6. Publishers Day – ›Lügen wie gepostet!?‹

Vertiefende Diskussionen und Aspekte zum Themenkomplex „Fake News“ am Publishers Day. (Foto: Gloria Dreiseidel))
Vertiefende Diskussionen und Aspekte zum Themenkomplex „Fake News“ am Publishers Day. (Foto: Gloria Dreiseidel))

Am 1. Juni trafen sich Vertreter der südwestdeutschen Zeitungsbranche zum ›Publishers Day‹ an der Hochschule der Medien. Die 6. Auflage dieses erfolgreichen Veranstaltungsformats der Studiengänge Mediapublishing und Crossmedia Publishing & Mangagement fand in Kooperation mit dem Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV) statt und widmete sich dem Thema ›Qualitätsjournalismus vs. Fake News‹.

Sind Mediennutzer überhaupt noch in der Lage, qualitativ hochwertigen Journalismus von Falschmeldungen zu unterscheiden? Oder haben längst Social-Bots die Verbreitung von Informationen übernommen und prägen unsere Wahrnehmung? Was kann und muss die Politik tun, welche Folgen ergeben sich aus den aktuellen Gesetzesinitiativen? Diesen Diskussionsrahmen zog Prof. Christof Seeger in seinem Eröffnungsvortrag, dem annähernd 100 Gäste folgten. Zur Einstimmung präsentierten Masterstudierende noch die Ergebnisse ihrer aktuellen Umfrage bei Zeitungsmachern zum Thema ›Fake News‹.

Medienkompetenz als neue Schlüsselqualifikation

Im ersten von vier Impulsreferaten stellte Dr. Wolfgang Kreißig, Präsident der Landesanstalt für Kommunikation (LfK), die These auf, dass Fake News die Grundfesten der Demokratie angreifen. Er stellte die Verantwortung und Verantwortlichkeit der Gesellschaft - und damit jedes Einzelnen - heraus, speziell in den Sozialen Netzwerken. Basis für verantwortliches Handeln sei Medienkompetenz, die neue Schlüsselqualifikation für das ganze Leben, diese zu vermitteln eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Daran anknüpfend stellte Ministerialrat Philipp Franke, Medienreferent im Staatsministerium Baden-Württemberg, die Frage, wie Mitglieder einer Gesellschaft in ›postfaktischen Zeiten‹ überhaupt zur Wahrheit gelangen können und wie die Lüge durch Qualitätsjournalismus zu entlarven sei. Seine Schlussfolgerung: die Medienkompetenz müsse gesteigert werden (u. a. durch Projekte wie ›Zeitung in der Schule›).

Fake News - Mittel zum Zweck

Valdo Lehari Jr., Zeitungsverleger und Vorsitzender des VSZV, näherte sich dem Thema von der definitorischen Seite: Im Gegensatz zu früheren Falschmeldungen würden Fake News nicht nur absichtlich, sondern auch zielgerichtet gestreut, als »Mittel zum (politischen) Zweck«. Inzwischen fühlten sich Teile der Gesellschaft nicht mehr von der Presse repräsentiert, da es in der Politik - und in der Berichterstattung darüber - immer mehr um Show und Entertainment gehe. »Jeder Journalist«, so Lehari, »ist Angestellter der Demokratie«; er stehe an vorderster Front, wenn es darum geht, der Wahrheit Gehör zu verschaffen.

Als letzter Impulsredner widmete sich Prof. Dr. Michael Veddern (HdM) dem neuen  Netztwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) und stellte deutlich dessen Risiken für den freien Journalismus heraus. Die im Gesetzentwurf formulierten Pflichten und Sanktionen beträfen nicht nur etwa zehn große Soziale Netzwerke, sondern könnten auch negative Auswirkungen auf Pressefreiheit und -inhalte haben (›chilling effects‹), z. B. durch ein ›overblocking‹ oder die Unterbindung von ›Verdachtsberichterstattung‹ bei der Aufdeckung von Skandalen.

Die Antwort: Qualitätsoffensive im Journalismus

In der anschließenden Podiumsdiskussion unter Leitung von Dr. Christoph Reisinger, Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten, kamen zahlreiche weitere Aspekte des Themas zur Sprache: Von den Umsetzungschancen des NetzDG über Journalismus in Echtzeit und die Rückkehr ans ›digitale Lagerfeuer‹ bis zur Notwendigkeit einer Qualitätsoffensive im Journalismus reichten die Fragen und Antworten. Dabei ging es sowohl um die notwendige Analyse eigener Versäumnisse der Zeitungen als auch um mehr Gelassenheit im Umgang mit Fake News - und gelegentlich blitzte auch etwas von der alten Journalisten-Romantik auf, die manch einer gern ins digitale Zeitalter transferieren würde.

Die beiden Veranstalter zogen am Ende ein rundum positives Fazit: »Ich war beeindruckt, dass auch so viele Studierende konzentriert den Vorträgen und Diskussionsbeiträgen gefolgt sind«, erklärte VSZV-Geschäftsführer Stefan Boureaul, während Prof. Seeger sich über das lobende Feedback der Medienvertreter freute und feststellte: »Das Prinzip Zeitung wird auch in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen.«

(uhu)

 

02. Juni 2017