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Hochschule der Medien

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Die WikiLeaks Enthüllungen

Bereits mehrmals war die Plattform WikiLeaks in den Schlagzeilen der Medien. Mit den neuesten Veröffentlichungen ist nun vielleicht der bislang größte Coup gelungen. Zeit, sich mit den Auswirkungen kritisch zu beschäftigen.

 

 

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Assange befördert das Lügen

Die neuesten Enthüllungen der WikiLeaks-Plattform bringen statt Aufklärung und neuer Weltsicht eher menschliche Peinlichkeiten zu Tage. Die Welt erfährt durch die gewaltige Medienaktion jedoch mehr über den Fanatismus des Herrn Assange und verdeutlicht die schizophrene Doppelmoral vieler Medien.

Rund 250.000 vertrauliche oder geheime Depeschen und Dokumente von US-Diplomaten an ihre Zentrale in Washington sind Gegenstand der mittlerweile dritten Enthüllungsaktion der WikiLeaks -Plattform binnen eines Jahres. WikiLeaks publiziert über ausgewählte, instrumentalisierte Medien (z.B. Spiegel, Guardian, New York Times) damit zum wiederholten Mal politisches Material. Dies wurde vom „Free-Flow-of-Information"-Netzwerk nicht von den eigenen Mitstreitern recherchiert, sondern diesem von einem US-Militärangehörigen illegal zugespielt.

Skandal gegen Vernunft

Sukzessive veröffentlicht wurden und werden vertrauliche oder geheime Einschätzungen und Meinungen von US-Diplomaten über Sachlagen und diesbezügliche weltweite, politische Gesprächspartner. Die Reaktionen von Medien waren zunächst natürlich so, wie es das Publikum (und WikiLeaks-Gründer Julian Assange) von diesen erwarteten: Die emotionalisierte, verkürzte Darstellung als Skandal in den Top-News wurde pflichtgetreu übernommen. "Das denken die Amis wirklich über uns", titelte Bild-Online am 28.11.10 oder der Spiegel machte in Print auf mit: "Enthüllt: Wie Amerika die Welt sieht" (29.11.10). Und die Tageschau meldete sinngemäß am Abend davor, dass wir Deutschen jetzt wüssten, was Amerika über die Deutschen dächte. Zitiert wurden US-Diplomaten z.B. mit Äußerungen zur "selten kreativen Teflon-Merkel" oder dem "arroganten" Außenminister Westerwelle, "der kein Genscher" sei. Wow! Das waren Enthüllungen, die die Welt verändern...

Nach einigen Tagen endlich kehrten Aufklärung und Vernunft in die Medien zurück: "Hybris statt Wahrheitssuche" (Zeit-Online, 29.11.10), "Gefährliches Geschwätz" (SZ-Online, 29.11.10), "Das Netz des Anarchisten Julian Assange" (Welt-Online, 29.11.10) oder „Eine diplomatische Bombe" (FAZ.Net, 29.11.10). Die nachdenklicheren und sorgfältigeren der Journalisten begriffen zum dritten Mal bei WikiLeaks, dass einem Krisenherd manch neuer Aspekt hinzugefügt werden konnte, aber nicht die Weltpolitik neu geschrieben werden müsste. Außer eventuell verletzten Eitelkeiten von Politikern (z.B. „Alpha-Rüde" über Putin oder den „unfähigen" Berlusconi. - Anmerkung des Autors: beides stimmt womöglich) sind nicht wirklich neue Weltsichten notwendig geworden, sondern im Falle Deutschlands laut dem Bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer eher "typisches Berliner Cocktail-Geschwätz".

WikiLeaks als Emser Depesche?

Die publizierten Depeschen als Blödelei abzuwiegeln, wie dies einige Politiker tun, kann man die Veröffentlichungen von WikiLeaks jedoch auch nicht. Der Medien- und Polit-Hype zeigt einige Implikationen auf, die bedacht werden sollten: Beispielsweise führte 1870 die gezielte Veröffentlichung der Emser Depesche - einer vertraulichen Botschaft des französischen Botschafters an den Preußischen Ministerpräsidenten Bismarck - in der französischen Presse zu einer so großen öffentlichen Empörung, dass danach der Deutsch-Französische Krieg ausbrach.

Glücklicherweise sind internationale Beziehungen heutzutage stabiler, auch Dank des Internet und der engen vertraulichen Kontakte zwischen Regierungen und Diplomaten. Und genau das ist das Problem bei WikiLeaks: Es schürt Misstrauen zwischen ohnehin in manchen Fällen fragilen internationalen Beziehungen; beispielsweise mit der Publikation der Aufforderung Saudi-Arabiens und anderer arabischer Staaten an die USA, den Iran wegen seines Atomprogramms zu bombardieren. Wenn der Iran dies nicht schon wusste, weiß er es jetzt. Das befördert nicht die Entspannung am Persischen Golf und kann Wikileaks und den publizierenden Medien vorgeworfen werden. Klugerweise haben die derzeit viel gescholtenen US-Diplomaten trotz ihrer Häme über manche ausländischen Führer noch alle Tassen im Schrank und an ein Bombardement nicht einmal gedacht. Auch der akute Korea-Konflikt wird durch die Publikationen (Kim Jong II wird in US-Depeschen als „schlapper Kerl" bezeichnet) nicht beschwichtigt. Dass Pakistan und sein Umfeld ein Pulverfass bleibt und Militärs ständig Putschgedanken haben, wundert auch niemanden wirklich.

Doppelmoral der Medien

Interessanter als manche Inhalte der Dokumente waren und sind die Reaktionen der Medien: Wann immer es geht, sprechen Journalisten von der Verantwortung und der Moral von Politikern. Sie verteidigen zu Recht ihre Aufgabe als vierte Macht im Staat und der Gesellschaft. Im Falle der WikiLeaks-Enthüllungen jedoch werden beide Begriffe zugunsten hoher Auflagen oder Online-Zugriffe über Bord geworfen: Es ist weder ethisch noch moralisch, durch Publikation von Geheimmaterial Menschen (hier Diplomaten und Politiker) bloßzustellen und für die Wahrheit mögliche unkalkulierbare Folgen in Kauf zu nehmen. Eine Aufklärung zudem ist kaum erfolgt, denn dass Herr Ghaddafi "Flugangst" hat, ist nun auch keine Erhellung, und war den Redakteuren und der Öffentlichkeit auch schon bekannt. Soll er doch mit dem Boot oder zu Fuß kommen. Die Weltgeschichte muss also trotz der großartigen Ankündigung nicht umgeschrieben werden. Banal ist damit auch die Erkenntnis, dass Diplomaten Menschen sind, die hinter verschlossenen Türen sagen, was sie denken. Waren diese ‚News' es also Wert, WikiLeaks zu folgen? Wäre es nicht interessanter gewesen, beispielsweise ausführlicher über die Konferenz zwischen der EU und der Afrikanischen Union zu berichten, bei der eben der Herr mit Flugangst die EU mit Schimpftiraden überzog und zugleich 4 Milliarden Euro verlangt, um den Flüchtlingsstrom aus Libyen einzudämmen? So gesehen muss man Assange Recht geben: Unsere Medien sind schizophren doppelmoralisch, manchmal verantwortungslos. Und manche gehören vorgeführt. Quod erat demonstrandum.

WikiLeaks stiftet zum Lügen an

Viel gewichtiger sind dagegen die Auswirkungen der Dokumente in der diplomatischen Praxis. Ein Vorwurf lautet: Die US-Diplomaten lügen uns an! Haben sie das wirklich oder sind sie nur dem gefolgt, was Mainstream war und ist: Öffentlich die diplomatische Contenance gewahrt, wie dies seit dem Wiener Übereinkommen über Diplomatische Gepflogenheiten von 1961 und seit jeher üblich ist? Werden Diplomaten und Politiker von Pseudo-Journalisten insgeheim bei ihren Kommentaren beschnüffelt, sind sie nirgends mehr privat. Wenn sie nirgendwo mehr private Meinungen äußern können, dann lügen sie nicht nur im öffentlichen diplomatisch politischen Raum, sondern auch hinter verschlossenen Türen. Sie dürfen nicht mehr geschützt untereinander sagen, was sie denken. Es ist der scheinbare Triumph der Political Correctness, die Verlogenheit bis ins Private schürt. Orwells ‚Big Brother' wird endgültig zur Realität, erzwungen von genau jenen, die diese Beschnüffelung vehement ablehnen. Das Lügen wird also durch WikiLeaks und die Sensationsmedien implizit auch zum privaten, diplomatischen Programm erhoben und ist damit 'Anstiftung' zur Falschaussage.

