DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks

Das Leben des Durchschnittsstudenten

Das Leben als Student ist nicht immer einfach: Chronisch pleite und unter Zeitmangel bestreiten viele ihren Lebensunterhalt. Wie sieht die wirtschaftliche Situation deutscher Studierender in Zahlen aus? Die 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks ermittelt den „Durchschnittsstudenten“.

Quelle: http://www.sozialerhebung.de/

Quelle: http://www.sozialerhebung.de/

Die Sozialerhebungen des Deutschen Studentenwerks (DSW) gelten als wichtigste Informationsquelle für die Hochschulpolitik. Sie werden seit 1952 durchgeführt und stellen daher eine aussagekräftige Langzeituntersuchung zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden in Deutschland dar. Auf Grundlage der erhobenen Daten aus dem Jahr 2009 erschienen jetzt zwei Sonderauswertungen, insbesondere zum Themenfeld „Soziale und wirtschaftliche Lage der Bachelor-Studierenden". Anlass genug, um einmal die Situation deutscher Studierender genauer zu betrachten.

Bildungsbeteiligung und soziale Herkunft der Studierenden

Wie steht es eigentlich mit der Bildungsbeteiligung und Chancengleichheit in Deutschland? Durch staatliche Unterstützungsleistungen, wie dem BAföG, soll allen Schulabgängern ein Studium ermöglicht werden. In der DSW-Studie sind diesbezüglich positive Tendenzen erkennbar, dennoch besteht in Deutschland noch immer ein enger Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Hochschulzugang: Von 100 Akademikerkindern gehen in Deutschland 83 studieren. Von 100 Nicht-Akademikerkindern schlagen jedoch nur 26 eine akademische Laufbahn ein. Liegt die Ursache hierfür in der finanziellen Situation der Familien?

Woher das Geld kommt

Nach wie vor ist die Unterstützung durch die Eltern die wichtigste Finanzierungsquelle: 87 % der Studierenden werden von ihren Eltern finanziell unterstützt und erhalten so durchschnittlich 445 Euro. Als zweitwichtigste Finanzierungsquelle des Studiums nennt die Studie den eigenen Verdienst der Studenten. So tragen 65 % der Studierenden zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts bei und verdienen durchschnittlich 323 Euro im Monat. Der Anteil der Studierenden, denen ein Stipendium zur Verfügung steht, ist dagegen mit etwa 3 % vergleichsweise gering. Auch hat nur ein relativ kleiner Anteil der Studierenden (5 %) einen Kredit zur Teilfinanzierung des Lebensunterhalts aufgenommen. Allerdings hat sich der Anteil der Kreditnehmer/innen gegenüber 2006 immerhin verdoppelt. 32,9 % der Studierenden dagegen setzen auf staatliche Unterstützung und werden mit BAföG gefördert. Fasst man sämtliche Einkommensarten zusammen, haben Studierende im Schnitt 812 Euro im Monat zur Verfügung. Doch wie sieht es mit den Ausgaben aus?

Wofür das Geld ausgegeben wird

Die Spanne zwischen Einnahmen und Ausgaben ist je nach Studienort und den persönlichen Ansprüchen sehr groß und variiert beträchtlich. Im Durchschnitt schlagen die monatlichen Ausgaben für das Essen mit 159 Euro zu Buche. 85 % dieses Betrages werden mit der Nutzung der Mensa/Cafeteria an der Heimathochschule ausgegeben; die Studierenden verpflegen sich dort im Laufe einer Woche im Durchschnitt etwa viermal. Auch Ausgaben für Kleidung (durchschnittlich 51 Euro), Ausgaben für Lernmittel (im Durchschnitt 33 Euro) sowie Ausgaben für Auto und/oder öffentliche Verkehrsmittel (durchschnittlich 76 Euro) plündern die Konten der Studenten. Hinzu kommen Mietkosten, die ebenfalls von Stadt zu Stadt variieren. Bezüglich der Wohnsituation ist die Wohngemeinschaft die am häufigsten gewählte Wohnform (26 %), gefolgt vom Wohnen bei den Eltern (23 %). Eine eigene Wohnung können sich nur 17 % der Studierenden leisten. 20% teilen sich die eigene Wohnung mit dem Partner bzw. der Partnerin. In Wohnheimen wohnen 12 % der Studierenden.

Bei Betrachtung aller Ausgaben und Kosten bleibt für viele Studenten nur eine Möglichkeit: Jobben neben dem Studium.

Rund zwei Drittel der Studenten jobben

Der gesamte studienbezogene Zeitaufwand während der Vorlesungszeit liegt in 2009 bei 36 Stunden in der Woche. Hier sind die Teilnahme an Lehrveranstaltungen und das Selbststudium als relativ gleiche Anteile enthalten. Was den Gesamtstudienaufwand angeht, gibt es zwischen Universitäten und Fachhochschulen kaum Unterschiede. Mit 36 Stunden ‚Workload' ähnelt das Studium einem Full-time-Job. Der Unterschied: Mit dem Aufwand für das Studium können Studenten weder ihre Miete noch ihre Lebenshaltungskosten bezahlen. Trotz engem Stundenplan haben daher 66 % der Befragten einen Nebenjob. Studierende an Fachhochschulen sind im Vergleich zeitintensiver erwerbstätig als Studenten an Universitäten: Während Uni-Studenten für ihren Nebenjob durchschnittlich 13,5 Stunden pro Woche opfern, arbeiten Bachelor-Studenten an Fachhochschulen im Schnitt sogar 15 Stunden die Woche.

Leider sind fachliche Erfahrungen, die später beim Berufseinstieg helfen könnten, bei den Nebenjobs nicht immer gegeben. So verdienen die meisten Studenten mit Kellnern, Taxifahren, Verkaufen oder Aushilfstätigkeiten im Büro ihr Geld. Für fast die Hälfte der Befragten ist der Nebenjob „notwendig für den Lebensunterhalt" (45 %). Es folgt das Motiv „sich etwas mehr leisten können" (40 %). Auch die Unabhängigkeit von den Eltern (30 %) ist vielen Studenten wichtig. Das „Sammeln praktischer Erfahrungen" (26 %) spielt im Gegensatz dazu leider eher eine untergeordnete Rolle.

 

Kim Mielowsky

VERÖFFENTLICHT AM

22. Januar 2011

ARCHIV

Studium
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren