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Hochschule der Medien

Comics Teil II

Von Mickey Mouse bis Lucky Luke - alles nur Spaß?

Während in den USA der Comic ursprünglich als Zeitungsbeilage erschien, wurde er in Europa oft als Album publiziert. Er galt lange, vielfach bis heute, als triviales, populärkulturelles Medium für ein junges, eher männliches Publikum.

Quellen: sueddeutsche.de, wikimedia.de, literaturzeitschrift.blog.de, lucky-luck.de, solarhead.xanga.com

Quellen: sueddeutsche.de, wikimedia.de, literaturzeitschrift.blog.de, lucky-luck.de, solarhead.xanga.com

Dies mag noch auf die Kindergeschichte Max und Moritz zutreffen, galt für die zahlreichen Comic-Strips, die den amerikanischen Sonntagsausgaben beilagen, schon nicht mehr. Der großflächigen Verbreitung des Mediums lag die Entwicklung und Verbreitung der modernen Massenmedien Ende des 19. Jh. zugrunde.

Das Medium Comic (aus dem Griechischen: komikos = die Wirkung der Komödie betreffend, aus dem Englischen: humoristisch), im Französischen auch als bande dessinée bezeichnet, schließt zahlreiche unterschiedliche Gattungen und Formate ein, findet weltweit seine Verbreitung und spiegelt immer auch die jeweilige Gesellschaft und die kultur-politischen Strömungen seiner Zeit wider. Im Folgenden soll das Medium Comic anhand von Beispielen aus den USA und Europa vorgestellt werden.

Jugendstil, Surrealismus und Psychoanalyse

Little Nemo in Slumberland - so lautet der Originaltitel einer der wohl bekanntesten, frühen Comics. Der Autor dieses Klassikers im Fantasy-Stil, der zwischen 1905 und 1911 im New York Herald erschien, ist Winsor McCay. Little Nemo eroberte in Windeseile alle Terrains, die auch heutige Comichelden besetzen: Bereits 1906 fand man den kleinen Jungen, der des Nachts durch surreale Traumlandschaften wanderte, auf Postkarten, in Büchern und auf Kinderkleidung. Zwei Jahre später wurde ein Stück über ihn geschrieben und 1911 war er die erste Comicfigur, die es in einen Zeichentrickfilm schaffte. 1966 war Little Nemo Teil einer Ausstellung des Werkes von McCay im Metropolitan Museum of Art (New York) und diente als Vorbild zahlreicher amerikanischer Kinderbuchautoren. Zwischenzeitlich fand der Strip auch unter dem Titel In the Land of Wonderful Dreams in den Zeitungen des Multimillionärs William Randolph Hearst seinen Platz. 1927 wurde die Comicserie eingestellt, 1934 starb Winsor McCay. Nachdrucke des Comics erschienen in deutscher Sprache im Carlsen und im Benedikt Taschen Verlag.

Popeye der Seemann

Einer der großen Helden der Amerikaner ist wohl Popeye, der sympathische, wenn auch etwas einfach gestrickte und jederzeit schlagfertige Seemann. Die Figur wurde von Elzie Chrisler Segar ins Leben gerufen und trat 1929 erstmals in dessen Thimble Theater auf. Zunächst als Nebenfigur eingeführt avancierte er schnell zu einer der Hauptcharaktere des Zeitungsstrips im Hearst-Konzern und machte in den späten 1930er Jahren sogar der beliebten Maus von Walt Disney Konkurrenz.

Die typischen Charakteristika der Figur entstanden erst mit der Zeit. Der Seemann war in seinen ersten Tagen sehr viel weniger muskulös und auch älter. Popeye schien für viele Amerikaner ein Vorbild zu sein. Das lag wohl nicht allein an seinem eher raubeinigen, aber gutherzigen Charakter, sondern auch an den zahlreichen Abenteuern, die er erlebte. So überstand er nicht nur den Börsencrash, sondern sogar seinen eigenen Tod. Obgleich Popeye in Deutschland durch zahlreiche Trickfilme bekannt ist, die seit 1932 gedreht wurden, ist die erste deutsche Comic-Übersetzung erst 2006 im Mare Buchverlag publiziert worden. Ebi Naumann machte sich als erster erfolgreich daran, den eigenartigen Slang des Seemanns ins Deutsche zu übertragen: "Als ich das Popeye-Idiom angerührt habe, nahm ich einen Teil Seemannsdeutsch, wie lütt Maat sich das vorstellt, einen Teil Marinedeutsch, so wie es in den Dreißiger Jahren tatsächlich existiert hat, zwei Spritzer Hamburger Nachtjargon sowie einen gehörigen Schuss kreativer Freiheit und einen Hauch Wahnsinn." (aus: sueddeutsche.de, 13.10.2006, 16:59h). Zu Ehren des 75. Geburtstags der Figur ließen die Amerikaner das Empire State Building vom 16. bis 18. Januar 2004 sogar in spinatgrünem Licht erstrahlen.

