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Hochschule der Medien

Gunther Hagens Grusel-Shop

Eine Leiche zum Bestellen

Ohrringe aus Bullenpenis-Scheiben, ein menschliches Bein oder eine Scheibe Gehirn: Hört sich nach Utensilien eines Grusel-Kabinetts am Jahrmarkt an? Ist aber das Sortiment des neuen Webshops von Gunther Hagen, dem Erfinder der Ausstellung „Körperwelten".

Plastinierte Köpfe oder Schmuck aus Tierscheiben: In seinem Webshop verkauft Gunther Hagen allerlei gruselige Gegenstände. (Fotos: http://www.plastination-products.com)

Plastinierte Köpfe oder Schmuck aus Tierscheiben: In seinem Webshop verkauft Gunther Hagen allerlei gruselige Gegenstände. (Fotos: http://www.plastination-products.com)

„Nichts ist so spannend wie die Realität": mit diesem Slogan überschreibt Gunther Hagen den weltweit ersten Online-Shop für plastinierte Leichenteile. Eröffnet werden soll dieser am 3. November. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, sollte die Meldung eigentlich bis dahin noch geheim sein. Durch eine Rundmail an einen ausgewählten Kreis hatte der Heidelberger Anatom unter anderem Zulieferanten und Körperspendern einen Vorab-Rabatt von zehn Prozent angeboten und die Geschichte kam an die Öffentlichkeit.

70 000 Euro für eine Leiche

Im Begrüßungstext auf der Homepage steht „Jetzt können Sie solche einmaligen Objekte zu sich nach Hause holen". Wer sich ein menschliches Objekt zulegen will, muss dafür allerdings tief in die Tasche greifen. Ein Ganzkörper-Plastinat kostet rund 70 000 Euro, einen Kopf, wie oben abgebildet, gibt es ab 22 000 Euro. Neben dreidimensionalen Körperteilen, bietet der Shop auch Scheibenplastinate, also Querschnitte durch den Körper, an. Kaufen dürfen die Leichenteile aber nur qualifizierte Nutzer, die den Gebrauch zum Zweck der Forschung, Lehre oder der medizinischen Berufsausbildung nachweisen können. Das beinhaltet aber auch jeden Arzt oder Lehrer. In der Kategorie „Lifestyle" gibt es dagegen Produkte, die von jedermann bestellt werden können. Darunter sind zum Beispiel Ohrringe aus Giraffenschwanz-Scheiben oder Ketten vom Bullenpenis.

Zollitsch: „Leichenfledderei und Spektakel"

Währenddessen gibt es auf Seiten der Kirche großen Widerstand. In einer gemeinsamen Mitteilung vom Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch und dem evangelischen Landesbischof von Baden, Ulrich Fischer, fordern sie die Politik auf, „diesen Tabubruch nicht zuzulassen". Deutschland dürfe nicht "scheibchenweise zu einer Drehscheibe des Leichenhandels werden". Es gehe nicht um neue Erkenntnisse für Wissenschaft und Forschung, sondern um Leichenfledderei und Spektakel unter dem Deckmantel der medizinischen Aufklärung.

Christina Walzner

Quellen: Eine Leiche zum Bestellen

http://www.heute.de
http://www.sueddeutsche.de
http://www.plastination-products.com

VERÖFFENTLICHT AM

20. Oktober 2010

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