Logo der HdM

Beschreibung von Forschungsthemen im Master of Media Research (ab Sommersemester 2019)

Forschungsleuchtturm

Creative Industries & Media Society (CREAM)

Prof. Holger Nohr

 

Forschungsprojekt

Titel:

Datenschutz in der digitalen Welt

 

Projektbeschreibung (Forschungsfragen, Vorgehen, erwartete Ergebnisse):

Seit das Bundesverfassungsgereicht im wegweisenden Urteil zur Volkszählung 1983 den Begriff „informationelle Selbstbestimmung“ geprägt und wichtige, bis heute gültige Leitlinien für den Umgang mit personenbezogenen Daten aufgestellt hat, ist die Bedeutung des Datenschutzes immens gewachsen. Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen, die Vernetzung mit Kunden und Partnern sowie datenbasierte Geschäftsmodelle durch Cloud Computing und Social Media unter Anwendung der Methoden von Big Data haben erheblich weitergehende Herausforderungen an den Datenschutz geschaffen.

Fragen, die sich drängend ergeben, sind u.a.: Wie soll „internettauglicher Datenschutz“ gestaltet sein? Wie können wirtschaftliche Potenziale von Big Data genutzt und zugleich personenbezogene Daten geschützt werden? Wie weitgehend dürfen datenbasierte Geschäftsmodelle gehen, wie weitgehend müssen personenbezogene Daten vor solchen Geschäftsmodellen geschützt werden? Wie können Diskriminierungseffekte verhindert werden?

Der Datenschutz muss aus diesem Grunde weiterentwickelt werden, sowohl in rechtlicher Hinsicht (Datenschutzreform der EU) als auch durch technische Maßnahmen („Privacy by design“, „Privacy by default“) oder durch eine medienpädagogische Entwicklung in Richtung „Datenkompetenz“.

 

Laufzeit:

Mindestens bis Ende 2020

1.1 – Auswirkungen des neuen EU-Datenschutzrechts auf die Kreativ- und Medienwirtschaft

Kurzbeschreibung:

Im Jahr 2018 trat mit der EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) eine neue und umfassende Regulierung für den europäischen Datenschutz in Kraft. Eine für die elektronische Kommunikation bereichsspezifische Verordnung – die E-Privacy-Verordnung (ePrivacyVO) – wird voraussichtlich 2019 folgen.

 Das Datenschutzrecht wird damit in allen Mitgliedsstaaten der EU harmonisiert. Betroffen von den absehbar erheblichen Veränderungen werden insbes. auch Unternehmen aus der Kreativ- und Medienwirtschaft sein, da sie in besonderem Maße digitale Produkte und Dienstleistungen anbieten, digitale und internetgestützte Beziehungen zu Kunden und Partnern unterhalten und vielfach datenbasierte Geschäftsmodelle realisiert haben.

Das Projekt soll systematisch diese Auswirkungen des neuen Datenschutzrechts systematisch untersuchen sowie den Veränderungs- und Anpassungsbedarf für Unternehmen der Kreativ- und Medienwirtschaft auf ihre Geschäftsmodelle und Kundenbeziehungen herausarbeiten.

 

Betreuer:

Prof. Holger Nohr, E-Mail: nohr@hdm-stuttgart.de, Mobil: 0151 16513133, Homepage: holgernohr.net

 

Fachrichtung, Studiengänge:

Kreativwirtschaft, Medienwirtschaft, Medienwissenschaft, Rechtswissenschaften, Wirtschaftsinformatik, Online-Medien-Management

 

Notwendiges Vorwissen:

Grundkenntnisse Datenschutz, Privacy bzw. die Fähigkeit zur Einarbeitung in das Gebiet.

 

Themen_ID:

CREAM-DdW-1

 

Literatur / weiterführende Links:

BfDI (Hrsg., 2016): Datenschutz-Grundverordnung. 2. Aufl. Bonn 2016 (BfDI - Info 6).

Heckmann, D. (2012): Grundprinzipien des Datenschutzrechts. In: Schmidt, J.-H./Weichert, T. (Hrsg.): Datenschutz: Grundlagen, Entwicklungen und Kontroversen. Bonn: bpb, S. 267-279.

Lücke, F. (2012): Datenschutz aus Verbrauchersicht. In: Schmidt, J.-H./Weichert, T. (Hrsg.): Datenschutz: Grundlagen, Entwicklungen und Kontroversen. Bonn: bpb, S. 154-164.

Nohr, H. (2017): Big Data im Lichte der EU-Datenschutz-Grundverordnung. In: JurPC Web-Dok. 111/2017, Abs. 1-86 (http://www.jurpc.de/jurpc/show?id=20170111).

Weichert, T. (2016): Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung - Ein Überblick. In: Datenschutz Nachrichten 39 (2016) 2, S. 48-56.

Wybitul, T./Ströbel, L. (2017): Neue E-Privacy-Verordnung: Ein Plätzchen für Cookies. In: Legal Tribune Online v. 18.01.2017 (https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/eu-e-privacy-verordnung-schutz-persoenlichkeitsrecht-cookie-richtlinie/).

 

 

1.2 – Beschäftigtendatenschutz

Kurzbeschreibung:

Der Datenschutz im Beschäftigtenverhältnis ist einer wichtigsten Bereiche in der Praxis des Datenschutzes – wie die Jahresberichte der Landesdatenschutzbeauftragten immer wieder belegen. Zahlreiche Datenschutzskandale um die Überwachung von Mitarbeiter*innen bei namhaften Unternehmen (Deutsche Telekom, Deutsche Bahn, Penny, Gerling oder Lidl) sorgten für öffentliche Aufmerksamkeit.

