Was geht auf dem Büchermarkt vor?

Titelzeichnung von Karl Arnold für die Münchner Satirezeitschrift ›Simplicissimus‹ vom 11.5.1925 zum 100. Jubiläum des Börsenvereins.
Titelzeichnung von Karl Arnold für die Münchner Satirezeitschrift ›Simplicissimus‹ vom 11.5.1925 zum 100. Jubiläum des Börsenvereins.

Nov. 2017. Zu hohe Buchpreise und zu niedrige Autorenhonorare, Überproduktion und ›Unterkonsum‹, verkrustete Buchhandelsstrukturen und die Konkurrenz neuer Medien – dies sind nicht nur brennende Probleme der Gegenwart, sondern Themen, die schon vor knapp 100 Jahren die Diskussion bestimmten. Dies belegen die 20 zeitgenössischen Texte zum Buchmarkt der Weimarer Republik, die Prof. Ulrich Huse jetzt zusammen mit fünf Studierenden des Masterstudiengangs ›Crossmedia Publishing & Management‹ in einem Reader vorgelegt hat.

Die Idee zu diesem Buchprojekt entstand im Rahmen eines Seminars zur ›Geschichte des Buch- und Pressewesens‹ im Sommer 2017. Ausgangspunkt war die - für viele überraschende - Erkenntnis, dass es offenbar zahlreiche Probleme gibt, die sich vor rund 90 Jahren nicht viel anders stellten als heute. Eine kleine Gruppe sammelte daraufhin Texte aus den 1920er und frühen 1930er Jahren, die informativ und/oder aus besonderer Perspektive den damaligen Buchmarkt beleuchten.

Aktuelle Themen, interessante Perspektiven

Diese Beiträge wirken auch heute noch hochaktuell und enthalten zahlreiche Argumente für die Diskussionen unserer Zeit. Der vorliegende Band spiegelt die damaligen Auseinandersetzungen in 20 ausgewählten Artikeln aus den Jahren 1919 bis 1933. Nicht wenige stammen von bekannten Journalisten, Schriftstellern und Verlegern wie Kurt Tucholsky oder Joseph Roth, Ernst Rowohlt oder Wieland Herzfelde. Aber es gibt auch Ungewöhnliches wie die detaillierte Analyse des Konsumguts Buch durch Theodor Heuss oder den kleinen Text des weitgehend vergessenen Schriftstellers Essad-Bey über den Wert des geschriebenen Worts.

Unter den insgesamt 24 Schriftstellern, Journalisten und Verlegern, die in den ausgewählten Texten zu Wort kommen, dominieren die antiautoritären Freigeister, überzeugten Sozialisten und aufrechten Republikaner, es finden sich aber auch bürgerlich-konservative Stimmen bis hin zu Repräsentanten völkisch-nationalistischer Positionen, die - unfreiwillig oder bewusst - zu den geistigen Wegbereitern der NS-Diktatur wurden. Es ist überraschend, wie diese höchst unterschiedlichen Haltungen mit- und gegeneinander diskutierten und sich über das geschriebene Wort Gehör und Einfluss zu sichern suchten.

Erläuterungen zum Kontext und zu den Autoren

In konzisen Einführungen zu jedem Text werden von Prof. Huse und seinem Team, zu dem Jessica Dast, Gloria Dreiseidel, David Michalik, Jael Ramsden und Anna Travnika gehörten, die zeitgenössischen Hintergründe aufgezeigt und Bezüge zur Gegenwart hergestellt. Weniger geläufige Begriffe und Personen sind in Fußnoten erklärt; am Ende eines jeden Beitrags finden sich Erläuterungen zur Vita des Autors. Die Gestaltung besorgte Nicole Fröhlich, Mitarbeiterin des Studiengangs und selbst Absolventin des Masterstudiengangs Print & Publishing.

Der Herausgeber und die beteiligten Studierenden hoffen, mit dem vorliegenden Textband nicht nur eine anregende Lektüre vorzulegen, sondern auch einen kleinen Beitrag zum Verständnis des Buchmarkts in der Weimarer Republik und in der Gegenwart zu leisten. - Das Buch kann gegen eine Schutzgebühr von 5,00 Euro bestellt werden unter: froehlich@hdm-stuttgart.de.

 

16. November 2017