Ein Semester im Ausland

 

Ein Semester im Ausland studieren, um ein anderes Land zu erleben, eine Sprache zu lernen, neue Erfahrungen zu machen - immer mehr Mediapublisher/innen nutzen diese Möglichkeit. Schon vor dem Praxissemester suchen sie sich eine geeignete Hochschule aus, bewerben sich um ein Stipendium - und gehen dann meist im 6. Studiensemester für mehrere Monate ins Ausland. Ihre Eindrücke schildern einige von ihnen hier.

Nachfolgend die ersten Berichte aus Amsterdam, Dún Laoghaire, Màlaga, Montpellier und Florianópolis.

 

Susan Störkle – Hoogschool van Amsterdam (Niederlande)

> Wie kamen Sie dazu, für ein Semester nach Amsterdam zu gehen?
Ich habe vor meinem Studium eine Ausbildung abgeschlossen und danach zwei Jahre gearbeitet. An meinem letzten Arbeitstag hat meine damalige Chefin zu mir gesagt, dass sie mir gerne einen Rat mit auf den Weg geben möchte: Sie meinte, dass ich mein Studium unbedingt zum Ausbau meiner Sprachkenntnisse nutzen sollte. Das habe ich mir dann zu Herzen genommen und Amsterdam war für mich schon immer eine Stadt, in der ich einmal leben wollte.

> Wie schwer/leicht war es, sich in Amsterdam zurechtzufinden?
Amsterdam ist eine wunderschöne Stadt und auch relativ klein und übersichtlich. Ich habe mir gleich zu Beginn ein Fahrrad gekauft und bin damit auf Entdeckungs-Tour gegangen. Vom ersten Tag an habe ich mich sehr wohl gefühlt. Es war für mich eine neue Erfahrung, eine ganze Stadt auf dem Rad erfahren zu können. Egal, ob wir abends zum Feiern sind, oder morgens zur Uni, es war alles schnell erreichbar. Die Amsterdamer sind sehr zuvorkommend und helfen bei Fragen gern weiter. Es können fast alle gut Englisch sprechen, somit war die Verständigung nie ein Problem.

> Wie ist die Hochschule ausgestattet, wie das Studienangebot/-niveau? Und was bringen die Kurse für Mediapublisher/innen?
Die Hochschule ist sehr gut ausgestattet. Der Minor hatte einen eigenen Raum, der den ganzen Tag nur für uns Studenten zur Verfügung stand. Wir haben sehr viel dort gearbeitet und den Raum auch mit persönlichen Dingen eingerichtet. Wenn man einen anderen Raum benötigte, konnte man die QR-Codes vor den Türen mit dem Smartphone scannen und überprüfen, ob der Raum noch frei ist und diesen dann direkt buchen. Das war neu für mich.

Das Studienniveau ist sehr hoch. In unserem Minor konnte beispielsweise keiner die volle Punktzahl in einen der Kurse erreichen. Für Mediapublisher sind die Kurse noch einmal vertiefend für das bisher Gelernte: Ich konnte mein Wissen als Mediapublisher besonders in dem großen Hauptprojekt, der Herstellung eines Buchs, anwenden.

> Was ist im Studium ganz anders als in Stuttgart?
Den Dozentinnen in Amsterdam ist es sehr wichtig, dass jeder regelmäßig in die Vorlesungen geht. Man musste sich immer schriftlich abmelden, wenn man zu einer Lehrveranstaltung nicht kommen konnte. Das Arbeiten an den Projekten findet in enger Abstimmung mit den Dozentinnen statt und es wird auf einer sehr persönlichen Ebene miteinander gearbeitet.

> Können Sie anderen Mediapublishern empfehlen, ein Auslandssemester in Amsterdam zu verbringen?
Ich kann das Auslandssemester in Amsterdam sehr weiterempfehlen: Amsterdam ist eine tolle Stadt und es macht sehr viel Spaß, mit den Dozentinnen und Mitstudenten der HvA zu arbeiten. Zu Beginn des Semesters gibt es eine Exkursion nach Oxford, die wunderbar ist.

Die besten Zeiten hatte ich beim Genießen der Stadt - Festivals, Stadtstrände, Food Trucks, Bier und überall Grachten – einfach traumhaft.

