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Hochschule der Medien

Neuer Trend in den USA

Akademisches Outsourcing

Der Verkauf von Dienstleistungen und die Abgabe von Unternehmensaufgaben an Drittunternehmen sind in der freien Wirtschaft längst allgegenwärtig. Dieser Trend setzt sich in den USA auch im Öffentlichen Dienst oder an Hochschulen fort, insbesondere werden z.B. Korrekturen von Seminararbeiten ausgelagert.

Die Prüfungszeit am Ende jedes Semesters bedeutet vor allem eines für alle Beteiligten: Zeitaufwand. Nach den geschriebenen Prüfungen und der Abgabe der Seminararbeiten wünschen sich Studenten ausführliche Erklärungen, nachvollziehbare Korrekturen sowie ein detailliertes Feedback zu ihren Leistungen für die folgenden Semester. Zugleich beklagen aber Dozenten, dass sie mit dem Lesen aller Studienarbeiten kaum nachkommen und dass ihnen die Zeit fehle, sich mit jeder Arbeit intensiv zu beschäftigen.

Das Dilemma zwischen erforderlichem Zeitaufwand und akutem Zeitmangel hat ein Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Virginia jetzt erkannt und als Geschäftsidee umfunktioniert. „EduMetry" verkauft die Korrekturen, die Kommentierungen und die Bewertungen von Studienarbeiten als Dienstleistung nach Asien.

Kosten und Qualifizierung

Einige Dozenten an den Hochschulen in den USA lassen ihre Klausuren bereits in Fernost korrigieren. Für 12 Dollar pro Arbeit garantiert das Unternehmen eine Korrekturzeit von drei bis vier Tagen. Ob nun aus Zeitmangel oder Unlust - in Indien, Singapur und Malaysia gibt es willige Helfer, die für wenig Geld die Korrekturarbeiten übernehmen. Wer aber sind diese Korrektoren, die maßgeblich an der Notenfindung beteiligt sind und wie sind diese überhaupt qualifiziert? EduMetry sichert zu, dass alle Mitarbeiter in Fernost einen Master-Abschluss hätten und gezielt geschult seien. Die Umsetzung der Korrekturen in Asien erfolgt anhand eines Korrekturleitfadens des Lehrkörpers und einem kurzen Austausch über stilistische Feinheiten sowie über Zielvereinbarungen.

Win-Win-Situation?

Die Studenten bekommen ein detailliertes und professionelles Feedback und den Dozenten bleibt mehr Zeit für die Vorlesungen und die Vermittlung der Lehrinhalte. Doch was auf den ersten Blick wie eine klassische Win-Win-Situation erscheint, birgt Risiken: Bei der Beschäftigung mit Seminararbeiten fehlt der Direktkontakt zwischen Student und Dozent. Außerdem ist die Gefahr, dass Dozenten die Arbeiten und Bewertungen gar nicht mehr lesen, groß. Experten kritisieren, dass das Geld für die Benotungsarbeit lieber in mehr Lehrpersonal investiert werden sollte.

Nicht nur in den USA, auch hierzulande beklagen sich viele Dozenten über Zeitmangel, besonders im Zuge der Umstellung auf den Bachelor-Abschluss. Es bleibt zu hoffen, dass an deutschen Hochschulen dieses sogenannte „Outgrading" nicht stattfinden wird.

Kim Mielowsky

VERÖFFENTLICHT AM

28. April 2010

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