Lobos neue Gesellschaftsverheißung und Hass von Assange

Natürlich hat WikiLeaks kluge Kommentatoren, beispielsweise Herrn Sascha Lobo, dem wichtigsten Ober-Blogger-Experten von Deutschland ("Bei Anne Will wird die diplomatische Lüge beerdigt", Welt-Online, 29.11.2010), der doch allen Ernstes behauptet, "dass wir die Ausläufer einer neuen digitalen Gesellschaftsordnung" erleben, "die es fast unmöglich macht, Daten geheim zu halten" und "die das Internet über die Welt gebracht hat". Eine lustige Vorschau auf Weihnachten 2010 oder der esoterische Verheißungswahn eines Internetgläubigen? Sind diese Internet-Gurus die neuen Diplomaten und Politiker? Oder nur Fanatiker?

Eindeutig ist, dass WikiLeaks von einem Fanatiker gesteuert wird. Seine persönliche Geschichte mit Verhaftungen, Zensur und Abhöraktionen bei Aufenthalten in China, Iran, Afghanistan, den USA und Großbritannien wurden für ihn zur Gegenmission: Der Free Flow of Information, die komplette Informationsfreiheit, die Offenbarung der Wahrheit, das Martyrium für die Wahrheit, das Umschreiben der Weltgeschichte sind ihre Programmpunkte, einhergehend mit der Ankündigung des Niedergangs des Journalismus, wie wir ihn kennen. Assange ist ein Propagandist und Verschwörungsgläubiger wie es schon mehrere gab, die im Namen ihrer Wahrheit die Welt verändern wollten ("Der Gegenverschwörer", SZ-Online, 2.12.2010). Bislang scheint es, könnte es einfach nur Hass sein, der ihn beseelt, ausgerechnet gegen das Land, das die Informationsfreiheit verteidigt: Anfang kommenden Jahres soll die Veröffentlichung von Dokumenten und Geheimnissen über eine US-Großbank deren Niedergang bewirken. Dass Herr Assange noch keine Dokumente vom vermeintlichen Atomprogramm im Iran oder in Nordkorea sowie der Zensur in China beschafft hat, zeigt wie stark er von dieser westlichen Idee der Informationsfreiheit profitiert.

Den USA und anderen westlichen Staaten möchte man ob des lässigen Umgangs mit vertraulichen oder geheimen Daten nur raten, diese viel besser zu schützen - eigentlich ein irrer, ein leider anti-aufklärerischer Ratschlag.

Prof. Dr. Franco Rota

 

Quellen:

www.spiegel.de
www.welt.de
www.bild.de
www.zeit.de
www.sueddeutsche.de
www.faznet.de

 

Kommentare geben nicht die offizielle Haltung der Hochschule wieder, sondern nur die Meinung oder Einschätzung des kennzeichnenden Autors. Im Falle der HdM-Website sollen sie außerdem zur Diskussion über ein aktuelles Medienthema im Zeitgeschehen anregen

VERÖFFENTLICHT AM

01. Dezember 2010

ARCHIV

Medienwelt
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Johannes Neumeyer

am 12.12.2010 um 22:35 Uhr

Ich möchte hier den Vorrednern Recht geben. Es ist wirklich nicht angebracht, dass sich an der Hochschule hier solche Äußerungen (gleich in welche Richtung) verbreiten. Ein anderes Beispiel: Der Rektor hat angewiesen, die Hochschule soll sich zu S21 neutral verhalten. Dennoch gibt es in einigen Büros "Anti S21" Aufkleber zu bestaunen! Verwunderlich. Aber ähnlich behandelt es auch das Thema "rauchfreie öffentliche Gebäude". Das eine ehemalige Dekanin und ihre Mitarbeiterin gerne mal (auch im Beisein von Studenten) ´eine raucht´ ist ein so offenes Geheimnis, dass vermutlich nicht einmal Wikileaks Interesse an der Veröffentlichung hätte.