 

Jasmin Kiene – Institute of Art, Design and Technology (IADT) in Dún Laoghaire (Irland)

> Wie kamen Sie dazu, für ein Semester nach Irland zu gehen?
Dass ich in Irland gelandet bin, war mehr oder weniger ein Zufall. Ich spreche (außer Deutsch) nur Englisch, also kam für mich immer nur ein englischsprachiges Land in Frage. Deshalb habe ich mich für Hochschulen in Schottland, England und Irland beworben, wobei Schottland meine erste Wahl war. Mir wurde jedoch ›nur‹ ein Platz an der IADT angeboten, da Schottland überlaufen war. Für mich war dies jedoch kein Problem: Ich war zuvor noch nie groß verreist, nach meiner Fachhochschulreife bin ich praktisch sofort an die HdM gegangen – und deshalb war meine Intention für das Auslandssemester zunächst einmal nur: »Ich will weg.«  

> Wie schwer/leicht war es, sich in Dún Laoghaire zurechtzufinden?
An der Hochschule angekommen, war es sehr leicht, sich zurechtzufinden. Die IADT ist eine sehr kleine Hochschule. Die verschiedenen Kurse haben in den Gebäuden alle ihren eigenen Bereich, so dass man immer im selben Raum ist. Am ersten Tag bekommt man zusätzlich von der ERASMUS-Beauftragten der Hochschule eine kurze Führung über das Gelände und einem wird gezeigt, wo man seinen ersten Kurs hat.

> Wie ist die Hochschule ausgestattet? Wie ist das Studienniveau und was bringen die Kurse für Mediapublisher/innen?
Im Vergleich zur HdM ist sie etwas schlechter ausgestattet. Es gibt zwar mehrere Mac-Labore, die alle die Adobe-Programme besitzen, doch ob diese funktionieren ist mehr oder weniger Glückssache. Für ›Visuelle Kommunikation‹ (VisCom), den Kurs, den ich hier belegt habe, wird empfohlen, seinen eigenen Laptop, oder genauer gesagt: Mac, mit den entsprechenden Programmen zu nutzen.

Das Niveau an der IADT ist doch anders als an der HdM. Ich bin nach meinem 5. Semester an die IADT gegangen und kann sagen, dass man als Mediapulisherin einiges voraus hat. Die Projekte im zweiten Studienjahr hier sind eine Webseite zu coden, ein Booklet zu gestalten, einen Event-Katalog zu gestalten und eine Art Marketingkampagne dazu zu entwickeln (also Banner, Poster, Informationsstand etc.). Meine irischen Kommilitonen hatten zuvor noch nie mit XML, CSS oder Ähnlichem zu tun, während ich in elektronischem Publizieren zumindest die Grundkenntnisse erworben hatte. Gleiches gilt für die Arbeit mit InDesign und die Begrifflichkeiten zum Thema Druck.

Dafür sind die irischen Studierenden mir voraus, was das handwerkliche Arbeiten angeht. Es gibt an der IADT mehrere, wirklich ausgezeichnet ausgestattete Fotostudios, in denen sich meine irischen Kommilitonen routiniert bewegen, während ich im Prinzip noch nie eine professionelle Beleuchtung auch nur angeschaltet habe. Das Booklet und der Katalog müssen auch selber gebunden werden; alle dafür benötigten Materialien muss man sich selbst beschaffen. Das fängt mit Nadel und Faden für das Buchbinden an, geht über das Skalpell, mit dem man die einzelnen Buchseiten dann selber von Hand ausschneidet, bis hin zur Schneideunterlage und dem Papier.

> Was ist im Studium ganz anders als in Stuttgart?
Ganz einfach alles. An der IADT hat man die ersten drei Wochen ein ›Elective‹. Ich habe mich hierbei für ›Webdesign‹ entschieden, da ich dachte, so könnte ich meine XML- und CSS-Kenntnisse erweitern. Im Nachhinein hat sich das als Fehleinschätzung herausgestellt, da in diesem Kurs bei Null angefangen wurde. Erst nach diesen drei Wochen begann der eigentliche Kurs.