Ein spezifisches Gesetz für den Beschäftigtendatenschutz ist in Deutschland seit vielen Jahren geplant, bislang aber nicht realisiert. Die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) legt für den Schutz von Beschäftigten lediglich einen Rahmen vor und überlässt eine konkrete Ausgestaltung den Mitgliedsstaaten. Ein Regelungsauftrag, den die Bundesregierung bislang nicht ausgefüllt hat.

So offensichtlich also Handlungsbedarf besteht, so schwierig und strittig ist die Ausgestaltung einer rechtlichen Grundlage.

Im Projekt soll systematisch untersucht werden, welche Anforderungen eine moderne Arbeitswelt an den Datenschutz stellt, welche Risiken für Beschäftigte bestehen (bspw. Risikoklassen) und wie der Rahmen der DSGVO konkret durch ein spezifisches Gesetz ausgefüllt werden kann.

 

Betreuer:

Prof. Holger Nohr, E-Mail: nohr@hdm-stuttgart.de, Mobil: 0151 16513133, Homepage: holgernohr.net

 

Fachrichtung, Studiengänge:

Betriebswirtschaft, Medienwirtschaft, Rechtswissenschaften, Wirtschaftsinformatik

 

Notwendiges Vorwissen:

Grundkenntnisse im Datenschutz und die Fähigkeit zur Einarbeitung in das Gebiet.

 

Themen_ID:

CREAM-DdW-2

 

Literatur / weiterführende Links:

Däubler, W. (2017): Gläserne Belegschaften, 7. Aufl., Frankfurt am Main: Bund-Verlag, 2017.

Körner, M. (2017): Wirksamer Beschäftigtendatenschutz im Lichte der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung. Frankfurt: Bund-Verlag, 2017.

Wächter, M. (2016): Datenschutz-Grundverordnung und Personalarbeit. In: JurPC Web-Dok. 75/2016, Abs. 1-92.

Wedde, P. (2016): Beschäftigtendatenschutz: Rechtlicher Rahmen und Handlungsmöglichkeiten für Betriebsräte. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 2016.

Wedde, P. (2017): Beschäftigtendatenschutz in der digitalisierten Welt. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2017.

Wybitul, T. (2016): Was ändert sich mit dem neuen EU-Datenschutzrecht für Arbeitgeber und Betriebsräte? In: ZD 5/2016, S. 203-208.

 

 

1.3 – Ein Konzept der „Datenkonpetenz“ in der Kritischen Medienbildung

Kurzbeschreibung:

Das Datenschutzrecht kann eine notwendige Grundlage für den Schutz von persönlichen Daten und damit unser Persönlichkeitsrechte schaffen. Dieser formalisierte „Mindest-Schutz“ ist jedoch im praktischen Umgang mit digitalen Medien kaum hinreichend. Bewusstes und kritisches Medienhandeln verlangt einen bewussten und kritischen Umgang mit den eigenen persönlichen Daten. Kompetentes Medienhandeln muss heute nicht nur Medienkritik einbeziehen, sondern gleichfalls „Datenkritik“ – wozu auch ein Verständnis von Datenverarbeitungsmechanismen (wie z.B. Big Data, Maschinelles Lernen etc.) zählen muss. Tatsächlich ist informationelle Selbstbestimmung ohne eine kritische „Datenkompetenz“ in digitalen Handlungsräumen kaum vorstellbar.

Im Projekt sollen systematisch untersuchen, was unter „Datenkompetenz“ zu verstehen ist und wie in konkreten Bildungssituationen „Datenkompetenz“ Bestandteil medienpädagogischer Konzepte sein kann.

 

Betreuer:

Prof. Holger Nohr, E-Mail: nohr@hdm-stuttgart.de, Mobil: 0151 16513133, Homepage: holgernohr.net

 

Fachrichtung, Studiengänge:

Online-Medien-Management, Medienpädagogik, Pädagogik, Medienwirtschaft

 

Notwendiges Vorwissen:

Grundkenntnisse Datenschutz, Medienpädagogik bzw. die Fähigkeit zur Einarbeitung in diese Gebiete.

 

Themen_ID:

CREAM-DdW-3

 

Literatur / weiterführende Links:

Dander, V. (2018): Medienpädagogik im Lichte | im Schatten digitaler Daten. In: MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung, März 2018, S. 1–134.

Dander, V. (2014): Die Kunst des Reg(istr)ierens mit Big Data. Ein Versuch über Digitale Selbstverteidigung und Aktive Medienarbeit mit Daten.In:  medienimpulse. Beiträge zur Medienpädagogik 4/2014, S. 1-13. (http://medienimpulse.at/articles/view/739).

Dander, V. (2014): Von der ‹Macht der Daten› zur ‹Gemachtheit von Daten›. Praktische Datenkritik als Gegenstand der Medienpädagogik. In: Burkhardt, M./Gießmann, S. (Hrsg.): Mediale Kontrolle unter Beobachtung, Nr. 3 Datenkritik. (http://www.medialekontrolle.de/ausgaben/3-12014-datenkritik/).

Häring, K./Nohr, H. (2018): Regulierung des Datenschutzes für Kinder. In: DANA – Datenschutznachrichten 41 (2018) zur Veröffentlichung angenommen.

Trepte, S./Masur, P.K. (2015): Privatheitskompetenz in Deutschland. Ergebnisse von zwei repräsentativen Studien. Stuttgart: Universität Hohenheim.

 

© Hochschule der Medien 2019 | Impressum | Datenschutzerklärung Login