Björn von Prollius

am 10.12.2010 um 18:52 Uhr

Ich finde ironisch, dass der Autor, der vor einiger Zeit an gleicher Stelle die Devise "Im Zweifel für die Freiheit [der Presse], also für die Aufklärung" [1] propagiert hat, nunmehr die Ansicht vertritt, es sei unmoralisch, "durch Publikation von Geheimmaterial Menschen (hier Diplomaten und Politiker) bloßzustellen und für die Wahrheit mögliche unkalkulierbare Folgen in Kauf zu nehmen." Damals ging es um ein Sternchen, an deren Privatleben ein reines Sensationsinteresse besteht. Heute geht es um politische Vorgänge und - geheim oder nicht - um Informationen, die der Staat, also letztlich die Repräsentanten der Öffentlichkeit produzieren und die Auswirkungen auf das Weltgeschehen haben können oder zumindest eben jenes nachzeichnen und in einem anderen Licht erscheinen lassen. Überspitzt gesagt soll also die Privatsphäre Einzelner gerne öffentlich zerrissen werden, das politisch Brisante aber schön abseits der Öffentlichkeit verborgen bleiben? Die Prioritäten liegen für mich hier gerade verkehrt herum. Quellen: [1] http://www.hdm-stuttgart.de/view_news?ident=news20090420160123

Sebastian Stein

am 10.12.2010 um 13:56 Uhr

Zunächst einmal schließe ich mich meinen Vorrednern in dem Punkt an, dass ein solches Thema auf der HdM-Startseite nichts verloren hat. Zum Inhalt selbst: Prof. Dr. Rota macht den gleichen Fehler wie viele andere auch - Assange ist zwar Repräsentant von WikiLeaks, aber er ist nicht WikiLeaks. Warum solch eine Plattform meiner Meinung nach richtig und notwendig ist, sollte durch folgende Dokumentation klar werden: http://svtplay.se/v/2264028/wikirebels_the_documentary (Leider nur bis 13.12. verfügbar)

Marco Jakob

am 07.12.2010 um 22:16 Uhr

Ich finde man sollte in diesem Fall schon erwähnen, das die Emser Depesche vorallem ihre Wirkung entfaltete weil sie redigiert, gekürzt oder eben zensiert wurde. Hier spielten auch die Befindlichkeiten des 19. Jhds sowie die Machtkonflikte zwischen zwei Mittelmächten eine große, sogar entscheidendere Rolle. Bitte machen Sie es sich nicht so einfach. Man kann argumentieren das die WikiLeaks-Veröffentlichungen größtenteils nichts neues waren, dem interessierten Betrachter vor allem, aber dennoch eine neue Qualität der Information bedeuten. Aber alter Schwede (pun intended), was hat das hier zu suchen? Wie wäre es den mit einem dedizierten Meinungsblog ;)

Matthias Bürgel

am 07.12.2010 um 11:29 Uhr

Man kann über die Enthüllungen von WikiLeaks denken, wie man will und trefflich streiten. Die Frage ist für mich, ob das auf unsere HdM-Website gehört. Wenn politische Kommentare (als solchen interpretiere ich den Beitrag von Herrn Rota) innerhalb der Hochschulöffentlichkeit gewünscht und toleriert ist, dann würde ich an die Zuständigen der Öffentlichkeitsarbeit appellieren, diese Möglichkeiten auch für andere Meinungen zu öffnen. Ansonsten besteht der Verdacht, dass Öffentlichkeitsarbeit als politisches Instrument umfunktioniert wird. Man kann zu WikiLeaks sehr wohl auch zu anderen Bewertungen kommen. Die Enthüllungen zu Figuren aus der deutschen Politik waren nun wirklich nichts neues oder weltbewegendes. Oder ist der Begriff Teflon-Merkel strittig?

Manfred Tham

am 07.12.2010 um 10:21 Uhr

Waren nicht auch Bob Woodward und Carl Bernstein von der "Washington Post", die den Watergate-Skandal mit Hilfe ihres Informanten Mark Felt aufdeckten, heftigen Anfeindungen ausgesetzt, genauso wie Daniel Ellsberg bei Veröffentlichung der Pentagon-Papiere über den Vietnam-Krieg? Ähnliche Motive wie diesen für die Öffentliche Meinung so wichtigen Leuten kann man den Wikileaks-Machern mindestens genauso unterstellen wie die Motive, die ihnen Prof. Dr. Rota unterstellt. Muss eine solche Diskussion auf den offiziellen Seiten der HdM geführt werden? Ach ja, Diskussion würde natürlich bedeuten, dass man beide Seiten zu Wort kommen lässt - was gar nicht geschehen ist. Seltsamer Vorgang.