Walt Disney und Mickey Mouse

Eine der bekanntesten Comic Figuren der Kinder- und Jugendcomics ist sicherlich die Mickey Mouse. Das putzige Säugetier, mit seinen übergroßen Ohren und seiner roten Hose hatte ihre ersten Auftritte zunächst im Film. Die Printmedien eroberte Mickey Mouse, die ursprünglich Mortimer Mouse heißen sollte, in den 1930er Jahren, in kurzen Comic-Strips amerikanischer Zeitungen. Die deutsche Comic-Zeitschrift, der Mickey Mouse ihren Namen gab, erscheint (in Farbe!) seit dem Jahre 1951 im Ehapa-Verlag in Stuttgart, zunächst einmal im Monat, fünf Jahre später dann vierzehntägig und ab 1957 wöchentlich.

Das Walt Disney Lustiges Taschenbuch (LTB) erschien erstmals im Oktober 1967 im Egmont Ehapa Verlag (ehm. Ehapa Verlag), anfänglich noch unregelmäßig und lediglich zur Hälfte in Farbe, später dann vollfarbig alle vier Wochen. Zu Beginn der Heftserie hatte jedes Buch eine Rahmenhandlung und war entweder ausschließlich Mickey Mouse oder Donald Duck gewidmet. Dies änderte sich im Verlauf der Serie, schon seit 1985 treten Mickey und Donald dort gemeinsam auf. Seit den frühen 1980er Jahren vertreibt der Ehapa Verlag auch die sogenannten Mammut Comics, die jeweils zwei LTB Comics zusammenfassen. Daneben gab es das Donald Duck Taschenbuch (Der bunte 100-Seiten Spaß), das zwischen 1974 und 1998 ebenfalls im Ehapa Verlag erschien. Kurzzeitig hatten ebenso Dagobert Duck (1987-1993) und die Panzerknacker (1986-1987) eigene Taschenbücherausgaben. Die Taschenbücher von Walt Disney insbesondere ‚Donald Duck' verkauften sich sehr gut. Besondere Gimmicks der Ausgaben waren unter anderen einzelne Buchrücken-Darstellungen in Fragmenten, die nach Sammlung der gesamten Reihe in der Reihenfolge ein zusammenhängendes Disney-Motiv im Regal ergaben.

Zeichner werden weltberühmt

Die bekanntesten Zeichner der berühmten Maus waren Floyd Gottfredson und - aufgrund der hohen Nachfrage ab den 1950er Jahren - auch der Italiener Romano Scarpa. Neben der Maus begeisterte ein weiteres Tier die zumeist jungen Leser: Donald Duck. Die Ente erschien erstmals zu Beginn der 1930er Jahre, gezeichnet von Al Taliaferro, die Texte stammten von Bob Karp. Ab 1936 erhielt Donald eine eigene Serie in der Sonntagsausgabe vieler amerikanischer Zeitungen. Der bekannteste Zeichner war Carl Banks (im Deutschen mit den Texten von Erika Fuchs), der Donald Duck zu der Ente weiterentwickelte, die wir heute kennen. Banks ist auch der Schöpfer der übrigen Bewohner Entenhausens.

Auch wenn der Comic an ein junges Publikum gerichtet ist und zum Teil belehrend daher kommt, finden sich auch viele erwachsene Leser (vgl. Donaldisten). Immer wieder beinhalten die Geschichten der Entenfamilie auch kritische Äußerungen zur amerikanischen Politik und aktuellen zeitgeschichtlichen Themen, was dazu führte, dass einige von Banks Geschichten zensiert oder erst sehr viel später veröffentlicht werden durften. Auch Mickey Mouse fungierte nicht nur als Unterhalter für Kinder: Die Maus trat im 2. Weltkrieg als wichtige Propagandafigur der Alliierten auf, zeigte sein Konterfei auf Postern oder wurde zum aufgemalten Maskottchen von US-Kampfflugzeugen; zudem lieferte Disney das Passwort der Alliierten für den sogenannten D-Day.

Einführung der Ligne Claire

Les aventures de Tintin, oder Tim und Struppi, wie die Comicserie im Deutschen heißt, erschien erstmalig 1929 im Petit Vingtième, einer Jugendbeilage der belgischen Zeitung Le Vingtième Siècle. Dem deutschen Publikum wurde die Serie erstmals im Jahre 1952 im Hamburger Abendblatt präsentiert. Autor und Zeichner des Abenteuercomics war der Belgier Georges Prosper Remi, der sich unter dem Pseudonym Hergé einen Namen machte. 1934 traf Hergé auf den Chinesen Tchang Tchong-Jen, Student an der Académie des Beaux-Arts in Brüssel, der ihm riet, seine Geschichten profund(er) zu recherchieren. In der Tat flossen aktuelle Themen und Probleme oft in seinen Abenteuer-Comic ein und einige große Ereignisse nahm der Künstler sogar vorweg, wie beispielsweise die Mondlandung mit seinem Comic Reiseziel Mond von 1952.

