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Geheime Afghanistan-Dokumente

WikiLeaks - Enthüllung oder Verrat?

Die Online-Plattform WikiLeaks hat geheime Afghanistan-Dokumente veröffentlicht. Was bleibt, sind Fragen: Wie sicher sind die Quellen? Welche Auswirkungen haben die Informationen auf das Kriegsgeschehen? Und: Dürfen die das eigentlich?

Eines der wenigen bekannten Gesichter hinter der Enthüllungsplattform WikiLeaks: Julian Assange (Fotos: WikiLeaks/Martina Haris)

Eines der wenigen bekannten Gesichter hinter der Enthüllungsplattform WikiLeaks: Julian Assange (Fotos: WikiLeaks/Martina Haris)

Die neu veröffentlichten Dokumente sorgen für Aufruhr: Geheime US-Einheiten sollen in Afghanistan - auf Befehl aus dem Pentagon - Taliban jagen und töten. Das Weiße Haus kritisiert die Enthüllungen heftig. Sie könnten „das Leben der Amerikaner und ihrer Partner gefährden und unsere nationale Sicherheit bedrohen", ist sich James Jones, der Nationale Sicherheitsberater von Präsident Barack Obama, sicher. Auch Politiker der Bundesregierung fürchten Nachteile für Soldaten und Entwicklungshelfer.

Kommunikation durch verschlüsselte Chats

Die Afghanistan-Protokolle sind die neuesten von insgesamt 1,2 Millionen Enthüllungs-Dokumenten auf der Plattform. Erstmals online ging WikiLeaks 2006. Drei Jahre später hat der 39-jährige Gründer Julian Assange schon fünf ehrenamtliche Mitarbeiter und 800 bis 1000 freiwillige Helfer. Ihr Ziel ist es, brisante Dokumente ans Licht zu bringen. Diese geheimen Informationen sollen kritische Journalisten und Blogger aufgreifen. Assange sagt, er wolle "die öffentliche Meinung verändern und auch die von Menschen mit politischem und diplomatischem Einfluss". Das genaue Vorgehen zur Beschaffung der Dokumente bleibt dabei aber geheim. Die Mitarbeiter tauschen sich nur mittels verschlüsselter Chats aus und kennen sich nicht mit echtem Namen. Die Plattform finanziert anfallende Kosten etwa für Server oder Gerichtsgebühren ausschließlich durch Spenden von Privatpersonen.

Seite in vielen Ländern gesperrt

Was viele Journalisten freut, bringt Regierungen auf der ganzen Welt in Bedrängnis. Einige Länder haben schon den Zugang zu WikiLeaks gesperrt, darunter zum Beispiel China, Israel, Nordkorea, Russland, Simbabwe und Thailand. Bereits im April hatte die Seite heftige Diskussionen ausgelöst, nachdem ein Video mit dem Titel „Collateral Murder" veröffentlicht wurde. Dort war zu sehen, wie zwölf Zivilisten aus einem Apache-Hubschrauber erschossen wurden.

Kritik wegen mangelnder Transparenz

Die Vorgehensweise von WikiLeaks steht häufig in der Kritik. Da die Informanten geschützt werden, ist nicht bekannt, woher die Dokumente stammen. Fraglich sind außerdem die Echtheit und die Intention WikiLeaks. Manche Kritiker vermuten eine politische Agenda unter journalistischem Deckmantel. Nach welchem Prinzip wird entschieden, welche der rund 30 täglich neu eingereichten Dokumente es auf die Plattform schaffen? Assange hofft währenddessen auf viele weitere Geheimakten: "Mut ist ansteckend."

 

Christina Walzner

Der rätselhafte Gründer

Über WikiLeaks-Gründer Julian Assange existieren viele Spekulationen und Klischees, nur wenig ist gewiss: Er wurde 1971 in Australien geboren und studierte Physik und Medizin. Zusammen mit seiner Mutter soll er als Kind innerhalb von 14 Jahren 37-mal umgezogen sein. Vor dem letzten Mann seiner Mutter seien die beiden geflohen. Dabei habe er sich das Programmieren und Hacken von Computern beigebracht. Er soll bereits eine ganze Reihe von australischen Regierungs- und Firmen-Websites gehackt haben - um Sicherheitslücken aufzuspüren. Mit 20 Jahren wurde er verhaftet, bekam aber nur eine kleine Geldstrafe. Wenn Assange heute unterwegs ist, übernachtet er angeblich immer bei Sympathisanten von WikiLeaks und benutzt nie eine Telefonnummer zweimal.

Quellen: WikiLeaks - Enthüllung oder Verrat

www.wikipedia.de
www.wikileaks.org
www.spiegel.de/netzwelt
www.welt.de
www.focus.de
www.fr-online.de
www.meedia.de

VERÖFFENTLICHT AM

29. Juli 2010

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Medienwelt
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Chris

am 31.07.2010 um 18:00 Uhr

Danke für ein brisantes, aktuelles Thema auf der Startseite, das uns als Medienhochschule nicht unerheblich betrifft! Es ist traurig, dass immer mehr Zeitungen aus Geldmangel nurnoch aus Newsfeeds von Nachrichtenagenturen zusammengklickt werden. Da ist eine Platform für (extrem) investigativen Jouralismus wie WikiLeaks einen Hoffnungsschimmer. "Outgesourced" sozusagen. Echtheit: Mir ist noch nichts zu Ohren gekommen, dass die groß in die Presse gekommenen Enthüllungen auf falschen Dokumenten beruhen würden. Natürlich fühlen sich "Täter" von WikiLeaks blossgestellt. Andererseits wird von jedem Politiker, Soldat, Bürger, Verbrecher etc. verlangt, Verantwortung für das eigene Handlen zu übernehmen. WikiLeaks hält hier einen Spiegel hoch, in dem sich jeder betrachten kann.

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