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Partnersuche im Internet – Teil I

Das Netz der einsamen Herzen

16 Millionen Singles leben in Deutschland – knapp die Hälfte davon sucht ihren Partner im Internet. Das Geschäft mit den einsamen Herzen boomt, weil es Liebe nicht mehr dem Zufall überlässt. Dies zeigt unsere neue Serie.

Die Online-Dating-Branche boomt: Auch in der Literatur (Bild: mvg-verlag.de).

Die Online-Dating-Branche boomt: Auch in der Literatur (Bild: mvg-verlag.de).

Immer mehr Menschen suchen die große Liebe im Netz (Bild: news.de)

Immer mehr Menschen suchen die große Liebe im Netz (Bild: news.de)

Zur Detailansicht Umsatz nach Marktsegmenten in Mio. Euro (Quelle: singleboersen-vergleich.de)

Umsatz nach Marktsegmenten in Mio. Euro (Quelle: singleboersen-vergleich.de)

Wer ein Auto kaufen will, eine Wohnung oder einen Job sucht, geht heutzutage immer öfters auf die Suche im Netz. Das bietet natürlich viele Vorteile. Mit wenigen Klicks kann man sich einen ersten Eindruck von dem Objekt der Begierde verschaffen. Auch bei der Partnersuche wird das Internet immer beliebter.

So haben Nutzer, die sich im Internet nach einem Partner umsehen möchten, mittlerweile die Qual der Wahl: Denn aktuell sind rund 2.000 Singlebörsen, Partnervermittlungen, Singlechats, Seitensprung-Dienste oder ähnliche Angebote online zu finden. Die meisten dieser Portale sind aufgrund ihrer viel zu kleinen Mitgliederdatei uninteressant. Große Anbieter wie Parship, Neu.de und ElitePartner dominieren hier den Markt. 61 Millionen Mitglieder waren im Jahr 2009 auf Dating-Seiten registriert. Doch da die Anmeldung meist kostenlos ist, stecken in dieser Zahl etliche Karteileichen. Die Zahl der aktiven Nutzer hat sich in den letzten Jahren auf einem relativ konstanten Niveau eingependelt: In Deutschland sind mittlerweile mehr als sieben Millionen Singles in Dating-Portalen aktiv, plus weitere drei Millionen, die explizit erotische Kontakte suchen.

Singlebörsen sind stärkstes Marktsegment

Die Beweggründe der Singles im Netz sind unterschiedlich: So wollen die einen den Partner fürs Leben finden, andere wollen lediglich ein flüchtiges Abenteuer oder jemanden zum Reden. Deshalb unterscheidet man in der Branche zwischen den vier Marktsegmenten Singlebörsen, Online-Partnervermittlungen, Adult-Dating und Nischenanbietern.

Das bedeutendste Marktsegment stellen hier die klassischen Singlebörsen dar. Auf Angeboten wie FriendScout24 suchen hier Mitglieder im Alter von 25 bis 45 Jahren auf eher lockere Art und Weise nach Flirts und Dates. Online-Partnervermittlungen dagegen sind eine Weiterentwickelung der traditionellen Partneragenturen und bieten Partnervermittlungen auf der Basis psychologischer Tests an. Bei den großen Playern der Branche wie Parship oder ElitePartner suchen die Nutzer, die meist über 30 Jahre alt sind, nach einem Partner fürs Leben. Im dritten Marktsegment Adult-Dating geht es vor allem um erotische Kontakte. Hier reicht die Bandbreite von Seitensprungagenturen bis hin zu Agenturen wie C-Date, die sich auf „Beziehungen ohne Verpflichtung" - sogenannte Casual Dates - spezialisiert haben. Die große Masse des Dating-Markts im Internet wird jedoch von den Nischenanbietern gebildet. Jede gesellschaftliche Kleinstgruppierung hat mittlerweile ihre eigene Partnerbörse im Netz. Da gibt es Rubensfan.de für Dicke, Landflirt.de für einsame Bauern und jede Menge weiterer Angebote für Alleinerziehende, Senioren, Religiöse, Veganer, Hundefreunde oder Sadomaso-Fans.

