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Animationsfiguren

Schönheitsideal nach eigenen Regeln

Lara Croft ist zurück - menschlicher und zerbrechlicher, nicht mehr das Superweib mit Wespentaille. Charakter-Designer passen in Games und Filmen die verschiedenen Animationsfiguren immer wieder an moderne Sehgewohnheiten an. Doch was macht diesen 3D-Look aus? Welche Kriterien bestimmen das Erscheinungsbild von Lara Croft, Super Mario und Co?

Spielcharakter Lara Croft in Tomb Raider wurde neu überarbeitet. Foto: tombraider.com

Spielcharakter Lara Croft in Tomb Raider wurde neu überarbeitet. Foto: tombraider.com

HdM-Studentin Solveigh Jäger ist mittlerweile Expertin für Animationsfiguren.

HdM-Studentin Solveigh Jäger ist mittlerweile Expertin für Animationsfiguren.

Es ist nicht anders als im realen Leben auch - das Aussehen entscheidet in der virtuellen Welt maßgeblich über die Sympathiewerte einer Charakterfigur. Ein Thema, das sich tiefgründig erforschen lässt: Solveigh Jäger, heutige Masterstudentin im Studiengang Computer Science and Media, hat ihre Bachelorthesis über die visuelle, psychologische und technische Konstruktion von Spielfiguren geschrieben und dabei auch verschiedene Merkmale für Attraktivität herausgearbeitet und analysiert. Diese sind einerseits sehr individuell, andererseits bestehen sie größtenteils aus gemeinsamen unterbewussten Vorlieben, die uns die Evolution vorgibt.

Die perfekte Symmetrie

So sind sich Psychologen einig, dass durchschnittliche Gesichter am attraktivsten wirken - gleichmäßig und symmetrisch. Mit Hilfsmitteln wie der so genannten Beautymaske von Stephen R. Marquardt, die auf dem Goldenen Schnitt basiert, lassen sich heutzutage optimale Proportionen im Gesicht nachmessen. Auch bei der Modellierung einer Animationsfigur dienen diese Maße als Orientierung. Designer nehmen sie sich zwar als Grundlage, variieren dann aber verschiedene äußere Merkmale, um den Charakter einzigartig zu machen.

Die Figur zum Leben erwecken

Animation stammt aus dem Lateinischen von animare und heißt „zum Leben erwecken". Deshalb ist für Solveigh Jäger die Vermittlung von Emotionen auch das entscheidende Kriterium für die Glaubwürdigkeit einer Figur. „Möglichst realistische Bewegungen durch Mimik, Gestik und Körperhaltung spielen eine entscheidende Rolle", erzählt sie. Es geht darum, dass wir mit der Figur mitfühlen können. Valentin Schwind, Computer-Graphic-Artist für TV- und Kinoproduktionen und jetziger Student im kooperativen Promotionskolleg der Universität Stuttgart, sieht ebenfalls das Gesamtkonzept eines Charakters: "Das wichtigste einer Animation ist dem Typ und der Wirkung einer Figur zu entsprechen", meint er. "Eine Animation ist die in Bewegung gefasste Seele aller Gedanken, Absichten und Träume eines jeden lebendigen Charakters." Runde und flüssige Bewegungsabläufe seien das Wichtigste für überzeugende und lebensecht wirkende Animationen, fügt Stefan Radicke hinzu, der im Studiengang Medieninformatik für den Bereich Gaming verantwortlich ist.

Merkmale für Helden und Bösewichte

Die Heldenfiguren, ausgestattet mit unglaublichen Kräften, unverwechselbar und fernab von der Wirklichkeit, haben vor allem eines gemeinsam: einen enormen Wiedererkennungswert. „Übergroße Köpfe mit entsprechend riesigen Augen sind zudem ein bewährtes und gern gewähltes Stilmittel zur Verniedlichung, um Sympathie für die Figur zu wecken", erläutert Radicke. Bestimmte äußere Merkmale werden auch deshalb betont, um die Figur aus der Masse hervorzuheben, eine charakteristische Persönlichkeit zu entwickeln und Spannung zu erzeugen. Weibliche Figuren sind meist stark tailliert, haben große Augen mit langen Wimpern und einen sehr schlanken Hals im Vergleich zum recht großen Kopf. Bösewichte oder Antihelden hingegen haben häufig asymmetrische Elemente wie Narben, Verletzungen, Augenklappen oder Tätowierungen.

Schlecht: zu echt

In der Animationswelt liegt Schönheit also nicht nur im Auge des Betrachters, sondern ist auch von evolutionären Vorlieben abhängig, die von Charakterdesignern gezielt angesprochen werden, wie Jäger weiß. Sie kann buchstäblich errechnet werden. Aber Vorsicht, wird eine Figur zu realistisch, also menschenähnlich konstruiert, dann wird sie vom Zuschauer nicht mehr akzeptiert. „Uncanny Valley" heißt dieses Phänomen. „Hundertprozentig angenommen würden animierte Figuren erst, wenn sie von echten Menschen absolut nicht mehr zu unterscheiden sind," sagt Valentin Schwind, der in seiner Dissertation mit einer interdisziplinären Forschungsgruppe mit HdM-Studenten diesen Effekt untersucht. Er prognostiziert: „Es wird noch eine Weile dauern, bis wir das gemeistert haben. Wir sehen jeden Tag völlig unterschiedliche Menschen und haben daher eine unglaublich hohe Sensibilität bei der Wahrnehmung von Gesichtern entwickelt." Ein Game-Character soll eben nicht so aussehen, als hätte er zu viele Schönheitsoperationen über sich ergehen lassen müssen.

Lara Croft: Eine völlig neue Figur?

Dabei ähneln Computerspiel-Protagonisten wie Lara Croft oder Nathan Drake stark dem Schönheitsideal der Menschen: Sie haben ein Gesicht im Goldenen Schnitt, eine heroische Körperform und einige individuelle, unverkennbare Merkmale. Der Look von Lara Croft in Tomb Raider wurde jetzt noch einmal überarbeitet. „Viele sagen, sie wäre menschlicher und realistischer zurückgekommen", sagt Jäger. „Meiner Meinung nach haben ihre Macher ihren bekannten Namen für eine völlig neuen Charakter genutzt." Deshalb wünscht sie sich, dass in Zukunft trotz der wachsenden gestalterischen Möglichkeiten die Figuren beständig bleiben und die Charakterdesigner an der Glaubwürdigkeit festhalten.

Solveigh Jäger hat ihre Forschungsergebnisse in dem Buch „Erfolgreiches Charakterdesign für Computer- und Videospiele - Ein medienpsychologischer Ansatz" beim Springer-Verlag  veröffentlicht.

Mira Kleine

VERÖFFENTLICHT AM

19. April 2013

KONTAKT

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Prof. Dr. Stefan Radicke

Medieninformatik

Telefon: 0711 8923-2722

E-Mail: radicke@hdm-stuttgart.de

Solveigh Jäger
E-Mailsj034@hdm-stuttgart.de

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