In VisCom hat jeder von Montag bis Donnerstag für rund sechs Wochen nur ein Projekt, und jeden Freitag das ganze Jahr lang eine ›klassische‹ Vorlesung, in der man schlussendlich auch einen Essay schreiben muss. Nachdem das erste Projekt beendet ist, fängt dann das nächste Sechs-Wochen-Projekt an. Man hat hier auch keine einzelnen Vorlesungen, sondern die Arbeitsweise erinnert stark an das spätere Berufsleben. Täglich von 10–17 Uhr ist Uni. Man macht verschiedene Workshops, bekommt Arbeitsanweisungen, die man selbstständig erledigen muss, und nach jedem Gruppenfeedback unterhalten die Lehrer sich mit jedem einzelnen Studenten und helfen mit individuellem Feedback weiter. Der Raum, in dem der Kurs stattfindet, ist eine Art kleinere Halle, die durch Stellwände unterteilt ist, so dass drei Jahrgänge Platz haben. In den einzelnen Jahrgängen hat jeder seinen eigenen Arbeitsplatz mit Schreibtisch und Pinnwand. 

VisCom ist komplett anders als Mediapulishing und man muss sich wirklich darauf einlassen. Während wir an der HdM viel Theorie haben, setzt man an der IADT mehr auf Kreativität und ›Cut and Paste‹. Die Lehrer nehmen sich für jeden einzelnen Studenten ausgiebig Zeit. Das führt allerdings dazu, dass man oft bis mindestens 19 Uhr, gegen Ende eines Projekts auch bis 21 Uhr an der Uni ist. Durchgemachte Nächte, Dreizehn-Stunden-Tage und sehr wenig Zeit für sich selbst sind vor allem in den letzten Wochen eines Projekts völlig normal.

> Können Sie anderen Mediapublishern empfehlen, ein Auslandsseemster in Dún Laoghaire zu verbringen?
Man muss sich wirklich bewusst sein, dass es an der IADT sehr viel zu tun gibt. Wer sich an der HdM gestresst fühlt, sollte definitiv nicht an die IADT kommen und VisCom studieren. Zudem muss man kreativ arbeiten. Für wen das ein Problem ist, der ist hier ebenfalls falsch. Ist man allerdings an Design interessiert und hat Lust, etwas zu gestalten ­– dann ist man hier genau richtig. Die IADT ist eine der europaweit führenden Hochschulen für Design, die Lehrer nehmen sich für jeden viel Zeit und bringen einen dazu, über sich hinauszuwachsen.

Dass dieser Prozess nicht leicht ist, muss ich hier wohl nicht dazu sagen. An meinem ersten Tag wurde mir gesagt: »Sie werden hier an der Hochschule scheitern. Sie werden scheitern, scheitern und scheitern. Doch dann werden Sie besser und besser. Wir wollen sogar, dass sie scheitern, um über sich hinauszuwachsen.« Dieser Satz hat sich mir eingebrannt und hängt mir immer im Hinterkopf, doch er ist wahr. Für wen das zu hart klingt, der sollte sich nicht für die IADT entscheiden. Wer jedoch Spaß an Herausforderungen hat, wer sich entwickeln und etwas dazulernen will, wer über sich hinauswachsen möchte und einigermaßen gut mit Rückschlägen umgehen kann, dem empfehle ich die IADT definitiv. Es ist hier laut, bunt und einfach herrlich!

 

Martina Gorniak, Universidad de Málaga (Spanien)

> Wie kamen Sie dazu, für ein Semester nach Málaga zu gehen?

Ich wollte mein Studium nicht beenden, ohne vorher die Möglichkeit genutzt zu haben, einige Zeit im Ausland zu verbringen, und habe mich deswegen entschieden, im siebten Semester nach Spanien an die Universidad de Málaga (UMA) zu gehen. Viele meiner Freunde und Familienmitglieder haben in den letzten Jahren ein Auslandssemester gemacht und hatten stets nur spannende Geschichten zu erzählen. Für Málaga konkret entschied ich mich, weil ich bereits vor meinem Studium an der HdM ein Jahr in Spanien gelebt und gearbeitet habe und das Land, die Leute und die Kultur liebe. Außerdem wollte ich mein etwas eingerostetes Spanisch wieder auf Vordermann bringen.

> Wie schwer/leicht war es, sich in Málaga zurechtzufinden?

In Málaga findet man sich auf Anhieb gut zurecht. Die Stadt hat einen wunderschönen historischen Stadtkern und liegt direkt am Mittelmeer. Der Strand und das Zentrum mit Bars, Restaurants und allen Einkaufsmöglichkeiten lassen sich zu Fuß gut erreichen. Der Campus liegt etwas außerhalb, aber mit dem Bus kommt man in 10 bis 15 Minuten hin.

