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Literatur in 140 Buchstaben

„Die Münze landete auf seinem Handrücken. Zahl. Carl Benz seufzte. Das Automobil also. Er zerknüllte die Skizze mit dem Teleporter.“ Mit Mini-Geschichten wie dieser, stellt Florian Meimberg in seinem Twitter-Kanal regelmäßig unter Beweis, dass Kurznachrichten durchaus inspirierend sein können.

Florian Meimbergs Mini-Geschichten auf Twitter (Screenshot: Tiny Tales)

Florian Meimbergs Mini-Geschichten auf Twitter (Screenshot: Tiny Tales)

„Tiny Tales" nennt Meimberg seine kleinen, aber dennoch abgeschlossenen Geschichten, mit denen er die Fantasie der Leser anregt. 140 Zeichen zum Grübeln, Schmunzeln und Nachdenken: „Die Ebay-Verkäufe hatten ihn reich gemacht. Das Geld lag sicher auf den Caymans. Er tippte das letzte Angebot: Rentierschlitten, wie neu."

Seit Anfang Oktober 2009 twittert Meimberg regelmäßig. Mit nur ein bis drei Sätzen gelingt es ihm, Dramaturgie aufzubauen und somit Spannung zu erzeugen, die im letzten Satz, manchmal auch erst mit dem letzten Wort ihren Höhepunkt findet: „Mit dem Macintosh 128k unter dem Arm stieg er aus der Zeitmaschine. ´Zeit für eine Revolution!` dachte der junge Steve Jobs. Es war 1983."

Mit spitzer Zunge und viel Fantasie

Seine Themen sind bunt und spiegeln sowohl das aktuelle Geschehen wider, als auch längst vergangene Momente. Doch immer beflügeln die maximal 140 Zeichen die Vorstellungskraft der Leser: Bilder entstehen in den Köpfen und Gedanken werden weitergesponnen. Die Geschichten sind oft hinterlistig und doppelzüngig, mal erzählt der Autor von realen Ereignissen, mal lässt er seiner Fantasie freien Lauf. Die Grenzen sind fließend: „Liz hasste Facebook. Plakativ zeigten die Fotos, was während ihres Vodka-Blackouts passiert war. In ihrem Schlafzimmer im Buckingham Palace." Viele der „Tiny Tales" sind kleine Krimis, in denen es um Tod, Mord und Intrigen geht: „Chloroform. Piep. Spaltaxt. Piep. Müllsäcke. Piep. Spaten. Piep. Nathan zahlte und verließ den Baumarkt. Die Stimmen schwiegen jetzt."

Für seine winzigen Geschichten hat Florian Meimberg 2010 als erster Twitterer den Grimme Online Award gewonnen, der seit 2001 jährlich an Web-Angebote mit außerordentlicher publizistischer Qualität vergeben wird. „Die Einschränkung der Twitter-Plattform wird durch die unerwartete Nutzung zur Stärke, Geschichten im kleinstmöglichen Raum unterzubringen. Von sarkastisch bis romantisch reicht das Spektrum, mitunter verändert sich die Stimmung auch beim zweiten oder dritten Lesen", so beschreibt die Jury das neue literarische Format. Auch bei seinen über 10.000 Followern lösen die kleinen Geschichten immer wieder große Begeisterung aus.

Tanja Rupp

VERÖFFENTLICHT AM

17. August 2010

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