar positionieren, ist ein echtes Risiko. Das System, was durch unser virtuelles Spiel kritisiert wird, ist nicht nur sehr real, sondern vor allem sehr mächtig. Unser Angriff darauf ist ein Kampf David gegen Goliath", sagt die Grafikerin Jana Kuznetsov, die für die Gestaltung und das Konzept zuständig war. Doch genau dieses Wagnis - ganz ohne Kompromisse - macht ARTWORLD WAR I so spannend: "Als ich vom Projekt gehört habe, wollte ich sofort Teil davon werden. Das Thema 'Revolution in der Kunst' und dass das Spiel eine tiefergehende Idee verfolgt - das hat mich total gereizt", erzählt Stefanie Schwarz, die zusammen mit weiteren Studierenden der HdM die Programmierung übernahm. Von Markus Salmen wurde eigens für das Spiel Musik und Ton komponiert.

Die Entwicklung dauerte insgesamt drei Jahre und wurde dabei geleitet von Herrn Professor Dr. Stefan Radicke vom Institut für Games an der Hochschule der Medien (https://ifg.mi.hdm-stuttgart.de). Die Hilfe und Unterstützung von Stefan Radicke war dabei von entscheidender Bedeutung: "Ohne seinen durchgehenden und vor allem riesigen Enthusiasmus für das Thema und das Projekt wären wir nie soweit gekommen", meint Jana Kuznetsov. Er selbst sah eine besondere Herausforderung für die Studierenden in der "Kommunikation und Abstimmung mit einem externen Partner über einen längeren Zeitraum  -  so wie es in der Praxis auch von Programmierern gefordert wird. Beides lief reibungslos." 

Während Stefan Radicke, der auch einen bedeutenden Teil des Spiels selbst programmierte, sich mit seinem Team auf die Technik konzentrierte, konnte HdM-Professorin Dr. Sabiha Ghellal Anregungen zum Design geben und bot dem Projekt die erste größere Plattform: Jana Kuznetsov wurde eingeladen einen Vortrag auf dem VeGa-Camp über die kunsthistorischen Bezüge von ARTWORLD WAR I zu halten. 

ARTWORLD WAR I ist ein Stück Zeitgeschichte

Das Slingshot-Game enthält kein Detail, was keine Bedeutung hätte – der Kunstkritiker findet auf jedem Level inhaltliche Anspielungen zu unterschiedlichen Kunst- und kulturhistorischen Strömungen: Inspiriert von sowjetischen Plakaten der Zwanziger Jahre bis zu Kunstwerken aus der Epoche der Aufklärung und der zeitgenössischen Kunst. Selten hat eine Revolution so gut ausgesehen und so viel Spaß gemacht. Das finden zumindest die Spieler, die ARTWORLD WAR I als Beta-Version bereits bei der HdM-MediaNight und beim Internationalen Trickfilmfestival testen konnten. Die Kommunikation mit dem Publikum ist den Machern ein besonderes Anliegen: "Unser größtes Ziel ist es, Verbündete zu finden, denen das Thema genauso am Herzen liegt wie uns - auch in Hinblick auf weitere Projekte, die geplant sind", so Jana Kuznetsov.

ARTWORLD WAR I - bis die Augen tränen

Doch bis das Spiel in seinen ganzen Facetten zur Geltung kommen konnte, war es ein harter Weg. "Wir wollten das Spiel zu etwas Besonderem machen und haben hart daran gearbeitet. Teilweise haben wir bis tief in die Nacht, bis unsere Augen schmerzten und rot unterlaufen waren, programmiert - vier oder fünf Uhr morgens war da keine Seltenheit." Erinnert sich Stefanie Schwarz. 

ARTWORLD WAR I — Google: die letzte Hürde

Anfang 2018 konnte das Spiel mit Hilfe von Herrn Professor Dr. Stefan Radicke schließlich fertiggestellt werden. Doch nun lauerte eine erneute Hürde: Google wollte das Spiel über Monate nicht im App Store präsentieren wegen „anzüglichen Inhalts“. Doch die Spielemacher ließen sich nicht in ihrer künstlerischen Freiheit beschränken und überzeugten den Großkonzern von dem Spiel als „Kunstwerk“. Schließlich gab Google grünes Licht für die Veröffentlichung im App-Store.

ARTWORLD WAR I, das Spiel für alle "Kunstinteressierte Kunsthasser", ist seit wenigen Tagen für iOS und Android erhältlich.

Die lange Zeit von der Entstehung bis zur Veröffentlichung hat sich jedoch gelohnt: Swiney the Art Pig - das derbe Maskottchen des Projekts mit Che Guevara-Shirt und Hang zu Zigarren hat auf YouTube seine Version zur Entstehung des Spiels erzählt und innerhalb weniger Wochen 15000 Aufrufe generiert (Link zum Trailer).

Inzwischen gibt es auch schon Anfragen von mutigen Museen, die offen für eine kritische Auseinandersetzung sind, das Spiel zu präsentieren.

 

Link: AppStore/Android

Info: artworldgame.com

Kontakt: masterminds@artworldgame.com

 

Team ARTWORLD WAR I:

Studierende HdM: Stefanie Schwarz und Jakob Pelz

Professoren HdM:. Prof. Dr. Stefan Radicke und Prof. Dr. Sabiha Ghellal

Grafikdesign: Jana Kuznetsov

Musik: Markus Salmen 



Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Radicke
E-Mail: radicke@hdm-stuttgart.de

Weiterführende Links:
ARTWORLD WAR

27. November 2018

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