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Master of Media Research

Forschungsthemen Wintersemester 2019/2020

Beschreibung von Forschungsthemen im Master of Media Research (ab Wintersemester 2019/20)

Forschungsleuchtturm

Creative Industries & Media Society (CREAM)

Prof. Holger Nohr

 

Forschungsprojekt

Titel:

Datenschutz in der digitalen Welt

 

Projektbeschreibung (Forschungsfragen, Vorgehen, erwartete Ergebnisse):

Seit das Bundesverfassungsgereicht im wegweisenden Urteil zur Volkszählung 1983 den Begriff „informationelle Selbstbestimmung“ geprägt und wichtige, bis heute gültige Leitlinien für den Umgang mit personenbezogenen Daten aufgestellt hat, ist die Bedeutung des Datenschutzes immens gewachsen. Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen, die Vernetzung mit Kunden und Partnern sowie datenbasierte Geschäftsmodelle durch Cloud Computing und Social Media unter Anwendung der Methoden von Big Data haben erheblich weitergehende Herausforderungen an den Datenschutz geschaffen.

Fragen, die sich drängend ergeben, sind u.a.: Wie soll „internettauglicher Datenschutz“ gestaltet sein? Wie können wirtschaftliche Potenziale von Big Data genutzt und zugleich personenbezogene Daten geschützt werden? Wie weitgehend dürfen datenbasierte Geschäftsmodelle gehen, wie weitgehend müssen personenbezogene Daten vor solchen Geschäftsmodellen geschützt werden? Wie können Diskriminierungseffekte verhindert werden?

Der Datenschutz muss aus diesem Grunde weiterentwickelt werden, sowohl in rechtlicher Hinsicht (Datenschutzreform der EU) als auch durch technische Maßnahmen („Privacy by design“, „Privacy by default“) oder durch eine medienpädagogische Entwicklung in Richtung „Datenkompetenz“.

 

Laufzeit:

Mindestens bis Ende 2021

1.1 – Datenschutz und Privatheit im Zeitalter von Big Data

Kurzbeschreibung:

Fortschrittlichen Methoden der Datenanalyse – wie sie mit dem Begriff „Big Data“ beschrieben werden – wird großes Potenzial für die Entwicklung der Gesellschaft, der Wirtschaft oder einzelner Unternehmen zugeschrieben. In diesem Zusammenhang spielen datenbasierte Geschäftsmodelle und – eng mit diesen Geschäftsmodellen verbunden – die Auswertung großer Datenmengen mit Big Data eine zentrale Rolle. Amazon, Google oder Facebook können dafür exemplarisch stehen, datengetriebene Geschäftsmodelle sind aber keineswegs auf die großen Internetkonzerne beschränkt. Analysen von Daten und auf dieser Grundlage Bewertungen und Prognosen („Profiling“) prägen zunehmend das Handeln von Unternehmen (und staatlicher Einrichtungen).

Solche analytischen Anwendungen und Verfahren werfen – sofern sie mit personenbezogenen bzw. personenbeziehbaren Daten arbeiten – allerdings auch komplexe datenschutzrechtliche Fragen auf. Big Data und vergleichbare Analysemethoden stellen hinsichtlich des Grundrechts auf Datenschutz, wie es in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union verankert ist (Art. 8), ein besonderes hohes Gefährdungspotenzial für natürliche Personen dar. Die wachsenden Möglichkeiten der Eingriffe in die Privatsphäre durch Big Data werfen zahlreiche rechtliche und ethische Fragen auf.

Das neue europäische Datenschutzrecht (die Datenschutzgrund-Verordnung (DSGVO) und demnächst auch die ePrivacy-Verordnung) stellt erste Regeln für das sog. Profiling auf, findet aber – soweit besteht wohl Einigkeit – keine abschließend befriedigenden Regelungen. Diese wären aber für den Grundrechtsschutz einerseits und für die Akzeptanz digitaler Angebote zwingend gefordert.

Im Projekt soll systematisch untersucht werden, welche Auswirkungen und Risiken durch Profiling entstehen, welche Desiderate im Datenschutzrecht bestehen  und wie der Rahmen einer abgemessenen rechtlichen Regelung ausgestaltet werden sollte.

