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Ortungsdienste

Geo-Tagging und die "Hier-bin-ich-Tools"

Geo-Location-Dienste sind der Trend des Jahres. Diese Handy-Anwendungen zeigen, wo man sich gerade aufhält. Was Werbefirmen freut, ruft vor allem Datenschützer auf den Plan. Was genau sind Geo-Tagging-Programme und welche Gefahren bergen sie?

Dank Twitter und Facebook wissen wir mittlerweile was unsere Freunde wann machen. Jetzt geht es um das „wo": Die neueste Geo-Funktion kommt von Facebook. Die Anwendung „Places" erlaubt es Facebook-Nutzern künftig über einen digitalen „Check-in" ihren Freunden mitzuteilen, wo sie sich befinden. Über Satellitennavigation werden die User geortet und können anschließend aus einer Liste öffentlicher Plätze in der Nähe auswählen und so anwesende Freunde sehen - und gesehen werden. In einem Werbefilm zeigt Facebook, wie einfach in Zukunft das Treffen von Freunden in der Umgebung sein soll. Über eine Bewertungsfunktion können außerdem persönliche Empfehlungen von Freunden angezeigt werden. Facebook erhofft sich mit dem neuen Geo-Dienst wohl vor allem Online-Werbung an Orten gezielt einzusetzen. Denkbar sind neben personalisierter ortsbezogener Werbung auch die Verknüpfung von Places mit Fanpages. So könnten zum Beispiel Rabatt-Coupons an „Fans" einer Seite gegeben werden, wenn sich diese dort aufhalten. Der Geo-Dienst ist vorerst nur in den Vereinigten Staaten verfügbar.

Geodaten-Trend durch mobiles Internet

Neu ist die Nutzung von Ortsdaten nicht: Google Earth verknüpfte schon vor Jahren Geodaten mit Satellitenaufnahmen, Bing bietet bei seinem Kartendienst zusätzlich den Blick aus der Vogelperspektive. Plattformen wie Foursquare und Gowalla ermutigen, ständig den eigenen Standort mitzuteilen. Auch die iPhone-App Grindr, die es homosexuellen Nutzern erlaubt, ständig sehen zu können, welche anderen User sich in der Nähe aufhalten, ist nicht mehr ganz neu. Die Frage, warum gerade jetzt Geo-Dienste in Mode kommen, hängt wohl mit der zunehmenden Verbreitung des mobilen Internets zusammen. In Deutschland besitzen mittlerweile rund 10 Millionen Menschen ein Smartphone mit mobilem Internetzugang. Experten schätzen, dass sich die Zahl in zwei Jahren verdoppelt haben wird.

Bundesregierung plant Geodaten-Gesetz

Neben der spielerischen Seite weiß aber auch die Wirtschaft die neuen Ortungsdienste zu nutzen. Anbieter wie SimpleGeo sammeln ganz legal die öffentlichen Daten und verkaufen die Bewegungsprofile weiter. Werbefirmen können so noch gezielter potentielle Kunden ohne Streuverluste erreichen. Datenschützer betrachten den Trend zum Geo-Tagging eher kritisch und warnen Benutzer vor zu viel Freizügigkeit mit ihren Ortsdaten. Die größten Probleme sehen sie in der Gefahr durch Stalker oder mögliche Einbrecher, die dank Geodaten immer genau wissen, wann sich die Besitzer eines Hauses im Urlaub befinden. Mit dem Umgang mit ortsbasierten Daten beschäftigt sich demnächst auch die Bundesregierung. Im Herbst will sie einen Maßnahmeplan zur Regelung von Geodiensten im Internet vorlegen.

 

Christina Walzner

HdM-Projekt „Geopaint“

Dass Geo-Tagging auch künstlerisch sein kann, zeigt ein Projekt von HdM-Studenten unter Betreuung von Prof. Ralph Tille. Auf der vergangenen MediaNight stellten Julian Henschel und Jan-Christoph Borchardt aus dem Studiengang Informationsdesign „Geopaint" vor. Per mobiler Webseite wird das Smartphone zum Pinsel und die Welt zur Leinwand. Alles, was man dafür braucht, ist ein Handy mit mobilem Internet. Einfach die Seite http://geopaint.net öffnen, Pinselstärke und -farbe auswählen und los geht's. Das Programm zeichnet das Bewegungsprofil nach und hinterlässt entsprechend des Weges eine bunte Zeichnung.

Quellen: Die Frage nach dem "wo"

http://www.welt.de

http://www.zeit.de/digital/internet/2010-07/geolocation-foursquare-gowalla-gps

http://faz-community.faz.net/

VERÖFFENTLICHT AM

30. August 2010

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