Auch die Wohnungssuche vor Ort verlief problemlos. Da es in Spanien so gut wie keine Wohnheime gibt, wohnen Studenten in WGs. Zum Semesterstart sind viele auf WG-Suche, aber man lernt sehr schnell andere Studierende kennen und Wohnungen gibt es auch genug, sodass es kein Problem ist, in den ersten Tagen etwas zu finden. Außerdem sind die Spanier sehr freundlich und helfen einem gern weiter.

> Wie ist die Hochschule ausgestattet, wie ist das Studienangebot/-niveau? Und was bringen die Kurse für Mediapublisher/innen?

Die UMA ist eine große Uni mit einer eigenen Fakultät für Medien und Kommunikation (Facultad de Ciencias de la Comunicación). Hier kann man im Bachelor Journalismus, audiovisuelle Kommunikation, Werbung und PR studieren. Diese Studiengänge bieten für Mediapublisher eine große Auswahl an interessanten Fächern, von Typografie über Grafikdesign bis hin zu kreativem Schreiben und globalen Medienstrukturen. Aber Achtung: Die Vorlesungen sind alle auf Spanisch. Es gibt wohl einige wenige auf Englisch, aber die Auswahl ist gering. Man sollte daher schon Spanischkenntnisse mitbringen. Allerdings gibt es auch viel mehr Erasmus-Studenten als an der HdM, sodass die Profs damit rechnen und immer total hilfsbereit sind.

> Was ist im Studium ganz anders als in Stuttgart?

Die einzelnen Fächer haben immer den gleichen Workload. Ein Kurs an der Fakultät besteht stets aus drei Theoriestunden in der Woche, hinzu kommt eine Praxisstunde, in der man in den sogenannten Laboratorios praktische Aufgaben zur Theorie erledigt. Das gilt für jeden Kurs und ist sehr durchstrukturiert. Zum Niveau an sich kann ich sagen, dass es an der HdM schon etwas höher ist – was für Austauschstudenten kein Nachteil ist: So hat man in den meisten Fällen schon eine Basis und kann den Vorlesungen auf Spanisch besser folgen. Und etwas dazulernen kann man mit den richtigen Kursen dennoch, zum Beispiel bestand ein großer Teil meines Grafikdesign-Kurses aus intensiven Photoshop-Übungen, die mir sehr viel gebracht haben.

Neben den eigentlichen Vorlesungen gibt es zu den einzelnen Kursen viele Vorträge, Workshops und Wettbewerbe, an denen man teilnehmen kann und sollte. Die Dozenten ermutigen immer dazu, und obwohl die Teilnahme freiwillig ist, machen immer sehr viele Studierende mit.

> Können Sie anderen Mediapublishern empfehlen, ein Auslandssemester in Málaga zu verbringen?

Auf jeden Fall! Grundsätzlich finde ich, dass ein Auslandssemester eine so wunderbare Möglichkeit ist, die man unbedingt wahrnehmen sollte, bevor man sich in die Bachelorarbeit und danach ins Berufsleben stürzt. Auch das Studium von einer anderen Seite kennenzulernen ist unglaublich spannend und lehrreich. Wir waren hier insgesamt fünf Studenten von der HdM, außer mir zwei vom Studiengang Medienwirtschaft und zwei Master-Studentinnen. Das war sehr hilfreich, weil wir uns im Vorfeld bei der Anmeldung etc. gegenseitig helfen und uns auch vor Ort immer austauschen konnten.

Und Málaga selbst eignet sich hervorragend für ein Auslandssemester! Ein halbes Jahr in Südspanien zu leben hat definitiv Vorteile. Der Strand, das Nachtleben, das Essen und die wunderschöne andalusische Landschaft sind nur einige davon. Man kann auch relativ günstig rumreisen und Gibraltar, Córdoba, Granada etc. erkunden; selbst nach Portugal und Marokko ist es nicht weit. Und mit Temperaturen von ca. 20 Grad im Januar lässt es sich in Málaga großartig überwintern :)

 

Christina Scheben – Université de Montpellier (Frankreich)

> Wie kamen Sie dazu, für ein Semester nach Montpellier zu gehen?

