Redaktion Zukunft

Ein Paradies für Stuttgarts Hacker

Ein paar kleine Details aus dem Shackspace gefällig? Dann schaut rein!


28.01.2014

Im shackspace, dem Stuttgarter Hackerspace, tummeln sich Nerds aus dem Kessel. Doch was genau steckt hinter dem Begriff "Hackerspace"?

Ein dunkles Treppenhaus, die Wände sind mit Graffiti vollgesprüht. Wagt man es, die Stufen zu betreten, werden die Kunstwerke um einen herum durch LED-Lampen beleuchtet. Führen diese Treppen hinauf zu einem Nachtclub, oder gar zu einem Bordell? Nein, es handelt sich hierbei um den shackspace, der Stuttgarter Spielwiese für Hacker.

Gregor, unter Hackern nur als Hadez bekannt, ist Mitbegründer und aktives Mitglied des Hackerspaces. So gut wie jeden Tag nach der Arbeit kommt der gelernte Softwareentwickler in den shackspace, um sich mit anderen Hackern auszutauschen, an Projekten zu arbeiten oder um einfach nur zu entspannen. „Ich mag die breitgefächerte Mischung aus Leuten die alle auf irgendeinem Gebiet Spezialwissen haben“, sagt Hadez. Im shackspace treffen Menschen aus den verschiedensten Bereichen aufeinander. Vom Student bis zum Rentner, vom Informatiker bis zum Pädagogen ist dort wirklich alles vertreten. Doch sie haben alle eins gemeinsam: Auf ihrem Fachgebiet bezeichnen sich die Mitglieder stolz als Nerds. Das ist für die Hacker keinesfalls eine Beleidigung, sondern viel mehr ein Kompliment. Es besagt, dass sie sich auf ihrem Gebiet besser auskennen als andere und mit viel Neugier und Begeisterung ausgefallene Projekte in Angriff nehmen.

Ein Selbstläufer

Den shackspace gibt es seit 2009. Hadez hat auf einem Barcamp in Stuttgart zum ersten Mal von dieser Idee gehört. Ein Barcamp ist eine offene Tagung mit offenen Workshops, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst entwickelt werden. Während dieser Tagung stellte ein Hacker namens Momo seine Vison eines Hackerspaces in Stuttgart vor. „Ich war sofort begeistert und hatte Bock“, erzählt Hadez. Er und andere Interessenten schlossen sich also mit Momo zusammen. Mit insgesamt 23 Gründungsmitgliedern wurde schließlich ein gemeinnütziger Verein gegründet. Das Projekt entwickelte sich zum Selbstläufer. Nach einem halben Jahr waren es bereits 90 Hacker und mittlerweile hat shackspace e.V. um die 200 Mitglieder.

Wer sich nun eine Art schäbiges Clubhaus vorstellt, in dem kleine schmächtige Nerds mit ihren viel zu großen Brillen vor ihren Computern versauern und stundenlang in Dunkelheit vor sich hintippen, der liegt falsch. Beim shackspace handelt es sich um eine 450m² große Mischung aus Kreativwerkstatt, High-Tech-Büros und Wohnzimmer. Von sprechenden Getränkeautomaten oder einem Industrieroboter, der zu Versuchszwecken Teller durch die Gegend wirft, gibt es im shackspace wirklich alles, was das Hackerherz begehrt.

Hacken = illegal?

In einem sogenannten Crafting Raum können die Mitglieder sogar nähen oder sticken. Nähen, Sticken und Hacken? Das sind Begriffe, die auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen passen. „Hacken“ und „Hacker“ bringen die Meisten mit illegalen Machenschaften vor dem Computer in Verbindung, doch die Ursprungsbedeutung ist eine ganz andere. Eigentlich steht das Wort „Hacken“ lediglich für technische und handwerkliche Experimentierfreudigkeit. Beispielsweise werden, technische Geräte zweckentfremdet oder erhalten durch Umbau eine völlig neue Funktion. Das ist auch genau das, was im shackspace vor sich geht. Während ein Mitglied ein altes Mikrowellenbauteil zu einer voll funktionsfähigen Punktschweißmaschine umbaut, sitzt zwei Zimmer weiter ein anderer Hacker und näht an einem neuen Vorhang für den Shackspace. Andere Mitglieder bauen momentan zum Beispiel ihren eigenen 3D-Drucker, pimpen Staubsauger oder arbeiten so wie Hadez mit Holz.

Haben die Hacker ein Projekt beendet, wird kurz darauf ein neues in Angriff genommen. „An Kommerzialisierung wird hier nicht gedacht“, so Hadez. Die Hacker suchen sich ständig neue Herausforderungen. Ist eine gemeistert und müsste zu kommerziellen Zwecken wiederholt werden, wäre das Arbeit. „Arbeiten und seine Projekte verkaufen will hier keiner, es geht lediglich um Kreativität und Spaß an der Technik“, betont Hadez. Natürlich verbringen auch einige der Hacker viel Zeit vor dem PC und programmieren. Doch wer hackt, sich also Zugang zu fremden Rechnern verschafft, fliegt aus dem Verein.

Jeder kann ein Shacker werden

Mitglied bei shack e.V. kann prinzipiell jeder werden. Man muss keine speziellen Fähigkeiten mitbringen oder irgendwelche Rituale durchlaufen, sondern lediglich die monatliche Mitgliedsgebühr von acht Euro für Studenten und 20 Euro für Berufstätige bezahlen. Zunächst besitzt man eingeschränkten Zutritt zu den Räumlichkeiten im shackspace, doch sobald der Mitgliedsrat einem vertraut, darf man dort alle Werkzeuge und Arbeitsflächen nutzen. Der shackspace besitzt ein unglaubliches Inventar an allem, was Bastler und PC-Freaks benötigen. Laptops, eine Fräsmaschine, Elektronikbauteilchen und vieles mehr. Sollte wirklich einmal etwas fehlen, ist das auch kein Problem: „Wir kaufen das dann aus unserer Kasse, doch meistens hat irgendein Mitglied Beziehungen oder bringt Restposten aus seiner jeweiligen Firma mit“, erklärt Hadez.

Sitzt ein Hacker bis tief in die Nacht an einem Projekt, gibt es im shackspace auch Schlaf- und Duschmöglichkeiten. Man kann sich beispielsweise in einer umgebauten Telefonzelle, die wie das Treppenhaus von bunten LED-Lichtern beleuchtet wird, duschen und so wenn nötig, auch mehrere Tage im Shackspace verbringen. Auch verhungern muss hier niemand. Es gibt eine vollausgestatte Küche und genug Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe.

„Normal“ ist im shackspace jedoch nichts. Fast alles wurde von einem Mitglied auf irgendeine Art und Weise verändert, optimiert, verziert oder mit Lichtern versehen. Das bringt jeden Nicht-Hacker zum Staunen. Selbst das digitalisierte Türöffnungssystem, ein alarmschlagendes Schlüsselbrett oder das Graffiti an den Wänden des Treppenhauses stammt von Hackern. „Es wäre ja auch langweilig, durch ein ganz gewöhnliches Treppenhaus hier hochzukommen, oder?“, grinst Hadez. Wie Recht er hat. Man erwartet viel, wenn man die Treppen zum shackspace hinaufläuft. Zu sehen bekommt man noch mehr.

Die Macher

Sara Rehm, Studentin Crossmedia-Redaktion/Public Relations (Bachelor, 7 Semester) (seit 01.09.2012)

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