Umsatzplus von über 700%

In der gesamten Branche hat sich der Umsatz seit 2003 in Deutschland fast versiebenfacht. 2009 lag er bei rund 179,5 Millionen Euro. Der Großteil davon entfiel auf Singlebörsen (75,8 Mio. Euro), gut ein Drittel auf die Online-Partnervermittlungen (62,0 Mio. Euro) und knapp 17 Prozent des Umsatzes generieren die Adult-Dating-Portale. Den mit Abstand am weitesten entwickelten Online-Dating-Markt der Welt findet man jedoch in den USA mit einem Gesamtumsatz von knapp 1,1 Mrd. US-Dollar. „Online-Dating ist ein stetig wachsendes Millionengeschäft. Es ist bedeutender als etwa der Markt für Musik-Downloads", schätzt Florian Koch, Internet-Experte des IT-Verbands Bitkom (http://www.bitkom.org/de/presse/49919_46274.aspx).

Anders als werbefinanzierte Social Communities wie Facebook macht die Dating-Industrie rund 85 Prozent ihres Umsatzes direkt mit den Mitgliedern: Bei den meisten Anbietern ist die Anmeldung umsonst, die Vermittlung oder zusätzliche Servicefunktionen kosten. Doch Kosten und Abo-Modelle schrecken nicht mehr ab - im Gegenteil. „Immer mehr Nutzer bezahlen für Online-Dating-Dienste, u.a. aufgrund des generell größeren Vertrauens in E-Commerce, der höheren gesellschaftlichen Dating-Akzeptanz, dem Wegfall kostenloser Angebote (auch für Frauen) und immer besserer Verkaufsprozesse", heißt es in der aktuellen Studie des Informationsportals Singleboersen-vergleich.de (http://www.singleboersen-vergleich.de/presse/online-dating-markt-2009-2010.pdf).

Romantik im Web

Und das obwohl Partnerbörsen im Internet eigentlich unseren romantischen Idealen widersprechen. Denn hoffen nicht die Romantiker in uns auf die Liebe auf den ersten Blick, auf Zufälle und einzigartige Momente des Kennenlernens? Die digitale Welt bietet das zumindest nicht. Eine Vielzahl von Unbekannten auf dem virtuellen Marktplatz werden hier ganz anonym erst einmal auf Stärken und Schwächen geprüft. Diese Menge an Möglichkeiten hat die Partnersuche jedoch verändert: Sie ist zu einem rationaleren Prozess geworden, bei dem das Verhalten der Singles dem der klassischen Konsumenten ähnelt. Die Soziologin Eva Illouz ist davon überzeugt, dass sich die Einstellung von Männern und Frauen zur Liebe durch das Internet grundsätzlich gewandelt hat. „Das virtuelle Gegenüber wird zu einem Produkt, man sucht nach dem besten. Bis man sich am Ende gar nicht mehr entscheiden kann, es könnte ja immer ein besseres Angebot warten. Das Internet eröffnet mehr Möglichkeiten, macht romantische Liebe so gesehen wahrscheinlicher, aber letztlich unerreichbarer", sagt Illouz in einem Interview (http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2004/04/26/a0180).

Schock im Reallife?

Die Online-Partnersuche beschleunigt den Kennenlernprozess. Doch so schnell man sich im Netz kennengelernt hat, kann man sich auch wieder verlieren. Auf anfängliche E-Mails folgen Telefonate, Fotos werden ausgetauscht, schließlich kommt es zur ersten Begegnung: Doch hat man sich auch im realen Leben etwas zu sagen? Ein Wechsel des Mediums führt nicht selten zum Ende der Beziehung. Die Trennung vollzieht sich auch online: Man wird einfach „deaktiviert" und vom Computer gelöscht. Oft geschieht das sogar noch am selben Tag, an dem man sich getroffen hat.

Doch die Schnelligkeit hat auch ihre Vorzüge: Denn um die Liebe fürs Leben zu finden, müssen Singles überhaupt erst einmal potenzielle Partner kennen lernen. Neben traditionellen Flirtorten wie der Disco und dem Arbeitsplatz hat sich das Internet mittlerweile als Kontaktort etabliert. Immer mehr Menschen vertrauen auf die Partnersuche im Netz. Und das mit großem Erfolg: Laut einer repräsentativen Umfrage des IT-Verbands Bitkom haben bereits 1,3 Millionen Deutsche ihren Lebensgefährten im Internet gefunden.

Tanja Rupp

Quellen: Partnersuche im Internet – Teil I

www.bitkom.org
www.faz.net
www.ftd.de
www.singleboersen-vergleich.de
www.tagesspiegel.de
www.taz.de

VERÖFFENTLICHT AM

19. Dezember 2010

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