Peter Ruhrmann

am 07.12.2010 um 10:08 Uhr

Ich schließe mich der Meinung von Helena Ebel an und hätte gerne transparentes Verfahren, nachdem politische Kommentare auf der HdM-Webseite veröffentlicht werden oder nicht. Wer oder was legitimiert Herrn Prof. Rota, an prominenter Stelle der HdM-Webseite seine persönliche politische Meinung zu veröffentlichen, während es HdM-Angehörigen (in ihrer Funktion als Hochschulangehörige) von der Hochschulleitung untersagt wird, sich zum Thema Stuttgart 21 zu äußern. Ich zitiere hier eine Mail der Hochschulleitung vom 4.10.2010: (...)" - Die HdM ist eine Einrichtung des Landes und zu politischer Neutralität verpflichtet (deshalb bitte ich auch darum, politische Meinungsäußerungen per E-mail an alle zu unterlassen). Die HdM als Institution wird sich deshalb auch nicht im Außenraum zu o.g. Themen äußern." (...). Prinzipiell befürworte ich die politische Neutralität der Hochschule. Nur sollte dann auch gelten: Gleiches Recht für alle.

Helena Ebel

am 06.12.2010 um 19:36 Uhr

Auch wenn der Beitrag mit "Kommentar" übertitelt war, gibt er doch den Eindruck, Herr Rota spräche für die Hochschule. Ich sehe das ähnlich wie Frau Mayer: Solche Kommentare gehören auf einen persönlichen Blog, nicht hier her. Meine Meinung zum Thema Wikileaks ist eine Andere, aber dies ist nicht die Plattform, das zu diskutieren.

Florian Röser

am 06.12.2010 um 14:40 Uhr

@Erki van Hoolen: Ich finde Ihren Kommentar sehr gut. Hinzuzufügen möchte ich nur noch, dass ich es als sehr kritisch sehe, wie momentan gegen Wikileaks vorgegangen wird (aus den USA heraus): - Die DNS wird gelöscht - Amazon verbannt Wikileaks von ihren Server (unter welchem Einfluss?) - Paypal löscht das Spendenkonto unter Berufung auf Ihre Nutzungsbedingungen - die aktuelle Wikileaks Seite in der Schweiz fällt vermehrt DoS-Attacken zum Opfer, von einer "unbekannten" Hackergruppe aus den USA und das alles, wo doch der Begriff "Freedom of Speach" dort, in den USA, erstmals geprägt wurde und sehr hoch gehandelt wird. Fazit: Ich möchte nicht bestreiten, was Herr Prof. Rota geschrieben hat, möchte aber darauf aufmerksam machen, dass es sehr viele Sichtweisen gibt und auch die anderen Beteiligten keine reine Weste haben.

Christian Faller

am 05.12.2010 um 23:11 Uhr

Obwohl ich dem Kommentar im Allgemeinen nur beipflichten kann, habe ich mit der Aussage, WikiLeaks stifte zum Lügen an, meine Schwierigkeiten. Wenn Politiker und Diplomaten im Privaten, so wie Sie es sagen Herr Rota, "beschnüffelt" werden, dann gibt es für mich zwei mögliche Konsequenzen: Einerseits das von Ihnen gezeigte Big Brother Szenario, das Lügen auf höchstem Niveau geradezu diktiert. Andererseits aber auch - und ich möchte behaupten, dass es Herr Assagne auf diese zweite Möglichkeit abgesehen hat - einen tiefgreifenden Wandel im diplomatischen Umgangston. Wenn leere Worthüllen über die tatsächliche Meinung hinwegtäuschen sollen, dann gehören sie gestrichen. Ein ehrlicher aber respektvoller Umgangston ist gefragt. Das wäre in vielerlei Hinsicht wünschenswert, denn es brächte nicht nur mehr Menschlichkeit ins politische Leben (siehe Teflon-Merkel), sondern ist auch für die Sache an sich förderlich: Effektive Abwicklung politischer Prozesse. Wo kommen wir denn hin, wenn sich die vom Volk gewählten Repräsentanten gegenseitig Honig ums Maul schmieren, anstatt das zu sagen, was wichtig ist? Schließlich sollten Politiker in der Lage sein ihre privaten Belange von Berufsrelevantem zu trennen. Würden wir ein intaktes Verhältnis mit der amerikanischen Botschaft haben, dann bräuchte sich auch niemand Sorgen darum machen, ob irgendein Fanatiker einen neuen Skandal aus dem Zylinder zaubert oder nicht. Ich meine, dass hier nicht dem Boten das Maul verboten werden sollte, sondern an der Wurzel angepackt werden muss. Die Wahrheit sollte unser Land niemals in Misskredit bringen. Ist das der Fall, dann gibt es noch ganz andere Probleme um die wir uns sorgen sollten...