Hergé gilt allgemein als einer der wichtigsten Begründer des europäischen Comics und prägte den Stil der Ligne Claire. Dieser Comicstil verzichtet auf jegliche Schatten und Schraffuren und stellt die Figuren in vereinfachter Form mit klaren Konturen und einfarbigen Farbflächen dar. Gesichtszüge sind meistens nicht klar definiert und lassen Raum für die Phantasie der Rezipienten. Im Jahre 1999 kürten die Leser der französischen Tageszeitung Le Monde den Blauen Lotus (erschienen 1939) zu einem der 18 erfolgreichsten Bücher des 19. Jahrhunderts.

Ein belgischer Westernheld

Der geistige Vater des sympathischen Cowboys Luky Luke, der Belgier Maurice de Bévère, allgemein eher unter dem Namen Morris bekannt, gilt als einer der größten Comicautoren des 20. Jahrhunderts. Lucky Luke richtete sich an Kinder und Jugendliche und erschien erstmals 1946 im Comicmagazin Spirou des belgischen Verlags Dupuis. Dort war er von 1947 bis 1968 fester Bestandteil des Heftes und verhalf immer wieder auch berühmten Menschen zu einem Gastauftritt. Ab dem Jahre 1955 schrieb René Goscinny die Texte für den Comic, der unter dem Franzosen zur Genreparodie avancierte. Das Duo Goscinny und Morris veröffentlichte fortan insgesamt fast vierzig Lucky Luke-Alben; Goscinny schrieb die Plots und Morris sorgte für deren Gestaltung. Nach dem Tod des Franzosen arbeitete Morris mit verschiedenen Autoren zusammen und nahm seinen Comichelden 2001 mit ins Grab.

Keine Peanuts, die Peanuts

Den erste Peanuts Comic-Strip veröffentlichte die Saturday Evening Post im Jahre 1948. Den Durchbruch erlangte Charles Schulz mit seinen LI'L FOLKS jedoch erst zwei Jahre später als das United Features Syndicate seine Geschichten unter dem Namen Peanuts an die Presse verschickte. Bis heute erschienen diese dem Genre der intellektuellen Comics zugeordneten Bildergeschichten in mehr als 2.000 unterschiedlichen Zeitungen.

Obgleich die Figuren des Comics Kinder sind und die Sichtweise auf die Welt durch Kinderaugen zu geschehen scheint, ist das Schulz'sche Zielpublikum die Welt der Erwachsenen. Die Erzählungen sind mal sentimental, mal humorvoll und halten dem (erwachsenen) Leser stets den Spiegel vor. Durch die etablierten Charaktere der Figuren, die relativ einfach und detailarm gezeichnet sind und dennoch eindrucksvoll die gesamte Palette menschlicher Gefühle ausdrücken können, kann der Leser der Handlung ohne große Erklärungen folgen.

Die spinnen die Römer!

Asterix und Obelix sind wohl die bekanntesten Gallier überhaupt. Ihren ersten Auftritt hatten die beiden Freunde 1959 in der französischen Jugendzeitschrift Pilote. Das erste Album über das "von unbeugsamen Galliern bevölkerte[...] Dorf " erschien 1959 mit einer Auflage von lediglich 6.000 Exemplaren. Bilder und Texte stammen von den Franzosen Albert Uderzo und René Goscinny, die den lustigen Galliern zu Weltruhm verholfen haben. Bis heute erschienen ihre Geschichten in weit über 100 Sprachen und Dialekten, in über 30 Alben mit fast 330 Millionen verkauften Exemplaren. Eine Besonderheit stellen sicherlich die zahlreichen unterschiedlichen Dialekte dar, in die die Comicbände übersetzt wurden. Insbesondere die lateinischen Ausgaben werden auch häufig im Schulunterricht verwendet. Es gibt sogar mehrere Esperanto-Ausgaben. Die erste erschien unter dem Titel Asteriks la Gaulo (Asterix der Gallier) im Jahr 1979.

Auch diese Comic-Serie konnte der Welt des Films und des Merchandising nicht widerstehen: Der erste Asterix-Zeichentrickfilm kam bereits 1967 heraus, der erste Realfilm (mit Gérard Depardieu und Laetitia Casta) im Jahr 1999. Daneben gibt es zahlreiche Brett-, Karten-, Computer- und sogar Handyspiele. Aber das ist nicht alles. Der schlaue kleine Gallier ist wohl der einzige Comic-Held, der auch über die irdischen Grenzen hinaus bekannt geworden ist: Der erste 1965 ins All gesandte französische Satellit trug den Namen Asterix.

 


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Interview mit Ulrich Wesserpel aus Storchengarten


Quellen: Comics Teil II

Ditschke, Stephan u.a. (Hrsg.): Comics: Zur Geschichte und Theorie eines populären Mediums, Bielefeld, 2009.
www.wikipedia.de
www.spiegel.de
www.duckipedia.de
www.comic-sammlung.info
www.comicguide.de
www.tintin.com
www.lucky-luke.de
www.peanuts.com
www.toonopedia.com
www.faz.net
www.sueddeutsche.de
www.comedix.de

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06. August 2010

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