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Hochschule der Medien

Experten-Anhörung im Landtag

Umgang mit Nachdrucken von NS-Propaganda

Im letzten Jahr griff die Justiz gegen das Projekt "Zeitungszeugen" durch und beschlagnahmte einige Ausgaben, die einen Nachdruck einer NS-Zeitung enthielten. Im Landtag wurde die Frage des Umgangs mit Nachdrucken nun mit Experten diskutiert, darunter HdM-Professor Roland Mangold.

Im Januar 2009 hatte die bayerische Staatsregierung begonnen, Exemplare des an Kiosken angebotenen Editionsprojektes „Zeitungszeugen" zu beschlagnahmen. Das NS-Forschungsprojekt hatte seiner zweiten Ausgabe die Nachdrucke des NSDAP-Organs „Völkischer Beobachter" und des Nazi-Propaganda-Plakats „Der Reichstag in Flammen" beigelegt. Mit Verweis auf das Urheberrecht war jedoch die Verbreitung dieser Nazi-Hetzblätter von der bayerischen Staatsregierung verboten worden. In wenigen Jahren (bei Hitlers „Mein Kampf" Ende 2015) erlischt aber das Urheberrecht Bayerns auf die Nazi-Propagandaschriften und damit wäre der Weg für Nachdrucke frei.

Anhörung mit Experten im Landtag

Unter Beteiligung von Experten aus unterschiedlichen Gebieten wurde erörtert, wie der Nachdruck von NS-Propaganda (Zeitungsausgaben, Plakate) durch die "Zeitungszeugen" zu bewerten ist und wie mit den möglichen Nachdrucken nach Auslaufen der Urheberrechte zu verfahren ist. Zum siebenköpfigen Expertenteam gehörten Dr. Christian Kuchler vom Institut für Geschichte an der Universität Regensburg, Professor Dr. Peter Longerich, Beirat der "Zeitungszeugen" und Historiker am Londoner Research Centre for the Holocaust, Clemens Lückemann, Generalstaatsanwalt am Oberlandesgericht Bamberg, Professor Dr. Roland Mangold, Medienpsychologe an der Hochschule der Medien in Stuttgart, Rechtsanwalt Dr. Ulrich Michel, Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, sowie der Zeitzeuge Max Mannheimer.

Im Ausschuss für Hochschule, Forschung und Kultur, in dem zahlreiche Politiker aller Parteien des Bayerischen Landtages vertreten sind, wurden verschiedene Fragenkomplexe durch die Sachverständigen beleuchtet und durch Nachfragen der Ausschussmitglieder vertieft ausgearbeitet. Hierbei ging es um Rechtsfragen, die Vertriebswege von NS-Propaganda, Didaktik, Rezeptions- und Wirkungsforschung, Politische Bildung und Fragen der Opferperspektive.

Tanja Rupp

VERÖFFENTLICHT AM

08. Juli 2010

KONTAKT

Prof. Dr. Roland Mangold

Informationsdesign

Telefon: 0711 8923-3119

E-Mail: mangold@hdm-stuttgart.de

ARCHIV

Medienwelt
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Uwe Kamstiess

am 13.07.2010 um 07:32 Uhr

Das sich eine demokratische Regierung, wie die Bayrische auf das Urheberrecht von Zeitzeugen, wie Nazi-Propaganda beruft, empfinde ich erschütternd und zugleich bezeichnend. Dienlich ist das doch wohl nur, um damals Beteiligte erneut zu schützen? Um eine Aufarbeitung dieser Zeit, kann es nur heißen: Ausschaltung des Urheberrechts auf jedweilige Drucke, Tondokumente, u.ä.. Aber darauf hat wohl die (nicht nur) bayrische Regierung kein Interesse?

Tanja Rupp

am 12.07.2010 um 23:00 Uhr

Sehr geehrter Herr Professor Huse, vielen Dank für den Hinweis. Ich habe das im Text auch gleich geändert. Mit besten Grüßen Tanja Rupp

Prof. Ulrich Huse

am 12.07.2010 um 19:02 Uhr

Liebe Tanja Rupp, nur ein kleiner Hinweis in Sachen Schutzfristen: Der Urheberschutz für die Werke von Adolf Hitler endet nicht »im Jahr 2015«, sondern erst Ende 2015. Im Urhebergesetz heißt es dazu (§ 69): »Die Fristen (...) beginnen mit dem Ablauf des Kalenderjahres, in dem das für den Beginn der Frist maßgebende Ereignis (in der Regel also der Tod des Autors, U.H.) eingetreten ist.« Die 70-jährige Schutzfrist für »Mein Kampf« wird also ab dem 1.1.1946 berechnet und erlischt folglich auch erst am 31.12.2015, 24 Uhr. Diese Regelung bedeutet, dass Werke faktisch bis zu 71 Jahre nach dem Tod des Autors geschützt sein können (wenn dieser zu Jahresbeginn verstorben ist). Mit freundlichen Grüßen Prof. Ulrich Huse Studiendekan Mediapublishing

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