Schon zu Beginn meines Studiums war mir klar, dass ich ein Auslandssemester in Frankreich machen möchte. Zum einen weil ich die französische Kultur besser kennenlernen wollte, zum anderen um meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Die HdM bietet ein breit gefächertes Angebot von interessanten Partnerhochschulen in Frankreich an. Letztendlich habe ich mich für Montpellier entschieden, da ich dort bereits einige Tage Urlaub verbracht hatte und mir das südfranzösische Flair und die Größe der Stadt auf Anhieb gefielen. Zudem hat sich das Kursangebot sehr mit meinen Interessensgebieten gedeckt.

> Wie schwer/leicht war es, sich in Montpellier zurechtzufinden?

Da Montpellier eine recht kleine Stadt ist, fiel es mir nicht schwer, mich zurechtzufinden. Schon vor meiner Abreise hatte ich einen Platz im Studentenwohnheim erhalten, wodurch meine Anreise relativ entspannt und geregelt ablief. Der Campus Richter liegt von der Innenstadt ca. 10 Minuten mit der Tram entfernt, mit dem Fahrrad ist man sogar noch schneller dort. Meine Erasmuskoordinatorinnen waren sehr kompetent und hilfsbereit und hatten immer ein offenes Ohr, wenn ich Fragen zur Kurswahl hatte.

> Wie ist die Hochschule ausgestattet, wie ist das Studienangebot/-niveau? Und was bringen die Kurse/Lehrveranstaltungen für Mediapublisher/innen?

Die HdM pflegt eine Partnerschaft mit der Fakultät AES (Faculté d’Administration Économique et Sociale) an der UM1. Den Erasmus-Studenten steht es aber frei auch Kursangebote anderer Fakultäten zu besuchen. Mich haben die Kurse an der ISEM, der Fakultät für Management, mehr angesprochen, daher habe ich ausschließlich Lehrveranstaltungen dort belegt. Wer sich für wirtschaftliche Themen und Marketing interessiert, bekommt hier eine sehr breite Auswahl an interessanten Vorlesungen geboten. Mediapublisher, die mehr in Richtung Herstellung und Design gehen möchten, werden in Montpellier allerdings nicht fündig. Das Niveau entspricht ungefähr dem der HdM, wobei man natürlich die Sprachbarriere nicht außer Acht lassen darf, da auf Französisch unterrichtet wird.

> Was ist im Studium ganz anders als in Deutschland?

Der offensichtlichste Unterschied der Vorlesungen ist deren Länge. Hier dauert eine Vorlesung drei Stunden anstatt eineinhalb. Die meisten Professoren halten einen Frontalunterricht, wobei der ein oder andere auch Power Point-Präsentationen einsetzt – dies ist aber durchaus nicht die Regel. Die französischen Studenten schreiben alles Gesagte zeitgleich mit und Diskussionen oder Fragen sind eher eine Seltenheit. Zudem herrscht in den Vorlesungen strenges Handyverbot; wer sich dem wiedersetzt, wird schnell mal des Unterrichts verwiesen. Außerdem sollte man auf jeden Fall beachten, dass die Semesterstruktur etwas anders ist als in Deutschland: Das Wintersemester geht von September bis Ende Dezember und das Sommersemester von Januar bis Mitte April. Je nachdem welche Kurse man aus den unterschiedlichen Studiengängen wählt, kann sich die Prüfungszeit im Sommer auch bis Mai bzw. Anfang Juni ziehen.

> Können Sie anderen Mediapublishern empfehlen, ein Auslandssemester in Montpellier zu verbringen?

Ich kann allen Mediapublishern definitiv empfehlen, ein Semester in Montpellier zu studieren. Sofern sich das Kursangebot mit den eigenen Interessen deckt, ist es meines Erachtens der perfekte Ort: Die Stadt ist wunderschön und verfügt über ein reiches kulturelles Angebot. Zudem ist das Meer nur 20 Minuten mit der Tram entfernt und bereits Ende März lädt der Strand zum Sonnenbaden ein. Als Erasmusstudent findet man auch sehr schnell Anschluss, da sehr viele Events und Ausflüge angeboten werden, bei denen man andere internationale Studenten kennenlernen kann.

 

Maria Beerboom – Universidade Federal de Santa Catarina (UFSC) in Florianópolis (Brasilien)

> Wie kamen Sie dazu, für ein Semester nach Florianópolis zu gehen?

