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Verpackungstechnik

Jedem Getränk die eigene Verpackung

Es gibt Getränke in Glas- und PET-Flaschen, Dosen und Tetra Paks. Mehrweg ist besser als Einweg und die Dose der größte aller Übeltäter, heißt es. Deshalb, und Dank des Dosenpfandes, verschwand sie vom Markt. Doch sie kommt wieder.

Das Jahr 2003 wurde mit der Einführung des Pfandes auf Getränkeeinwegverpackungen, das auch als Dosenpfand bezeichnet wird, durch den damaligen Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Jürgen Trittin, als der Anfang vom Ende der Getränkedosen bezeichnet. Wurden 2002 in Deutschland noch rund 6,09 Milliarden Getränkedosen verbraucht, waren es 2004 gerade einmal 0,25 Milliarden (Wirtschaftswoche). Doch die Zahlen steigen wieder und sollen im kommenden Jahr die Milliardengrenze überschreiten. Das dürfte nicht nur die Hersteller und deren Vertrieb erfreuen, sondern auch die nicht wenigen treuen Fans der Dose. Weniger glücklich zeigen sich hingegen die Umweltverbände. Professoren aus dem Studiengang Verpackungstechnik sprechen insbesondere der Schutzfunktion der Dose viele positive Eigenschaften zu.

Öko-Dose mischt den Markt auf

Eines ist mit der Rückkehr der Dose mit Sicherheit erreicht worden, die vollständige Verunsicherung des Verbrauchers. Neben relativ umweltverträglichen Verpackungen wie den Glas-, und PET-Flaschen, steht die neue "Öko-Dose". Für diese wird laut einer aktuellen ifeu-Studie, in Auftrag gegeben von der Getränkeindustrie (vgl. www.forumgetraenkedose.de), gegenüber älteren Versionen rund 25 Prozent weniger Material zur Produktion benötigt. Dadurch ist die Dose leichter, beim Transport wird Benzin gespart, und dennoch ist die Verpackung stabil und gut stapelbar. Auch fallen bei Dosen keine Mehrfachtransportkosten an. Natürlich, sie ist ja ein Einwegprodukt.

Prof. Dr. Eckard Conze, Studiendekan Verpackungstechnik und Prof. Dr. Ursula Probst, Nachhaltigkeitsbeauftragte an der HdM, nennen weitere Vorzüge der Dose: Sie sei für viele Getränke ein gute Verpackung, da sie absolut licht- und luftundurchlässig ist und Lebensmittel so sehr lange haltbar seien. Darüber hinaus ist sie die Verpackung, die am einfachsten und besten bedruckt und ohne Qualitätsverluste nahezu vollständig recycelt werden kann. Das, so die Professoren, seien die eine Seite der Metall-Verpackung.

Ein Aufruf zum Dosenkauf?

Sollen wir nun ab sofort wieder Dosen kaufen und den Glas- und PET-Flaschen den Rücken kehren? Nicht, wenn man den Umweltverbänden glaubt. Denn die sogenannte Ökobilanz spricht den Mehrwegflaschen aus Glas und PET nach wie vor die beste Beurteilung aus. Diesem Urteil schließt sich auch das Umweltbundesamt an.

Doch ganz so einfach ist die Sache dann doch nicht. Denn in einer Ökobilanz spielen viele einzelne Komponenten eine wichtige Rolle. Zum einen wären da natürlich die verwendeten Rohstoffe, hier gewinnt ganz eindeutig die Glasflasche vor der PET-Flasche und der Dose. Glasflaschen werden aus verhältnismäßig einfachen und umweltverträglichen Rohstoffen produziert. Eine (Mehrweg-) Glasflasche kann bis zu 50 Mal wiederverwendet werden und der Altglasanteil an den Flaschen liegt derzeit je nach Farbe des Glases bei 65-80 Prozent. Die Wiederverwertbarkeit stellt jedoch gleichzeitig auch einen der größten Nachteile der Flasche dar, denn das Recycling ist sehr kosten- und vor allem auch energieaufwendig.