 

Betreuer:

Prof. Holger Nohr, E-Mail: nohr@hdm-stuttgart.de, Mobil: 0151 16513133, Homepage: holgernohr.net

 

Fachrichtung, Studiengänge:

Rechtswissenschaften, Wirtschaftsinformatik, Online-Medien-Management, Medienwirtschaft

 

Notwendiges Vorwissen:

Grundkenntnisse Datenschutz, Big Data bzw. die Fähigkeit zur Einarbeitung in die Gebiete.

 

Themen_ID:

CREAM-DdW-1

 

Literatur / weiterführende Links:

Beining, L. (2017): Wie Daten und Algorithmen die Rahmenbedingungen für das Gemeinwohl verändern. Berlin: SNV

Diercks, N. (2016): Big Data im Zeitalter der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) (https://diercks-digital-recht.de/2016/11/big-data-im-zeitalter-der-eu-datenschutzgrundverordnung-dsgvo-teil-6-zur-eu-dsgvo/).

Kammourieh, L. et al. (2017): Group privacy in the age of big data. In: Taylor, L./Floridi, L./van der Sloot, B. (Eds.): Group Privacy: new challenges of data technologies. Dordrecht: Springer.

Marnau, N. (2016): Anonymisierung, Pseudonymisierung und Transparenz für Big Data. In: DuD Datenschutz und Datensicherheit 7, 2016, S. 428-433.

Nohr, H. (2017): Big Data im Lichte der EU-Datenschutz-Grundverordnung. In: JurPC Web-Dok. 111/2017, Abs. 1-86 (http://www.jurpc.de/jurpc/show?id=20170111).

o.V. (2017): Data is power: Towards additional guidance on profiling and automated decision-making in the GDPR. London: Privacy International (http://privacyinternational.org/sites/default/files/2018-04/Data%20Is%20Power-Profiling%20and%20Automated%20Decision-Making%20in%20GDPR.pdf).

o.V. (2014): Big data: A tool for development or a threat to privacy? London: Privacy International (https://privacyinternational.org/blog/1434/big-data-tool-development-or-threat-privacy).

Wachter, S. (2018): Data protection in the age of big data. In: Nature Electronics, Vol. 2, January 2019. p. 6-7.

Weichert, T. (2016): Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung - Ein Überblick. In: Datenschutz Nachrichten 39 (2016) 2, S. 48-56.

 

1.2 – Beschäftigtendatenschutz

Kurzbeschreibung:

Der Datenschutz im Beschäftigtenverhältnis ist einer wichtigsten Bereiche in der Praxis des Datenschutzes – wie die Jahresberichte der Landesdatenschutzbeauftragten immer wieder belegen. Zahlreiche Datenschutzskandale um die Überwachung von Mitarbeiter*innen bei namhaften Unternehmen (Deutsche Telekom, Deutsche Bahn, Penny, Gerling oder Lidl) sorgten für öffentliche Aufmerksamkeit.

Ein spezifisches Gesetz für den Beschäftigtendatenschutz ist in Deutschland seit vielen Jahren geplant, bislang aber nicht realisiert. Die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) legt für den Schutz von Beschäftigten lediglich einen Rahmen vor und überlässt eine konkrete Ausgestaltung den Mitgliedsstaaten. Ein Regelungsauftrag, den die Bundesregierung bislang nicht ausgefüllt hat.

So offensichtlich also Handlungsbedarf besteht, so schwierig und strittig ist die Ausgestaltung einer rechtlichen Grundlage.

Im Projekt soll systematisch untersucht werden, welche Anforderungen eine moderne Arbeitswelt an den Datenschutz stellt, welche Risiken für Beschäftigte bestehen (bspw. Risikoklassen) und wie der Rahmen der DSGVO konkret durch ein spezifisches Gesetz ausgefüllt werden kann.

 

Betreuer:

Prof. Holger Nohr, E-Mail: nohr@hdm-stuttgart.de, Mobil: 0151 16513133, Homepage: holgernohr.net

 

Fachrichtung, Studiengänge:

Betriebswirtschaft, Medienwirtschaft, Rechtswissenschaften, Wirtschaftsinformatik

 

Notwendiges Vorwissen:

Grundkenntnisse im Datenschutz und die Fähigkeit zur Einarbeitung in das Gebiet.