Prof. Susanne Mayer

am 05.12.2010 um 17:47 Uhr

Wer gibt eigentlich vor, welche medialen Inhalte auf der Hochschulwebsite diskutiert und kommentiert werden dürfen und welche nicht? Wo ist der Unterschied zwischen von der HdM untersagten bzw. unerwünschten offiziellen Kommentaren und Stellungnahmen zu den Geschehnissen rund um S21 und speziell den Vorgängen im Stuttgarter Schlosspark am 30.9. und dem aktuellen Beitrag zu Wikileaks?

Atilla

am 02.12.2010 um 08:35 Uhr

Schon paradox, wie sich manchmal die Bedeutungen von "Wahrheit" und "richtig" gegenseitig aufheben...

Erki van Hoolen

am 01.12.2010 um 19:16 Uhr

Sehr geehrter Herr Prof. Rota, bei aller Liebe zum amerikanischen Botschafter Murphy (wir erinnern uns gut an seinen Besuch in der HdM), an dessen Stuhl jetzt im Zuge der WikiLeaks-Diskussion kräftig gesägt wird, müssen wir uns doch vor Augen führen, dass die Institution einer regierungsfernen Informationsplattform im Internet generell einen enormen Mehrwert für uns alle darstellt. Das - so glaube ich - wird allg. keiner bestreiten wollen. Inwieweit sich die Veröffentlichungen noch in andere Kulturkreise ausdehnen werden, bleibt noch ungewiss. Um es unmissverständlich auszudrücken: Es wird in Zukunft im Internet nicht nur "nutzvolle/ nützliche Informationen" geben, beispielsweise Auszüge über die Kriegsgräuel der Amerikaner oder anderer Länder, sondern eben auch persönliche Unterlagen, die in erster Linie den Leuten gehörig auf den Schlips treten, und erst zweitrangig den Stempel "Mehrwert" bekommen. Dafür, dass fast alle Tageszeitungen den Mehrwert DIESER neuen Fakten bezweifeln, so empfinde ich persönlich sehr viel Interesse an diesen Papieren. Was bei dem Niebel-Gespott, der Teflon-Merkel und dem Seehofer-Kommentar völlig unterging (ich habe mich köstlich über die sehr zutreffenden Kommentare amüsiert!), waren eine ganze Reihe von sehr viel wichtigeren, anderen Dokumenten. Zum Beispiel für den Raum Nahost: So baten offensichtlich im Jahre 2006 verbündete Staaten die USA um Einmarsch in den Iran. Desweiteren gibt es Unterlagen, in denen diskutiert wird, ob oder wie ein WTO-Beitritt Russlands zu verhindern ist... Alles nicht öffentlichkeitswürdig? Man kann DIESE Veröffentlichung bzw. die öffentliche Diskussion danach durchaus kritisch beäugen, auch in Bezug auf Sicherheit! Leider ging es früher oder später aber wieder um den ach so kriminellen Datenraub, statt der Frage, was die USA eigentlich mit diesen hochnäsigen imperialistischen Bewertungstabellen bezwecken wollte. Das Video, in dem Terroristenkinder im Alter von 8-12 Jahren zwischen Schafen in einer irakischen Steppe Versteck spielen und dann rücksichtlos mit US-Army-Apache-Helicoptern zermetzelt werden, war, ups! .. auch Diebstahl! Und bleibt aber - genau wie der "agressive Westerwelle" - absolut ver-öffentlichkeitswürdig. Ich persönlich finde es hochinteressant, was auf der Seite von WikiLeaks zu finden ist und hoffentlich noch lange zu finden sein wird! Vielleicht kann man dort ja auch in absehbarer Zeit ein paar rücktrittwürdige E-Mails von Herrn Prof. Roos finden ;-) Nichts für ungut! Quelle: Frankfurter Rundschau (29.11.10)

Paolo

am 01.12.2010 um 17:30 Uhr

Top Kommentar, nichts hinzuzufügen!

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