Regional produzieren, kaufen und verbrauchen! Geht es um die Aufwendungen für die Herstellung schneiden die Dose und die PET-Flasche in der Regel besser ab. Diese haben die höchste Verwertungsquote (90-100 Prozent) und sind leicht und bruchfest. Gerade bei den Mehrwegflaschen aus Glas und PET sind nicht nur für die Produktion, sondern auch für die Reinigung aggressive Mittel und hohe Energiemengen notwendig. "Dennoch ist die Glasflasche in überschaubaren Räumen unschlagbar gut. Erst über lange Distanzen bekommt man mit diesem Material ein Problem. Mehrwegflaschen durch die ganze Republik, dann zurück zum Hersteller zu fahren, ist nicht nur viel zu teuer, sondern auch aus Umweltgesichtspunkten nicht zu befürworten.", so Herr Conze.

Hierzu ergänzt Frau Probst: "Generell gilt der Grundsatz, unabhängig vom Material, lokal produzieren, lokal einkaufen und lokal verbrauchen." Was aber bedeutet das in einer Gesellschaft, in der es den kleinen Tante-Emma-Laden genauso wenig mehr gibt, wie den Bauerhof um die Ecke? "Heute sind die Hygienevorschriften beispielsweise für eine Molkerei so hoch, dass sich die notwendigen Investitionen für 500.000 oder 800.000 Liter Milch im Jahr gar nicht rentieren würden. Der Produktionsumfang muss im zwei- oder dreistelligen Millionenbereich liegen, damit der Literpreis Milch nicht bei 1,80 Euro liegt", so Herr Conze. Diese Mengen jedoch lassen sich wieder nicht ausschließlich regional verbrauchen. Ein Teufelskreis.

Und was ist nun die beste Verpackung?

Die eine optimale Verpackung, so Prof. Probst, gebe es leider nicht. Denn jedes Getränk stellt seine individuellen Ansprüche an sein Verpackungsmaterial und abhängig von eben diesem sind dann auch die Haltbarkeit des Produktes, die Qualität und die Transport- Herstellungs- und Verwertungskosten. Und recycelt werden könne schlussendlich auch nur das, was sortenrein zurückkommt, so Herr Conze. Ein Umstand, der wiederum für die Dose spräche.

Eine Alternative zu den in Deutschland in der Regel verwendeten Getränkeverpackungen sei neben der Glas- und PET-Flasche sowie der Dose, die in anderen Ländern gängige "Bag-In-Box-Verpackung", so Herr Conze. Dies gelte insbesondere für Wein. Dank der Zweikomponenten-Verpackung kommt weder Luft noch Feuchtigkeit an das Getränk, sodass dieses ohne Aromaverlust sehr lange haltbar bleibt.

Die optimale Verpackung aus der Sicht der Umwelt wäre natürlich keine Verpackung und aufgrund der guten Leitungswasserqualität spräche auch nichts dagegen, Wasser aus dem Hahn zu trinken. Und ganz unabhängig von Nachhaltigkeitsaspekten spart man sich so auch das Kistenschleppen.

 

Mirjam Müller

info

"Bei der Erstellung einer Ökobilanz werden die Lebensstadien Rohstoffgewinnung, Herstellung, Verarbeitung, Transport, Gebrauch, Nachnutzung und Entsorgung des zu untersuchenden Produktes bzw. Verfahrens auf ihre Umweltrelevanz untersucht. Eine Ökobilanz umfasst drei maßgebliche Teile: die Sachbilanz, die Wirkungsbilanz und die Bewertung."

Aus: Institut für angewandte Umweltforschung

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  • Regionale Produkte sind stets zu bevorzugen, hier entfallen lange Transportwege.
  • Mehrwegflaschen haben im Vergleich mit Einwegverpackungen die bessere Ökobilanz.
  • Achtung Pfand-Falle: Pfand ist schon lange kein Zeichen mehr für ein Mehrwegsystem! Hier ist es ratsam auf das Pfandlogo auf der Flasche zu achten. Zudem zeigt sich der Unterschied zwischen Mehr- oder Einweg in der Pfandhöhe: Das Mehrwegpfand beträgt 8 oder 15 Cent, das Einwegpfand 25 Cent.
  • Bei PET-Einwegflaschen muss in der Regel, wie bei Dosen, ein Einwegpfand entrichtet werden.
  • Einwegglasflaschen und Dosen sind die Schlusslichter der Ökobilanz, ganz gleich wie kurz die Transportwege und wie hoch die Recyclingquoten sind.

 

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VERÖFFENTLICHT AM

07. Dezember 2010

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