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Hochschule der Medien

Lena-Fieber

Erstürmung der Medien

Lena Meyer-Landrut: Sängerin, erste in der Show „Ein Star für Oslo“, dann gefeierte Eurovision Song Contest-Siegerin und gefragter Medien-Star. Der Wettbewerb in Norwegen ist vorbei, jetzt geht der Hype um ihre Person erst richtig los.

Riesen Medienrummel um Abiturientin aus Hannover, Quelle: Weser Kurier

Riesen Medienrummel um Abiturientin aus Hannover, Quelle: Weser Kurier

Zur Detailansicht Tweet vom ARD-Portal zum Eurovision Song Contest

Tweet vom ARD-Portal zum Eurovision Song Contest

Sonntag, 30. Mai, 00:16 Uhr: Lena Meyer-Landrut gewinnt mit dem Song „Satellite" und 246 Contest-Punkten den Eurovision Song Contest in Oslo und stammelt sympathische Überraschung ins Mikro. Zum ersten Mal seit 28 Jahren kann Deutschland den Gesangswettbewerb wieder für sich entscheiden. Zuvor hatte dies nur die fade Nicole mit dem Titel «Ein bisschen Frieden» im Jahre 1982 geschafft.

Erstürmung der Medien

Nachdem Lena am Abend bereits mit ihrem Gesang ganz Europa überzeugt hatte, eroberte sie am Folgetag auch die Medien. Sowohl private als auch öffentliche TV-Sender schalteten mehrmals am Tag Sondersendungen über Lena und ihren Weg zum Sieg. Ihre Ankunft am Hannoveraner Flughafen sowie die Begrüßung im Rathaus am Sonntagnachmittag wurden in Sondersendungen wie „Lena - Willkommen zu Hause!" auf ARD oder "NDR aktuell extra: Lenas Landung in Hannover" live übertragen. N24 bringt die Sondersendung „Hannover feiert Lena Meyer-Landrut". Auch in der Tagesschau, die eigentlich bei Boulevard-Themen eher für ihre Zurückhaltung bekannt ist, ist Lenas Rückkehr die Spitzenmeldung des Tages. Und natürlich hat auch Stefan Raab in seiner Sendung „TV total Oslo spezial" auf ProSieben von dem Musik-Ereignis berichtet. Im TV war Lena ständig präsent, genauso im Rundfunk. Unabhängig von Sender und Uhrzeit - die 19-jährige Abiturientin war nach ihrem Sieg aus keiner Nachrichtensendung wegzudenken und verdrängte selbst Wirtschaft und Politik aus der Berichterstattung, ihre Songs "Satellite", "Love Me" und „Bee" liefen nahezu in Dauerschleife.

Im Web Hunderttausende von Fans

Schon vor der Show hatte eine Google-Statistik, ein sogenanntes Prognose-Gadget, Lena als Favoritin für den Wettbewerb gehandelt: Die Google-Suche nach ihrem Namen liefert mittlerweile 12.400.000 Ergebnisse. Im Hinblick darauf, dass Lena vor einem Jahr noch vollkommen unbekannt war, ein Riesenerfolg. Auch in News-Portalen und sozialen Netzwerken startete die Hannoveranerin durch. Online-Nachrichten-Anbieter www.stern.de oder www.focus.de rankten Lena als Top-Thema. Die Kultur-Rubriken waren voll von Lena-Artikeln. Spiegel-Online richtete sogar ein eigenes Thema mit Artikeln, Hintergründen und Fakten zu Lena Meyer-Landrut ein, natürlich Videos und Bildergalerien inklusive. Auf Facebook hat Lena über 270.000 Fans und im studivz sind rund 130.000 mit ihr befreundet.

Skeptische Reaktionen

Lena ist überall. Und der Hype scheint kein Ende zu nehmen. Die Reaktionen sind gespalten. Einige User sind bereits genervt. Der Rummel um Lena sei ihnen zu viel und sowieso vollkommen übertrieben. Der Spiegel nahm den Größenwahn von Stephan Raab aufs Korn. Und gibt es nicht noch eine Welt um Lena herum? Die Ölpest im Golf von Mexiko beispielsweise? Die Sondierungsgespräche für die Koalition in NRW? Griechenlands Schuldenkrise? Oder der Rücktritt des Bundespräsidenten Horst Köhler? Kaum ein Thema hatte in der vergangenen Woche eine Chance gegen die bodenständige Abiturientin aus Hannover und ihren Sieg in Oslo....

 

kommentiert

Schmähungen im Sekundentakt

Wer sich am Eurovision Song Contest am vorletzten Samstag außer durch Telefon- und SMS-Abstimmung an der zum Sängerwettbewerb Europas beteiligen wollte, konnte dies dank dem Web synchron zum Livestream über Facebook und Twitter tun. Während Lena und die anderen trällerten, bot die ARD Möglichkeit, Meinungen zur Veranstaltung, den Kandidaten und deren Präsentation öffentlich mit einer Facebook-Applikation zu posten - dargestellt in einem Fenster neben dem Livestream.

Bei den Posts handelte es sich hauptsächlich um Informationsaustausch, z.B. darüber wer wann auftritt. Und um Meinungsäußerungen zu persönlichen Favoriten, teilweise auch ironisch oder satirisch formuliert. Über manche Moderationen, Teilnehmer und deren musikalische Darbietung wurde jedoch heftiger her gezogen, es wurde kritisiert oder auch gründlich zerrissen, häufig auch tiefer in die Beleidigungsschublade gegriffen. Beim Frontsänger des georgischen Beitrags ging dies in einigen Posts aber dann doch zu weit: Die anfänglich durchaus amüsanten und auch albernen Inhalte der Tweets wurden schnell von antisemitischen, extrem schwulen- und/oder ausländerfeindlichen Aussagen überlagert, die im Sekundentakt zwischen die Beiträge rutschten.

Vergaßen die Autoren beim Klick auf die Enter-Taste, dass sie nicht unter dem Schutz der Anonymität standen? War ihnen Trag- und Reichweite ihrer Äußerungen bewusst oder nutzten sie gerade dies als Chance, alle Livestream-Nutzer mit ihren politisch- und ethisch provozierenden Aussagen zu konfrontieren? Dass manche Nationen für bestimmte Völker mehr Sympathie hegen als für andere, wurde durch die Punktevergabe ohnehin klar. Durch die Live-Tweets bekamen diese Präferenzen jedoch einen unangenehmen Beigeschmack.

Sabrina Konrad

 

Kim Mielowsky

Kommentare geben nicht die offizielle Haltung der Hochschule wieder, sondern nur die Meinung oder Einschätzung des kennzeichnenden Autors. Im Falle der HdM-Website sollen sie außerdem zur Diskussion über ein aktuelles Medienthema im Zeitgeschehen anregen

VERÖFFENTLICHT AM

06. Juni 2010

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Ulrike

am 09.06.2010 um 13:21 Uhr

Und das ist jetzt erwähnenswert auf der HdM-Seite???

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