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Hochschule der Medien

Information Overload - Teil 1

Gefangen im Dschungel der Informationen

Nicht umsonst heißt das Internet World Wide Web. Kein anderes Medium bietet eine solch breite und verwirrende Palette an Informationen und Unterhaltungsformen. Dass man sich in dessen Tiefen manchmal verloren fühlt, ist normal.

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Ständig neue Trends, neue Programme und neue Techniken, die die Nutzer auch auf anderen Medien-Plattformen mittlerweile nur noch überfordern. Viel Lärm wird derzeit um die neue Internet-Plattform „Wave" des US-Riesen Google gemacht. Das Programm verbindet mehrere Kommunikationstools auf einer Webseite. So kann man z.B. mit mehreren Nutzern gleichzeitig kommunizieren und Daten wie Fotos, Dokumente oder Videos zum Upload zur Verfügung stellen. Das Prinzip ist vordergründig, E-Mail-Dienste und Instant Messenger unter einen Hut zu bringen und eine neue Art der Echtzeit-Kommunikation zu schaffen.

Wellenchaos als „Revolution"

Die ‚Wave' steht dabei für einen Kommunikationsstrang und lässt sich nochmals in zahlreiche ‚Wavelets' teilen, also in Sub-Unterhaltungsstränge, die sich aus mehreren einzelnen ‚Blips' (=Nachrichten) zusammensetzen. Nicht umsonst haben die Google Wave-Macher daher eine Playback-Funktion eingerichtet, mit der man die Waves nachträglich ansehen kann. Denn die Unübersichtlichkeit in diesen Verästelungen ist hier vorprogrammiert. Bisher haben 100.000 Test-Nutzer einen Einblick in das Programm bekommen, das von Google als „Revolution" angekündigt wurde. Doch viele sind skeptisch und zweifeln an dem Mehrwert, den das neue Programm bringen soll. Technik- und Internetexperten schreiben, dass das Programm zu chaotisch und zu komplex sei. Das Grundproblem, das die heutigen Surfer haben, bleibt bestehen: Wieder zu viele Informationen, wieder zu viel benötigte Aufmerksamkeit, wieder zu viele neue Begriffe und zu wenig Zeit, die die Nutzer haben.

Wer kommt noch hinterher?

Im Grunde genommen erfüllt das Internet den Zweck der Informationsbeschaffung und des -austausches, aber auch der Unterhaltung. Von allem hat das Internet sehr viel zu bieten. Doch die ständig neuen Möglichkeiten im Netz überfordern allmählich sogar die so genannten „Early Adopters" (frühzeitige Ausprobierer). Neue Programme entstehen so schnell, dass nicht mal diese hinterher kommen. Die jedoch machen von allen Internet-Nutzern wohl den geringsten Anteil aus. Also stellt sich die Frage, wer soll all die neuen Programme und Werkzeuge nutzen? Und wer kann eigentlich all die Informationen aufnehmen, die uns das World Wide Web zur Verfügung stellt?

Fehlgeschlagene Kommunikation

Den Sinn des Wortes Information erkennt man bereits an seiner lateinischen Herkunft „informare", das für „bilden, gestalten oder unterrichten" steht. Die Information bezweckt also, zum Wissen beizutragen. Und eigentlich enthalten Informationen keine irrelevanten oder redundanten Teile. Eigentlich. Nicht so im Internet. Denn dort sind wir bereits auf direktem Weg im Information Overload angekommen. Prof. Dr. Rafael Capurro, em., der an der Hochschule der Medien in der Fakultät Information und Kommunikation lehrte, hat sich in einem Vortrag über das „Leben in der Message Society" kritisch über den Informationsfluss in bestimmten Medien geäußert: „Unsere Informationsüberflutung ist paradoxerweise eine Überflutung durch leere Botschaften und Boten. [...] Ich betrachte zwei extreme Möglichkeiten in Bezug auf eine Boten- und Botschaftskultur. Zum einen die wohl psychotische Vorstellung, dass alles, was mich als Botschaft erreicht, irgendwie eine Bedeutung für mich hat. Zum anderen die gegenteilige Vorstellung, [...] eine Botschaft für alle zu haben und dementsprechend alle Medien ständig zu nutzen, um diese zu verbreiten. Eine weitere damit verbundene Vorstellung besteht darin, zu glauben, man kann und [...] soll alles allen mitteilen, am besten gleich und in YouTube oder MySpace."

Empfänger werden zu Sendern

Glaubt man den Statistiken, so werden jährlich zwei Milliarden Gigabytes an Informationen pro Erdbewohner produziert. Die Überflutung, die hier stattfindet, macht die relevanten Informationen immer wertloser, geringer und kurzlebiger, aber weder im Sinne der Informationssender noch der Rezipienten. Die Sender haben damit das Problem, dass sie nutzlose bzw. nicht genutzte Informationen verbreiten. Der Rezipient hingegen findet sich in dem Informationsdschungel nicht mehr zu Recht und lässt die meisten Informationen an sich vorbei rauschen. Der Grund dafür ist einfach: Gab es vor der Zeit des Web 2.0 im Vergleich zu heute nur wenige Informationssender und viele Rezipienten, ist heute jeder Rezipient auch gleichzeitig Sender und teilt seine Meinung Millionen anderen mit. Fast 70 % der deutschen Bevölkerung ist online und verbringt dabei durchschnittlich 148 Minuten pro Tag im Netz. Die Hälfte davon nutzt das Internet für den Austausch von Informationen. Das da eine wahre Flut an Informationen zustande kommt, wird jedem sofort klar.

Flut auf allen Kanälen

Neben der Informationsflut im Netz strömen auf die Zuschauer von TV-Sendern und die Hörer von Radiostationen ständig neue Sendeformate und Nachrichten ein, über Kanäle der ganzen Welt. Ganz zu schweigen von der Qualität der Inhalte, die häufig den Kriterien der redundanten Informationen entsprechen. Infomüll, wohin man sieht und hört.

Lesen sie im 2. Teil in einer Woche, wie die Technik die Informationsflut noch steigert.

Helene Adam

,

Aline Rabek

info

Grimm, Petra / Capurro, Rafael (Hrsg.) (2008): Informations- und Kommunikationsutopien. Franz Steiner Verlag, Stuttgart

Hinz, Katrin (2003): Information Overload: Die Informationsüberlastung der Konsumenten im Zeitalter der Digitalisierung und Technisierung (Seminararbeit, Broschiert). Grin Verlag, Norderstedt

Klingberg, Torkel (2008): Multitasking. Wie man die Informationsflut bewältigt, ohne den Verstand zu verlieren. C.H.Beck Verlag, München

Klingberg, Torkel (2009): The Overflowing Brain. Information Overload and the Limits of Working Memory. Oxford University Press, New York

 

 

 

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Initiative D21(Hrsg.) (2009): (N)ONLINER Atlas 2009. Deutschlands größte Studie zur Nutzung und Nicht-Nutzung des Internets, unter: http://www.initiatived21.de/category/nonliner-atlas

Jörg Wittkewitz (19.02.09): David Weinberger: Wissen im Überfluss, unter: http://www.digitalpublic.de/weinberger-wissen-ueberfluss

 

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VERÖFFENTLICHT AM

23. Oktober 2009

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Frank Himmel

am 25.10.2009 um 07:26 Uhr

Hi Aline, guter Beitrag!! Frank

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