 

Themen_ID:

CREAM-DdW-2

 

Literatur / weiterführende Links:

Däubler, W. (2017): Gläserne Belegschaften, 7. Aufl., Frankfurt am Main: Bund-Verlag, 2017.

Körner, M. (2017): Wirksamer Beschäftigtendatenschutz im Lichte der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung. Frankfurt: Bund-Verlag, 2017.

Wächter, M. (2016): Datenschutz-Grundverordnung und Personalarbeit. In: JurPC Web-Dok. 75/2016, Abs. 1-92.

Wedde, P. (2016): Beschäftigtendatenschutz: Rechtlicher Rahmen und Handlungsmöglichkeiten für Betriebsräte. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 2016.

Wedde, P. (2017): Beschäftigtendatenschutz in der digitalisierten Welt. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2017.

Wybitul, T. (2016): Was ändert sich mit dem neuen EU-Datenschutzrecht für Arbeitgeber und Betriebsräte? In: ZD 5/2016, S. 203-208.

 

 

1.3 – Ein Konzept der „Datenkonpetenz“ in der Kritischen Medienbildung

Kurzbeschreibung:

Das Datenschutzrecht kann eine notwendige Grundlage für den Schutz von persönlichen Daten und damit unser Persönlichkeitsrechte schaffen. Dieser formalisierte „Mindest-Schutz“ ist jedoch im praktischen Umgang mit digitalen Medien kaum hinreichend. Bewusstes und kritisches Medienhandeln verlangt einen bewussten und kritischen Umgang mit den eigenen persönlichen Daten. Kompetentes Medienhandeln muss heute nicht nur Medienkritik einbeziehen, sondern gleichfalls „Datenkritik“ – wozu auch ein Verständnis von Datenverarbeitungsmechanismen (wie z.B. Big Data, Maschinelles Lernen etc.) zählen muss. Tatsächlich ist informationelle Selbstbestimmung ohne eine kritische „Datenkompetenz“ in digitalen Handlungsräumen kaum vorstellbar.

Im Projekt sollen systematisch untersuchen, was unter „Datenkompetenz“ zu verstehen ist und wie in konkreten Bildungssituationen „Datenkompetenz“ Bestandteil medienpädagogischer Konzepte sein kann.

 

Betreuer:

Prof. Holger Nohr, E-Mail: nohr@hdm-stuttgart.de, Mobil: 0151 16513133, Homepage: holgernohr.net

 

Fachrichtung, Studiengänge:

Online-Medien-Management, Medienpädagogik, Pädagogik, Medienwirtschaft

 

Notwendiges Vorwissen:

Grundkenntnisse Datenschutz, Medienpädagogik bzw. die Fähigkeit zur Einarbeitung in diese Gebiete.

 

Themen_ID:

CREAM-DdW-3

 

Literatur / weiterführende Links:

Dander, V. (2018): Medienpädagogik im Lichte | im Schatten digitaler Daten. In: MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung, März 2018, S. 1–134.

Dander, V. (2014): Die Kunst des Reg(istr)ierens mit Big Data. Ein Versuch über Digitale Selbstverteidigung und Aktive Medienarbeit mit Daten.In:  medienimpulse. Beiträge zur Medienpädagogik 4/2014, S. 1-13. (http://medienimpulse.at/articles/view/739).

Dander, V. (2014): Von der ‹Macht der Daten› zur ‹Gemachtheit von Daten›. Praktische Datenkritik als Gegenstand der Medienpädagogik. In: Burkhardt, M./Gießmann, S. (Hrsg.): Mediale Kontrolle unter Beobachtung, Nr. 3 Datenkritik. (http://www.medialekontrolle.de/ausgaben/3-12014-datenkritik/).

Häring, K./Nohr, H. (2018): Regulierung des Datenschutzes für Kinder. In: DANA – Datenschutznachrichten 41 (2018) 4, S. 181-187.

Trepte, S./Masur, P.K. (2015): Privatheitskompetenz in Deutschland. Ergebnisse von zwei repräsentativen Studien. Stuttgart: Universität Hohenheim.

 

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