Für mich stand schon zu Beginn meines Studiums fest, dass ich ein Auslandssemester in Brasilien machen möchte. Ich lernte schon seit einiger Zeit Portugiesisch und wollte meine Sprachkenntnisse vertiefen und das Land kennen lernen. Ich entschied mich für Florianópolis, da ich an der dortigen UFSC Kurse zu Design und Cinema belegen konnte, für die ich während des Semesters an der HdM keine Zeit habe.  

Dass ›Floripa‹ eine sonnige Halbinsel mit vielen Stränden und der Möglichkeit zum Surfen ist, hat meine Entscheidung natürlich ebenfalls nicht ganz unbeeinflusst gelassen.

> Wie schwer/leicht war es, sich in Florianópolis zurechtzufinden?
Ich habe mich sehr schnell in Florianópolis wohlgefühlt. Das lag zum einen daran, dass die Menschen dort alle sehr offen und hilfsbereit sind, zum anderen habe ich von der Uni einen Study-Buddy zugewiesen bekommen, der mir sehr geholfen hat.

Es war relativ leicht, ein Zimmer zu finden, und auch meine Einschreibephase an der Uni verlief problemlos. Viele Kurse sind sehr schnell voll, so dass man sich so früh wie möglich für Veranstaltungen einschreiben sollte. Die Kurse an der UFSC sind alle auf Portugiesisch. Daher ist es auf jeden Fall empfehlenswert, bereits ein gutes Sprachniveau mitzubringen.

Das Hauptverkehrsmittel auf der Halbinsel ist der Bus. Allerdings ist es anfangs ein kleines Abenteuer, herauszufinden, welcher Bus wann wohin fährt.

> Wie ist die Hochschule ausgestattet? Wie ist das Studienangebot/-niveau? Und was bringen die Kurse/Lehrversanstaltungen für Mediapublisher/innen?
Im Gegensatz zur HdM wirken der Campus und die Räume an der UFSC eher alt. In den Kursen, die ich belegt habe, hatten wir aber alles, was wir zum Arbeiten brauchten: Kameras, Schnittplätze, Beamer, Laptops usw. Dennoch kann ich sagen, dass die HdM definitiv besser ausgestattet ist.

Ein Auslandssemester an der UFSC ist eine tolle Chance für Mediapublisher, die Lust haben, etwas mehr im Bereich Design zu lernen. Die UFSC bietet eine Menge Kurse, die auch für uns Mediapublisher interessant und von Nutzen sind, wie z. B. Farbenlehre, Bildbearbeitung (Photoshop), digitale Illustration (Illustrator), Info-Design, Fotografie, Typografie, Design Thinking, verschiedene Projekte wie Branding, Planung einer Kampagne, Theorie und Umsetzung eines Printprodukts usw.

Ich war überrascht, wie gut das Studium an der UFSC organisiert ist, besonders was die Anmeldung für die Kurse und den Zugang zu Informationen über die Seminare angeht (Moodle).

Ich habe an der UFSC die gleichen Leistungsnachweise erbracht wie die brasilianischen Studenten. Für die Austauschstudenten gibt es keine gesonderten Prüfungen.

> Was ist im Studium ganz anders als in Stuttgart?
Ich hatte den Eindruck, dass die Seminare interaktiver sind und die Studenten sich mehr beteiligen. Alles scheint etwas persönlicher und offener, insbesondere das Verhältnis zwischen Dozenten und Studenten. Dies hat viel dazu beigetragen, dass ich mich sehr schnell sehr wohl im Seminar gefühlt habe. Die Seminare an meiner Fakultät dauerten in der Regel aber nicht wie bei uns 90 Minuten, sondern 3,5 bis 4 Stunden.

An der UFSC ist es allgemein üblich, dass man nicht eine große Prüfung am Ende des Semesters absolviert, sondern mehrere kleine Prüfungen/Leistungsnachweise während des ganzen Semesters ablegt. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass das Lerntempo und -niveau in den Lehrveranstaltungen etwas langsamer und niedriger ist.

> Können Sie anderen Mediapublishern empfehlen, ein Auslandssemster in Florianópolis zu verbringen?
Definitiv. Ich hatte eine interessante Zeit in Florianópolis. Die Atmosphäre an der Uni ist toll und ›Floripa‹ hat eine Menge zu bieten. Ein Auslandssemester an der UFSC ist für alle Mediapublisher interessant, die Lust auf ein spannendes, etwas anderes Auslandssemester haben ;-)