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Hochschule der Medien

Comics Teil I

Als die Bilder sprechen lernten

Wenn Asterix einem Römer auf die Nase haut, grinsen die Leser. Bei den Dragonball-Abenteuern jauchzen Kinder und Erwachsene sind fasziniert von Frank Millers düsterem Werk Sin City.

Die millionenfache Welt der Comics ist zumeist bunt, vereinfachend und assoziativ. Comic-Hefte und -figuren waren jahrzehntelang die ‚Un-Medien' der Bildungsbürger, gehörten allenfalls ins Kinderzimmer oder in die Schmuddelecke. Heute gehören sie zu den Rennern im schrumpfenden Buchmarkt, sprechen alle Alterszielgruppen und Bildungsschichten an und sind auf allen Medienplattformen präsent, mit einer Vielfalt, die sich hinter jener der Literatur oder der Bildenden Kunst nicht zu verstecken braucht. Beginnend mit diesem ersten Teil der Sommerserie beschäftigt sich die HdM-Redaktion mit der Entwicklung der Comics als Unterhaltungsform. Wir stellen eine Auswahl der Comicarten dar, angefangen mit den frühen putzigen amerikanischen oder franco-belgischen Comics, über die phantastischen Superhelden-Comics und bizarren Mangas bis hin zu den dramatischen Graphic Novels, von den netten Kinder- und Jugend-Geschichten bis hin zu den actionreichen und auch tiefsinnigen Geschichten für Erwachsene.

Vom Bilderbogen zum Comic in eigenem Stil

Noch immer sind sie vor allem als Kinder- und Jugendlektüre bekannt und oft beziehen sich Kritiker dabei auf die starke stilistische Ähnlichkeit mit Bilderbüchern. Die Entstehung des modernen Comics reicht ins 19. Jahrhundert zurück, wenn man die Anfänge nicht schon in antiken Malereien oder neuzeitlichen Drucken sehen möchte. Die Bilderbögen aus der Mitte des vorletzten Jahrhunderts, allen voran die Bebilderungen Wilhelm Buschs Max und Moritz könne als Vorläufer des Comics gesehen werden. Ab dem 20. Jahrhundert stellten humorvolle Bildergeschichten vor allem das Füllmaterial in Tageszeitungen dar, die sich an ein älteres Publikum richteten. Als oft heitere, humorvolle und manchmal naive Unterhaltung standen Comics damals im Gegensatz zur eher ernsthaften, geistig anregenden Literatur oder zur seriösen Berichterstattung in Zeitungen oder Zeitschriften.

Die Stile, die grafischen Stimmungen und der Umfang von Comics haben sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Die Darstellungsform Comic bedient heutzutage eine große Bandbreite in seiner Betrachter- und Leserschaft von den Fünfjährigen bis zu den 70jährigen. Fantasievolle Kindergeschichten, actionreiche Abenteuer für Jugendliche, sozialkritische Werke für Erwachsene oder Bild gewordene Seifenopern für ein älteres Publikum - in den Comicregalen der Buchläden ist alles geboten: alle Zeichenstile, Textformen und Inhalte. Hinzu kommen kurze Strips oder Zeichentrickserien in Zeitungen, im Fernsehen oder im Internet, außerdem gibt es sowohl die klassischen Hefte und Taschenbücher am Kiosk als auch Werke in aufwändig produziertem Buchformat und großformatige Alben im Buchhandel.

Literatur und Kunst verbunden

Im Comic treffen Literatur und bildende Künste aufeinander und formen eine neue Kunstform, die heute als sequenzielle Kunst (nach Will Eisner und Scott McCloud) bekannt ist. Der Begriff beschreibt die Form der Bildergeschichten, in denen in der Regel mindestens zwei aufeinander folgende Einzelbilder eine Geschichte bilden. Die Bezeichnung des Comics als Kunstform ist dabei etwas irreführend, da es sich hier weniger um Bilder zum "Selbstweck", sondern um grafisch-textliche Darstellungen als Handlungsträger handelt, auch wenn das Bild dabei im Vordergrund steht.

Der Comic bildet unterschiedlichste Genres und Gattungen, Formate, Gestaltungsformen und Qualitätsstufen ab. Durchgesetzt hat sich in der Erzähl- und Darstellungsweise das so genannte separierende Prinzip, das heißt die Aufteilung der Erzählung in mehrere aufeinanderfolgende Einzelbilder (Panels), die durch gedankliche Zwischenräume (Leerstellen, die vom Leser gefüllt werden müssen) voneinander getrennt sind. Oftmals sind Zeichner und Texter eines Comics nicht ein und dieselbe Person (z.B. bei Asterix) und viele Comichelden stammen auch aus der Feder unterschiedlichster Künstler (z.B. bei Comics von Superhelden).

Der Beginn des Sprechblasencomics

Der Ursprung der heutigen Sprechblasencomics wird im Allgemeinen weit vor dem Ende des 19. Jahrhunderts gesehen. Schon im Mittelalter wurden Sprechblasen, Spruchbänder oder Fahnen in Bildern oder Bildsequenzen verwendet. In Großbritannien wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts erstmals Sprechblasen in Satirischen Einzeldarstellungen eingesetzt, in den USA dann die Sprach- und Denkblasen regelmäßig ab dem Ende des 19. Jahrhundert in den ersten so genannten Comic-Strips, aneinander gereihte Bilderfolgen in der Serie „The Yellow Kid". Die Form der Textdarstellung in verkürzter Alltagssprache ist bis heute vielen Pädagogen ein Dorn im Auge geblieben. Bei Deutschlands Comic-Zeichnern hielt diese Form erst ab Mitte der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts Einzug: Rolf Kauka übernahm die Darstellungsweise der US-amerikanischen Vorbilder wie jener von Walt Disneys Mickey Mouse und entwickelte so eigene Comic-Figuren wie beispielsweise die Heft-Reihe Fix und Foxi. Wichtige Charakteristika des modernen Comics sind zum einen das Nachahmung von Lauten durch einen Begriff, der dem gewünschten Geräusch nachempfunden ist (Onomatopoesie) sowie verschiedene Arten von Linien (speedlines) zur Illustration von Bewegung - und natürlich leben Comics von einer Fülle an Symbolen, die die Handlung untermauern.

Comics als Forschungsgegenstand

Heute verschwimmen die Grenzen zwischen den einzelnen Gattungen von Comics zunehmend: Comicfiguren sind Darsteller in Zeichentrickfilmen und umgekehrt gibt es (Real-)Filme über Comichelden. Comics halten ebenso Einzug in der Werbung und im Merchandising wie auch als Actionfiguren oder Plüschtiere in den Kinderzimmern. Seit 2005 gibt es in Deutschland die Gesellschaft für Comicforschung mit dem Ziel, den Comic als Literaturgattung zu etablieren und die deutsche Comic-Geschichte aufzuzeigen.

Der erste wissenschaftliche Kongress zum Thema Comics wurde in Europa übrigens 1965 von der Universität Rom ausgerichtet. Damals ging es um die Untersuchung, wieso Millionen Kinder in Italien, Europa und der Welt so gerne Comics lesen. Heute müssen wohl auch die Erwachsenen in die Forschung eingeschlossen werden.

 

Franco Rota

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Melanie Teich

Quellen: Comics Teil I

www.comicforschung.de

VERÖFFENTLICHT AM

26. Juli 2010

KONTAKT

Prof. Dr. Franco Rota

Werbung und Marktkommunikation

Telefon: 0711 8923-2001

E-Mail: rota@hdm-stuttgart.de

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