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Comics Teil III

Holding out for a Superhero

Tagsüber reicher Geschäftsmann, nachts - wenn die Welt gerettet werden muss - ein technisch hochgerüsteter, unbesiegbarer Rächer. Der Comic-Superheld hat in den letzten 80 Jahren viel erlebt: Er wurde geliebt, geächtet und verfilmt.

Mit Superman begann der Aufstieg der Comic-Superhelden (Copyright: DC Comics)

Mit Superman begann der Aufstieg der Comic-Superhelden (Copyright: DC Comics)

Erzählungen von Helden mit übermenschlichen Fähigkeiten haben in der Kultur der Menschheit eine lange Tradition. Von den antiken Erzählungen Homers mit Charakteren wie dem nahezu unbezwingbaren Achilles, bis zu den Mythen der Finnen finden sich immer wieder Abenteuer von Helden, die aufgrund übermenschlicher Fähigkeiten Großes vollbringen. So ist es nicht erstaunlich, dass mit dem Siegeszug der Comics Anfang des 20. Jahrhunderts diese Erzählform aufgrund ihrer ausdrucksstarken Bildersprache für die erfolgreichen Superhelden-Abenteuer entdeckt wurde.

Das Goldene Zeitalter - Propaganda und Emanzipation

Als erster „echter" Superheld erblickte Superman das Licht der Welt. Die amerikanischen Teenager Jerry Siegel und Joe Shuster entwickelten diesen Charakter seit Anfang der 1930er Jahre. Als Vorbilder für die Figur dienten die damals in Groschenromanen populären Helden wie Tarzan und Zorro. Lange versuchten sie vergeblich, einen Verlag für ihre Idee des Weltenretters vom Planeten Krypton zu begeistern. 1938 konnte sich „National Publications" (später DC Comics) schließlich zur Veröffentlichung durchringen und feierte damit einen sensationellen Erfolg.

In den Kriegsjahren wurden die Abenteuer Supermans zusehends patriotischer und man ließ den Mann aus Stahl unter anderem gegen die Deutschen kämpfen. Superman entwickelte sich so zur beliebtesten Reihe unter den amerikanischen Soldaten. Über 250 amerikanische Sonntagszeitungen druckten Superman-Comics ab und auch außerhalb Amerikas wurde er schnell zum Verkaufsschlager. Der Erfolg der Reihe hatte bereits in den ersten Jahren Ableger wie Supergirl und Superboy zur Folge.

Alles, was ein Superheld braucht

Superman vereinte bereits alle Charakteristika, die Comic-Superhelden bis heute prägen.
Er führt eine Art Doppelleben: Einerseits ist er der spießige und schüchterne Reporter Clark Kent, der für den Daily Planet in Metropolis arbeitet, andererseits rettet er als Superman die Stadt und deren Bewohner und kämpft gegen Superschurken.
Ein zweites Kennzeichen sind die Kräfte des Superhelden. Entweder sie sind - wie im Falle Supermans - außerirdischer Herkunft, ein Resultat eines Zu- oder Unfalls (Hulk, Spiderman) oder eine Kombination aus Technologie und extremem körperlichem Training (Batman, Iron Man). Im Fall von Superman sind nahezu alle Sinne extrem ausgebildet (Röntgenblick, Supergehör etc.), er ist unverwundbar und kann fliegen. Seine einzige Schwäche ist Kryptonit. Kommt er in die Nähe dieser ebenfalls außerirdischen Legierung schwinden seine Superkräfte.
Das dritte typische Merkmal ist die Kostümierung der Superhelden, die einerseits hilft, ihre Identität geheim zu halten, ihnen andererseits etwas Geheimnisvolles und Mysteriöses verleiht. Viele Superhelden tragen Kostüme, die ihren oft dem Tierreich entlehnten Pseudonymen entsprechen (Batman/Fledermauskostüm).

Der Erfolg von Superman löste eine Welle von weiteren Veröffentlichungen aus. DC Comics publizierte unter anderem Abenteuer von Batman und Flash, Marvel Comics hingegen Geschichten über die Human Torch.

Drei Jahre nach Superman entstand während des zweiten Weltkriegs die wohl patriotischste Comicfigur: Captain America. Der einfache amerikanische Soldat, der durch ein Experiment zu seinen übermenschlichen Kräften kommt, wurde während der Kriegsjahre - wie Superman zuvor - mit patriotischem Pathos zur Propaganda genutzt. Captain America kämpfte mit Anzug und Schild in den Farben der amerikanischen Flagge unter anderem gegen Nazis, andere Kriegsgegner und Spione.

Von Super-Frauen und politischer Hatz

Die Superheldenwelt war anfangs ausschließlich von Männern bevölkert. Aus diesem Grund schufen der Psychologe und Feminist William Moulton Marston und seine Frau 1941 Wonder Woman, eine lassoschwingende Amazonenprinzessin, die sich als Armeesekretärin getarnt ebenfalls dem Kampf gegen die Nazis verschrieb. Sie wurde zur erfolgreichsten weiblichen Superheldin und spielt in den DC-Comics bis heute eine wichtige Rolle.

Mit dem Ende des zweiten Weltkriegs nahm der Erfolg der Superhelden-Comics ab. In den 50er Jahren schließlich wurde unter Senator Joseph McCarthy versucht, die Gesellschaft von unamerikanischen und jugendgefährdenden Elementen zu säubern. Superhelden-Comics wurden sexuelle Anspielungen und Perversionen vorgeworfen und das Genre wurde für die Jugendkriminalität mitverantwortlich gemacht. Die darauffolgende, selbstauferlegte Zensur der Verlage hatte einen enormen Verkaufseinbruch zur Folge. Nur erfolgreiche Reihen wie Superman, Batman und Wonder Woman konnten sich während dieser Zeit am Markt behaupten.


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14. August 2010

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